[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

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Einführung und Lieferumfang

Bei einem Straßenpreis von unter 50 Euro kann man durchaus gnädig gestimmt sein, solange die Qualität im physikalischen und im akustischen Sinne dem Preis angemessen ist. Logitechs G230, das wir für eine UVP von 70 Euro wohl sicher nicht kaufen würden, könnte so ein Paradebeispiel sein, wo sich ein Headset durchaus zu einem guten Preis-/Leistungsangebot mausern kann, wenn die Straße korrigierend eingreift. Aber genau das ist nun zu klären.

Ohne vorab spoilern zu wollen: klanglich ist das G230 keine wirkliche Offenbarung, aber es ist zumindest irgendwie brauchbar. Was es jedoch interessant macht, ist die Möglichkeit, es ein wenig zu modden, denn statt asiatischer Billig-Klebeorgien setzt man noch auf gute alte Kreuzschlitzschrauben. Ja, das war kein Fehler beim Lesen: Schrauben. Doch dazu später mehr.

Zubehör? Gibt es nicht. Der PC als Quelle muss reichen, denn selbst einer der sonst üblichen Y-Adapter für Playstation & Co fehlt hier komplett. Egal, kann man günstig nachkaufen. Denkt Logitech und hat dummerweise damit sogar irgendwie recht, denn solche Dreingaben fliegen bei PC-Spielern eh meist in die Ecke.

Optik und Haptik

Es ist ein Gesamtkunstwerk aus schwarzen Kunststoffschalen, Kunststoffein- und Aufsätzen. Die farblich dazu passende Textilbespannung der Ohrmuscheln in Schwarz und Orange ist nur logisch. Der Textilbezug ist sehr grob und zudem auch mit einer ziemlich rauen Oberflächenstruktur versehen, so dass jedes Stäubchen haften bleibt. Swiffer war gestern, das hier geht definitiv besser. Man kann die Polster jedoch sehr einfach abnehmen und auch mal durchspülen. Dafür gibt es dann im Gegenzug einen fairen Extra-Punkt außer der Reihe.

Kopfband und Korpus sind als Mix aus Kunststoff und Textil in dieser Preisklasse angemessen und immer noch haltbarer, als aufgeklebte Metall-Applikationen und dünnes PU-Lederimitat. Optisch und Haptisch ist es in der Summe biederer Durchschnitt, denn aufregend geht anders.

Tragekomfort

Der Komfort geht so erst einmal völlig in Ordnung, denn die zwei-Achsen-Aufhängung der Muscheln lässt keine Wünsche offen. Sogar auf großen Köpfen findet sich immer eine Position, die am Ende passt ohne zu zwacken. Allerdings muss man sich schon etwas Zeit nehmen und die richtige Bügellänge genauer und vor allem auch über längere Zeit austesten.

Die Gelenklösung funktioniert dabei auf der Horizontal- und Vertikalachse, den Rest kann man mit dem Herausziehen des Bügels aus dem Kopfband kompensieren. Dieser ist lang genug und aus Leichtmetall, wobei das Anschlusskabel mittig in einer Art geschlossener Kabelkanal geführt wird.

Beim oberen Gelenk sehen wir allerdings im verwendeten Kunststoff für die beiden verschraubten Halbschalen (so wie es das aktuelle Tooling gerade anbietet) eine mögliche Fehlerquelle für eine eingeschränkte Haltbarkeit. Hier hätte man besser auf mindestens eine Metallhalbschale setzen sollen, denn gerade durch die mögliche Verwindung des Ganzen sind Spannungen, die dann zu Rissen führen könnten, geradezu vorprogrammiert. Das sieht dann fast schon aus wie eine Sollbruchstelle.

Die großen Ohrpolster machen das Headset zu echten Over-Ears. Der Anpressdruck ist mittelstark und auch auf längere Zeit hin zumindest einigermaßen erträglich, zudem man kaum ins Schwitzen kommt. Wirklich entspannt geht sicher anders, aber für diesen Preis passt das am Ende dann doch.

