Sauberer Klang zum angemessenen Preis: Teufel Cage Gaming-Headset im Test

Die verflixte Wortspielkasse will ich mal lieber nicht auffüllen, auch wenn es geradezu verteufelt in den Fingern juckt. Wenden wir uns lieber den Fakten zu, wenn es um den Langzeittest des Teufel Cage geht. Immerhin ist dies das Erstlings-Headset der Berliner Audio-Firma und man kann jetzt schon spoilern, dass man den eigenen und den Ansprüchen der Käufer sicher gerecht geworden ist.

Wir haben das Cage im praktischen Einsatz seit November in häufiger Benutzung und können so einerseits davon ausgehen, dass es hält (auch was es verspricht) und andererseits schön eingespielt ist, um auch die Befürworter dieser Sparte ruhig stellen zu können. Mehr (ein)spielen geht nämlich fast nicht.

Lieferumfang und Unboxing

Wenn wir die Box öffnen, dann können wir insgesamt fünf Dinge entnehmen. Das Headset als solches, das ansteckbare Mikrofon samt Pop-Schutz, ein 3 Meter langes USB-2.0-Anschlusskabel zum Anschluss an PC oder Konsole, ein 1,5 Meter langes 3.5mm-Multifunktions-Klinkenkabel für den Abschluss ans Smartphone und eine Bedienungsanleitung (neudeutsch Manual). Mehr gibt es und braucht man auch nicht.

Das USB-Kabel ist ziemlich starr und unflexibel und ein hervorragendes Medium für etwaigen Körperschall. Das schränkt einerseits den Komfort etwas ein und hinterlässt zudem ein akustisches Hufgescharre immer dann, wenn das Kabel mit irgendetwas oder einem selbst in Berührung kommt. Die Auswahl,  Micro-USB statt des deutlich stabileren Mini-USB zu nutzen ist ebenfalls nicht zu 100% zweckmäßig. wohl aber durch die Platine des Suppliers so festgelegt. Wer mitdenkt, wird sich vielleicht sogar ein dünneres und flexibleres Kabel in der gewünschten Länge selbst kaufen. Denn auch das ginge durchaus.

Optik, Haptik und Tragekomfort

Optisch trägt das Teufel Cage weder dick auf, noch ist es ein wackeliger Plastikbomber mit überbordender Gaming-Kriegsbemalung. Das Teil ist zwar Spritzguss pur, aber eben nicht nur als langweiliges ABS-Monument, sondern auch als in Aluminium realisierte Mechanik in Form der Ohrmuschelhalterungen. Das kostet natürlich in der Herstellung, vor allem beim Tooling, lohnt sich aber für den zahlenden Kunden allemal.

Farblich ist das (fast) ganz in Schwarz gehaltene Gesamtkonstrukt in sich absolut stimmig und erst dann, wenn man es am USB anstöpselt, leuchtet in den Seiten der Ohrmuscheln ein LED-hintergrundbeleuchtetes T als Signet des Herstellers. Farben wechseln geht nicht, ausschalten auch nicht – schade.

Die Herstellerangabe von 280 Gramm (ohne Kabel) ist allerdings irreführend und falsch. Wir messen auf der Laborwaage reichlich 312 Gramm für das Headset ohne alles und 323 Gramm mit eingestecktem Mikrofon. Das ist jetzt zwar nicht dramatisch mehr, aber ca. 10% Abweichung sind eben auch keine tolerierbaren Abweichungen mehr.

Kommen wir zurück zur Mechanik, also dem Gelenkmechanismus und der Frage nach der Tragbarkeit des Headsets sowie dem langzeitbasierten Wohlbefinden des Kopfgebers. Die Haltbarkeit sollte ja stimmen, aber was ist mit dem Komfort?

Die Ohrmuscheln lassen sich in der Horizontalebene in einem ziemlich großen Winkel klappen, vertikal findet man da nichts Sichtbares. Diese (notwendige) Anpassung erfolgt einerseits erst einmal passiv über das recht flexible Kopfband, dessen Federstahl im Inneren relativ nachgiebig die Seiten wechseln lässt und andererseits über die weichen Ohrpolster als finalem Rettungsanker.

