Beyerdynamic Amiron Home im Test – Entspannter HiFi-Kopfhörer nicht nur fürs Wohnzimmer

Inhaltsverzeichnis

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Wichtige Vorbemerkung: Genauere Auswertung der Messungen

Zunächst muss ich da eine Sache voranstellen, die mir seit Langem auf dem Herzen liegt. Die Messungen, die ich hier im Studio mache und deren Kurven ich zum besseren Verständnis der Kernaussage über so manche “Tröte” bisher stets auf eine halbe Oktave geglättet habe, werden solchen Kopfhörern wie diesen Spitzenmodellen einfach nicht gerecht. Gerade im Grenzbereich zwischen genial und unbezahlbar verwischen sich die Unterschiede mit der Glättung fast komplett. Dann aber kann man so etwas gleich ganz weglassen.

Ich werde also von nun ab in jedem Fall mit den hier und heute genutzten Auswertungs- und Darstellungsmethoden fortfahren, jedoch zu den Kurven auch mehr verbale Informationen für den geneigten Leser hinterlassen, die dann ebenfalls zur besseren Verständlichkeit beitragen werden. Die wird nötig, damit wir auch in Zukunft wirklich auch sehen können, was wir hören bzw. sollten, wenn man nicht ganz taub ist. Damit greife ich auch einem Artikel vorweg, den wir in den nächsten Tagen noch veröffentlichen werden und wo ich auf diese Details genauer eingehe. Und nun zurück zu den Kopfhörern…

Im Test: Beyerdynamik Amiron Home

Kommen wir nun zurück zum Test des Amiron Home. Dass Beyerdynamic hier mit dem alten Namensschema bricht und das gute Stück mit dem Teslatreiber bewusst benamst, statt das T (für Tesla) in der Namensnomenklatur zu führen, ist gewöhnungsbedürftig, aber man wird es wohl überleben. Der T-90-Nachfolger darf also wieder richtig heißen, warum auch nicht? Am Design hat man genauso geschraubt, wie am Klang. Doch warum habe ich mich nicht für einen deutlich analytischeren DT 1770 Pro oder DT 1990 Pro entschieden, die beide preislich in etwa in der selben Liga spielen?

Um die Frage zu beantworten, muss ich mal persönlich werden. In erster Linie bin ich nämlich ein Genussmensch. Also einen Augen-, Ohren und Geschmacksmensch, der sich oft genug vor allem gern das rauspickt, was dem eigenen Wohlempfinden noch am ehesten entspricht. Der Amiron Home hat (auf den ersten Höreindruck hin) nicht so eine übertrieben breite Bühne, bei der man glaubt, mit dem Kopf mitten im Orchester zu stecken und der ersten Violine gleich noch mit in den Ausschnitt gucken zu können, sondern eine den normalen Hörpositionen sehr ähnliche. Nennen wir es mal Sitzen in der ersten Reihe.

Zweitens hat der Amiron beim längeren Probehören mit allen drei Hörern eines bewiesen: er nervt nicht mit Aufdringlich- oder Aufgeregtheit. Und nein, ich will ja auch nichts abmischen oder einzelne Quellen bewerten, sondern entspannt und angemessen Musik hören bzw. auch einmal ein Spiel am PC spielen, denn genau das geht mit dem Amiron Home nämlich auch. Stundenlang, ohne dass man da auch nur ansatzweise mechanisch und akustisch genervt wird. Ich habe das Teil am Ende dann auch gekauft, um mich nicht verbal bei Tests in irgendwelche Abhängikeiten begeben zu müssen, denn ich werde ihn in Zukunft für alle Tests als eine Art “Quasi-Referenz” nutzen. Er kann Musik, Gaming und das dann auch noch so richtig lange. Es ist allroundmäßig für meinen allgemeinen Gebrauch einfach ein idealer Hi-Fi-Kopfhörer für zuhause und das Labor (und so ziemlich alles, was dort anfallen kann).

