Preisbrecher mit USB-Reißleine: Sharkoon Skiller SGH2 Stereo-Headset

Schön, bei aller Euphorie muss man natürlich voranstellen, dass solche Billigangebote wohl kaum das Zeug haben dürften, unversehrt Gegenstand archäologischer Ausgrabungen kommender Generationen zu werden. So ehrlich muss man in Bezug auf Materialwahl und damit auch Haltbarkeit schon sein.

Aber so als zeitlich befristete Überbrückung zwischen Clearasil- und Selbstfindungsphase, kann man bei diesem Preis eigentlich gar nichts falsch machen, wenn das Produkt einigermaßen verwertbare Schallemissionen von sich gibt und nicht schon vom bloßen Angucken in einzelne Moleküle zerbröselt.

Die erste Antwort gibt uns der Lieferumfang beim Auspacken. Headset mit fest angeflanschtem Schwanenhalsmikro und satten 2,50 Metern eines textilummantelten Kabels, an dem man sich nach einem infernalen akustischen Schlüsselerlebnis sogar aufhängen könnte, so dick ist es. Doch so weit wird es nicht kommen, versprochen. Außer einer faltbaren Kurzanleitung gibt es auch nichts weiter, was man nicht schon mit bezahlt hätte.

Die USB-Soundlösung befindet sich integriert in der linken Hörmuschel, Treiber braucht man allerdings erst gar keine. Full-RGB gibt es von Haus aus auch nicht und am Ende ist es der ideale On-Night-Stand für Headsets. Reinstecken, funktioniert und hinterher wieder rausziehen. Treiber-Leichen und sonstige Verpflichtungen werden einem nicht auferlegt. Passt also, auch zum Preis.

Optik, Haptik und Funktionalität

Womit wir schon wieder auf den Preis zurückkommen (müssen). Ein optisches Highlight als Eye-Catcher sucht man vergebens, denn es ist alles farblich fein Schwarz in Schwarz abgestuft, wenn man denn Schwarz als Farbe akzeptiert. Farbliche Akzente schafft man am Ende zumindest unter Einsatz von Elektrizität, indem diese blaue LEDs zum Leuchten bringt, die sich hinter dem ebenfalls in vornehmen Schwarz gehüllten Lochmetall der Muschelrückseite befinden. Abschalten geht aber nicht, Effekte gibt es auch keine und das Dosenlicht bleibt somit immer an. Bis zum Rausziehen.

Die Kunststoffbügel sind die üblichen, gebogenen Fiberglasstäbchen, die chinesische Supplier gern auf fremde Köpfe pfropfen. In gewisser Weise sind sie sogar unkaputtbar, womit man die unvermeidbare Erstbruchstelle wohl eher beim sich automatisch anpassenden Kopfband mit Seilaufzug bzw. bei den Kabeln suchen sollte. Aber zumindest mehrere Fall-Tests aus bis zu 1,5 Metern Höhe auf Laminat und das kecke Lassoschwingen am USB-Kabel hat das Testobjekt erst einmal ohne Murren und Knurren weggesteckt.

Neben den üblichen, spritzgegossenen Bodies der Ohrmuscheln bleibt zumindest im Bereich der Materialauswahl alles einheitlich im Niedrigpreisbereich, denn weder die eingesetzten PU-Materialien zur Schonung der Kopfhaut unter dem Band, noch die ganzen anderen Kunststoffteile der Mechanik atmen da einen parfümierten Hauch von Wertigkeit aus. Hält aber erst einmal, wenn man es nicht gerade genervt in die Ecke feuert oder sich brutal draufsetzt. Die finale Antwort darauf, wie lange das in der Summe dann gutgeht, ist bei den 25 Euro aber mit Sicherheit noch nicht eingepreist.