Ein Test auf mehreren, sehr unterschiedlich großen und geformten Köpfen, hat da erst einmal nichts Nachteiliges ergeben. Das Teufel Cage ist ein typisches Over-Ear-Headset und genauso trägt es sich dann auch. Passt also, selbst für Brillenträger.

Apropos Kopfband, auch hier steht der Tragekomfort im Mittelpunkt und die Innenpolsterung ist weich genug, um Druckstellen zu vermeiden. Allerdings hätte man es auch einkerben oder perforiertes PU-Lederimitat nehmen können, um die Transpirationsgefahr zu bannen. Frei nach dem Motto: Knallt die Sonne auf den Schädel, schwitzt da der Bub und auch das Mädel.

Und weil wir nun endgültig in der Lederpolster-Abteilung angekommen sind, noch ein Wort zu den Ohrpolstern. Der verwendete Schaumstoff ist weich, aber nicht zu diffus-fluffig. Akustisch sind die Ohrpolster noch nicht einmal übel und Dank der Mixtur aus nicht zu labberigem Kunstleder und sinnvollen Steppnähten auch recht klangstabil bei unterschiedlichen Anpressdrücken. Ergo hört Kevin-Klaus dann in etwa auch das, was Chantal-Cheyenne hören könnte, wenn sie sich das Cage im Laden einschnauft. Trotz unterschiedlicher Kopfform. Nur schwitzig ist es auf Dauer schon etwas, für beide. Abgeschlossener Mikrokosmos halt.

Funktionalität und Anschlüsse

Am Headset finden sich einige Schalter und Regler, die ich einmal kurz erklären möchte. Zum einen sehen wir den Lautstärkeregler in Form einer Walze. Das Teil ist griffig und wertstabil. Auf die zugrundeliegende Mechanik gehe ich gleich noch ein. Der Taster mit dem Hörer ist die Multifunktionstaste für den Smartphone-Betrieb und man kann damit u.a. eingehende Anrufe annehmen, ablehnen oder die Musikwiedergabe steuern.

Der Schiebeschalter ist für das Umschalten des Mikrofoneingangs zwischen USB und Klinke und immer dann von Vorteil, wenn man beide Kabel angeschlossen hat. Dann kann man nebenher auch noch telefonieren und mit der Umschaltung den Chat vor allzu privatem Geflüster mit der Flamme des aktuellen Lebensabschnitts bewahren.

Die Buchse für das Ansteckmikrofon findet man beidseitig. Das ist echt smart, denn so kann man das Headset auch andersherum aufsetzen und die Kabelage rechts herunterbammeln lassen. Und da das Headset mitdenkt und die Stereokanäle dann automatisch tauscht, bleibt ingame alles beim Alten. Links schießen, rechts erschossen werden. Man sieht, es gibt viele Möglichkeiten, mit dem Cage erst einmal im Trockenen herumzuspielen, bevor man sich wieder ins Spiel begibt (oder Musik hört).

Tear-Down: Wir schrauben auf

Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit, denn ich werfe wie immer auch einen Blick ins Innere. Hinter der Abdeckung von Ohrpolster und Muschel sitzt ein potenter 40mm-Treiber. Wer glaubt, man müsse den Größten haben, nur um gut und laut pegelfest aufspielen zu können, ist das typische Marketing-Opfer. Es kommt nämlich nicht (nur) auf den Durchmesser der Membran an, auch wenn dies so gern als Kriterium verkauft wird. Manche Experten zählen dann sogar noch die Ränder mit dazu, um weitere 3 mm mehr bewerben zu können.

Albern, aber leider gängige Praxis. Kleinere Membranen sind sogar meist weniger träge und haben zudem auch weniger mechanische Probleme mit Verformungen in der Membranmitte. Das Einschwingverhalten der verwendeten Treiber ist nämlich ziemlich gut, aber das besprechen wir ja eh gleich noch.

