Far Cry 5 – Im Westen nichts Neues und das ist gut so

Der größte Gewinn ist definitiv erst einmal (k)ein Verlust. Nachdem einem die unsägliche Funkturmkletterei bei Far Cry 4 noch unnötig auf den Sender ging, darf man diesmal stressfrei Karten in zuvor befreiten Stützpunkten einsammeln oder selbst das Gelände erkunden. Wenn man dabei nicht von den gefühlten Myriaden an Wölfen, Bären und Stinktieren neugierig angeknabbert, genüsslich verspeist oder zumindest bös einparfümiert wird. Aber abstinken kann man auch so, wenn auch nicht so oft wie in den Vorgängern.

Und sonst? Man ist wie immer der Gute, darf diesmal in Gottes eigenem Land die verballhornte Trumpifikation in Personalunion zugedingster Kleriker bestaunen und sich über so manchen Dialog der waffenfanatischen Hinterwäldler geradezu scheckig lachen, wenn man nicht wider Erwartens zu denen gehört, die den Zielscheiben der reichlich frechen Einlassungen ungeteilte Sympathie entgegenbringen. Auch das soll es ja geben. Aber die spielen sowieso was anderes.

Synapsenaufweichende Drogen gibt es auch wieder und mit der gehörigen Portion Bliss wird das Leben diesmal, anstelle des klatschmohnroten Gehirnschleudertraumas aus Far Cry 4, endlich einmal grandios persilkonform weißgespült.

Neben der gewohnten Portion DRM und dem obligatorischen Launcher setzt Ubisoft leider auch auf EAC (Easy Anti-Cheat). Dieser hybride, server- und client-seitige Anti-Cheat-Service ist eigentlich vorranging zum Schutz von Multiplayer-Spielen entwickelt worden und man darf sich am Ende dann schon fragen, was diese Spaß- und Leistungsbremse in einem als Karrierespiel ausgelegten Single-Player-Titel zu suchen hat. Kanonen, Spatzen und so…

Zumal mittlerweile bereits nach vier Tagen erste Trainer und Cheatprogramme in der Lage waren, EAC auch ohne das Austauschen der Originaldateien mit einem eigenen Launcher zu überwinden und Manipulationen der Spielstände und Werte zu ermöglichen (Stealth, unendliche Ausdauer/Gesundheit, kein Nachladen, unbegrenzt Munition und Geld usw.). Das übliche Hase-Igel-Prinzip eben.

Apropos Spaßbremse. Einzig die strunz- und prunzdumme KI wird dem Gesamtkonzept aus poppiger Grafik, peppigen Dialogen und pappiger Musik nicht wirklich gerecht. Der Unterschied zwischen schwer und leicht definiert sich meist nur in der Anzahl der irrlichternden Gehirnamputanten, die ziemlich unkoordiniert hier und da mut- und eigenwillig herbeigespawnt werden und deren einziges Ziel es zu sein scheint, sinnlos Munition in die Landschaft zu pusten und sich teilweise gegenseitig über den Haufen zu rennen. Es ist in diesem Zusammenhang schon verwunderlich, wenn man auf einer frei einsehbaren Fläche steht, sich hinter einem im Umkreis von 100 Metern niemand befindet und man doch nach nur 5 Sekunden einen Schlag mit einem Spaten auf den Hinterkopf bekommt. Das ist nicht nur Doping für die Haare, sondern schlicht unmöglich.

Diese militanten Ölgötzen der geistig etwas schlichteren Art lassen sich immerhin recht elegant wegsnipern und so lohnt die Investition in ein ordentliches Zielfernrohr und die richtige Waffe allemal, um das geistige Ungleichgewicht gleich komplett zu beenden. Überhaupt ist die Aufteilung in Story- und Nebenmissionen, sowie diverse Quests ganz gut gelungen. Einzig der Umstand, dass man nur einen Speicherpunkt hat und bei laufender Mission die Kontrollpunkte stellenweise arg weit auseinander liegen, wird den Duellanten etwas ärgern. Denn auch ein Abbrechen einer einmal laufenden Mission ist nicht möglich und man fällt immer vollständig auf den letzten Speicherpunkt zurück.

Dafür sind die Waffen vielseitig. Wir haben unsere Fähigkeitenpunkte wie immer erst einmal in ein größeres Holster investiert, was es einem erlaubt, sekundär auch einen irgendwo herumliegenden Raketenwerfer mitzunehmen bzw. selbigen bei einem der unzähligen Händler zu erwerben. Dann hat man auch das richtige Werkzeug zur Beseitigung der knatternden Luftverschmutzung parat, welches uns richtig viel Spaß bereitet hat.

