SOUNDGIL CUBE 2.1 im Test – Hi-Fi auf kleinstem Raum neu ausgewürfelt | igorsLAB

So etwas wie Hi-Fi geht auch ohne große Boxen im Kommoden-Format und Hochleistungs-Verstärker, die jedem Ghetto-Gangster im gepimpten Golf die Angstschweißperlen auf die selbstgebräunte Stirn treiben. Das heute getestete System ist dafür nämlich so etwas von Anti, dass es mir ein echtes Bedürfnis war, einmal zu zeigen, dass man eben nicht immer die den Dicksten und Längsten haben muss, wenn es um ein gutes Hörerlebnis geht.

Dabei ist Soundgil als Brand zwar für die breite Masse noch unbekannt, aber wer z.B. in diesem Jahr auf der High End in München nicht nur die üblichen Verdächtigen samt deren Goldohr-Melkstationen bewundert hat, konnte da auch diese Nischenlösung in Form der Soundgil Cube finden und sogar probehören. Im Vergleich zu den Apparaturen im hochstelligen Bereich ist das alles natürlich eher bescheiden, aber eigentlich genauso interessant. Sonst hätte ich das Teil wohl auch nicht getestet.

Und genau deshalb versuche ich heute, mal so viele Leser wie möglich auf eine Reise mitzunehmen, die ihre Route abseits der üblichen Kunststoffwüsten, MDF-Massive und Mehrkanal-Einmündungen ins Meer der akustischen Tränen sucht. Das ist einfach nur geradeaus, ohne All-inklusive-Wohlfühl-Buffets und Holzklasse-Billig-Ticket. Dafür gibt es diese Tour jetzt mit mir als Reiseführer und Schlachtmeister in Personalunion, denn die Hemmungen, auch komplexere Dinge zu zerlegen, habe ich vor Jahren am Gepäckschalter abgegeben und nie wieder abgeholt. Ein Tear-Down ist also Ehrensache.

Doch stopp, Soundgil wer? Dahinter verbirgt sich die Technics Electronic Co. Ltd., ein größerer OEM-Fertiger aus Taipeh (Taiwan), denn am Ende ist Soundgil ja ein Brand. Die Beteiligtem haben durchaus einen Namen, doch bevor ich mich jetzt und hier dem Marketing zu sehr andiene: das hier ist der passende Link zu den Gesichtern hinter Soundgil.

 

Unboxing und Lieferumfang

Die Kiste ist stattlich, die Kabelage ist es auch. Man erhält neben dem externen 60-Watt-Schaltnetzteil (diesen Wert bitte für später merken), ein optisches SPDIF/3,5-mm-Klinkenkabel, ein analoges 3,5-mm-Klinkenkabel (beide ca. 1,8 m lang) und jeweils zwei Sätze Lautsprecherkabel mit 11,8 cm bzw. 40 cm Länge. Damit lassen sich die Lautsprecher dann entweder als massiver Cube oder separat aufstellen. Doch dazu gleich mehr.

Außerdem erhält man neben dem Subwoofer-Modul und den zwei Satelliten auch noch eine sehr ordentliche Fernbedienung aus recht massiven Aluminium, sowie diverse Standfüße zum Entkoppeln der einzelnen Würfel gegenüber der Aufstellfläche. Ein kleines Manual in Papierform gibt es auch, reicht.

 

Optik, Haptik und Funktionalität

Das Besondere an den Lautsprechergehäusen sind Material und Herstellung. Der Name Cube ist auch räumlich Programm, denn neben dem rechteckigen Tieftonmodul („Subwoofer“) existieren noch zwei jeweils halblange Würfel als Satelliten. Das große Teil wiegt immerhin satte 2,79 Kilo, jeder der beiden Satelliten jeweils noch einmal 1,22 Kilo. Damit wiegt das Ganze in etwa so viel, wie ein halber Kasten Bier.

Die Gehäuse sind monolithisch aus einem Stück Aluminium gefertigt, sehr massiv und nur am Boden für die Montage offen. Dort findet man dann eine sehr sauber eingepasste Bodenplatte aus Aluminium, die jeweils mit vier langen Maschinenschrauben geradezu bombenfest angezogen werden kann. Das ist in der Endkonsequenz dicht und komplett vibrationsfrei außerdem. Die Spaltmaße sind geradezu lecker. Die Abdeckung der Löcher dient gleichzeitig auch als kleiner Standfuß und ist recht smart mit einer Art zähem Harz gegen das Herausrutschen gesichert.

