Pad-Mod 2.0 – Zotac RTX 2080 Ti Amp! Extreme mit wenigen Handgriffen aus der möglichen Gefahrenzone befreit | igorsLAB

Man findet immer wieder Möglichkeiten, ein an sich gutes Produkt weiter zu verbessern und den vermeintlichen Geiz der Buchhalter mit nur wenigen Cents Materialeinsatz nonchalant abzustrafen. Weit mehr als 90°C unterhalb des Speichers muss man jetzt nicht wirklich schön finden, aber wozu hat der liebe Herrgott gleich noch einmal die sogenannten Wärmeleitpads erschaffen? Genau, dafür! Es wird also spannend. Ein Dank geht übrigens auch an die deutsche PR von Zotac für die schnelle Unterstützung.

Da ich dank des persönlichen Einsatzes des US-Chefredakteurs („Just buy it!“) keine eigenen Samples mehr aus dem Zotac Headquarter bekommen darf, die ich direkt auch irreversibel umbauen könnte (weil sie bisher nicht zwischen den ganzen Redaktionen rotieren mussten), muss ich diesmal leider aus eben diesen Gründen auf einen mechanischen Umbau der Backplate verzichten. Das ist zwar schade und nur die halbe Miete, nur kann ich ja den Kollegen hier in Deutschland keine veränderte Karte überlassen.

Aber die heute gezeigte Teil-Mod reicht auch völlig aus, um die Richtung zu bestimmen, in die der Zug fahren sollte. Ich will dem kompletten Review natürlich nicht vollends vorgreifen, aber dieser separate Umbau sprengt den Rahmen eines normalen Reviews doch deutlich. Erinnert sich noch jemand an meinen Artikel „EVGA GeForce GTX 1080 FTW mit Kühler-Mod und neuem BIOS im Test“? Die Parallelen sind dazu schon bemerkenswert. Also, auf geht’s!

 

Ausgangslage: hohe Speichertemperaturen 

Die gemessenen 92°C auf der Platinenrückseite unter den Speichermodulen sind nicht schön, sondern komplett überflüssig, wenn man sich den Kühler als solchen anschaut. Doch zunächst betrachten wir erst einmal das Standbild nach über 15 Minuten des Erwärmens im geschlossenen Gehäuse beim obligatorischen Stresstest:

Für die ganz Neugierigen habe ich auch mal das Video angehängt, welches die ersten 5 Minuten des Aufwärmens im Zeitraffer zeigt (x5) und danach das stabilisierte Ergebnis nach 15 Minuten.

 

Wo liegt eigentlich das Problem?

Betrachtet man die nackte Platine der Karte, dann sieht man auch den sehr großen, ungekühlten Bereich zwischen Spannungswandlern und Speicher. Wenn, dann ist dies echt der beste Weg, um unnütz Potential zu verschenken.

Zotac setzt (leider) wieder auf eine Art Kühlframe im Sandwich zwischen Kühler und Platine und lässt diesen von den Lüftern anblasen. Ein direkter Kontakt zum Kühler besteht jedoch nicht. Warum man keinen VRM-Heatsink mit Kühlung weiterer Bereiche nutzt, wird wohl nur die Buchhaltung beantworten können.

Nimmt man den Rahmen ab, dann traut man den Augen kaum, denn lediglich die Spannungswandler werden direkt über Wärmeleitpads mitgekühlt. Der große Steg zwischen der Aussparung für die Spulen- und die Kondensatorreihe, sowie den Speichermodulen ist komplett ungenutzt und kühlt erst einmal gar nichts.

Genau an dieser Stelle werde ich dann beim Umbau auch ansetzen. Die Backplate, die man nicht aktiv mit in die Kühlung einbezogen hat, lädt ebenfalls zum Umbau ein, aber das darf ich leider nicht. Die Gründe hatte ich ja genannt. Die Innenseite ist mit einer Folie beklebt, die man an der passenden Stelle ausschneiden müsste, um direkt hinter dem Speicher ein passendes Pad platzieren zu können.

