Roccat Khan Pro im Headset-Test: Überflieger, Mittelmaß oder Bruchlandung?

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Für immerhin aktuell knapp 100 Euro bietet Roccat mit dem Khan Pro ein neues Headset an, das ab sofort alles besser können möchte, als alle anderen Gaming Headsets links und rechts davon im Regal. Glaubt man der Homepage, dann lässt einen das natürlich schon neugierig und auch hellhörig werden, denn es müsste sich ja dann zugleich auch um eine kleine akustische Revolution der analogen Schallwandlung handeln. Was also plant Roccat mit dem Khan Pro und was erwartet uns?

Um in der 100-Euro-Klasse ganz vorn mitspielen zu können, müsste man dann ja immerhin auch die üblichen Foren-Empfehlungen von QPad, Kingston & Co. schlagen können, die zudem mittlerweile deutlich günstiger zu haben sind. Ob dem so ist und was das Headset kann (oder auch nicht), das klären wir in diesem Test.

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist klassenüblich und man erhält neben dem eigentlichen Headset noch eine Art Kurzanleitung und einen Y-Adapter, der die beiden 3,5-mm-Klinkenstecker (Kopfhörer und Mikrofon) zu einem Multifunktions-Klinkenstecker vereint, welcher dann auch am Smartphone genutzt werden kann.
Roccat wäre allerdings wohl besser bedient gewesen, diese Kombination andersherum zu planen und das eigentliche Anschlusskabel statt nach ca. 1,8 schon nach ca. 1,3 bis 1,5 Metern mit dem Einzelstecker zu versehen und den Rest dann als Verlängerung mit einem Splitter auf je einen 3,5 mm Ausgang bzw. Eingang zu ergänzen. Wo man nämlich beim mobilen Einsatz hier die Unmengen an Kabel verstecken soll, wird spätestens Chantal-Cheyenne mit ihrer eng anliegenden Zero-Pocket-Jeans nicht mehr eindeutig beantworten können.

Was ist eigentlich “Hi-Res Audio”?

Zunächst vorab: es handelt sich nicht um HRA (High Resolution Audio), aber die Ähnlichkeit ist sicher nicht ganz unabsichtlich so gewählt worden. Die JAS (Japan Audio Society) als federführende Organisation hinter dem von Sony vor Jahren erstmals auf einem eigenen Plattenspieler genutzten Label schreibt z.B. für analoge Geräte vor, dass bei Kopfhörern (um die es ja geht) eine “Speaker and headphone performance of 40 kHz or above” zu erreichen sei. Dieses Label wird auch nicht “verliehen”, sondern man muss dafür bezahlen.

Darüber hinaus sagt die JAS aber nichts zur eigentlichen Wiedergabequalität und den geforderten Parametern, sondern man schraubt lediglich die Obergrenze des Frequenzbereiches auf das Doppelte herkömmlicher Schallwandler nach oben, ohne jedoch irgendwelche Toleranzgrenzen vorzugeben. Was dann am Ende wirklich gut klingt, darf nämlich jede Firma ganz für sich allein entscheiden: “Listening evaluation process is added and final decision as Hi-Res Audio product to be proved according to each company’s sound evaluation standard“. Aber wir werden natürlich wie immer selbst probehören, nachmessen und objektiv urteilen.

Optik und Haptik

Optisch macht das graphitgraue Headset, das es auch in Weiß und Schwarz gibt, keinen schlechten Ersteindruck, auch der zweite Blick findet nichts wirklich Negatives. Erst der haptische Zugriff offenbart, dass es sich um eine reine Kunststofflösung handelt, denn bis auf das Headband mit dem Federstahl im Inneren fehlt Metall am Body komplett. In Anbetracht des Preises von immerhin ca. 100 Euro ist dies dann aber schon etwas mutig und selbstbewusst.

Der drehbare Mikrofonarm ist in der verwendeten Flachbandform samt Memory-Funktion hingegen clever gelöst, die so umgesetzte Auto-Mute-Funktion beim Hochklappen sehr praktisch, denn man spürt und hört den Schaltpunkt recht deutlich. Auch das Fehlen jedweder RGB-Beballerung ist ein positiver Fakt, denn nicht jeder wird diese zeitgeistige Farbhascherei wirklich mögen oder zumindest länger ertragen wollen. Geld gespart, Nerven auch.

Bis hierhin gehen wir schon einmal konform, dass auch schlichte Eleganz überzeugen kann und weniger oftmals sogar mehr ist. Nur die Materialanmutung wird dem aufgerufenen Preis nicht so ganz gerecht. Doch geschenkt, denn es gibt wahrlich Schlimmeres und man kann sich sogar an Kunststoff-Monokulturen gewöhnen.

Tragekomfort

Gut. Drei Buchstaben, drei Achsen und alles passt. Die gewählte Lösung mit den zwei Scharnieren ist nicht neu, aber man muss das Rad ja nicht neu erfinden, wenn es gerade so schön rund läuft. Die Anpassung an kleinere oder größere Köpfe und diverse Kopfformen gelingt damit jedenfalls störungsfrei, was man nach spätestens einer Stunde Trageleistung zu schätzen weiß. Aber auch an diesen zwei neuralgischen Stellen können wir anhand der Materialwahl nicht abschätzen, wie langzeitstabil das Ganze bleibt. Zumindest sollte man längere UV-Einstrahlung vermeiden, das kann schon helfen.

Das Kopfband ist innen ausreichend gepolstert und es drückt auch nach längerem Tragen eigentlich nichts. Doch selbst für die Polsterung, ist die Materialanmutung nicht ganz auf Höhe des Preises. Das Material der Ohrpolster wirft zudem oft Falten, die in den Bereich der Auflagefläche hineinreichen, was den perfekten Abschluss etwas einschränkt. Das macht sich mit etwas Pech auch akustisch bemerkbar, wenn beide Muscheln dann sehr unterschiedlich sitzen.

Funktionalität und Anschluss

Der kleine Lautstärkeregler tut was er soll, mehr aber auch nicht. Man wird ihn sicher auch intuitiv finden können, aber sonderlich griffig und treffsicher erreichbar ist er nicht wirklich. Auch der Gleichlauf am Anfang des Potentiometers ist etwas ungenau. so dass bei unserem Exemplar ein Kanal früher einsetzte.

Die Muscheln sind nicht verschraubt und somit wohl auch nur mit Gewalt zu öffnen, so dass wir diesmal leider keinen verlustlosen Blick ins Innere werfen konnten. Zumindest sieht man auch durch die Bespannung sehr deutlich, dass der Treiber asymmetrisch angeordnet und zudem in einem leichten Winkel zum Ohr hin angestellt wurde. Das liegt gerade voll im Trend, muss sich allerdings in der breiten Masse so erst noch beweisen.

Bevor wir aber nun zum eigentlichen Test in der Praxis kommen, noch schnell einmal alle daten und Herstellerangaben in tabellarischer Form:

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