Funktionalität und Anschluss

An der im Kabel eingebauten Kontrolleinheit befinden sich seitlich ein Lautstärkeregler und ein kleiner Schalter fürs Mikrofon auf der Oberseite, der gern etwas größer hätte ausfallen können. So wird das alles unnötigerweise ein klein wenig fummelig.

Wie schon beschrieben, lassen sich die Muscheln vertikal ordentlich rehen und damit sogar komplett um 90 Grad umklappen. Damit ist das Headset mit ca. 6 cm Höhe noch recht einfach zu verstauen. Das Mikrofon lässt sich dabei komplett noch oben klappen.

Kommen wir nun zum Modding. Sicher, für so ein preiswertes Headset wird kaum jemand viel Zeit und seine Garantie opfern wollen, aber wer weiß, vielleicht ist ja doch der eine oder andere neugierig geworden. Das Aufschrauben ist nämlich sehr einfach, wenn man das Ohrpolster entfernt und den roten Kunststoffaufsatz abschraubt. Danach liegen vier weitere Schrauben offen, mit denen man die Ohrmuschel komplett auseinanderbekommt.

Die kleinen 40mm-Treiber lassen sich vom geübten Handwerker durchaus schnell entfernen und durch andere ersetzen, wenn man Zugriff auf passende asiatische Ersatzteile hat. Für den eher ungeübten Bastler ist das natürlich erst einmal nichts, aber auch hier haben wir noch einen Tipp, der sich wirklich lohnt! Eine kleine Dämmmatte oder etwas Dämmwolle in den ab Werk gähnend leeren Muscheln beseitigt nämlich hässliche Resonanzen und lässt das Headset danach insgesamt deutlich knackiger spielen.

Wie bereits geschrieben, man spielt hier natürlich mit der Garantie und riskiert möglicherweise sogar einen Schaden durch unsachgemäßes Handhaben. Aber zumindest das Dämmen ist eine deutliche Verbesserung gegen das Dröhnen und undifferenzierte Wummern im Auslieferungszustand und ziemlich einfach zu bewerkstelligen

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik sitzt in einem ausklapparen Mikrofonarm, dessen Gummiummantelung zumindest in Maßen flexibel ist. Eine optimale Mikrofonposition findet sich da aber nur durch Zufall, zumal das Mikrofon bereits von Haus aus ziemlich dumpf und muffig klingt. Eine deutlich zu geringe Empfindlichkeit samt resultierendem niedrigen Ausgangspegel machen Teamspeak & Co. nicht gerade zum freudigen Erlebnis.

Messungen und Sound-Check

Jetzt ist Mut gefragt, denn die Messkurve sieht eher aus wie die Alpen bei Mondfinsternis. Dabei ist der völlig überfette Bass, hier würde übrigens unser Mod mit der Dämmung enorm helfen, noch das kleinere Übel. Doch der Reihe nach, denn wir haben natürlich nicht nur gemessen, sondern auch sehr lange probegehört.

Aber beginnen wir zunächst wie gewohnt im Keller, denn wir hören eine Überbetonung beim Tiefbass, die sich in ihrer Fettleibigkeit über den Oberbass bis hinein in die unteren Mitten fortsetzt, ohne jemals an Diät zu denken. Genau die setzt dann erst schlagartig im Mittenbereich ein, doch dazu kommen wir gleich noch.

Die Folgen dieser Auslegung sind eine sehr schwammige und undifferenzierte Tieftonwiedergabe, die sowohl eine große Basstrommel regelrecht breitschmiert, als auch im weiteren Verlauf den Oberbass mit dem Grundtonbereich der männlichen Stimme erfasst, so dass alles irgendwie nur noch sonor nach Elmar Gunsch klingt, während die weibliche Wetterfee im Hochparterre darüber stimmlich zum schüchternen Mäuschen mutiert.

Helfend eingreifen kann man da nicht einmal mit dem Equalizer. Die Rutschbahn zwischen 200 und 450 Hz hat es wirklich in sich, denn genau in diesem Bereich entscheidet sich neben der Klangfülle der weiblichen Stimme auch die vieler Instrumente. Der extreme Pegelrückgang lässt dann vieles davon eher blass und hart, jedoch nie warm und füllig erscheinen. Violinen, Oboen und Flöten klingen einfach nach nichts und sacken einfach nach hinten weg. Genau dieser Bereich der Mitten ist es aber, der gewissermaßen das Salz in der Suppe ausmacht.

