Wie AMD es mit EPYC schafft, an Intels Marktanteilen zu kratzen


Die vergangenen zwei Jahre waren für AMD – zumindest dann, wenn man von „Vega“ absieht- überaus erfolgreich und umsatzträchtig. Zen hat die Erwartungen von Fans und Kritikern übertroffen und den CPU-Markt mächtig aufgemischt. Ryzen bietet ein sehr gutes Preis-Leistung-Verhältnis, Threadripper findet in immer mehr hochpotenten Gaming-Rechnern sowie Workstations seinen Platz. Und EPYC bringt Intel in dem HPC- und Server-Segment in Bedrängnis (wir berichteten). Doch wie hat das AMD eigentlich in so kurzer Zeit geschafft? Diese und einige andere Fragen konnte uns das Unternehmen auf einem Event für handverlesene Pressevertreter ausführlich beantworten.

Die enttäuschendste Information gleich vorweg: AMD hat mit keinem Satz den kommenden EPYC-Prozessor mit 64 Kernen und 128 Threads erwähnt. Doch bevor Sie deswegen diesen Browser-Tab wieder schließen, sei Ihnen das Weiterlesen ans Herz gelegt. Denn es ist durchaus interessant, den Server-Markt mit den Augen eines kleinen Betriebes wie AMD zu sehen. Um ein Gefühl für die passende Augenhöhe zu erhalten, sollte man sich vor jene Augen führen, dass AMD mit seinen weniger als 10.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,27 Mrd. US-Dollar gegen einen Konzern wie Intel mit seinen 107.300 Mitarbeitern und einem Umsatz von 55,355 Mrd. US-Dollar antritt.

Da nun die Augenhöhe geklärt ist, lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Marktsituation: Die AMD Server-CPUs sind bei Aufrüstern so beliebt, dass Intel sich gezwungen sieht, bereits für geringe Stückzahlen seiner XEON-Prozessoren, einen großzügigen Preisnachlass anzubieten. AMD wird nicht müde zu betonen, dass man noch dieses Jahr einen Marktanteil von 5% im bereits erwähnten HPC- und Server-Segment erreichen möchte. Ob das bis zum Jahresende gelungen ist, werden die anstehenden Geschäftszahlen darlegen können. Ob die noch ambitionierten Ziele von einem Marktanteil im zweistelligen Bereich zum Jahr 2020 erreicht sein werden, muss die Zeit zeigen.

Wie hat es AMD geschafft – und damit kommen wir zur eingehenden Frage – innerhalb so kurzer Zeit in so vielen Rechenzentren zu landen? Daniel Bounds Senior Director Datacenter and Embedded Solutions bei AMD, beantwortet die Frage (kurz zusammengefasst) so: „AMD hat das bessere Preis-Leistung-Verhältnis“. Denn unter dem Strich zählt in den meisten Fällen der Preis. Wenn Unternehmen Dutzende bis Tausende CPUs investieren, kommt es auf jede zusätzlichen fünfzig Cent (oder Pfennig, je nachdem wie alt man ist) an. Die Unternehmen investieren natürlich langfristig um nicht nur den aktuellen, sondern eventuell auch zukünftige Bedürfnisse abdecken zu können. Oft werden ausschließlich Investitionskosten berücksichtigt, jedoch nicht die im Nachhinein entstehenden Support-Kosten.

Die bisherigen XEON-CPUs waren schon immer in ihrer Kern-Anzahl überschaubar ausgestattet, glänzten aber mit einem hohen Takt. Wurden mehr Kerne benötigt – beispielsweise um die Anbindung von PCIe-Erweiterungskarten oder SATA-Anschlüsse zu erhöhen – musste zu einem Dual-Socket-Motherboard zurückgegriffen werden. Mehrere physikalische CPUs bedeuten aber Aufwand bei der Überwachung und Pflege der Systeme. Ebenso hat ein solches System meistens einen höheren Platzverbrauch. Durch die 32 Kernen der „großen“ EPYC-CPU stehen Anwendern, die bisher nur auf Intel gesetzt haben, mehr Threads auf einem einzigen Motherboard zur Verfügung. Die Kerne werden ganz klassisch für Virtuelle Maschinen verwendet, die wiederum mehr Datendurchsatz generieren. 2TB an Arbeitsspeicher lässt sich einbinden und bis zu 128 PCIe-Lanes können für die Einbindung von Erweiterungskarten genutzt werden. AMD selbst gibt den Preisunterschied zu einem Intel 2-Socket Setup mit 21% an. Die Mehrleistung liegt dann bei über 65%. Platz-technisch kann so ein Server eingespart werden – hier zieht AMD einen Vergleich zu Systemen mit Intels E5-2699 v4 CPU. Durchaus interessante Zahlen, die wir aber aufgrund fehlender Hardware nicht nachprüfen können.

