Das große Wärmeleitpasten-Tutorial mit 85 getesteten Pasten (2017)

Passend zur heißen Jahreszeit haben wir uns erneut mit der aktiven Kühlung von CPU, GPU und anderen Komponenten beschäftigt und greifen dafür auch auf unsere bewährten und über Jahre sehr erfolgreichen Tutorials zurück. Diese haben wir inhaltlich nunmehr auf vielfachen Leserwunsch hin zu einem Artikel zusammengefasst und inhaltlich auch soweit aktualiert, wie es uns nötig erschien. Dazu kommen auch Messungen verschiedenster Wärmeleitpasten und Pads, die wir nun als Charts mit integriert haben. Trotzdem wollen wir vor den eigentlichen Ergebnissen noch einmal etwas mehr in die Tiefe gehen, um die Problematik besser verstehen zu können.

Wer später mitzählt und 87 Chartseinträge findet, der sei beruhigt: wir haben Zahnpasta und die Haftcreme für die Dritten nicht mit berechnet, denn das wäre dann doch zu viel des Guten. Oder etwa doch nicht? Lassen wir uns einfach überraschen, was die Zahnpflegemittel so leisten können.

Innere Werte: Paste ist nicht gleich Paste

Mit den echten Produkten kommt natürlich auch die Vielfalt und damit die Qual der Wahl. Deren genaue Zusammensetzung ist zwar in fast jedem Fall ein gut gehütetes Geheimnis, aber so groß ist der Spielraum gar nicht und die wichtigsten Komponenten könnte man meist sogar ergoogeln. Fast alle Pasten für CPUs sind für eine Temperaturobergrenze für den Dauerbetrieb von ca. 150°C ausgelegt, manche gehen sogar bis 300°C oder höher.

Die Zusammensetzung einer Paste entscheidet dann auch über die theoretische Wärmeleitfähigkeit, ihre elektrische Leitfähigkeit, Viskosität und Langzeithaltbarkeit. Was aber ist nun genau drin? Die einfachsten Pasten enthalten zum Großteil lediglich Zinkoxid und Silikon als Bindemittel, werden jedoch in dieser klassischen Form kaum noch als ernstzunehmendes Produkt angeboten.

Die meisten Anbieter setzen auf einen Mix aus dieser Basis und weiteren Zugaben, wie zum Beispiel Aluminium. So ist z.B. die Prolimatech PK1 mit 60-85% Aluminium-Anteil, 15-25% Zinkoxid und 12-20% Silikonöl, sowie etwas Antioxidationsmittel eine klassische Vertreterin dieser metallischen Pasten. Geheimnisvoller gestaltet sich da z.B. Be Quiet mit der DC 1, für die man pauschal 60% Metalloxide, 30% Zinkoxid (ist Zink etwa kein Metall?) und 10% Silikon angibt.

Drei der derzeit besten Wärmeleitpasten am MarktDrei der derzeit besten Wärmeleitpasten am Markt

Außerdem findet man in dieser Klasse z.B. auch noch einzeln ausgewiesene Beimengungen aus Silber (z.B. Arctic Silver 5). Auf Graphit basierende Pasten wie die professionelle WLPG 10 von Fischer Elektronik sind hingegen fast immer silikonfrei, erreichen sehr hohe Werte für die thermische Leitfähigkeit (10.5W/m·K), lassen sich im Gegenzug aber meist auch viel umständlicher verarbeiten und sind zudem fast immer elektrisch leitend.

Kohlenstoff-Nanopartikel-Pasten zielen in die gleiche Richtung, sind aber für unsere Zwecke ebenfalls auf Grund ihrer guten elektrischen Leitfähigkeit und des Preises eher ungeeignet. Kupferbasierte Pasten sind mittlerweile eher selten geworden, aber auch sie gibt es noch (vereinzelt).

Silikon als gern genommenes und billiges Bindemittel ist jedoch recht kriechfähig und so sind die Hersteller bestrebt, diese unangenehme Eigenschaft zumindest einzuschränken bzw. gleich ganz auf Silikon zu verzichten. Das betrifft auch das sogenannte „Ausölen“, bei dem sich die Paste quasi wieder in Ihre Grundbestandteile auflöst und das Silikon einfach wegkriecht.