Beim Zubehör gibt es keinen Diskussionsbedarf, denn es gibt ein Hard-Case, ein ca. 3,1 Meter langes, symmetrisches Anschlusskabel und einen 6,3-mm-Klinkenadapter für den normalen 3,5-mm-Klinenstecker. Vieleicht hätte man ja noch einen Fusselrroller für die Ohrpolster draufpacken können, aber darauf komme ich gleich noch zurück. Was ich vermisse, war ein Handbuch mit der genauen Anleitung, wie man die Ohrpolster am stressfreiesten wechselt.

Optik, Haptik und Funktionalität

Wurzelholz gibt es nicht, dafür Metall, ordentlichen und sich seidenmatt anfühlenden Kunststoff, sowie gratis noch eine Prise optisches Retro-Feeling. Die Ohrmuscheln sind im Vergleich zum T 90 jetzt deutlich flacher, die übliche Bügelkonstruktion jedoch wie eh und je die gleiche. Das ist auch gut so, denn der Sitz und der Tragekomfort dieser Gelenklösung (nur auf der Horizontalebene) im Zusammenspiel mit dem sehr flexiblen Bügel wissen in jeder Hinsicht zu gefallen.

Die Bespannung des Bügels lässt in Bezug auf den Komfort ebenfalls keine Wünsche offen, lässt sich aber bedauerlicherweise nicht mehr abnehmen. Das halte ich privat für ein riesiges Manko, denn auf Dauer wird man dies aus hygienischen Gründen eigentlich tun müssen . Da bleibt wohl nur ein Schwamm mit Seifenschaum über den mit einer Tüte spritzdicht abgedeckten Ohrmuscheln. Nicht elegant, aber wenigstens eine Notlösung. Nur wer auf Langlebigkeit setzt und solches Material wählt, muss da auch einfach mal weiterdenken.

Apropos Retro-Feeling: man kann es lieben oder hassen, mir gefällt es mittlerweile durchaus, auch wenn ich den T 90 für ein designtechnisches Meisterwerk halte und die aktuelle Interpretation ein wenig die Einzigartigkeit vermissen lässt. Dass man sich hier etwas dem Zeitgeist andient, anstelle ein eher eigenständiges Formenspiel zu suchen, ist bedauerlich aber eben auch deutlich risikofreier und damit verständlich. Man wird es nicht ändern können, aber so schlecht sieht es am Ende dann ja doch nicht aus.

Die Ohrpolster des offenen Over-Ear-Kopfhörers tragen immer noch ordentlich auf, die Polsterung ist aber nicht mehr so heimelig weich wie noch beim T 90, sondern eher straff. Mich persönlich stört das eher nicht, weil der Tragekomfort definitiv nicht leidet, die Klangstabilität aber deutlich gewinnt. Das tiefe Eintauchen in Oma Hildes Sofa ist damit endlich gegessen. Das kann man so lassen und es war sogar überfällig. Der Mix aus Microfaser und Alcantara kann genauso gefallen, aber die Fusseln und Krümel haften nun auch am Material wie ausgedörrte Zecken im Blutrausch.

Die Steppnaht ist sauber versteckt, nur das Abnehmen bzw. das Wiederaufstecken der Polster ist nichts für zarte Gemüter, fummelig und mit sehr viel Kraft verbunden. Leider gibt es auch keine Alternativbespannung, mit der man die Klangcharakteristik hätte selbst noch anpassen können. So muss man halt mit dem leben, was man im Original bekommt.

Anschluss

Das Prinzip ist so simpel wie gut, denn Beyerdynamic setzt erfreulicherweise erneut auf ein symmetrisches Kabel, also einen Stecker pro Muschel. Diese 3.5-mm-Buchsen sind recht straff, man sollte die Stecker also wirklich bis zum Anschlag reinschieben, sonst bleibt das Ganze stumm wie ein Fisch. Fehler kann man dabei keine machen, denn nicht nur die Seiten des Bügels sind mit L und R beschriftet, sondern die Stecker sind es auch. Nur sollte man schon genauer hinsehen.

Das Herausführen der Kabel geschieht leicht nach vor geneigt, was kein Beinbruch ist. Als Gamer kann man den Spaß natürlich auch umkehren und das Kabel so besser hinter dem Rücken herumführen. Dabei kann man man einfach die Seiten der Stecker tauschen, wenn man den Kopfhörer andersherum aufsetzt. Außerdem ist das Kabel mit über 3 Metern auch lang und flexibel genug für solcherlei Spielereien. Dem Komfort tut alles keinen Abbruch, egal in welcher Konstellation. Gut auch, dass die Kabel kaum hörbare Geräusche am Kopfhörer erzeugen.

