Virtual Acoustic Cave GH51 Pro im Test – Geheimtipp mit 8 separaten Treibern gegen Virtual Surround und das Razer Tiamat 7.1?

Bei dem Cave GH51 Pro von Virtual Acoustic handelt es sich um ein komplett neu konzipiertes Drahtlos-Headset mit vier Treibern pro Hörmuschel, sauber implementierter Bluetooth-Technik und einer umschaltbaren, proprietären Drahtlosverbindung, die auch unkomprimierte Inhalte weitgehend Lag-frei und in ordentlicher Qualität übertragen soll.

Dazu kommt ein separater Transmitter mit einer hohen Anschlussvielfalt und eine komplett Treiber-freie Installation, die auf jegliche Software-Mätzchen verzichtet. Damit will man bereits gegen alle derzeit verfügbaren Lösungen wie z.B. die von Razer gehörig punkten. Software-Registrierung und Treiberfrickelei will man von vornherein ausschließen.

Das Ganze läuft derzeit noch als Kickstarter-Projekt und mir ist es glücklicherweise gelungen, Prototypen direkt aus der Vorserie zu besorgen. Da es sich bei diesen Geräten um reine Engineering-Samples handelt, die aber bereits weitgehend der folgenden Massenproduktion entsprechen, sind auch die Mess- und Hör-Ergebnisse bereits final. Lediglich das optische Finish wird sich noch verbessern, denn meine Fotos stammen alle vom Entwicklungsmuster, weil ich Renderbilder generell nicht mag.

Zubehör und Lieferumfang

Das Zubehör fällt recht üppig aus, was auch den vielfältigen Anschlussmöglichkeiten geschuldet ist. In der Pro-Version erhält man neben dem Kopfhörer und dem magnetisch anflanschbaren USB-Ladekabel noch den 2,4-GHz-Transmitter samt eines optischen und eines koaxialen Digitalkabels, sowie ein USB-Verbindungskabel zum PC, das gleichzeitig auch die 5V-Spannungsversorgung übernimmt.

Ohne den Transmitter und die Kabel fungiert das Ganze noch als normales Bluetooth-Headset und Dolby Pro Logic IIX, wobe diese Version dann ca. 50 Euro billiger ausfällt. Die verschiedenen Varianten der Kickstatrer-Kampagne beginnen be ca. 42 Euro für die Normalversion ohne den 5.1-Surround-Modus via Transmitter, das komplette Paket gibt es ab ca. 129 Euro. Das ist dann zwar nicht mehr sonderlich billig, aber es wäre immer noch günstig im Vergleich zu den aktuell am Markt befindlichen Produkten.

 

Optik, Haptik und Komfort

Ich schrieb es ja schon, dass es sich bei meinem Headset um ein unverkäufliches Entwicklungsmuster handelt, das ich mir geschickt besorgen konnte. Denn eines muss ich auch mal zugeben: Meine Neugier stirbt stets zuletzt. Ich habe bereits einige Headsets mit mehreren Treibern pro Hörmuschel in den Händen gehabt und das Ergebnis war bisher stets mehr als nur ernüchternd. Am schlimmsten war ein Produkt mit einer zusätzliche Bassmembran, aber so etwas hat man hier Gott sei Dank weggelassen.

Über das Edge-Design lässt es sich trefflich streiten, meinen persönlichen Geschmack trifft es nicht ganz. Aber so etwas ist subjektiv und hat mit Klang und Funktionalität erst einmal nichts zu tun. Deshalb blende ich diesen optischen Nebenkriegsschauplatz auch erst einmal aus. Die späteren Spritzgussteile aus ABS machen noch einen etwas unfertigen Eindruck, also der typische 3D-Printer-Look, was aber am Kleinserien-Prototypen liegt.

Dafür wirken sowohl die hintgrundbeleuchteten Seitenteile der Muscheln mit dem Firmenlogo, die gesamte Konstruktion als solche und das Headband samt der Metallteile, als auch die gesamte Polsterung einschließlich der Ohrpolster bereits ziemlich final.

