Neustart mit interessantem Konzept: Raijintek Orcus 240 im Test

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Ausloten der maximalen TDP-Obergrenze

Jetzt könnte man natürlich den Weg des geringsten Widerstandes gehen und den Test auf eine CPU mit maximal 100 bis 130 Watt Wärmeabgabe auslegen. Schön für eventuelle Dauer-Chart-Vergleiche, schlecht für den Käufer, der vielleicht komplett andere Interessen hat und gern gewusst hätte, was sonst noch so geht. Zur Steuerung der Lüfter nutzen wir ein Mainboard, dessen automatische Lüftersteuerung wir so konfiguriert haben, dass der volle Lüfter-Speed bei ungefähr mittlerer 88°C Kerntemperatur liegt, was beim Package noch bei ca. 63 bis 64°C endet.

Wir haben uns bewusst für den Sockel 2011 und einen älteren (noch verlöteten) Core i7-5930K entschieden, da wir mit dieser CPU den kompletten Leistungsbereich von ca. 75 bis 250 Watt problemlos abdecken können. Mehr muss man einer solchen 240er-Lösung auch nicht aufbürden, ohne sich ggf. die Ohren zuhalten zu müssen. Denn im Unterschied zu Grafikkarten liegt der Kühler auf dem Heatspreader und eben nicht auf dem nackten Chip auf. Deshalb lässt es sich so auch schlecht vergleichen. Oberhalb von 65°C am Package fängt die CPU schon an zu throtteln, leider.

Wir erzeugen konstante Lasten, die wir auch überwachen und messen, über einen Zeitraum von jeweils mindestens 45 Minuten. Das reicht, um eine komplette Wärmeverteilung herzustellen und die endgültige Balance zu finden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Performance bis 150 Watt wirklich gut ist und somit auch die Lüfter als direkte Folge noch kein akustisches Inferno auslösen. Ab ca. 200 Watt wird es dann schon etwas lauter im Karton und bei 250 Watt abzuführender Leistung rappelt es dann richtig in der Kiste. Es throttelt noch nichts, aber die Lüfter sind im Langstreckensprint-Modus angekommen. Mehr geht dann auch technisch nicht mehr.

Performance-Vergleich

Doch ganz so ohne direkten Vergleich wollen wir uns ja auch nicht aus der Verantwortung stehlen. Einen Core i7-7700K oder andere niedrigenergetische Leichtgewichte wollen wir aber nicht testen, die kühlt man ja eh mit jeder AiO wie mit einem aufgelegten, nassen Daumen und einem Gesichtsausdruck voller Nonchalance herunter. Doch was passiert mit den anderen Testobjekten bei ebenfalls großzügig verbratenen 250 Watt? Genau darauf haben wir hier die Antwort:

Die 360er AiO-Kühlung mit den drei Lüftern ist natürlich am schnellsten, da gab es auch im Vorfeld eigentlich keine Zweifel. Interessanter wird es hingegen im Mittelfeld. Die Alphacool Eisbär 240 ist mit ca. 115 Euro kaum teurer, hält die CPU dafür aber noch einen Tick kühler. Die Geräuschemission ist dabei bei 250 Watt sehr ähnlich, aber es fehlt die RGB-Leuchtgirlande und einem Hub sucht man auch. Allerdings hört man die Pumpe der Orcus im Idle sogar noch weniger. Beide Produkte liegen also in etwa auf gleichem Leistungsniveau, wenn man das Licht einmal beiseitelässt.

Die Corsair H110i GT ist mit über 120 Euro bereits merklich teurer, trotz des größeren Radiators, sowie der größeren Lüfter etwas schwächer auf der Brust und sogar noch etwas lauter. Auch hier leuchtet wenigstens die Pumpe und es throttelt ebenfalls nichts. Im Gegensatz zu den beiden anderen AiO-Lösungen, die allesamt hechelnd in den thermischen GAU laufen. Hier wäre bei 200 Watt Ende, aber das haben wir nun mal nicht getestet. Pech gehabt und laut war dieser Paarlauf zur Glühwürmchenparade außerdem.

