Sharkoon Skiller SGK4 im Test: Wer braucht schon mechanische Switches

N-Key-Rollover (NKRO) und USB?

Der USB funktioniert, im Gegenzug zum aktiven, Interrupt-basierten PS/2-Anschluss, genau umgekehrt im passiven Polling-Modus. Dort gibt es im Gegensatz zum PS/2 keine direkt auslösbaren Interrupts für ein Gerät mehr, sondern der Rechner fragt beim sogenannten Polling innerhalb eines gewissen Zeitabstands periodisch alle angeschlossenen Geräte ab, ob neue Informationen vorliegen.

Dieser Zeitabstand ist in der sogenannten Polling-Rate festgelegt. Die Sharkoon Skiller SGK4 nutzt dafür den höchsten, möglichen Wert von 1000 Abfragen pro Sekunden (1000 Hz). Dabei legt der Tastaturcontroller quasi in einem Puffer alle anfallenden Ereignisse als eine Art Interrupt-Paket ab, in dem die Reihenfolge der Ereignisse zwar stabil abgebildet wird, das in der Größe aber nur über eine bestimmte Menge an Informationen verfügen kann.

Da wir nun wissen, dass die Paketgröße begrenzt ist, wäre normalerweise nur die gleichzeitige Übertragung von maximal 6 Tastenereignissen möglich. Um auch den USB zu einer größeren Menge gleichzeitig übertragbarer Key-Events (Tastaturereignisse) zu überreden, kann man ein wenig in die Trickkiste greifen und einfach mehrere Devices (Geräte) vorspiegeln. Microsoft hatte ja seinerzeit mit der Sidewinder X4 vorgemacht, wie man sogar mit einer Rubberdome-Tastatur erst mehr parallele Eingaben auswerten und diese dann auch sauber an das System übertragen kann.

Ein Blick in den Windows-Geräte-Manager verrät, dass Sharkoons ODM hier ganze Arbeit geleistet hat. Mehr geht eigentlich gar nicht und es ist fast schon zu viel Aufwand. Um den Eigenheiten der USB-Controller entgegen zu kommen, sollte man dann z.B. die Maus möglichst an einem Eingang anschließen, der nicht mit der Tastatur zusammen verwaltet wird.

Wichtige Theorie fürs bessere Verständnis

Je nach Bauart, Aufwand und Preis gibt es wirklich extreme Unterschiede. Einfachere Tastaturen werten nicht jede einzelne Taste aus, sondern arbeiten lediglich nach dem Matrix-Prinzip. So gibt es nicht mehr für jede Taste einen eigenen Zustand, sondern man teilt einfach die Tastatur in Zeilen (vertikal) und Spalten (horizontal) auf. So haben wir Leiterbahnen als waagerechte Zeilen, die faktisch eine durchgehende und gemeinsame Kontaktschiene für jeweils alle auf einer Höhe nebeneinanderliegenden Tasten darstellen.

In einem geringen räumlichen Abstand dazu liegt darunter (oder darüber) ein flexibler Träger mit vertikalen Leiterbahnen, wobei auch hier (meist diagonal) eine Verbindung der übereinanderliegenden Tasten realisiert wird. Das ist nun wie beim Schach oder z.B. in Excel, wo die Zelle in der dritten Spalte der zweiten Zeile vereinfacht mit C2 bezeichnet wird. Durch das Drücken auf eine bestimmte Taste entsteht dann an dieser Stelle ein Kontakt zwischen einer der horizontalen und vertikalen Leiterbahnen:

Schaut man sich das Ganze auf der Animation an, dann ist das Prinzip sehr leicht nachzuvollziehen. Man spart Aufwand und Geld, indem man einen Tastenanschlag anhand dieser Logik ermittelt. Auch das Drücken zweier Tasten ist noch relativ easy, denn das eben Beschriebene gilt in gleichem Maße. Da zudem durch den räumlichen Abstand unterschiedliche horizontale und vertikale Leiterbahnen genutzt werden, ist die Erfassung weiterhin eindeutig:

Die zwei erzeugten „Kurzschlüsse“ sind für die Verschaltungslogik leicht und sicher auszuwerten, was sich in der Theorie sogar mit drei oder vier Tasten gleichzeitig machen lässt, solange kein geschlossener Block innerhalb zweier nebeneinanderliegender horizontalen und vertikalen Bahnen entsteht.

Geht dies in der Realität trotzdem in die Hose, liegt es nicht am Matrix-Prinzip als solchem, sondern an der limitierten Logik im (extrem niedrigpreisigen) Schaltkreis bei der Auswertung der Matrix. Trotzdem können wir bei z.B. sechs auf diese Weise noch erfassbaren Anschlägen nicht von einem echten 6-Key-Rollover (6KRO) sprechen, denn der Teufel steckt im Detail und es gehört noch viel mehr dazu.