Die Grundperformance ist bereits nach dem Launch fast schon als grandios zu bezeichnen. So lässt sich das Spiel mit einer GeForce GTX 1080 Ti sogar in Ultra-HD noch mit fast allen Reglern auf Maximum spielen und auch die CPU ist jetzt nicht so sehr der Bremsklotz der Nation. Auch mit schwächeren und / oder älteren Grafikkarten kann man die Pixel noch recht spritzig anschubsen, um nicht als hoppeliges Mäusekino zu enden. Die Grafikqualität mit der nochmals aufgebohrten Dunia-Engine kann sich wirklich sehen lassen und man merkt die erfolgten Optimierungen sofort. Dass dieser AMD-Titel dann auch auf älteren AMD-Pixelschnippsern gut läuft, ist dann natürlich auch eine Sache der Ehre.

Leichte Fehler findet man zwar auch hier, wenn z.B. Tiere sogar in höheren Settings keine richtigen Schatten werfen oder sogar frei zu schweben scheinen. Auch diverse kleinere Clipping-Fehlerchen und vermeintlich vom Apfel gestochene KI-Nachtschattengewächse, die sich minutenlang um sich selbst drehen oder mit dem Auto ineinander fahren, haben wir mehrfach bewundern dürfen. Doch das sind verzeihbare Ausnahmen, weil der Gesamteindruck trotz allem wirklich erstaunlich positiv ausfällt.

Man darf auch gern in die untergehende Sonne schießen und diverse Rutschpartien unternehmen, die Spielemechanik ist weitgehend gleichgeblieben. Man muss also nicht umdenken, sondern darf sich gleich wieder wohl und wie zu Hause fühlen. Fehlen diesmal auch die unsäglichen Funktürme, so hat man es sich nicht nehmen lassen, diese Kletterelemente in die Story mit einzubauen. Nur eben nicht so gehäuft. Hat man z.B. das Vater-Monument, bei dem wohl selbst Stalin vor Freude hyperventiliert hätte, mit z.B. dem Raketenwerfer schnellentkernt, darf man wieder nach oben. Nicht das einzige Mal übrigens. Nur ist es eben nicht mehr ganz so langweilig und Endlosschleifen-kompatibel.

Die Zwischenszenen sind ganz nett gemacht und lassen sich meist auch überspringen. Manches jedoch auch nicht und dann tickt die Uhr auch gefühlt langsamer als man dabei dann die Geduld verliert. Aber geschenkt, auch das ist eher die Ausnahme.

Die Tageszeiten wechseln in einem recht angenehmen Tempo, so dass man sich die Strategie recht gut aussuchen könnte. Leider entdeckt einen die KI genauso schnell bzw. langsam, egal ob es nun stockdustere Nacht oder gleißende Mittagssonne als ambientes Großereignis auf dem Bildschirm gibt. Ein System dahinter ließ sich nicht feststellen und eine Annäherung endete immer genau an exakt der gleichen Stelle. Aber auch das kann man mit großzügiger Nonchalance tolerieren, denn als snipernder Wegpustefix hat man eh die besten Karten. Und wer es nicht filigran kann oder will: der Spaten mit dem fetzigen Smiley tut seinen Job wahrlich grandios und nimmt jeden Gegner galant auf die Schippe.

Die freie Welt ist recht groß geraten, die Story umfangreich genug (wenn auch nicht Oskar-verdächtig konstruiert), und man bekommt jede Menge Flora und Fauna aufs geistige Auge gedrückt. Fürs Ohr hat man teilweise recht doppelsinnige Dialoge bereit, die auch in der Übersetzung kaum an Spritzigkeit einbüßen. Gepaart mit einer für den Launch recht flotten Erstperformance und einem schicken Map-Editor ist das Spiel zwar keine bahnbrechende Neuerung, dafür aber eine wirklich gelungene Fortsetzung, die man gern kaufen darf.

Dafür bekommt Far Cry 5 sogar eine verbale Empfehlung des eigentlich ansonsten eher mäkeligen Autors, denn man hätte es wesentlich schlechter, dafür eigentlich kaum deutlich besser hinbekommen können. So gesehen ist es in fünfter Generation, und das ist kein Aprilscherz, endlich mal wieder ein Far Cry, welches so richtig reinhaut. Trotz Launcher und EAC.

Update vom 01.04.2018 19:10 Uhr

Nach einigen Berichten über missglückte Savegames waren auch wir nun mittlwerweile von solch einer Art Missgriff beim Laden betroffen. Es kann aktuell nur geraten werden, nicht manuell in der Nähe von Felsvorsprüngen, Klippen oder Ähnlichem zu speichern. Die Positionierung beim Neuladen ist sporadisch fehlerhaft, so dass man sich nach dem Ladevorgang bereits im freien Fall befindet. Wohl dem, der geistesgegenwärtig Fallschirm oder Wingsuit einsetzen kann. Der Aufprall wird so wenigstens nicht lebengefährlich.

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