Unsere tägliche Nvidia-News gibt uns heute – vom Spekulatius bis zum NDA (Glosse)

Wir haben es als (ab)schreibende Zunft auf den ersten Blick schon echt nicht einfach. Die Fußball-WM schleppt sich so dahin und wird nonchalant zum reinen Last-Minute-Schland-Event, das geliebte, mediale Sommerloch ist mittlerweile so groß wie der Bodensee, die Nerven liegen allerorts blank und so manch einer ist es dann nach dem Urlaub auch. Die Folgen dieses Info-Nichts(es) sind klar definiert: man stürzt sich allerorts und medienübergreifend, da schließe ich mich gar nicht aus, auf jeden noch so belanglosen Fitzelfatz, der auch nur annähernd die grüne Farbe der Saison trägt (und wenn dafür sogar die unergründlichen Tiefen irgendeines Forums herhalten müssen).

Und ist das dann mühsam hervorgezogene Stöffchen noch zu kurz für die eigene Schlagzeile, dann strickt man einfach noch ein paar bunte Maschen dazu. Das ganze mutiert schnell zum Tresen der kleingeistigen Schnapsideen, wo sich jeder und jedem galant einen einschenkt und anschließend brav drunter mixt, was das Regal noch so hergibt. Geschüttelt oder gerührt spielt dann schon gar keine Rolle mehr. Die letzten Wochen waren voll mit solch luftiger Häkelware der hochprozentig-mutmaßlichen Art, doch immer schön der Reihe nach…

Abwarten und Tee trinken…

So soll Nvidia, nett kolportiert, auf einem Berg von mindestens 300.000 nicht mehr gewollter Chips sitzen und verbietet es uns armen Journalisten dann auch noch, dies im Stile des verbalen Silizium-Alpinismus klickbringend und hochgradig tiefgründig zu kommentieren? Die Welt ist wirklich ungerecht und man neidet uns jetzt scheinbar auch noch den  kleinsten Spekulatius-Krümel unter dem Fingernagel.

Denkt man hingegen logisch, dürfte es sich bei den retournierten Chips (ich denke mal eher, es sind stornierte Bestellungen oder nicht gezogene Optionen) um nichts handeln, was (als nicht mehr fürs Mining benötigte aktuelle Mittelklasse) der Einführung des neuen High-Ends (also der vorweggenommen, späteren Oberklasse) zeitlich und physisch im Wege stehen könnte. Wenn und falls sich Turing (überhaupt) verzögert, dann also bestimmt nicht ausgerechnet deswegen. Aber als Sau lässt sich so etwas nett und fotogen durchs Dorf treiben. Klick und Glück eben, auch wenn man selbst hätte darauf kommen können, dass es eigentlich Blödsinn ist.

Schön, kommen wir nun zum zweiten medialen Aufreger, dem von Nvidia an ausgewählte Kollegen verschickten NDA. Dazu schalten wir aber zunächst den Emotions-Faktor netter- und fairerweise mal wieder um ein paar Stufen runter. Die Diskussion unter den Kollegen (nicht nur den deutschen) läuft ja schon seit Tagen auf Hochturing, also gibt es auch bereits Meinungen. Auch und vor allem zu dem, was in Zukunft vorfeldmäßig überhaupt noch so (zu veröffentlichen) geht (oder nicht). Ginge es aber tatsächlich nur um textliche Spitzfindigkeiten, dürften wir ja am Ende ohne Rechtsschutzversicherung und Personenschützer noch nicht einmal Windows installieren oder gar böse Killerspiele bei Steam kaufen. Das Rumpelstilzchen-Syndrom mit der Angst um die verkaufte Seele schlägt nämlich überall vollumfänglich zu, durch und auf den Magen.

Lustigerweise trifft nun aber das von einigen wenigen kritisierte NDA mit der höchstbäuerlichen Schweigeverdonnerung über ungelegte Eier eben nicht die Spitzenköche der globalen Gerüchteküche, denn die werden schon seit Jahren nicht mehr zu den Events eingeflogen oder zu Jensens Häppchenparties eingeladen, sondern den Rest, der sich brav am kalten Buffet hinten anstellt und in Gedanken schon die verbleibende, wie immer viel zu knappe Testzeit bis zum Launch durchrechnet.

Wenn ich allerdings Nvidia (eher gutwollend) richtig interpretiere, da lehne ich mich trotz des feucht-herben Abendwinds einfach mal eben mutig aus dem Fenster, beabsichtigt man wohl eher, die verbliebenden “seriösen” Journalisten etwas umzusortieren und die allgemeine Lage der eigenen Befindlichkeiten neu zu ordnen. Früher hieß sowas mal in die Spur drücken, man spurte also. Das kann man nun allerdings finden, wie man will. So richtig schön ist es nicht, aber eben auch keine auf die Stirn getackerte Sterbeurkunde des objektiven Journalismus.

Dass man im grünen Lager aktuell entnervt (aber auch leider etwas übertrieben dünnhäutig) auf die schier ausufernde Gerüchteküche reagiert, ist mit etwas gutem Willen irgendwie sogar nachzuvollziehen, jedoch sind einige Formulierungen im NDA wirklich etwas arg optimistisch, was die deutsche Rechts- und Gemütslage betrifft. Nur ist es eben auch so, dass man diese Dinge vielleicht auch offen und im Zwiegespräch klären könnte, ohne sich selbst gleich in die Schmollecke zu verziehen oder gar den Winterpalast zu stürmen. Warum also nicht den Versuch starten, eine eigene (deutsche) Version anzubieten, wenn einem das aktuelle Schriftstück zu krude daherkommt?

Gut finde ich persönlich so ein NDA (vor allem in dieser Form) definitiv nicht, darüber muss man nicht diskutieren. Aber es kann und muss jeder für sich selbst abwägen, was er für sich und seine Leser daraus ableitet und welche Schlüsse er zieht. Und wie er seine Reaktion auch dem Urheber des Streitpapiers kommuniziert. Ansonsten gilt: Wasserglas, Sturm und so… Sommerloch eben, Kruzifix nochmal.

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