Sennheiser GSP 550 im Test: 7.1 Surround Gaming-Headset mit Licht und Schatten

Sennheiser macht also auch in Gaming-Headsets. Gut, ganz so neu ist diese Erkenntnis nicht, aber nach all den Tests der letzten Monate war mit dieses Exemplar dann doch einmal eine sehr willkommene Abwechslung. Immerhin bewegen wir uns ja nicht im zweistelligen Bereich, wo man die meisten der üblichen Verdächtigen findet, sondern schon sehr deutlich darüber. Mit ca. 250 Euro lässt sich Sennheiser das GSP 550 nämlich auch recht anständig bezahlen.

Gut, es ist jetzt nicht so, dass uns die Summe abschrecken würde, wenn der Gegenwert adäquat ausfällt. Aber man schaut dann eben doch auch einmal etwas genauer hin, was für den Leser ja auch durchaus interessant sein kann. Und ja, ich habe das GSP 550 auch zerlegt, denn sogar der Blick ins Innere ist nicht frei von Informationen. Und da es sich gerade so schön anbietet, nutze ich für den mentalen und optischen Einstieg das Werbevideo des Herstellers, bevor ich selbst loslege…

 

Unboxing und Lieferumfang

Schaun wir doch mal, was alles drin ist und was nicht. Neben dem Headset und diversem Lesestoff in Papierform erhält man ein ca. 1,7 Meter langes Anschlusskabel mit dem USB-Dongle auf der einen und einem proprietären Klinkenstecker auf der anderen Seite, sowie das USB-Verbindungskabel zwischen Dongle und PC bzw. Spielekonsole. Ein optionales Kabel zum direkten, analogen Anschluss vermisst man hingegen. Leider übrigens, wie man noch feststellen wird.

Dafür gibt es noch zwei weitere Dinge kostenlos aufs Haus. Da wäre einerseits der GSH 50 aus Leichtmetall, ein Kopfhörerhalter, den man sich an den Tisch schrauben kann und der auch an die meisten Platten passen sollte. Außerdem gibt es noch ein schlichtes Mousepad mit Sennheiser-Logo in beruhigendem Schwarz. Kann man mitnehmen, aber ob man das beides wirklich braucht? Zumindest die Halterung ist stabil und praktisch. Das hat schon was.

 

Optik, Haptik Funktionalität

Was die Materialauswahl betrifft, bin ich etwas zwiegespalten. Nichts gegen bruchsicheren Kunststoff, das kann bei so einem auf Gaming getrimmten Gesellen durchaus sehr zweckmäßig sein. Es sind eher die Oberflächen, die mich etwas fragend zurücklassen. Seidenmatt versus Klavierlack passt ja sicher optisch ganz gut, aber das Kopfband außen sammelt schnell Staub auf und kommt leider auch schon etwas staubig aus der OVP. Das Olivgrün der Abdeckung an den Kopfbandenden macht etwas militärisch auf Armee, das passt zum Thema.

 

Auch der Klavierlackring um den Lautstärkeregler herum wird nach einigen Benutzungen des Reglers hoffnungslos verschmieren, Hand darauf. Praxis und Designer-Studie sind eben immer noch zwei Paar Schuhe. Auch haptisch ist es alles nicht ganz so fein, wie es der hohe Anschaffungspreis vielleicht implizieren mag. Gut, es ist zumindest sehr zweckmäßig, darauf könnte man sich einigen.

Die Gelenkmechanik aus Aluguss ist hingegen grundsolide und komplett frei von jeglicher Kritik. Man kann sich die Position recht gut anpassen, wenn der Kopf nicht übergroß ist. Dann sitzt das Headset zwar immer noch wie eine Eins, allerdings ist es dann schon etwas druckvoller am Kopf. Brillenträger werden hingegen keine Probleme bekommen.