Geräuschemission (“Lautstärke”)

Womit wir elegant zur Messung der Geräuschentwicklung übergehen können. Wir messen im Abstand von 30 cm zur Gegenseite des Radiators, also an der ausblasenden Seite. Im Normalbetrieb dieser CPU bei ca. 100 Watt sind es moderate 36,5 dB(A). Wenn wir jedoch einmal auf die Frequenzanalyse schauen, liegt der Pegel, den der Airflow verursacht, sogar noch deutlich darunter, weil wir überwiegend tieferfrequente und in der Frequenz sogar meist drehzahlunabhängige Lager- und Motorgeräusche erfassen, die sich zunächst vom Lüfter auf den Radiator und dann von dort auf das Gehäuse übertragen.

Dieser sogenannte Körperschall ließe sich jedoch über eine geeignete und zweckmäßige Entkopplung sehr deutlich reduzieren. Experimente mit simplem, dickem Power-Tape brachten schon fast 2 dB(A) weniger. Gummipuffer für die Schrauben sollten hier sogar noch bessere Resultate erzielen. Der Geräuschpegel ist jedoch als solcher bereits im “brummigeren” Zustand und ohne Entkopplung gut und akzeptabel. Dass es auch schlechter geht, zeigen die beiden letztplatzierten Testmuster, die die Orcus 240 locker übertönen.

Bei 250 Watt sieht man dann die ebenfalls über den Körperschall mit übertragenen Vibrationen des Antriebs noch deutlicher und auch die Luftgeräusche nehmen nun mess- und hörbar zu. Niemand wird so ein Konzert auf Dauer haben wollen, aber diese Leistungsklasse sollte eh einer echten Custom-Loop Wasserkühlung vorbehalten bleiben. Die AiO ist kein Spielzeug, aber Wohn- und Kleinwagen schließen sich nun mal aus. Zumindest auf deutschen Autobahnen.

Zusammenfassung und Fazit

Nein, ein Billigheimer ist die Raijintek Orcus 240 nicht, aber günstig und preiswert. Ohne die RGB-Bespaßung würden Klaus-Kevin & Co. sicher eine lange Nase ziehen, denn das Angebot vergleichbarer Mitbewerber ist riesig. Aber keiner im Bereich von unter 110 Euro kann zusätzlich noch so schön leuchten oder bietet optisch rotierende Gimmicks samt des Hubs mit seinen unzähligen Einsteckmöglichkeiten. Exakt dafür vergeben wir auch den Award, wobei wir ja noch keinen Langzeittest absolvieren konnten. Dafür ist hingegen die Idee mit der Pumpe im Schlauch eine nette und zudem recht praktisch umgesetzt. Und machen, was sie soll, kann die AiO auch.

Die Performance liegt in etwa auf dem Level vergleichbarer Lösungen, denn die Physik lässt sich nun mal nicht neu definieren oder gar erfinden. Hier machen lediglich Details den Unterschied aus, der jedoch nie allzu groß ausfällt. Im Gegenteil, man macht stellenweise so Einges auch einen Tick besser, jedoch kaum schlechter. Just another AiO? Im Prinzip ja, aber wenigstens in schön und bunt. Als leuchtendes Beispiel, stellvertretend für einen ganzen Warenkorb möglicher Lösungen sozusagen. Auch das hat Charme.

Es geht auch länger und im Dunkeln

Wer meint, eigene Lüfter wären besser, schöner oder einfach sowieso schon vorhanden, darf bei der Orcus 240 Core zugreifen. Für 85 Euro bekommt man den lüfterlosen Nackedei dann auch deutlich günstiger, muss jedoch zusätzlich auf den Hub verzichten. Wer gern den Längsten hat, wird bei der komplett ausgestatteten Orcus 360 fündig, die mit ca. 139 Euro zu Buche schlägt. Alle Produkte sind ab nächster Woche auch im gut sortierten deutschen Fachhandel vertreten.

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