Mittlerweile ein wenig totgeredet ist das Thema „GreenIT“, sollte aber dennoch kurz angerissen werden. Zumal Deutschland weiterhin weltweit eines der Vorzeigeländer ist, wenn es um nachhaltige IT-Infrastrukturen geht. Eventuell hängt der Drang zu einem geringeren Stromverbrauch beim Server-Betrieb auch mit den horrenden Stromkosten zusammen. Es liegt auf der Hand, dass durch weniger Server und durch weniger CPUs auch weniger Strom benötigt wird. ZEN ist aber auch als Architektur überaus effizient. Mit „Rome“ will AMD noch Ende 2018/Anfang 2019 eine 7nm CPU ins Portfolio aufnehmen, die dann 64 Kerne (128 Threads) bietet und damit noch weniger Strom für noch mehr Leistung als Intels 10nm „Ice Lake“ XEON-Prozessoren bieten soll. Zwei dieser CPUs würden auf einem entsprechenden Dual-Socket-Motherboard auf 256 Threads kommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der AMD einige neue Abnehmer auf die Kundenliste befördert hat, ist die Sicherheit. Während das Hype-Thema Meltdown und Spectre in der Presselandschaft hausieren ging, schoben viele Administratoren Überstunden, Bios-Updates und Patches, die auf jedes Motherboard und jeden einzelnen Prozessor eingespielt werden mussten, kosteten Zeit, AMD war von den Sicherheitslücken, aufgrund der ZEN Architektur, nicht akut betroffen. Doch Sicherheitslücken kann es auch mit EPYC-CPUs geben. Der Aufwand, die Systeme im Nachhinein abzusichern, fällt durch die geringe Stückzahl an nötigen CPUs aber geringer aus.

Durch die geringeren Anschaffungskosten sowie weniger Administrationsaufwand durch dein Einsatz von nur einer EPYC-CPU statt zweier Intel XEON-CPUs, können auch Bildungseinrichtungen ihren Schülern und Studenten ein leistungsfähiges System bereitstellen. AMD arbeitet beispielsweise mit der Oregon State University sowie der University of Notre Dame zusammen.


Kommentare (5)

  • Knuddelbearli schrieb am
    Gerne öfters sowas! Gerne auch noch mit bisschen mehr eigener Analyse und Meinung angereichert!
  • Tesetilaro schrieb am
    danke für den Hinweis, ich ticker Jakob mal an ;)
  • Highflz schrieb am
    Hi, eine kleine Anmerkung. Im Artikel steht "AMD selbst gibt den Preisunterschied zu einem Intel 2-Socket Setup mit 21% an. Die Leistung liegt dann bei über 65%." das würde ein deutlich schlechteres Preis/Leistungsverhältnis bedeuten. Auf den AMD Slides steht hingegen die Leistung liege dann bei bis zu 165% (also 65% Mehrleistung)
  • Jakob Ginzburg schrieb am
    Danke für das Lob! Ja, ab 2019 und auch 2020 wird noch einiges auf dem Markt passieren. "Rome" könnte - mit einem attraktiven Preis - für viel Wirbel sorgen. Und wenn Intel doch noch die 10nm Produktion in den Griff bekommt, wird es interessant zu sehen sein, wie die Performance-Unterschiede ausfallen.
  • Sirius1 schrieb am
    Sehr informeller Beitrag der mir hilft bei uns im Unternehmen Werbung für Epyc zu machen. Ich bin beim Thema Private Cloud ganz bei AMD, hier sehe ich die Branche noch in den Kinderschuhen, auch wenn AWS, Azure oder Google Cloud vermeintlich die Landschaft abgrasen. Der Run 2.0 auf Private Clouds wird kommen und der Bedarf an Vielkernern steigen. Lizenzen, Plattform-Management und auch der Kostendruck werden das Thema nach Vorne bringen.

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