Aber was passiert, wenn wir nicht voneinander völlig unabhängige Kombinationen nutzen, sondern eine der Leiterbahnen (z.B. die waagerechte) bei allen gedrückten Tasten dieselbe ist? Kollinear wären dann also alle nebeneinanderliegenden Tasten, wie z.B. S,D und F. Und was passiert, wenn man alle drei gleichzeitig drückt?

Auch das funktioniert noch prächtig, da ja bei jeder Taste noch eine abweichende vertikale Leiterbahn dafür sorgt, dass man sie logisch auseinanderhalten kann. Auch dies können billige Tastaturen meist problemlos. Deshalb kommen wir nun auf den Punkt und betrachten die Situation, die den Spreu vom Weizen trennt.

Ghosting und Jamming im Tastenblock – Schrecken aller Gamer

Jetzt wird es fies, denn wir drücken im Geiste mal die Tasten S, D und E. Wir laufen also schräg rückwärts (S und D) und wollen mit E gleichzeitig z.B. etwas aufheben. Betrachten wir nun den Block aus den Tasten W, E, S und D. So lange nur zwei der vier Tasten gedrückt sind, ist die Auswertung möglich, da entweder kollinear oder diagonal versetzt kurzgeschlossen wurde. Kommt jedoch eine dritte Taste dazu, ist Ende Gelände. In genau diesem Moment sind alle vier Leiterbahnen untereinander kurzgeschlossen!

Die Logik ist also nicht in der Lage, noch genauer auszuwerten. Da die aktuelle Bedingung im Beispiel nicht nur für die drei gedrückten Tasten S, D und E gilt, sondern ja auch noch für das W, erscheint dieses als sogenannter Ghost. Manche Tastaturen verschlucken sich dann sogar und melden den dritten Anschlag aus Plausibilitätsgründen schon gar nicht mehr („Key-Blocking“). Dann hat man das klassische 2-Key-Rollover (2KRO) der meisten Billigtastaturen.

Unter „Ghosting“ und „Jamming“ versteht man somit ein Problem, wenn einige Tastenkombinationen auf der Tastatur nicht mehr eindeutig funktionieren, weil mehrere nebeneinander im Block liegende Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Dies ist somit ein rein logisches Problem bei den als Spalten-Zeilen-Matrix verschalteten Tastaturen, welches sich im Endeffekt darin äußert, dass im Eifer des Spiels manche Tasten nicht oder nur noch sehr träge zu funktionieren scheinen oder eine Taste gemeldet wird, die gar nicht gedrückt wurde („Ghost“). Die Tasten erscheinen unter Umständen aber auch als Buchstabensalat („Jamming“), bei dem bereits identifizierte Tasten verschluckt oder überschrieben werden.

Wir haben die Sharkoon PureWriter TKL einem Test für die Kombination aller möglichen Tastaturanschläge unterzogen, den sogar jeder zu Hause ohne eine weitere Softwareinstallation für sich durchführen kann (Link zu Microsofts Online-Tastatur-Check).

Kommentare (17)

  • Jakob Ginzburg schrieb am
    Foolius hat gesagt
    Hab' sie mir bestellt, danke nochmal!
    Hoffentlich über unsere Shopbox ;) Gerne doch, dafür sind wir ja da! :)
  • Foolius schrieb am
    Hab' sie mir bestellt, danke nochmal!
  • Jakob Ginzburg schrieb am
    Foolius hat gesagt
    Sorry ich muss doch nochmal nachfragen, da für mich als Linkshänder wichtig ist, dass die Tasten weiter rechts auch ohne Ghosting und mit NKRO sind. Erstrecken sich Anti-Ghosting und NKRO auf die gesamte Tastatur?
    Ja. Alle Tasten können einzeln gedrückt werden. Sie werden dann auch als separate Eingabe erkannt. Es ist echtes NKRO und echtes Anti-Ghosting. Trotz Rubberdome. Sharkoon hat hier wirklich ein feines Stück Technik abgeliefert zu einem sehr attraktiven Preis.
  • Foolius schrieb am
    Jakob Ginzburg hat gesagt
    Nicht genügend Finger und Objekte zum drauflegen auf die Tastatur gehabt.
    Sorry ich muss doch nochmal nachfragen, da für mich als Linkshänder wichtig ist, dass die Tasten weiter rechts auch ohne Ghosting und mit NKRO sind. Erstrecken sich Anti-Ghosting und NKRO auf die gesamte Tastatur?
  • Foolius schrieb am
    :D ok danke.

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