Das Headset wiegt (als Prototyp) 382 Gramm, womit das Cave GH51 definitiv kein Leichtgewicht mehr ist. Aber für insgesamt 8 Treiber und einen recht stabilen Aufbau kann man solch ein Gewicht bequem akzeptieren. Die blau lackierten Teile der Kopfhörer-Befestigung und des Headbands sind in ihrer Optik erst einmal ungewöhnlich, aber auf alle Fälle stabiler, als entsprechende Kunststoff oder Glasfiber-Lösungen. Die Kratzer auf dem Bild sind, wie schon erwähnt, dem besonderen Einzelstück-Status zuzuschreiben.

Das Headband lässt sich notfalls sogar über die Mitte vorsichtig zubiegen, falls einem der Sitz zu locker ausfällt. Die Polsterung fällt recht wulstig und weich aus, was gefällt. Dass man nach einigen Stunden dann genau dort etwas zu schwitzen anfängt – Schwamm drüber und einfach abgewischt. Dann stimmt auch der Hygiene-Faktor wieder. Die beiden Muschen sind beweglich gelagert, so dass sie sich recht gut der Kopfform anpassen und unterordnen können.

Die Ohrpolster sind sehr gut konturiert und clever im Inneren abgesteppt. Das PU-Lederimitat ist nicht zu dünn, allerdings haben wirklich geschlossene Systeme wie dieses auch einen gewissen Treibhaus-Effekt und man schwitzt irgendwann recht ordentlich. Aber sie sperren die Umwelt recht zuverlässig aus. Das Wechseln ist klaglos und schnell möglich, Pluspunkt, genauso wie die einfache Reinigung

Auf die mittlerweile übliche, extrem bunte RGB-Beballerung verzichtet man und das ist wirklich gut so. Die Seitenteile könnte man übrigens austauschen und sich ein eigenes Logo implementieren (lassen), je nach Geschick und Laune. Die Leistungsaufnahme beeinflussen diese sehr zurückhaltenden RGB-Funzeln übrigens auch nicht.

 

Funktionalität und Bedienung

Aufgeladen wird das Headset über einen magnetischen Stecker, der sich einfach anflanschen lässt. Vorteil: man kann beim versehentlichen Abreißen nichts kaputt machen und der Kontakt bleibt heil. Bequemlichkeit allenthalben, aber eben auch etwas sicherer. Die Nutzungszeit wird mit 6 Stunden angegeben, was relativ sicher ist, denn ich höre z.B. nicht mit voller Lautstärke (deshalb höre ich auch noch recht gut) und bin deutlich länger damit hingekommen. Mobil mit BT geht sogar noch etwas mehr.

Dafür sorgt ein eingebauter Li-Ion-Akku mit 1500 mAh, der sich zudem in ca. 90 Minuten wieder voll aufladen lässt. Eine echte Schnellladefunktion gibt es allerdings nicht, so dass man für ca. 2 Stunden Spielspaß bei leerem Akku mindestens erst einmal 30-40 Minuten laden muss.

Der Lautstärkeregler ist optisch etwas profan geraten, tut aber seine Pflicht. Außerdem kann man ihn, wie einen Button, auch eindrücken und damit zwischen Stereo  und 3D-Surround-Übertragung umschalten. Links daneben sehen wir noch die Funktions-LED und die kleine Öffnung fürs Mikrofon.

Wer den Transmitter nicht nutzen möchte und auf Standard-BT setzt, um z.B. das Smartphone oder Tablet zu nutzen, der findet dafür links auf der Rückseite noch einen Umschalter. Auf der anderen Hörmuschel befindet sich an gleicher Stelle dann der  Schiebeschalter für An und Aus. Ein Standby ist nicht extra vorgesehen.

Viel mehr Möglichkeiten bietet das Headset dann nicht, den Rest der Konnektivität muss dann der DAC- und Transmitter-Baustein richten.

