Sapphire RX Vega 56 Pulse im Test – Heißer Kampfzwerg mit dickem Kühlpanzer

Wie schon die Gigabyte RX Vega 56 Gaming OC , ist auch die Sapphire RX Vega 56 Pulse eher eine Vernunftkarte, jedoch mit völlig anderen Genen ausgestattet. Denn neben der ultrakurzen Platine finden wir hier auch noch einen sehr bemerkenswerten Kühler vor, über den später noch zu sprechen sein wird.

Vapor-Chamber? Genau die gibt es diesen Mal nämlich nicht. Doch interessanterweise geht es auch ohne, wenn man sich nur geschickt genug zu helfen weiß.

Wir wollen auch darauf hinweisen, dass wir die Fotos der Ansichten noch mit dem ersten Sample gemacht haben. Dieses wurde aber nach unseren ersten IR-Messungen durch uns zerlegt, repariert, gegengetestet und auch an Sapphire zurückgeschickt. Die ganzen Benchmarks und neuen IR-Bilder stammen von der Retail-Ersatzkarte. Anzumerken ist, dass die reparierte Karte aus dem bereits vorab veröffentlichten Praxistest “Schleichender Grafik-Plattfuß: Wenn die RMA-Hexe hinterrücks zuschlägt und es (k)einer merkt” und das heutige Retail-Modell absolut identische Ergebnisse lieferten. So dass man davon ausgehen kann, dass allein das Sample einen Schaden hatte, den so merkwürdigerweise keiner vorher bemerkt hatte.

Unboxing, Optik und Haptik

Mit einem Gewicht von nur 938 Gramm ist die Sapphire-Karte erhebliche 700 Gramm leichter als das hauseigene, monströses Schlachtschiff RX Vega 64 Nitro. Auch bei den Maßen würde etwas gehungert und es verbleiben nur 28,2 cm Einbaulänge (Außenfläche Slotblende bis Ende der Kühlerbdeckung). Mit 11,8 cm Höhe (ab Oberkante Mainboardslot bis Oberseite der Kühlerabdeckung, sowie einer Dicke von 4,8 cm von der Platine bis zur Front der Kühlerabdeckung, ergibt sich so das Bild einer schön kompakten Karte.

Die beiden Lüfter mit einem Rotorblattdurchmesser von je 9,5 cm sitzen in einer Öffnung mit 9,8cm Durchmesser. Insgesamt 9 Rotorblätter pro Lüfter sorgen mit ihrer speziellen Form vor allem für Airflow und Verwirbelungen und weniger für statischen Druck. Dies sollte dem Kühlkonzept durchaus hilfreich entgegenkommen.

Wir sehen eine ultrakurze-Platine, die auch einer RX Vega 56 Nano alle Ehre gemacht hätte und einen Kühler in voller Länge. Für die Kühlung ist so ein platinenfreies Durchluftsystem natürlich ein Idealfall, wie wir später noch sehen werden. Immerhin sollte man wenigstens noch 5 mm für den rückseitigen Aufbau einplanen, was bei einigen Mainboards durchaus schon zu Problemen führen kann, wenn Kühlkörper zu eng am Slot sitzen oder aber der CPU-Kühler extrem groß ausfällt.

Interessant ist auch der zweite, separat zwischen Platine und großem Kühlkörper sitzende Lamellenkühlkörper mit eigener Heatpipe. Dieses Teil kühlt den Stabilisierungsframe und damit auch die Spannungswandler. Smarte Idee, wie man später noch sehen wird!

Man sieht an der Unterseite der Karte bereits deutlich, dass Sapphire wie so viele in dieser Leistungsklasse auf vertikal ausgeführte Lamellen setzt. Bei diesem Durchpustefix hat diese Lösung kaum Nachteile, im Gegenteil.

Auch die Oberseite zeigt deutlich, wie kurz die Platine wirklich ist. Die beiden externen 8-Pin Spannungsversorgungsanschlüsse liegen noch vor der Kartenmitte. Eine RGB-Beballerung für Kevin-Klaus’ Augen-Wellness findet man hingegen nicht und wenn ich ehrlich sein soll: vermisst habe ich sie nicht wirklich. Der DIP-Schalter für die beiden BIOS-Varianten setzt an der gewohnten Stelle.

