Giftiger Kampfzwerg fürs Wohnzimmer: HTPC mit Ryzen 5 2400G

Ich hatte über die letzten Jahre ja schon so Einiges im Wohnzimmer stehen und als HTPC genutzt, aber am Ende hatte jedes Projekt entweder irgendwelche Nachteile oder seine Zeit rein technisch einfach überlebt. Da kommt AMDs Offerte mit den aktuellen APUs samt kleiner Vega-Grafik gerade recht. Schaun wir einfach mal, was sich da so Schönes zusammenschrauben lässt. Wer seine Spiele eher streamt, oder weniger anspruchsvoll ist, findet mit dem Ryzen 3 2200G übrigens eine clevere und deutlich preiswertere Initiative.

Auslegungssache: Ryzen 3 2200G oder Ryzen 5 2400G?

Klar, die kleine APU reicht für den täglichen, multimedialen Wahnsinn auch fast immer aus, wenn man nicht gerade spielen will. Will man? Man könnte ja, falls man wollte. Bei mir waren es die zwei kleinen Kinder, für die es schöne Spiele gibt, die sich am großen Wohnzimmer-TV gemütlich zocken lassen – auch mit mehreren Personen gleichzeitig. Auf eine reine Spielekonsole konnten wir bisher jedenfalls dankend verzichten und ich will damit auch gar nicht erst anfangen. Erstens ist da der Umstand, dass ich mir ungern subventionierte und lärmende Hardware ins Wohnzimmer stelle, um mich dann im Umkehrschluss mit den Spielen wie eine Weihnachtsgans ausnehmen zu lassen. Außerdem ist da ja auch noch der gewisse “Es-juckt-mal-wieder-in-den-Fingern”-Effekt. Dann also die lieber gleich die große APU. Kleckern ist nicht.

Als Mainboard dient, wie schon beim Launch, das AB350N Gaming WiFi von Gigabyte samt des FlareX DDR4 3200 von G.Skill. ES hätte locker auch etwas anders werden können, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nimmt gern, was er schon einmal als funktionierend abhaken konnte. So auch hier. Neues BIOS drauf, anstecken, fertig. Nur beim Wraith-Kühler war später noch etwas Nacharbeit fällig, denn meine Nerven werden leider auch nicht jünger.

Drei Kilo Milo: das Silverstone ML06-E

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, wo passt das alles rein? Mit den ca. 82 Euro Straßeneinstiegspreis ist das 2,7 Kilo schwere Milo ML06-E nicht gerade billig, aber es ginge auch deutlich teurer. Oder im Umkehrschluss auch deutlich günstiger und dafür qualitativ schlechter. Doch wer möchte schon eine Wellblechhütte im Wohnzimmer stehen haben? Die lasse ich dann doch lieber dort, wo sie hingehört. Der Vorteil des ML06-E liegt für mich allerdings am ehesten in der Breite von 35 cm begründet, denn es passt damit exakt auf meinen fetten Subwoofer.

 

Bis auf die im Brush-Look aufgepimpte 7mm-Alu-Front ist das Ganze ein solider Stahlblech-Klotz. Wenn man auf dieser Größe mit 0,8 mm SEC anfängt, dann hat das alles schon fast einen Hauch von Ewigkeit. Verwindungssteif ist hier nicht nur ein williges Adjektiv, sondern Programmbeschreibung.  Gut, also filigran geht anders, aber hey, wir haben ja auch noch die Kinder. Da beruhigt jede massive Anschaffung schon ungemein.

Den Luftikus haben wir entsorgt, das kann AMDs Boxed-Kühler ausreichend gut, auch der SSD-Käfig ist überflüssig. Vor allem dann, wenn man ein hauseigenes Silverstone-Netzteil ohne Kabelmanagement verbauen möchte. Mit Käfig ist das Feeling schlimmer als die unheilige Dreifaltigkeit aus Bus, Berufsverkehr und dicken Stehnachbarn.

SFX-Netzteil: SST ST30F 80+ Bronze

Silverstone hat auch Netzteile und ob nun Gold oder Bronze – solange das Teil richtig dimensioniert ist, kann der Niedriglastbereich sogar effizienter ausfallen als bei großen Gold-Boliden. Und selbst wenn, solange, bis der Mehrpreis quasi abgefüttert ist, kann ja gar kein Mensch vor der Glotze verbringen. Das gute Stück hat zwar kein Kabelmanagement, aber mit den SSDs haben wir eh was anderes vor. Für unter 50 Euro ist das Silverstone SFX-Netzteil nämlich keine schlechte Wahl.

