Steelseries Arctic Pro + GameDAC Stereo-Headset im Test

Der Siberia-Reihe geografisch folgend, geht es nun noch etwas nördlicher und nach dem gefühlten Frost-Ereignis klirrender Eisnächte sucht Steelseries mit der Arctis-Reihe den neuen akustischen Pol, für den sich der Kunde gern erwärmen soll.

Viel Audio oder sogar audiophil? Genau das wollen wir heute testen, denn der Straßenpreis für das Headset, einschließlich des DAC und Verstärkers, liegt bei selbstbewussten 275 Euro. Allerdings erhält man das Headset einzeln bereits für unter 200 Euro, so dass man hier durchaus auch die Wahl eigener Komponenten hat.

Es wird am Ende also daraus hinauslaufen, einerseits die akustischen Fähigkeiten zu testen und anderseits die Materialanmutung, Verarbeitung und Funktionalität zu bewerten, um den aufgerufenen Preis objektiv zu hinterfragen. Man kann durchaus so viel Geld ausgeben, sollte dann aber auch einen entsprechenden Gegenwert erwarten dürfen.

Lieferumfang und Zubehör

Eigentlich hat Steelseries ja fast alles in die kleine Zubehörschachtel gepackt, was man auch nur irgendwie anschließen könnte. Neben Headset und GameDAC finden sich ein proprietäres Kabel für den kombinierten Audio-Anschluss samt RGB-LED-Illumination, ein optisches Kabel (SPDIF), ein USB-Anschlusskabel für PC oder PS4, sowie ein analoges 3,5-mm-Klinkenkabel für die Verbindung zwischen GameDAC und einem mobilen Device.

Trotz des hohen Preises fehlt leider ein ganz normales 3.5-mm-Klinkenkabel, um das Headset auch ohne den GameDAC betreiben zu können. Denn wer schleppt schon ein kleines Brikett unterwegs in der Hosentasche spazieren? Hier sollte Steelseries einfach nachlegen, denn es würde die Usability deutlich steigern.

Was ist eigentlich “Hi-Res Audio”?

Zunächst vorab: es handelt sich nicht um HRA (High Resolution Audio), aber die Ähnlichkeit ist sicher nicht ganz unabsichtlich so gewählt worden. Die JAS (Japan Audio Society) als federführende Organisation hinter dem von Sony vor Jahren erstmals auf einem eigenen Plattenspieler genutzten Label schreibt z.B. für analoge Geräte vor, dass bei Kopfhörern (um die es ja geht) eine “Speaker and headphone performance of 40 kHz or above” zu erreichen sei. Dieses Label wird auch nicht “verliehen”, sondern man muss dafür in erster Linie bezahlen.

HiRes Audio ist zudem auch für den digitalen Verarbeitungsweg ein nicht klar definierter Begriff. Das Ziel ist bereits erreicht, wenn die Abtastrate des Audiosignals und die Auflösung größer definiert sind als im üblichen H-Fi Bereich. Die Abtastrate des GameDAC liegt mit 96 KHz höher als die üblichen 48 KHz und auch die Auflösung liegt mit 24 Bit höher als die normalen 16 Bit. Eine höhere Auflösung ist allerdings eher was fürs Studio und den dortigen Signalverarbeitungsweg. Ob sich das aber für den Kunden überhaupt hörbar niederschlägt, muss der Test beweisen.

Darüber hinaus sagt die JAS auch nichts zur eigentlichen Wiedergabequalität des Headsets und den geforderten Parametern. Was dann am Ende wirklich gut klingt, darf nämlich jede Firma ganz für sich allein entscheiden: “Listening evaluation process is added and final decision as Hi-Res Audio product to be proved according to each company’s sound evaluation standard“. Aber wir werden natürlich wie immer selbst probehören, nachmessen und objektiv urteilen. Auch wenn Steelseries meint, das erste so zertifizierte Headset geschaffen zu haben – mit dem Roccat Khan Pro gibt es deutlich günstigere Alternativen mit gleichem Label und dies auch nicht erst seit gestern.

Optik, Haptik und Funktionalität

Die Materialanmutung des auf den ersten Blick eher solide und verhalten auftretenden Headsets ist gut, reißt einen aber auch nicht euphorisch vom Hocker. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Jegliche farblichen Akzente muss dann der LED-Ring am äußeren Rand der Hörmuscheln richten. Schließt man das Headset lediglich analog an, fehlt dieser Farbtupfer. Wer das Headset eher als Gebrauchsgegenstand sieht, wird dies aber gut verschmerzen können.

Kombinierte Oberflächen aus mattschwarzem ABS (Korpus), Rubber-Coating (Außenschalen) und anthrazit-metallischen Scharnieren fallen zwar nicht effektheischend ins Auge, wirken aber zumindest auf den zweiten Blick dann schon recht edel. Metall findet man bis auf das äußere Kopfband dann keines.

Das Kopfband ist als solches nicht verstellbar, sondern Steelseries setzt auf ein weiteres, komplett umspannendes Textilband, das sich mittels Klettverschlüssen individuell an die Kopfgröße anpassen lässt. Zumindest ist dies so angedacht, scheitert aber bei europäischen Köpfen relativ schnell. Der Autor mit Hutgröße 62 wäre also selbst mit viel gutem Willen kein ideales Mitglied der zahlenden Zielgruppe. Schade, denn hier stößt asiatisches Körpermaß sehr deutlich an Globalisierungsgrenzen und ist als Blaupause denkbar ungeeignet.

Der zweiachsige Gelenkmechanismus muss auch das recht flexible Kopfband bemühen, um in allen Richtungen anpassungsfähig zu bleiben. In der Praxis funktioniert das auch recht gut, wäre da nicht die Limitierung bei den Kopfumfängen. Zumal ein nicht optimal sitzendes Headset akustisch schnell zum Waterloo wird und der Hersteller damit wichtige Punkte liegen lässt.