Der restliche Mittenbereich ist dann einigermaßen auf Trennkost gesetzt, immerhin. So können die oberen Mitten, die auch für die räumliche Wahrnehmung verantwortlich zeichnen, recht ordentlich agieren – solange sie nicht vom vorlauten Bass komplett überdeckt werden. Beim Gaming spielt das Headset dann auch seine einzige akustische Stärke aus, solange man z.B. nur nach den Schritten des Gegners lauscht und nicht gerade ein T34 vorm Haus vorbeirattert.

Was jedoch gar nicht geht, ist die extreme Zurücknahme des Bereiches zwischen zwei und ca. 3,5 KHz. Haben wir schon bei den Mitten auf Klangfülle und Wärme verzichten müssen, reduziert sich durch dieses Loch auch noch die Klangfarbe vieler Instrumente und die Wiedererkennung von menschlichen Stimmen. Es sind exakt diese zwei Bereiche, die einem den Musikgenuss vermiesen. Beim Bass kann man reduzieren, aber was hier fehlt, lässt sich nicht ersetzen.

Der Hochton- und Superhochton sind dann wieder guter Durchschnitt, was aber am Gesamtbild nichts mehr ändern kann. Wir waren nach dem Probehören ziemlich enttäuscht, dass uns Logitech gerade dieses Headset geschickt hat, denn viel schlechter kann man in so einen Test fast gar nicht mehr einsteigen. Bastelfreudigkeit und Schrauben statt Kleber hin oder her, wenn der Rest nicht stimmt, bringt auch dies nur bedingt Linderung für die Ohren. Vielleicht kann man uns ja mit einem anderen Modell überzeugen, für das G230 jedoch wird es eng.

Fazit

Der günstige Straßenpreis von deutlich unter 50 Euro für ein Logitech-Headset kann schon verlockend sein, doch man muss schon genauer hinsehen und auch -hören, um dann zum Schluss ein objektives Urteil fällen zu können. Optisch und haptisch geht der aktuelle Straßenpreis zunächst einmal in Ordnung, auch wenn uns die Kunststofforgie um das obere Gelenk herum erst einmal skeptisch zurücklässt. Kabel, Zugetnlastung und Stecker sind akzeptabel, die verwendeten Materialen als solche eigentlich auch.

Beim Handling und dem Tragekomfort gibt es preisbedingt natürlich immer irgendwo Abstriche zu machen, aber das ist normal und auch keinerlei Kritik wert. Wo uns jedoch der Schuh gewaltig drückt, sind die akustischen Fähigkeiten des Headsets. Vor allem die hörbaren Schwächen bei den unteren Mitten (Klangfülle, Grundtonbereiche) und den unteren Höhen (Klangfarbe, Wiedererkennung von Stimmen und Instrumenten), verhindern eine positive Schlussbewertung.

Der geradezu aufdringliche und unpräzise Bass tut dann sein Übriges, so dass die eigentlich recht gute räumliche Ortung von Geräuschen beim Gaming fast komplett in den Hintergrund rückt. Regelt man den Bass ab ca. 250 Hz ordentlich nach unten, kann man zumindest beim Gaming noch ganz ordentlich mithalten, obwohl z.B. auch Schusswaffen eher komisch klingen, weil sie ihrer natürlichen Klangfarbe beraubt werden. Musik ist allerdings eine echte Tortur, die man niemandem auferlegen möchte, den man nicht völlig abgrundtief hasst.

Genau aus diesen Gründen verfehlt das G230 auch den “Geprüft”-Award, was nicht heißt, dass es unbenutzbar wäre. Doch im direkten Vergleich in der Klasse von 40 bis 50 Euro ist das Logitech G230 nun einmal nur bedingt zu empfehlen.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist seit geraumer Zeit auf dem Markt, so dass sich auch der Preis im Vergleich zur UVP auf einem deutlich niedrigeren Niveau befindet.

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