Die Bauchbinde mit dem Hinweis, dass die Lüfter nur anlaufen, wenn man sie wirklich braucht, ist nett und Kevin-Klaus sicher vor einer unnützen Reklamation. Angesprungen ist der Lüfter übrigens nur mal beim obligatorischen Stresstest in der Hotbox. Aber ob das zu meinen täglichen Einsatzgebieten gehört, darf wohl angezweifelt werden. Ergo passt das schon so. Viel günstiger dürfte man es somit eh kaum hinbekommen.

SSDs mal anders: Mainboard + Silverstone ECM22

Da wir keine Grafikkarte stecken müssen, blieb schnell Raum für ein nettes Gedankenspiel. Wohin mit den SSDs, wenn sich die Netzteil-Kabel an der geplanten Stelle so wohl fühlen, dass sie gar nicht wieder wegwollen wegkönnen? Richtig! Man schaut mal, ob es nicht doch eine passende Zusatzsteckkarte gibt! Eine NVMe-SSD konnten wir ja wie vorgesehen an der Unterseite des Mainboards befestigen, aber ob das ausreicht? Man kann mittels x4-Zusatzkarte den einen x16-Slot clever nutzen und sogar zwei Karten zusätzlich stecken!

Interessanterweise klappt das sogar mit zwei Karten gleichzeitig, wobei die zweite Karte dann noch mit einem SATA-Kabel angeschlossen werden muss. Ältere mSATA-Karten werden nicht unterstützt. Schade eigentlich, aber man kann ja nicht alles haben. Das Gehäuse unterstützt auch noch optische Laufwerke, die jedoch im Slot-In-Format geliefert werden müssen. Silverstone hat da auch was im Portfolio, aber es gibt auch günstigere Alternativen.

Wenn denn die DHL mitspielt. Das hier geplante Laufwerk wurde zwar bestellt, bezahlt und auch an die DHL übergeben, leider fiel der Liefertermin auf einen Samstag. Ungünstig, wenn der Zusteller (natürlich rein zufällig) samstags immer keine Lust hat (zum wiederholten Male). Angeblich war bei mir erst niemand zu Hause (dumm halt nur, wenn die Überwachsungsanlage erst gar nichts registriert hat) und nachdem ich die DHL mit dieser Tatsache konfrontiert hatte, das Paket urplötzlich in einer weit entlegenen Filiale, an die es angeblich ja völlig “wunschgemäß” geliefert wurde, nicht mehr auffindbar. Temporärer Totalverlust, Zustellerbeschwerde und eine pampige Hotline sind alles, was übrig blieb. Dann eben erst einmal ohne. Außerdem sparen wir uns damit den Kühlerumbau auf ein teures 3rd-Party-Produkt.

Bevor das ganze jetzt in Arbeit geht, habe ich noch alternative Aufstellungen, wie man so einen APU-HTPC günstig oder extensiv aufsetzen kann. Immerhin hat der Verzicht aufs Slot-In-Laufwerk den Vorteil, dass man AMDs sehr hohen Boxed-Kühler nutzen kann. Platz genug ist ja nun da, wenn auch ungewollt.

Die nachfolgende Liste besteht aus getesteten Komponenten. Vor allem beim RAM sind die APUs extrem sensibel und DDR4 3200 sollte es schon sein. Sonst fährt man die integrierte Grafik mit angezogener Handbremse. Und das will ja keiner. Die von mir verbauten FlareX von G.Skill gehen natürlich auch, aber die kosten dann schon wieder etwas mehr. Die Tabelle zeigt übrigens auch, wie schnell man den Einstiegspreis auch verdoppeln kann. Typischerweise sollte man aber auch schon im mittleren 500-Euro-Bereich glücklich werden können.

Günstig
Preis
Euro
Vollausbau
Preis
Euro
APU
Ryzen 3 2200G 91 Ryzen 5 2400G 127
Mainboard
Biostar B350GTN
(kein WiFi!)
85 Gigabyte GA-AB350N
Gaming WIFI
107
Speicher
8 GB G.Skill RipJaws V schwarz
DDR4-3200 DIMM CL16 Dual Kit
95 16GB G.Skill RipJaws V schwarz
DDR4-3200 DIMM CL16 Dual Kit
165
SSD
ADATA XPG SX6000 256GB 72 ADATA XPG SX6000 256GB 72
  Silverstone SST ECM22 28
  ADATA XPG SX6000 1TB 295
OSD
Slot-In, internes 5,25″ Slim-Laufwerk
Niedrigerer CPU-Kühler nötig
40
42
Netzteil
SST ST30F 80+ Bronze 48 SST ST30F 80+ Bronze 48
Gehäuse
Silverstone ML06-E 82 Silverstone ML06-E 82
Gesamt:
473 1006

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