Außerdem hat man natürlich auch noch die erwähnten Standfüße für eine bessere Aufstellung der Lautsprecher, wobei es in erster Linie darum geht, nicht die Aufstellfläche indirekt mit akustisch in die Klanggestaltung einzubeziehen. Wer mehr Bass bevorzugt, bitteschön. Aber besser klingt es trotzdem mit Entkopplung. Hand drauf! Auch die Aufstellung der Module ist flexibel, denn neben der bereits gezeigten Linie, kann man auch Türmchen oder einen großen Lautsprecher bauen.

Das Logo an der Front des Subwoofers ist durch eine RGB-LED beleuchtet, deren Farben die einzelnen Betriebsmodi (Standby, USB, Bluetooth, analog, optisch) anzeigen und das zudem auch die IR-LED für die Fernbedienung verbirgt. Die dazu passenden Eingänge findet man dann an der Rückseite dieses Moduls. Die Lautsprecherausgänge sind als runde Steckersysteme ausgeführt und leider proprietär. Wem die maximal 40 cm für die Satelliten nicht reichen, muss selbst löten. Nicht unmöglich, aber umständlich.

Die Oberseite jeder der Module trägt das Firmenlogo in Form einer sichtbaren Gravur. Hier hat sich der Hersteller flächendeckend (bzw. -abtragend), wie schon beim Korpus als solchem, seiner guten CNC-Anlagen bedient. Das fasst sich alles sehr hochwertig an und sieht auch genauso aus. Wer noch einmal alle Seiten betrachten möchte, hier wäre eine kleine Galerie als Reiseprospekt:

 

Wenn man die Cube über Bluetooth laufen lässt und das Gerät mit dem Smartphone gekoppelt ist, dann kann man auch eine App nutzen, die man auf dem Androiden aber leider als APK-Datei selbst manuell installieren muss. Der Upload über Google Drive ist zwar etwas tricky, aber lösbar. Man erhält weitere Funktionen, Klangregelmöglichkeiten und einen Player. Ich habe es nicht gebraucht, aber wer weiß, so mach einer ist eben verspielter als ich. Das soll es ja geben.

 

Tear Down

Hat man die Gummiaufstellstöpsel samt der darunter befindlichen Schrauben entfernt, liegt der Blick auf die Platine des aktiven Moduls frei. Diese ist mittels eines leitenden Klebestreifens (neben den üblichen Massepunkten an den Schrauben zur Befestigung) noch einmal zusätzlich mit dem monolithischen Innenleben verbunden. Auf dieser Seite der Platine befinden sich neben den Anschlussbuchsen noch sichtbar die Spulen des Class-D-Verstärkers, sowie das 4.2-Bluetooth-Modul mit APTX und diverse Logik- bzw. Steuerschaltkreise.

Hebt man die Platine hoch, sieht man die dicken Wärmeleitpads, mit denen die beiden 2-Kanal-Chips des Class-D-Verstärkers zur besseren Kühlung mit dem Monolithen thermisch verbunden werden. Dabei handelt es sich um zwei TPA3116D2 von Texas Instruments, die je nach Zertifizierung und Betriebsspannung von 15 bis zu 50 Watt pro Kanal leisten können. Rechnet man alles zusammen, zieht das Netzteil zu Rate (siehe oben) und misst mal an einem Ausgang die reine Sinusausgangsleistung bei 1 KHz nach, dann sollte man hier eine Ausgangsleistung von ca. 4x 15 Watt erwarten können.

Die Herstellerangabe von 4x 50 Watt an 4 Ohm bezieht sich sicher auf den verbauten Chip, wird aber als elektrische Leistung nie erreicht. Aber auch mit den aktuellen 4x 15 Watt Sinus Dauerton kann man gut leben, denn das ließe sich locker als 4x 25 Watt RMS verticken. Die im Handbuch angegebenen 200 Watt sind jedoch Utopie, wie so oft.

Als Soundlösung fungiert der ST309A, ein spezieller 8-Kanal-24-Bit-DDX-Chip (direct digital amplification) von ST Microelectronics. Dies ist eine bewährte Single-Chip-Lösung für die digitale Audioverarbeitung und -steuerung in Mehrkanalanwendungen. Der Chip ist äußerst vielseitig und ermöglicht die Eingabe der meisten digitalen Formate, einschließlich 6.1/7.1-Kanal und 192 kHz, 24-Bit-DVD-Audio, DSD/SACD usw.

