Intel Cascade Lake-AP bietet 48 Kerne im Multi-Chip-Package und unterstützt 12-Kanal-DDR4

Intel bläst zum Angriff auf AMDs EPYC CPUs und möchte mit dem Cascade Lake Advanced Performance die eigene Marktposition stärken. Dafür vereint das Unternehmen zwei CPU-Dies auf einem Chip. Trotz dieses neuen Aufbaues der Prozessoren sollen weiterhin Motherboards mit zwei Sockel unterstützt werden. Intel kehrt mit also zu dem Design zurück, das man vor Jahren mit dem Core 2 Quad etabliert hat. Ein überaus interessanter Schritt, denn Intel selbst hat sich erst vor wenigen Monaten über „zusammengeklebte CPUs“ lustig gemacht.

Cascade Lake-AP Intel

Das Package der Intel Cascade Lake-AP vereint zwei 24-Kern-Prozessoren mit zwei Sechs-Kanal-Speicherinterfaces. Die technischen Eigenschaften verdoppeln sich also im Vergleich zu bisherigen Intel-CPUs aus dem Enterprise-Segment. Mit 12 Kanäle liegt Intel sogar vor AMD, die mit EPYC bisher nur acht Kanäle bieten können. Dafür beträgt die Anzahl der Kerne im roten Lager 32 und soll mit dem kommenden AMD EPYC „Rome“ auf 64 Kerne und 128 Threads erhöht werden.

Für die Kommunikation unter den Dies zeigt sich der Ultra Path Interconnect (UPI) verantwortlich. Dieser wurde mit den Skylake-SP Produkten neu eingeführt und hat viele Schwachstellen von Intels QuickPath Interconnect (QPI) beseitigt. Der PUI übernimmt auch die Kommunikation zwischen der ersten und der zweiten CPU, wenn ein Zwei-Sockel-System zum Einsatz kommt.

Intel Cascade Lake AP

Leider hat sich Intel nicht im Detail zu dem Package der Cascade Lake-AP geäußert. Schade, denn bei den bisher von Intel genutzten Produkten auf Basis des Sockel 3647 ist schlichtweg kein Platz für zwölf Speicherkanäle. Die Anzahl der Pins dürfte damit enorm sein – insbesondere wenn man bedenkt, dass ein 28-Kern-Die mit seinem 6-Kanal-Speicherinterface eine Größe von ca. 700 mm² besitzt. Intel selbst führte auf der eigenen Homepage einen BGA-Prozessor mit 5.903 Kontaktpunkten auf. Das spricht ohne Frage für den Cascade Lake-AP. Da Intel mit Informationen derzeit aber noch sparsam ist, bleibt dies weiterhin eine Spekulation mit hohem Wahrscheinlichkeitswert.

Intel Cascade Lake-AP

Der Aufbau der neuen CPU erinnert wie bereits erwähnt stark an EPYC. Damit wird sich Intel mit ähnlichen Problemen auseinandersetzen müssen: Hohe Latzenzen bei dem Datenaustausch zwischen den einzelnen Kernen. Der längste Weg führt von dem ersten Kern des ersten Dies zum 24. Kern des zweiten Dies, die im lokalen Cache abgelegt sind.

Wir haben bereits erwähnt, dass das Mesh-System von Skylake-SP übernommen wurde. Es lässt sich also mit einer großen Gewissheit darauf schließen, wie der Datenaustausch vonstattengeht. Alle Abfragen/Ausgaben sind multidirektional ausgelegt und nehmen immer den kürzesten Weg. Bewegen sich die Anfragen nur vertikal, so braucht die Abarbeitung einer Reihe einen Cycle. Vom Kern zum L3-Cache sind bis zu vier Cycles nötig. Der horizontale verläuft wieder anders, da längere Strecken zurückgelegt werden müssen. Das Schema hier ist 1+3+1+3+ usw.

Aufmerksame Leser werden an dieser Stelle erkennen, dass mit weniger Kernen – zumindest in der Theorie – eine höhere Leistung möglich ist, weil die Daten kürzere Wege zurücklegen müssen. In der Vergangenheit wirkte Intel der hohen Latenzen mit der Option einer Cluster-Bildung entgegen. Bei Cascade Lake-AP wird das eine noch wichtigere Rolle spielen, als es bei Skylake-SP noch der Fall war.