Das geschlossene Ende der Karte zeigt nichts, aber auch gar nichts. Die geschlossene Kühler-Deko verkleidet sogar die Enden der vier dicken 8mm-Heatpipes. Züchtiger Langrock also, kein Mini-Röckchen mit oben freiliegeder Speckrolle.

Die Slotblende ist insofern hochinteressant, als dass sie nur noch vier anstelle der fünf Anschlüsse der Referenzkarte aufweist. Ein HDMI-2.0-Anschluss und dreimal DisplayPort 1.4 stehen dem Anwender zur Verfügung. Auf den älteren DVI-Ausgang hat man gleich ganz verzichtet. Gut, irgendwann muss eben auch mal Schluss sein.

Abschließend werfen wir noch einen ersten Blick auf die technischen Daten. Sapphire bietet ein Dual-BIOS mit 2-Schaltstufen am DIP-Schalter und schreibt dazu selbst in den Specs:

AMDs Guidelines für die Taktfrequenzen folgend, hat man den maximalen Turbo-Takt allerdings um 100 MHz angehoben, so dass die angezeigte MHz-Zahl von den Specs abweicht, warum auch immer.

Verglichen mit den relevanten Referenzkarten sieht dies dann so aus (die GeForce GTX 1070 haben wir bewusst nicht verwendet, da die übertaktete RX Vega56 oft deutlich schneller agiert):

Modell Radeon
RX Vega64
Reference
Sapphire
RX Vega56
Pulse
Radeon
RX Vega56
Reference
GeForce
GTX 1070 Ti
Geforce
GTX 1080
FE
GPU Vega 10 Vega 10 Vega 10 GP104 GP104
Chipgröße 484 mm² 484 mm² 484 mm² 314 mm² 314 mm²
Transistoren 12.5 Mrd. 12.5 Mrd. 12.5 Mrd. 7,2 Mrd. 7,2 Mrd.
GPU-Basistakt/
Boost-Takt
1274 MHz
1546 MHz
1275 MHz
1590 MHz
1156 MHz
1471 MHz
1607 MHz
1683 MHz
1607 MHz
1733 MHz
Shader/SIMD 4096/64 3585/56 3585/56 2432/19 2560/20
Textur-Einheiten/
ROPS
256
64
224
64
224
64
152
64
160
64
Pixel-Füllrate
99 GPix/s 102 GPix/s 94 GPix/s 108 GPix/s 114 GPix/s
Textur-Füllrate 396 GTex/s 356 GTex/s 330 GTex/s 244 GTex/s 257 GTex/s
Speicheranbindung 2048 Bit 2048 Bit 2048 Bit 256 Bit 256 Bit
Speichertyp HBM2 HBM2 HBM2 GDDR5 GDDR5X
Speicherbandbreite
484 GB/s 410 GB/s 410 GB/s 256 GB/s 320 GB/s
Speichertakt
1,9 Gbps 1,6 Gbps 1,6 Gbps 8 Gbps 10 Gbps
Speicherausbau
8 GB 8 GB 8 GB 8 GB 8 GB
DX Feature-Level 12_1 12_1 12_1 12_1 12_1
PCIe-Buchsen 2 × 8-Pin 2x 8 Pin 2 × 8-Pin 1x 8-Pin 1x 8-Pin
TBP 295 Watt 265 Watt 210 Watt 180 Watt 180 Watt

Testsystem und Messmethoden

Das neue Testsystem und die -methodik haben wir im Grundlagenartikel “So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017” (Englisch: “How We Test Graphics Cards“) bereits sehr ausführlich beschrieben und verweisen deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen. Allerdings haben wir CPU und Kühlung erneut verbessert, um für diese schnelle Karte mögliche CPU-Flaschenhälse weitgehend auszuschließen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i7-6900K @4,3 GHz
MSI X99S XPower Gaming Titanium
G.Skill TridentZ DDR4 3600
1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (Creators Update, alle Updates)
Radeon Software Adrenalin (17.12.2, Stand Dezember 2017)

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