Der Lautstärkeregler ist alles andere als intuitiv zu finden und zudem ziemlich winzig. Da wird man sich erst einmal daran gewöhnen müssen oder besser gleich die Verstellmöglichkeiten am PC nutzen und den Regler auf voller Kraft voraus belassen. Das kann man sogar guten Gewissens tun, denn ein echtes Rauschen provoziert man damit erstaunlicherweise nicht. Was man nicht an Firlefanz verbaut, kann auch nicht Rauschen. Die genaue Antwort kommt dazu gleich noch.

Die Ohrpolster sind zwei ziemlich haltlose Schaumgummiröllchen mit dünner PU-Lederimitatummantelung und nicht gerade formstabil. Aber gerade diese Softies sind es, die den finalen Sitz der Ohrmuscheln garantieren, weil sie sich willenlos in fast jede Position kneten lassen und damit eigentlich auch immer schön dicht abschließen.

Klanglich ist das insofern ganz lustig, weil sich die Klangcharakteristik damit auch hörbar ändert. Positiv gesehen, kann man das aber auch als eine Art Hardware-Equalizer nutzen, wenn einem der Hochton zu sehr auf die Nerven geht. Ein bisschen schiefzupfen und schon werden allzu scharfe Sibilanten zum einem mild säuselnden Abendwind.

Außerdem lassen sich die aufgesteckten Polster recht leicht abnehmen und säubern, was sich auch öfters mal empfiehlt, da es keinen Luftausgleich gibt. Das Mikroklima driftet innerhalb dieser geschlossenen Veranstaltung nämlich schon nach einigen Stunden nonchalant in Richtung Subtropen.

Zu viel negative Schlagzeilen auf einmal? Dann kommen wir doch mal auf den Preis zurück und den Umstand, dass es die meisten der 40- oder 50-Euro-Headsets das alles definitiv kaum besser können. Und schon geht es dem nassen Ohrläppchen wieder besser, denn man hat ja erst einmal die Hälfte gespart. Womit wir beim Rest des Innenlebens angekommen werden. Zeit für einen Tear-Down!

Innenleben und USB-Soundlösung

Schrauben wir das Teile also mal auf. Der solide 50mm-Treiber (nichts wirklich Umwerfendes, aber gute Hausmannskost) ist eingeklebt. Optisch nicht schön, aber schön praktisch und zudem üblich. Die zwei Platinen trennen sich in Hauptplatine und Zusatzplatine mit dem Lautstärke-Potentiometer. Die Verarbeitungsqualität passt schon, die Lötqualität auch, selbst wenn man damit keine Schönheitswettbewerbe gewinnt. Die Zugentlastung der Kabel und Zuführungen geht in Ordnung, zumal wir es alles in der Summe schon deutlich schlechter (obwohl teurer) gesehen haben.

Im Inneren sitzt als Herzstück der übliche Verdächtige. Als USB-Ohrschrittmacher dient ein HS-100B von C-Media. Quadratisch, praktisch, günstig. Gut auch, wenn man den Preis nicht vergisst. Eingebauter DAC, 48K / 44.1KHz Sampling Rate, Kopfhörerverstärker, Pop-Unterdrückung und Low-Pass fürs Mikrofon samt 16-Bit ADC und Boost, Lautstärkeregelung für die Wiedergabe – guter Standard ohne echte Highlights. Aber eben auch ohne Schwächen. Im Gegensatz zum CM56xxx in den deutlich teureren USB-Headsets fehlen zwar die vielen Mixer- und Soundverschlimmbesserungs-Features, aber auf kopflastiges DSP kann man gern verzichten, wenn die Basis stimmt.

Womit wir bei den LED angekommen wären, die ein Kunststoffleuchtband als großflächigen Photonenverteiler nutzen und über die Platine gespeist werden. Das nüchtern-knackige Blau mit den unzähligen Lichthöfen trägt zwar optisch ziemlich stark auf und abschalten kann man es leider auch nicht ohne brutalen mechanischen Eingriff als Totaloperation an den Kabeln, aber der Zielgruppe wird es wohl auch so gefallen. Und falls nicht, dann tröstet einen zur Not ja wenigstens der Preis.

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