An der Seite der linken Ohrmuschel finden sich der gut ertastbare, großflächige Mute-Schalter für das Mikrofon, das griffige Drehrad für die analoge Lautstärkeregelung, die man am GameDAC eigentlich gar nicht benötigt, der etwas zu filigrane Anschluss des Verbindungskabels zum Verstärker, sowie die übriggebliebene 3,5-mm-Klinkenbuchse, für die man ein Kombinationskabel bräuchte (Audio und Mikrofon).

Die Ohrpolster sind relativ leicht abnehmbar und auch wieder einzusetzen. Die textile Bespannung trägt sich angenehm und auch weitgehend schwitzfrei, ist aber akustisch nicht ganz unbedenklich. Mal abgesehen von der etwas schlechteren Abschirmung der Umgebungsgeräusche, beeinflussen die Ohrpolster das subjektive Klangerlebnis sehr stark. Vor allem bei höheren Frequenzen leidet die Ortung etwas, doch dazu später mehr.

Tear down und Sound-Design

Auch Steelseries setzt auf kleinere und flinke 40mm-Neodym-Treiber, um die 40 KHz Vorgabe für die Obergrenze beim Frequenzumfang zu erreichen. Im Prinzip ist das nicht nachteilig, solange die Abstimmung im Korpus die unteren Frequenzbereiche nicht vernachlässigt. Und genau deshalb schrauben wir das Teil jetzt auch auf, denn wir sind ja neugierig.

Auch der Supplier des Steelseries Arctis Pro setzt auf eine Art Doppelkammer mit seitlich variierbaren Öffnungen für eine kundenspezifische Abstimmung ab Werk. Ein testweises, komplettes Öffnen ergab etwas mehr Fülle beim Bass, allerdings ging dann dessen saubere und klare Definition verlustig und es gab als Gratiszulage ein eher schwammiges Wummern. Dann doch besser so, wie es jetzt ist.

Wir sehen im Inneren eine einfache Platine von Shen Zhen Sun & Lynn Circuits Co. Ltd., die Lötqualität ist im gesamten Headset ok. Man sieht auch sehr schön die Versorgungsleitung zur milchigen Lichttransferfolie in der Mitte, hinter sich die RGB-LED verbergen.

GameDAC – Digital-Analog-Wandler und Kopfhörerverstärker

Das, was Steelseries mit dem ESS Sabre 9018 in den GameDAC packt, lässt sich aktuell kaum toppen, denn der Markt an guten DACs ist relativ überschaubar. Wenn man zudem berücksichtigt, dass am Ende ca. 75 Euro für den GameDAC mehr aufgerufen werden, als beim Headset ohne, dann ist der Preis für den GameDAC eigentlich nur fair. Bedauerlich, dass er leider nur einen proprietären Headset-Ausgang bietet und man so keinen direkten Vergleich zu andern Headsets ziehen kann.

Immerhin gestattet es der GameDAC, neben einem optischen Eingang auch am PC oder der PS4 direkt mittels USB angeschlossen zu werden, wobei dieser Anschluss auch zur Spannungsversorgung dient. Toslink & Co. gehen also nur bei einem zusätzlich angeschlossenen Großgerät. Allerdings konnten wir auch eine Powerbank nutzen, um das Gerät portabel zu halten. Wirklich platzsparend ist das aber alles nicht.

Den Anschluss an ein unbekanntes USB-Ladegerät sollte man aber vermeiden, denn der ESS Sabre 9018 reagiert eigentlich sehr empfindlich auf Spannungsunterschiede. Inwieweit hierfür im GameDAC schaltungstechnisch vorgebaut wurde, ließ sich leider nicht feststellen.

Auch wenn der ESS-Chip noch deutlich mehr könnte, die 96 KHz Abtastrate und 24 Bit Auflösung in der aktuellen Umsetzung reichen auf jedem Fall. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Kappung der maximalen Lautstärke, die man bei vielen Verstärkern mittlerweile vorfindet. Auch wenn man damit gewisse Vorschriften bzw. Empfehlungen einhalten möchte, schön ist es nicht. Das alles bewahrt Kevin-Olaf natürlich elegant vorm Hörsturz, aber Gängelung bleibt Gängelung. Die für die Treiber angegebenen 102 dB SPL erreicht man damit nämlich nicht einmal annähernd.

Die Funktionalität der Firmware ist hingegen überdurchschnittlich. Neben sehr vielen Einstellungen, die man intuitiv mit dem Drehschalter und der Taste über das Display vornehmen kann, ist auch die Mixer-Funktion sehr praktisch, indem man die Lautstärkepegel von Chat und Spiel geschickt den Wünschen anpassen kann. Das Gleiche gilt auch für das Mikrofon. Mit der Steelseries Engine lassen sich diese Settings zudem auch bequem vom PC aus vornehmen, einschließlich der RGB-Steuerung.

Mikrofon

Steelseries nutzt mit der Achtercharateristik auf eine eher ungewöhnliche Mikrofonlösung, denn normalerweise werden Nieren- oder Kugelcharakteristik bevorzugt. Die Erkennbarkeit ist allerdings ganz ordentlich, nur die Umgebungsgeräusche direkt vor einem kommen ebenfalls recht klar zur Geltung. Der Schwanenhals ist ausreichend lang und auch sehr flexibel.

Das Ganze lässt sich bei Nichtgebrauch auch einschieben, allerdings fällt dann der aufsteckbare Pop-Schutz ab. Mangels mitgelieferter Tragetasche hat man das Teil dann unschlüssig in der Hand und wird sich einen sicheren Ort suchen müssen, um ihn später auch wiederzufinden.

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