Der Hersteller gibt ein Gewicht von 340 Gramm netto ohne Kabel an, die Laborwaage meint 342,7 Gramm. Damit stimmt endlich mal der Wert eines Herstellers so ziemlich genau mit der Realität überein und wenn ich ehrlich sein soll: das gefühlte Gewicht liegt wegen des wirklich hochkomfortablen Sitzes bei vielleicht der Häfte, je nach Bügelspannung. Das kann man stundenlang auf dem Kopf behalten und vergisst am Ende sogar, dass man Kopfhörer aufhat. Besser geht es eigentlich kaum noch.

Die Tesla-Treiber des Amiron Home

Vergleicht man den Amiron Home mit dem T 90, dann hat sich nicht nur beim Design etwas getan. Auch die Treiber sind noch einmal deutlich überarbeitet worden, was man ja von außen nicht sehen kann. Das Ganze firmiert unter dem Begriff “Tesla”, wobei hier natürlich die Treiber gemeint sind. Was auch abweicht ist der Umstand, dass das T für Tesla nicht mehr in der Produktbezeichnung auftaucht. Die sogenannten Tesla-Treiber definieren sich über eine ganz bestimmte Materialauswahl und natürlich in erster Linie auch über den Aufbau und letztendlich natürlich die Fertigung hier in Deutschland.

Betrachten wir nun die Explosionsgrafik eines der Treiber. Was beim Tesla-Treiber stets auffällt, ist das typische Vollmetall-Gehäuse, womit man etwaige Resonanzen unterdrücken und das Vibrieren bzw. Mitschwingen einzelner Komponenten verhindern möchte. Damit ist dieses akustische Vollmantelgeschoss der Tod jeder dadurch bedingten Klangverfälschung, zumindest in der Theorie. Was die Praxis anbelangt, haben wir diesen Punkt noch vor uns, auch in Form einer neu aufgenommenen Messung, die das noch belegen muss. Die Kalotten bestehen aus einem mehrlagigen Verbundmaterial (Compound), sind durch eine zusätzliche Gewebeschicht zur Reduzierung von Hochton-Resonanzen erweitert worden und münden mittig in den nach hinten ragenden Spulenkörper.

Wo bei normalen Kopfhören in der Mitte dann der übliche Neodym-Magnet innerhalb dieser Spule sitzt und somit auch dessen Größe und damit die Stärke physikalisch limitiert sind, sitzt der Magnet beim Tesla-Treiber außen ringförmig um die Spule herum. Das sorgt für ein deutlich stärkeres Magnetfeld, was natürlich positive Auswirkungen auf die erzielbaren Pegel und die daraus resultierende geringere Klirranfälligkeit hat. Zusätzlich ist das Treibergehäuse des Beyerdynamic Amiron Home jetzt auch rückseitig bedämpft worden.

Bevor wir nun gleich zu den Messungen und dem Sound-Check übergehen, erst einmal noch schnell die obligatorische Tabelle mit den technischen Daten:

Kopfhörer
Treiber 45mm Tesla-Treiber
Impedanz 250 Ohm
Kennempfindlichkeit 102 dB/1 mW bei 500 Hz
Frequenzbereich 5 ~ 40000 Hz (Herstellerangabe)
Klirrfaktor < 0,05%
Schalldruckpegel 102 dB (1 mW / 500 Hz) Kernschalldruckpegel, 125 dB (200 mW / 500 Hz) Maximum
Besonderheiten Over-Ear-Prinzip, offen
Sonstiges
Anschlussart 3.5 mm Klinke, symmetrischer Einzelanschluss pro Muschel, 3,1 Meter Kabel
Lautstärkeregler Keiner
Kompatibilität 3,5 mm Klinkenausgänge mit höherer Leistung/Spannung, für hochohmige Kopfhörer geeignet (Gain)
Gewicht 342 Gramm
Abmessungen Keine Angaben
Preis
ab ca. 540 Euro Straßenpreis (599 Euro UVP)
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