Wer so eine Karte besitzt und sich nur einen Teil meiner Umbauten zutraut, könnte diese Mod übrigens sogar völlig ohne möglichen Garantieverlust ausführen, da die Backplate nicht mit Siegeln geschützt ist und sich direkt abschrauben lässt, ohne die Karte erst komplett zerlegen zu müssen.

Auf der nächsten Seite komme ich dann zum eigentlichen Umbau und zeige auch, dass man eine bemerkenswerte Temperaturabsenkung schaffen kann, wenn man mit kleinem Geldansatz wirklich Großes erreichen will.

 

Testsystem und Messmethoden

Das neue Testsystem und die -methodik habe ich im Grundlagenartikel “So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017” (Englisch: “How We Test Graphics Cards“) bereits sehr ausführlich beschrieben und verweise deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i7-8700K @5 GHz
MSI MEG Z390 Ace
16 GB KFA2 DDR4 4000 Hall of Fame
1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Betriebssystem Windows 10 Pro (1809, alle Updates)

 

Kommentare (22)

  • Kellerklausi schrieb am
    Oh auf das Heatkiller Review freue ich mich schon, auch wenn es dann zu spät ist da er da wohl bereits verbaut ist. Ich musste mein Weihnachtsgeschenk einfach schon früher bestellen und konnte nicht bis zum 24. warten :rolleyes:
  • Igor Wallossek schrieb am
    So, wie es aktuell aussieht, wird sich Zotac in Zukunft durchaus kooperativ zeigen. Es hat halt auch Vorteile, wenn man den VGA-Chef von PC-Partner kennt und der sich noch an einen erinnert, wenn man ihn nach drei Jahren wieder persönlich fragt. Das Review plane ich für Montag, falls nichts dazwischenkommt. EVGA ist eine andere Baustelle, leider. BTW: der Heatkiller ist auch unterwegs, könnte morgen schon hier ankommen. Schaun wir mal :)
  • ro///M3o schrieb am
    Geil! Einfach nur Geil Igor! Vielen lieben Dank für den Aufwand. Schon deinen Evga 1080 Mod fand ich genial!
    Besterino hat gesagt
    Wenn’s dumm läuft besteht die „Aufmerksamkeit“ in der Verweigerung von Testmustern in der Zukunft... ;) zumindest bei den kleingeistigen Herstellern (weil man ja quasi auf „Versäumnisse“ des Herstellers hinweist). Wobei - wenn ich das richtig mitbekommen habe - die Freunde von Zotac wie auch von Gigabyte, MSI, Palit, PNY oder ASUS da glaub recht entspannt bzw. dankbar sind.
    Eben! Wenn die Hersteller nur bissle Hirn haben, müssten die Igor sogar als aller erstes Samples vor allen Anderen zur Verfügung stellen, noch vor Release. Er ist ja sogar noch so fair, dass er die Reaktion von Zotac abwartet und Ihnen die Möglichkeit gibt Stellung zu nehmen gar Verbesserungen an zu kündigen (die schlägt er ja sogar noch praktischerweise sogar vor) was deren Namen wieder in gutem Licht erscheinen lassen würde als jetzt ein "vernichtendes" erstes Fazit zu veröffentlichen und im Nachhinein "vielleicht" einen Nachtrag zu schreiben wie es viele Andere tun. Mal ehrlich, wer liest schon einen Nachtrag nach einem schlechten ersten Fazit?... Das sollte Igor wirklich hoch angerechnet werden und meiner Meinung nach ist eben auch genau das die richtige Vorgehensweise. Sowas sollte ein Hersteller sogar weiter unterstützen. Betriebsblindheit ist nix neues und Mutwillig muss es ja auch nicht unbedingt sein.
  • Kellerklausi schrieb am
    Sehr schön, der Heatkiller ist eh die geplante Anschaffung. Jetzt nur noch ne günstige 2080TI bei der man Kühler wechseln darf ...
  • v3nom schrieb am
    Nicht mit dem Heatkiller :D

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