Nvidia GeForce GTX 2080, 1180 oder was wir über Turing (nicht) wissen [Update]
Update vom 12.06.2018 18:40 Uhr
Mittlerweile haben wir von einigen Boardpartnern inoffiziell erfahren können, dass Nvidia bereits mit der Schulung der betreffenden Mitarbeiter aus den Entwicklungsabteilungen begonnen hat. Und da Nvidia ja keine Verkaufsschulungen für den Vertrieb priorisiert, dürfte sich damit auch die Zeit-Kalkulation anhand der weiter unten aufgelisteten Tabellen deutlich konretere Formen annehmen. Folgt man der 3-Monats-Regel, dann sollten die ersten Boardpartnerkarten Ende August bzw. Anfang September auf dem Markt erscheinen. Allerdings gehen einige der Partner mittlerweile von einer mindestenens zweiwöchigen Verschiebung aus, so dass der September wohl eher plausibel erscheint.
Auch wenn sich keiner der Partner offiziell äußern mag und darf, das Bild verdichtet sich somit. Uns liegen zwar auch weitere Informationen zu technischen Details vor, aber solange wir dies nicht aus mindestens einer weiteren Quelle bestätigt bekommen, schreiben wir fairerweise erst einmal nichts darüber. Sollten sich diese Informationen jedoch bewahrheiten, werden auf AMDs Grafikkartensparte sicher schwere Zeiten zukommen. Der einzige Rettungsanker dürfte dann ein angemessenere Straßenpreis sein, denn Nvidia wird mit Sicherheit nicht zum Preisdrücker werden.
Originale News:
Was wir offiziell wissen, ließe sich natürlich recht schnell in einem kurzen Satz zusammenfassen, denn Nvidia selbst hält sich verständlicherweise ja noch arg bedeckt. Das sei ihnen gegönnt, denn am Ende ist es ja Ihr Produkt samt Launch. Aber es gibt immer das eine oder andere kleine Puzzle-Teilchen, welches in der Summe dann schon ein gewisses Bild ergibt, mit dem man zumindest gedanklich etwas spielen kann. Mit Turing statt Ampere lagen wir ja damals schon richtig und auch ein Launch zur GDC und GTC im Frühjahr konnten wir aufgrund eigener Recherchen bereits sehr zeitig ausschließen.

Ob das Namens-Schema nun auf eine GeForce GTX 1180, 2080 oder was auch immer hinauslaufen mag, ist ja eigentlich zweitrangig, denn es macht eigentlich keinen großen Unterschied, wie das Kind nun heißt. Viel interessanter ist da schon die Zeit des kolportierten Launches von Referenzkarten und den Boardpartner-Modellen. Und genau an dieser Stelle wollen wir jetzt auch einmal etwas mitspekulieren.

Einige Boardpartner sprachen mittlerweile von Ihren eigenen Modell-Launches im August bzw. September. Nimmt man jetzt noch dazu die (natürlich nicht offiziell bestätigte) Information, dass das Bundling von GPU und Speicher am 15. Juni 2018 beginnen könnte und wirft einen Blick auf den nachfolgenden Zeitplan, der in etwa die benötigte Zeit für die Produktion einer Grafikkarte von der Materialliste, über die Entwicklungsschritte bis hin zum Start der Massenproduktion und ersten Auslieferung umreißt, dann könnte das durchaus ganz gut passen.
| BOM Release | Bill Of Materials Release | Start |
|---|---|---|
| EVT | Engineering Validation Test | 1-2 weeks |
| DVT | Design Validation Test | 2 weeks |
| WS | Working Sample | 1-2 weeks |
| EMI-Test | Electromagnetic Interference Test | less than week |
| PVT | Production Validation Test | 2-3 weeks |
| PVT Sorting | ||
| PPBIOS | Final BIOS | a few days |
| Ramp & MP | Mass production and shipping | a few days |
Wie gesagt, dies ist der “normale”, allgemein gehaltene zeitliche Ablauf, den ein Boardpartner auch bei AMD-Karten in dieser Form absolviert. Nur wäre Nvidia eben nicht Nvidia, wenn man nicht noch ein kleines Quäntchen mehr Kontrolle über den Vorgang haben wollte. Doch auch diese kleinen Interna können wir an dieser Stelle gern mit einflechten. Nvidia nennt das ganze intern seit Maxwell “Green Light Program” (auch gern mal flapsig “Nvidias Rules” genannt) und sichert damit einerseits die Qualität der Boardpartner-Designs ab und vermeidet andererseits indirekt auch mögliche RMA-Streitigkeiten im Schadensfall.
