Stresstests im Detail: CPU und Gesamtsystem richtig testen (Tutorial – Teil2)

Testen der Maximalbelastung

Will man die maximal aufzunehmende elektrische Leistung einschließlich der damit verbundenen Abwärme testen, sowie gelichzeitig sicherstellen, dass dann auch die Spannungsversorgung stabil gewährleistet bleibt, dann benötigt man Power-Viren wie Prime95 mit AVX (“Small FFTs”) oder powerMAX bzw. Aida64 und die “Stress FPU”-Option. Im Allgemeinen wird man aber eher keine Programme im Alltag nutzen, die eine so exzessive AVX-Nutzung überhaupt realisieren können. Dann sollte man auf ein Programm aus unserer Liste zurückgreifen, dass auch mit dem SSE-Codepfad noch hohe Lastwerte erzeugen kann.

Kombinieren sollte man das Ganze mit dem MSI Kombustor (“GPU Core Burner” oder “Memory Burner”), denn nur oft genug können mittlerweile Spiele wie “The Witcher 3” gleiche oder sogar höhere Leistungsaufnahmewerte erzeugen als die üblichen GPU-Stresstests. Das alles hängt natürlich auch von der verwendeten Grafikkarte ab, kann aber pauschal durchaus verallgemeinert werden.

Zu wenig Airflow bringt sogar Label zum AblösenZu wenig Airflow bringt sogar Label zum Ablösen

Basierend auf diesen Extremen, ob nun mit oder ohne AVX, sollte man ein Kühlsystem in seiner Gesamtheit also auslegen und dabei vor allem auch die Gehäuselüftung nicht aus den Augen verlieren. Denn viele Anwender solider Custom-Loop-Wasserkühlungen vergessen nur zu gern, dass ab gewissen Lasten auch das Mainboard eine aktive Kühlung durch ein Minimum an Airflow braucht, sonst wird aus dem Mangel an aktiver Kühlung schnell eine passive Sterbehilfe für die Spannungswandler.

Optimieren der Geräuschentwicklung

Vor allem die Gehäuselüftung kann man auch temperaturgesteuert auslegen. Kennt man nun die Werte aus dem Maximaltest, kann man mit der geeigneten Kombination aus CPU- und CPU-Stresstest auch die typische Obergrenze für die Gaming-Last simulieren. Hierfür eignen sich vor allem der MSI Kombustor und auch OCCT in den beschriebenen Konfigurationen sehr gut. Mit den hier erzeugbaren Lasten kann man nun z.B. Lüfterkurven optimieren, indem man den aggressiven Anstieg der Lüfterdrehzahlen in den Bereich nach dieser Lastentfaltung verschiebt.

Kühlschrank oder Hot-Dog-Maschine?Kühlschrank oder Hot-Dog-Maschine?

Stabilität und ihre Grenzen

Man wird natürlich mit derartigen Programmen nie die wirklich 100%-ige Stabilität zur Laufzeit absichern, aber zumindest die Grenzen der thermischen und elektrischen Stabilität herausfinden können. Den Rest, vor allem bei übertakteten Komponenten wie Grafikkarten und CPUs, kann man nur mit echten und geeigneten Alltagsanwendungen im Langzeittest herausfinden können, denn Prime95 & Co. sind nun einmal keine speziellen Fehlersuchmaschinen, sondern simpel und eher einseitig gestrickte Rechenprogramme, die vor allem auf eines hin getrimmt wurden: möglichst viel Energie zu verbrauchen.

Fazit

Mit etwas Überlegung und den richtigen Programmen, die übrigens fast überwiegend nichts kosten (aber definitiv nicht umsonst sind), kann man Kühlung und Betriebssicherheit durchaus testen und dies auch periodisch immer wieder einmal tun, um gegebenenfalls Alterung und Verschlechterungen nach längerer Laufzeit herauszufinden. Am Anfang reicht es auch aller 6 Monate, später sollte man den PC jedoch etwas öfters checken, vor allem bei täglicher bzw. intensiverer Nutzung. Und zwar egal, ob man nun überhaupt etwas übertaktet hat oder nicht. Sicher ist sicher.

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