Das in der Länge etwas straff zu verstellende Kopfband bietet zwar keinen sonderlich taktilen Rastmechanismus an, aber man sieht am Kopfband außen sehr schön, welche Einstellung man vorgenommen hat. Auf dem Bild unten sieht man übrigens auch, was ich mit dem Staub „Out of the Box“ meinte. Es ist nichts, was sich nicht abwischen ließe, aber es könnte immer wieder mal passieren.

Die textile Polsterung im Inneren ist schön straff konturiert und Dank der Öffnung wird auch keiner irgendwann ins Schwitzen kommen. Das ist insgesamt gut durchdacht und sitzt zudem auch noch sehr bequem. Dafür vergebe ich mal einen Extra-Pluspunkt, was wirklich selten ist, denn dieses Teil lässt sich auch einfach reinigen.

Die Ohrpolster sind ähnlich gut geformt und überdecken als echte Over-Ears auch große Lauscher stress- und druckfrei. Die sehr straffe Polsterung ist trotzdem nicht unbequem und akustisch recht neutral. Sie lassen sich mittels eines einfachen Nasen-Schnappmatismusses auch leicht entfernen und reinigen. Da ich sehr viel Wert auf so etwas lege, gibt es auch hier ein Bienchen außer der Reihe.

Der Anschluss des Kabels ist einfach und doch sicher gelöst, denn der Schaft des Steckers ist übermäßig lang und verschwindet zum Großteil in der sehr tiefliegenden Buchse. Das hält sicher ewig und bricht auch nicht so schnell weg. Der Lautstärkeregler rechts ist intuitiv ertastbar, aber eigentlich auch verzichtbar. Der Gleichlauf im Startbereich könnte zudem noch etwas besser sein.

Der hochklappbare Mikrofonarm ist recht massiv, in sich aber nicht mehr weiter justier- oder anpassbar. Dafür sitzt im Gelenk ein weiterer, taktil auch bemerkbarer Schalter, der die Mute-Funktion beim Hochklappen automatisch auslöst. Zum Mikrofon selbst komme ich ja später noch bei den Messungen und Soundbeurteilungen.

Treiber und Software

Man könnte das Headset auch so betreiben und einfach nur anstecken. Es wird erkannt und der verbaute Conexant-Chip tut bereits fast vollumfänglich, was er soll. Das ist gut zu wissen, wenn man an eine Konsole denkt. Doch eigentlich kann der USB-Dongle ja noch etwas mehr und dafür bräuchte man dann eben schon die Installation. Also Herunterladen und installieren… Das dauert auch kaum länger, als ich dafür gebraucht habe, um das zu schreiben.

Allerdings ist die Software im Funktionsumfang schon etwas limitiert, zumindest was die Sound-Individualisierung betrifft. Man erhält insgesamt 3 vordefinierte Soundprofile, jedoch keine Möglichkeit, eine eigene Einstellung zu kreieren. Doch dazu auf der nächsten Seite mehr. Man kann des Weiteren noch entscheiden, ob man den Surround-Sound aktivieren möchte (oder auch nicht), sowie das Noise Cancelling des Mikrofons und das Mithören beeinflussen möchte. Das war’s dann aber auch schon.

Unterm Strich ist das sicher etwas dürftig, wäre aber auch schnell zu relativieren, wenn der Klang auch ohne DSP-Spielchen eine hammerharte Angelegenheit wäre. Lassen wir uns also überraschen!

 

Aufgeschraubt: Tear Down

Die Ohrpolster sind fix abgezogen. Die Kammer ist von oben mit einer textilen Bespannung versehen worden, die den Blick auf den Treiber verhindert. Die Schrauben sitzen hinter den mattschwarzen Papieraufklebern in den versenkten Löchern, sind aber gut erreichbar. Also schraube ich das Testobjekt natürlich auch diesmal auf, logisch. Es ist ja nichts verklebt oder brutal auf Ewigkeiten zugedrückt, Gott sei Dank.