Das kann man sehen wie man möchte: Gängelung oder weise Voraussicht. Erinnert sich noch jemand an die MSI GTX 660 Power Edition und den von uns aufgedeckten Spannungs-Cheat? Genau aus solchen Gründen bindet Nvidia in den eigentlichen technologischen Prozess mittlerweile noch weitere Schritte ein, die je nach Entwicklungsfortschritt dann auch gern noch den einen oder anderen Tag zusätzlich kosten könnten. Vor allem dann, wenn Details beanstandet wurden. Und das passiert gar nicht mal so selten.
| Phase/Step |
Description |
|---|---|
| Specs und Guidelines |
Partner get the program guidelines and specifications |
| CDP creation |
Partner submits CDP (Virtual Customer Design Project) to NVIDIA in accordance with the transmitted guidelines |
| CDP approval | NVIDIA reviews the CDP and approves it |
| Design approval | Partner submits mechanical design (graphics card shell) and the board design files and NVidia reviews it |
| Sampling |
NVIDIA ships chip samples to partner. |
| Acoustic approval |
The partner without an own acoustic lab provides board sample to NVIDIA, otherwise the partner generates the dB(A) curves |
| Green Light approval |
The partner conducts the Green Light review using the special software (VBIOS and driver) and submits the result to Nvidia
Option 1 Option 2 |
| Box art approval |
Partner provides the box art to Nvidia for review (using the preferred partner portal, must comply the GeForce GTX brand guidelines) |
| Mass production |
After all approvals the partner can start the mass production. No further changes of the Green Light approved design are allowed |
Warum wir soweit ausgeholt haben? Auch Zulieferer benötigen eine gewisse Vorlaufzeit, so dass man bestimmte Dinge nun mal nicht Knall auf Fall erledigt werden können. So haben z.B. Asus und Gigabyte den gleichen PCB-Maker und Gigabyte und MSI den selben Kühler-ODM. Um dort Kollisionen zu vermeiden, kann man das Zeitfenster nicht zu eng fassen. PNY als verantwortlicher Produzent der Referenzkarten (analog zu PC Partner für AMD) dürfte bereits jetzt über alle nötigen Informationen verfügen. Zumindest meint dies die aktuelle Gerüchte-Lage.
Unsere aktuellen Informationen, die natürlich immer noch durch gewisse zeitliche Verzögerungen eine gewisse Unschärfe ergeben, lassen am Ende folgende Spekulationen zu:
- Shipping der Turing-Bundles für die FE ab Mitte Juni (Leak)
- Launch der Turing-Referenzkarten FE (“Founders Edition”) im Juli (Leak, Gerücht)
- Aufgrund der generell noch etwas höheren GDDR6-Preise, könnten die Karten bei der UVP um bis zu 100 Euro teurer ausfallen (Vermutung)
- Launch der Turing-Boardpartnerkarten im August/September (Boardpartner-Aussagen, Rechenbeispiel)
- Launch der ersten neuen Quadro Turing-Karten zur Siggraph im August (vermutet)
- Performance höher bei ähnlicher Leistungsaufnahme im Vergleich zum direkten Vorgängermodell (sich verdichtentes Gerücht)
Natürlich sind diese Berechnungen nur reine Gedankenspiele, aber in jedem Gerücht und jedem Puzzle-Teil steckt letztendlich auch ein wenig Wahrheit. Und wenn wir auch nicht wirklich schlauer geworden sind, was das Namens-Schema betrifft, dann wissen wir wenigstens ein klein wenig mehr über die Produktion von Grafikkarten. Und das sind echte, belegbare Fakten.