Aber: es gibt nur wenige echte (globale) Hersteller von Wärmeleitpasten bzw. deren Basis, die dann oftmals nur mehr oder weniger von Drittfirmen noch einmal marginal individualisert wird, um durch andere Konsistenz und Farbe ein „neues Produkt“ am Markt zu etablieren. Der Rest ist Marketing – und sehr oft auch einfach nur Wunschdenken. Viele unterschiedlich gelabelte Pasten sind am Ende sogar (fast) identisch, können sich aber durch den Preis gehörig unterscheiden. Außerdem gilt: Physik und Chemie lassen sich nicht vergewaltigen.

Im Alter wird man langsamer

Ein weiterer Punkt, den wir aus gegebenem Anlass nicht verschweigen dürfen, ist eine mögliche Serienstreueung und vor allem auch die Überschreitung der Lagerdauer dieser Produkte. Hersteller geben für den Verwendungszeitraum nicht angebochener Packungen meist bis zu drei Jahre an, vergessen aber nur allzu oft den Aufdruck des eigentlichen Produktionsdatums. Für diesen Tipp aus dem Forum wollen wir uns natürlich bedanken.

Wir haben im Testfeld zum Beispiel sowohl die Diamond 7 als auch Diamond 24, die sich lediglich in der Packungsgröße unterscheiden, wobei die Diamond 7 deutlich schlechter abschnitt. Beide Pasten unterscheiden sich, obwohl in jedem Fall recht zäh, noch einmal deutlich in ihrer Konsistenz. Es kann also durchaus sein, dass so ein doch recht teures und fast schon exotisches Produkt ewig im Lager liegt, bevor sich ein Kunde dessen erbarmt und es kauft.

Im Umkehrschluss ist es also oft zumindest präventiv hilfreich, diese Dinge in größeren Shops  mit größerem Warendurchlauf oder bei einem örtlichen Händler zu kaufen, der einem auch Auskunft über Herkunft und/ oder Lagerdauer geben kann.

Wärmeleitpaste: Überbewertete Spitzenprodukte?

Der Qualitätsunterschied zwischen einer günstigen Drittanbieter-Paste und dem, was die OEM Hersteller nutzen, ist kleiner als man denkt – und oft sogar überhaupt nicht existent. Es ist zudem auch keine Seltenheit, dass man allein durch ein sorgfältigeres Zusammenschrauben der Komponenten einen Leistungssprung erzielt und dies dann natürlich der neuen Paste gutschreibt.

Sehr günstige Silikonpasten wie Arctics MX-2 oder MX-4 sind zwar leicht aufzutragen und kosten auch nicht die Welt, bringen aber nichts außer Arbeit und sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Verbesserungen wird man damit kaum erreichen können, eher eine Verschlechterung.Das gilt für Umbauten genauso, wie für einen neu zusammengebauten PC.

Flüssigmetall ist eher etwas für geübte Anwender und Profis, denn der Prozess ist schwierig zu beherrschen und man hat dann noch das Problem mit der möglichen Garantieleistung bzw. Gewährleistung, da sich diese „Pasten“ nie rückstandfrei und spurlos beseitigen lassen, wenn doch mal ein Hardware-Defekt auftritt.

Die Anwendung dieser hochleitenden Pasten und die Problematik der geeigneten Materialoberflächen ist nicht ganz ohne, so dass wir getrennt darauf eingehen werden.

Um jedoch wirklich eine überdurchschnittliche Performance zu erreichen ergibt es definitiv keinen Sinn, lediglich mittelmäßige bis gute Produkte zu verwenden, denn hier übersteigt der Aufwand tendenziell den Nutzen. Man muss wirklich auf sehr gute bis herausragende Pasten ausweichen, wenn man einen mess- und fühlbaren Erfolg gegenüber dem allgemeinen Durchschnitt möchte und dann auch noch den perfekten Auftrag der Pasten realisieren.

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