Cascade Lake

Benchmarks von Intel

Intel ist ja überaus dafür bekannt, eigene Benchmark-Ergebnisse zu liefern. Das ist auch beim Cascade Lake-AP der Fall. Als Vergleich muss der AMD Epyc 7601 mit seinen 32-Kern herhalten. Aber auch der Xeon Platinum 8180, das aktuelle 28-Kern-Flaggschiff aus eigenem Hause, wird ins Rennen geschickt. Als Benchmark kommt Linpack zum Einsatz und zeigt gegenüber AMD einen Faktor von 3,4x. Nur 1,3x sind es bei Stream Triad. Wer in das Kleingedruckten schaut, erkennt schnell, dass viele Details und Informationen fehlen. Die Leistung von Cascade Lake-AP ist also bisher nur eine Hochrechnung, die auf einen Stand von Anfang Oktober basiert.

Intel Cascade Lake

Noch höher fällt der Leistungsvorsprung im Vergleich zum aktuellen Xeon Platinum 8180 aus. Cascade Lake-AP ist liefert eine bis zu 17-fache Leistung. Erst vor Kurzem hatte Intel für die normalen Cascade Lake-SP CPUs mit 28 Kernen eine 11-fache Leistungssteigerung versprochen im Vergleich zum Xeon Platinum 8180 in Aussicht gestellt.

 

Wichtige Details fehlen

Nicht nur technische Details bleibt Intel bisher schuldig, auch Informationen zum Preis stehen noch aus. Irgendwann im ersten Halbjahr soll Cascade Lake-AP auf den Markt kommen. Dann soll aber auch die gesamte Produktfamilie vorgestellt bzw. verfügbar sein. Intel möchte die in der kommenden Woche stattfindende Supercomuting Conference nutzen, um zumindest einige der offenen Fragen zu beantworten.

Kommentare (5)

  • HerrRossi schrieb am
    Och, ich glaube nicht, dass Intel die Weiterentwicklung vernachlässigt hat. Das sind ja schon alles imposante monolithische CPUs mit brachialer Rechenpower, die Intel da raushaut, sie können nur beim Preisleistungsverhältnis nicht mithalten. Und bei Rechnenzentren kommen dann noch der höhere Stromverbrauch, die höhere Wärmeentwicklung und die Sicherheitslücken dazu. Es ist halt der clevere "glued together"-Ansatz von AMD, der Intel große Probleme bereitet.
  • Moeppel schrieb am
    HerrRossi hat gesagt
    Dass Intel angeblich einen tollen Chip in der Schublade liegen haben hätte, war betriebswirtschaftlich sowieso komplett unlogisch. Kein Unternehmen dieser Welt steckt Geld in die Entwicklung eines Produktes ohne mit diesem Produkt dann auch Geld zu verdienen.
    Irgendwo sinnvoll, gleichzeitig gilt aber ebenfalls dieser Grundsatz:
    Scheinbar über fast 7 Jahre hinweg getrost ignoriert.
  • HerrRossi schrieb am
    Dass Intel angeblich einen tollen Chip in der Schublade liegen haben hätte, war betriebswirtschaftlich sowieso komplett unlogisch. Kein Unternehmen dieser Welt steckt Geld in die Entwicklung eines Produktes ohne mit diesem Produkt dann auch Geld zu verdienen.
  • Moeppel schrieb am
    Man munkelt, dass die Teile als 48c/48t Versionen erscheinen, da sonst er Industrie-Chiller vermutlich unweitweg geparkt werden müsste, um dem 300W(+) TDP Einhalt zu gebieten. Immerhin wäre damit "Spectre and Friends" einhalt geboten. 48c/96t und ~300(+)W vs. 64/128 "Rome" oder gar 48c/48t mit 'akzeptablem' TDP vs. 64/128 "Rome" sieht recht mager aus. Wie viele von den Chips letztlich existieren werden, oder ob es ein Papiertiger bleibt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Jeder 48er frisst letztlich zwei 24er, die so nicht mehr am Markt sein können. In der Produktion sicherlich weder günstig noch ergiebig.
  • yummycandy schrieb am
    Bevor jemand meckert. Bei Linpack wird generell SMT abgeschaltet, das ist so vorgesehen. Was man allerdings bemängeln kann ist, daß Intel mal wieder ihren Compiler auch für EPYC benutzt hat, der somit auf Optimierungen verzichten muss. Also typische Marketingaussagen bis jetzt. Dem Verbrauch wird die CPU allerdings nicht entkommen.

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