 

Der Transmitter und DAC

Der in der Pro-Version mitgelieferte DAC und Transmitter setzt für die Übertragung auf einen CSR8645 von Qualcomm. Dieser Chip unterstützt Bluetooth 4.1 und die wichtigsten BT-Profile wie HFP v1.6, AVRCP v1.4, A2DP v1.2, DI v1.3 und HSP v1.2. Außerdem sind aptX und cVc mit an Bord. Dabei setzt der Anbieter auf eine proprietäre, eigene Umsetzung, denn Qualcomm bietet diesen Chip bewusst als Baukastensystem für eigene Entwicklungen an. Als DAC und Soundlösung fungiert einer der üblichen C-Media-Chips.

Der DAC von CMedia ist brauchbar, aber leider auch kein High-End. Die 50 Euro Aufpreis für den Transmitter sind sicher auch durch die ganzen Lizenzgebühren bedingt, um das “Dolby Digital”- und “Dolby Prol Logic”-Logo nutzen zu dürfen. Angeschlossen wird der Transmitter am PC über den USB 2, der andere Eingang dient lediglich als HUB-Anschluss, deren Sinn sich mir nicht so wirklich erschließt, es sei denn, man nutzt ihn als parallelen Stromversorgungsanschluss.

  

Neben dem leichten Grundrauschen im Headset, welches man aber nach wenigen Minuten automatisch ausblendet, spielt die Nutzung des richtigen USB-Anschlusses am PC auch eine gewisse Rolle, wenn es um Störgeräusche geht (z.B. Netzteil). Bei einem Billig-Board habe ich ein gewisses periodisches Knacken wahrnehmen können, an Konsolen war dies nicht zu bemerken. Gut auch, dass man keinen Extra-Treiber installieren muss.

Interessant sind jetzt die Eingänge. Die kombinierte Klinken-SPDIF-Buchse kann sowohl als Lichtempfänger für das mitgelieferte optische Kabel, als auch für das Koax-Kabel genutzt werden, das Transmitter-seitig auf einen 3,5-mm-Klinkenstecker setzt. Außerdem ließe sich ein normales analoges Klinkenkabel nutzen. Zusätzlich zur ohnehin vorhandenen BT-Funktionalität des Headsets ist das fast schon das Maximum aller Anschlussmöglichkeiten für Audio-Quellen.

Was jedoch deutlich stört ist die einmalige Einschalt-Verzögerung , wenn der Signalpegel über null schnellt. Hier hätte man diese lästigen Stromsparfeatures einfach lahmlegen sollen. Wenn die Fuhre einmal akustisch rollt, ist die Hysterese und Ausschalt-Verzögerung noch groß genug, um nicht ungewollt alles zu zerhacken, aber dieser kleine Lapsus nervt (zumindest mich) wirklich gewaltig, da unnütz.

 

Tear Down und Wirkungsweise

Virtual Acoustic setzt pro Seite auf einen 40mm-Treiber für den Tiefton-Bereich und jeweils drei versetzt angeordnete 30mm-Treiber (Center, Front, Rear). Die Explosionszeichnung zeigt den schematischen Aufbau recht gut.

Ich zerlege natürlich alles, was nicht penetrant verklebt ist und sich auch wieder zusammensetzen lässt. Nimmt man die Polster ab, ergibt sich ein schönes Bild mit den vier Treibern pro Seite.

Den Deckel sollte man jedoch vorsichtig abziehen, wenn man ins Innere gelangen möchte, denn die angelöteten Kabel sind extrem kurz. Man kann jedoch auch bei dieser Abbildung gut erkennen, dass man mit  separaten Soundkammern arbeitet, um ein “Übersprechen” zwischen den Kanälen zu minimieren. Kein Treiber wird also den benachbarten mittel Luftdruck beeinflussen. Genau daran sind seinerzeit Produkte wie das Roccat Kave ja letztendlich auch mit gescheitert.

 

Kommentare (2)

  • Igor Wallossek schrieb am
    Untertrieben oder übertrieben, mir Wurst.
  • Derfnam schrieb am
    Vier Treiber pro Seite, treiberfreie Installation, keine Treiberfrickelei - das liest sich etwas - naja, 'getrieben', finde ich.

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