Wir sehen, dass der Treiber komplett offen spielt. Sowohl die Rückseite des Treibers, als auch die abschraubbare Frontabdeckung der Hörmuschel sind jeweils mit Vlies beklebt, jedoch nicht komplett abgedichtet worden. Auf alberne Sound-Experimente wie Basskammern oder ähnlichen Schnickschnack hat man gleich ganz verzichtet. Danke dafür!

Der Blick ins Innere der Muschel zeigt und nun auch, dass es sich im ein offenes System handelt, bei dem die Rückseite mittels eines Lochgitters quasi mitatmen kann. Die Verarbeitungsqualität ist aber nur mittelmäßig (Spitzguss, Insertion) und der Heißkleber etwas arg uninspiriert verteilt worden. Die Fäden und überflüssigen Kleckse hätte man sich wirklich schenken können. Die Platine, die Lötqualität und die Verkabelung sind aber ok.

Um Irrungen zu vermeiden: Ich habe das Headset natürlich erst nach Abschluss aller Tests und Messungen zerlegt. Sicher ist sicher.

 

Technische Daten und Handbuch

Bevor ich nun mit dem Test beginne, schnell noch das Daten- und Augenfutter in Form der Spezifikationen und des Handbuchs als PDF-Datei:

SurroundDongle_User_Guide_VersionII

Kommentare (6)

  • Foolius schrieb am
    Das habe ich verpasst, vielen Dank für die Betreuung beim Lesen.
  • Igor Wallossek schrieb am
    Bestimmt etwas verpasst.
    ... Die Tiefenstaffelung ist gut, was mich sehr positiv überrascht hat. Dazu kommt auch die leichte Anhebung am oberen Ende, die besonders der räumlichen Abbildung sehr entgegen kommt. Sagen wir es mal so: man hört wirklich, was man hören sollte... ... Auch der Gamer wird hier bestens bedient, denn er bekommt durch diesen recht speziellen Peak genau den Frequenzbereich stärker aufs Ohr, den er glaubt, beim Spielen bei Strafe seines Untergangs nicht missen zu können...
    Zum Surround äußere ich mich bewusst nicht, weil all diese Dinge im Gehirn passieren und von jedem Hörenden komplett anders emfunden werden. Ich nutze im Allgemeinen eine sehr gute 5.1 Anlage und bin es gewöhnt, Ortung auch durch indirekte Kopfbewegungen zu verstärken. Da dies alles bei den Kopfhörern fehlt, geht mir da ein wenig der Glaube ab. Es gibt wichtigere Dinge für das Orten von Quellen als dieser Surround-Effekt. ;)
  • Foolius schrieb am
    Habe ich den Teil verpasst, oder wird die Ortung nur im Fazit kurz erwähnt?
  • Igor Wallossek schrieb am
    @TheRealOne: Das mit dem x.1 ist so eine Sache für sich. Die Effektspur (Spur 0) enthält bei der digitalen Aufzeichnung die tieferfrequenten LFE. Darunter versteht man entweder die Low Frequency Effects bei Dolby oder das Low Frequency Enhancement bei DTS. Bei einer Lautsprecherkombination geht dieses Signal logischerweise direkt an den Sub. Bei der Umsetzung am Kopfhörer wird es phasenrichtig in beide Stereokanäle eingemischt. Das geht sogar recht gut, da auch in der x.1 Normalbeschaltung mit separaten Schallwandlern die niederfrequente Töne nicht vom menschlichen Ohr lokalisiert werden können. Einzige Voraussetzung: die Kophöhrer spielen auch noch gut bis nach ganz unten. Und genau das können sie, besser als so mancher billige 300-Euro-Subwoofer. :)
  • SKYNET schrieb am
    HD25 + mikro und gut ist... der kann wenigstens auch musik so wiedergeben wie sie gehört! :)

Ebenfalls interessant...