Wir erkennen auch sehr schön die Mulde, in der der Treiber sitzt. Damit erreicht man immer einen gewissen Mindestabstand zum Ohr, der nicht unterschritten werden kann. Teufel verzichtet auch auf Spielereien wie Doppelkammer oder sonstigen Firlefanz fürs Endzeit-Bass-Viagra. Braucht kein Mensch, außer vielleicht Kevin-Klaus, der glaubt, Bass käme von bässer.

Zwei abgedeckte Löcher für den Druckausgleich sind eigentlich das Einzige, was man hier noch als mechanisches Sounding bezeichnen könnte. Eine wirkliche Dämpfung findet man ebenfalls nicht, nur aufgeklebtes Vlies zur Verringerung der Reflexionen.

Die Platine trägt neben dem rückseitig verlöteten (und hier nicht sichtbaren) C-Media-Chip noch die ganzen Buchsen und Regler und wir sehen nun auch, wie die Walze des Lautstärkereglers so funktioniert. Das Potentiometer ist damit leicht untersetzt und das taktile Feeling mit den Raststufen ist eigentlich gar keines, sondern die wohl beabsichtigte Folge des etwas groben Zahnradmechanichtsnutzes.

Die Soundlösung ist eine Ein-Chip-Lösung mit USB-Controller und Schaltlogik für die Multifunktionsklinke. Natürlich ist so etwas immer auch ein Kompromiss, aber auch darauf gehe ich gleich noch ein.

C-Media liefert zu seinen Chips den üblichen Wohlfühlbaukasten als Skelett für die OEM-Software mit, so dass diese Endprodukte faktisch immer sehr ähnlich aussehen. Ein paar Bitmaps tauschen und Funktionen freigeben bzw. wegblenden und fertig ist der Treiber. Das muss nicht nachteilig sein, da vielfach bewährt. Wir finden es zumindest gut, dass man sich bei den vordefinierten Soundprofilen nicht an der asiatischen Missinterpretation ordentlicher Hörgewohnheiten vergriffen hat, sondern sich aufs Wesentliche beschränkt.

Xear 3D heißt übrigens die Surround-Lösung bei C-Media und wenn ich ehrlich sein soll, ich würde es besser lassen. Firmen wie Sennheiser können das deutlich besser (und natürlich auch teurer). Aber lieber echtes Stereo in guter Qualität, als oszillierende Ohrspülungen mit orientierungslosem und phasenverschobenem Frequenzgesprudel. Einbilden kann man sich ja Vieles, aber gut ist dies, wie viele andere Lösungen, am Ende nicht wirklich. Da liegen Fiktion und Frustration viel zu eng beieinander.

Technische Daten im Überblick

Bevor wir nun zum eigentlichen Test kommen, schnell noch einmal die technischen Daten des Headsets:

Kopfhörer
Treiber 40mm, Neodym, Mylar Membran
Impedanz 32 Ohm
Kennempfindlichkeit 86 dB
Frequenzbereich 20 ~ 20000 Hz (Herstellerangabe)
Besonderheiten Over-Ear-Prinzip, Rote LED (USB-Betrieb)
Mikrofon
Kapsel keine Angaben
Ausführung Elektretmikrofon
Charakteristik Unidirektional
Frequenzumfang Keine Angaben
Empfindlichkeit Keine Angaben
Abnehmbar Ja, Klinke. Mit integriertem Mute-Schalter
Sonstiges
Anschlussart USB 2.0, 3.5 mm Multifunktions-Klinke
Soundkarte Integriert (C-Media)
Lautstärkeregler Integriert
Kompatibilität PC, PS4, XBox One, Mobilgeräte (Smartphone, Tablet usw.)
Gewicht 312 Gramm (netto), 323 Gramm mit Mikro (Messung)
Abmessungen Keine Angaben
Preis
ab ca. 120 Euro Straßenpreis

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