In 5.1- und 2.1-Umsetzungen können die zusätzlichen 2 Kanäle für Audio-Line-Out oder Kopfhörerantrieb verwendet werden, aber das sucht man beim Cube leider vergeblich. Im reinen Lautsprechermodus, mit 8 parallelen Kanalausgängen, kann der STA309A mehr als 1 W liefern, was zur Ansteuerung der meisten Verstärker-ICs locker ausreicht. Im Übrigen erfolgen im ST309A auch alle DSP-Funktionen, wie Laustärke- und Klangregelung, bis hin zu vorprogrammierten Soundprofilen bzw. einem vorverdrahteten EQ. Aber da braucht der Spielmatz von Welt dann doch wieder die App.

 

Benutzerhandbuch und Marketingpräsentation

Da ich mir den ganzen Text über Einstellmöglichkeiten, App und sonstiges Feature-Blabla gern sparen möchte, darf sich der interessierte Leser hier gern im Selbststudium zunächst noch weiter mit der Materie befassen. Der Rest wird nicht gelangweilt und kann sofort zur nächsten Seite hüpfen.

Manual

 

Marketing

 

Kommentare (6)

  • Igor Wallossek schrieb am
    Ich hatte eine eingespannte Bohrmaschine zum Wickeln und einen umgebauten Counter zum Mitzählen der Windungen. das war noch echte Handarbeit :D
  • geist4711 schrieb am
    noch besser sind immer diese PMPO-angaben ;-) gemeint sind dann die leistungen eine mikrosekunde bevor es raucht, einmalig.... das waren noch zeiten als sinus-dauerleistung standart war, aber moment ist es ja eigentlich immernoch, ohne die marketingfunzies :) ernsthaft: endstufentechnisch reichen die 2x 15w für die sat's völlig aus, gerade bei den kleinen membranen, die halten mechanisch eh nicht mehr, selbst mit dem low-cut wegen aktiv-sub. hier könnte man auch gerne etwas klassischer zu werke gehen mit klass-B oderso, wegen dem etwas besserem klang. beim sub ist class-D kein problem, meiner ansicht nach. hatte übrigens auch EL84 früher; 5xclass-A mit handgewickelten übertragern und passender röhren-aktiv-weiche mit 3x EC81(?) aber den sub ein alter K+H-monoblock (mittlerweise knapp 50 jahre alt und läuft immernoch), hier wäre röhre perlen für die säue gewesen...
  • Igor Wallossek schrieb am
    Weil sie 4x 15 Watt abliefern und nicht zweihundert. Siehe Teardown
  • Smartengine schrieb am
    Hmmm.... warum sollten wir uns nochmal die 60-Watt vom Netzteil merken? Weil sie 200 Watt Leistung angeben?
  • Igor Wallossek schrieb am
    Die Dinger sind für die Größe durchaus massiv, schau mal aufs Gewicht. Die sind aus einem Stück gefräst. Das einzige Problem ist aus meiner Sicht wirklich das Finden des besten Aufstellortes. Man hat natürlich kaum Reserven für eine laute Party, aber das will man wohl auch kaum, wenn man so etwas nutzt. Die Pegelfestigkeit und Gesamtlautstärke sind jetzt nicht so der Überflieger, wie auch? Physik und so... Ich hatte zwei selbstgebaute Röhrenendstufen mit je 2x EL 84 (insgesamt 2x 12 Watt) und selbstgewicklete M-Kern-Übertrager, dazu zwei schrankgroße Bassreflexboxen mit Breitbandlautsprechen samt aufgeklebtem Hochtonkonus. Für den Superhochton hatte ich später noch einfach zwei kleine, etwas hochohmigere Hochtöner mit passendem Längskondensator eingbaut. Der Klang war nicht mal übel und es war vor allem extrem laut. Mit den Teilen konnte man Disko machen. Ich bin Schallwand-Fanatiker, die hatten zwei davon in der Oper. Wenn dort Orchester eingespielt wurde, weil die Herren Musikusse nicht zu jeder Gesangsprobe aufschlagen konnten und wollten, klang das fast echt. Allerdings will ich da mal nicht über die Abmessungen reden, die waren Kulissen-like. :D

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