[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

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Einführung und Lieferumfang

Lioncast ist – zumindest bei Headsets – ein absolut unbeschriebenes Blatt. Gut – korrigieren wir das ist mal in war.

Nachdem sich Lioncast nun in finanziell ruhigere Fahrwasser begeben hat, hat man das eigene Produktportfolio zielgerichtet ausgebaut. Mit dem LX50 testen wir das Erstlingswerk, das gleich einmal recht selbstbewusst in der Klasse bis 60 Euro platziert wurde (wenn man den üblichen Spielkram mit der UVP von knapp 70 Euro mal außen vor lässt).

Nun ist es ja nicht so, dass OEMs für gute Headsets wie Sand am chinesischen Strand herumliegen, denn viele haben in verschiedenen Bereichen mittlerweile Exklusivverträge – gewisse Stückzahlen vorausgesetzt. Und obwohl man seitens Lioncasts auch gern Takstar gehabt hätte, weil man sich selbst ein eher neutrales Headset wünscht, hat man dort nur gesättigt abgewinkt.

Dann wiederum hat man nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt es gleich oder sucht sich einen OEM, der genügend Erfahrung und Geduld mitbringt, auch einmal zuzuhören. Doch das Einstiegsprodukt zeigt von Beginn an eine gewisse Reife, die durchaus erstaunt. Doch genug mit Spoiler & Co. – kommen wir endlich zum Test.

Packt man das Headset aus, dann findet man im Lieferumfang neben dem eigentlichen Headset ein ansteckbares Mikrofon mit Schwanenhals und abnehmbaren Popschutz sowie eine Verlängerung samt dem nötigen Splitter von dreikanaliger Multifunktions-Klinke (Mobilgeräte) auf zwei getrennte 3,5-mm-Stecker für den PC (Mikro, Kopfhörer).

Als kleines Goodie erhält man dann noch zwei sofakissenweiche Austauschpolster für all jene, die es tuffig statt ledrig mögen. Reicht und ist dem Preis angemessen.

Optik und Haptik

Rabenschwarzes Rubber-Coating trifft auf Aluminiumapplikation (schwarz lackiert) und sonstiges Metall (Stahlbügel, auch schwarz lackiert). Zum Dessert gibt es schwarzes PU-Lederimitat, orangene Hörmuschelgardinen und textilummantelte Kabel in diesem 60-Euro-Menü.

Das kann man so akzeptieren, denn wirklich mehr kann man bei diesem Preis auch nicht erwarten – meist bekommt man sogar deutlich weniger. Zumindest kann man dem LX50 ein ausgewogenes Erscheinungsbild bescheinigen, dem angenehm wenig Gaming-Kitsch übergestülpt wurde, so dass es ohne Mikrofon auch glatt als reiner Kopfhörer durchgehen könnte. Danke dafür, die Augen freut es.

Tragekomfort

Das Headset ist recht komfortabel und sitzt auch ganz ordentlich, selbst wenn die asiatischen Produktionserfüllungsgehilfen gern vergessen, dass es auch Hutgrößen jenseits der 60 gibt.

Der Bügel im Kopfband ist zwar lang genug, um auch diese Hürde ohne Kompression der Hypophyse zu meistern, wirkt dann aber leider in etwa so stocksteif wie ein pubertierender Tanzschüler, dem es einfach nicht gelingen will, sich jeder Kopfform geschmeidig genug und auf Kommando anzupassen. Da muss Lioncast noch etwas üben, bis es auch mal das Tanzleistungsabzeichen gibt.

Es gibt nämlich keinerlei Gelenke, an denen unser Proband umherwirbeln könnte, sondern einzig das Kopfband samt des Federstahls, welcher die Anpassungen ja eigentlich garantieren soll. Das klappt im Ansatz zwar schon, nur eben nicht bei wirklich großen Köpfen.

Die Innenpolsterung im Kopfband ist gut und völlig ausreichend, die beiden Ohrplster könnten jedoch etwas einfacher auszuwechseln sein. Leider besitzt das Gegenstück wie bei einigen anderen Kopfhörern auch keine echte “Einfädelhilfe”, so dass man hier mit Geduld und Spucke rund um die kleine Ausssparung herum agieren muss, deren Position man sich vorher besser einprägen sollte. Wie gesagt: Wer auf Omas Plüsch steht…

Die ausreichend großen Ohrpolster machen das Headset zu einem echten Over-Ear-Modell. Der Anpressdruck ist erträglich und das Ganze auch dicht genug, um die Umwelt akzeptabel außen vor zu lassen. Der Langzeittragefaktor ist ausreichend hoch, Hirndruck wird man also eher nicht bekommen. Brillenträger werden jedoch etwas länger brauchen, um die optimale Position für sich herauszufinden.

Funktionalität und Anschluss

Die Lautstärkeregelung befindet sich im Kabel und ist klassenüblich ausgeführt. Das verbaute Potentiometer kratzt zwar nicht, hat am Anfang allerdings kleinere Gleichlaufprobleme bei kleinen Pegeln.

Ein griffiger Mute-Schalter lässt uns für den Gegenüber verstummen. Das Ganze lässt sich intuitiv und schnörkellos bedienen, zumal die Control-Box nicht allzuweit von Hörer entfernt eingesetzt wurde und sich nicht aus Versehen hinter dem möglichen Bier-, Cola- oder Pizzabauch des Spielers verstecken kann.

Innenleben und eigenes Sounding

Das Innenleben ist aufgeräumt, die Lötqualität akzeptabel. Auch die Zugentlastung des Kabels ist mittels eines Knotens simpel, aber wirkungsvoll gelöst. Ansonsten sehen wir noch die ordentliche Befestigung des Bügels mittels zweier Schrauben (Bild unten, links). Das Innenvolumen ist nicht allzu groß – aber das stört nicht, wenn die Treiber gut abgestimmt wurden.

Beim Lioncast LX50 ist diese Abstimmung ziemlich einfach gelöst und auch genauso einfach zu modifizieren. Wir weisen jedoch noch einmal explizit  darauf hin, dass bei solchen Eingriffen unter Umständen die Garantie erlischt.

Betrachten wir nun die beiden Seiten der Trägerplatte für den 5-cm-Treiber (53 mm Außendurchmesser), der nicht einfach offen eingeklebt wurde. Stattdessen wurde er mit einer rückseitigen, kleinen Kunststoffschale als Sandwich in die Front eingepresst und fixiert, die zudem Löcher enthält, über die gleich noch zu sprechen sein wird.

Wir sehen erst einmal auf dem linken Bild (unten), dass zusätzlich zur durchgängigen Membranverdeckung (etwas abgemilderter Superhochton) von außen noch zwei weitere zwei rechteckinge Filzstreifen jeweils drei kleine Löcher verdecken (rechtes Bild, jeweils seitlich außerhalb des Speakers).

Hiermit dämpft man den Tiefton zwar etwas ab, vermeidet jedoch auch lästige Resonanzen. Wer einen Equalizer benutzen kann, sollte dies erst einmal nicht ändern und stattdessen experimentell lieber bei 32 und 64 Hz etwas mehr Pegel einstellen (bis zu 6 dB).

Oberbass und untere Mitten wurden leicht gedämpft, indem man etwas weißen Vlies hinter die Membran geklebt und damit einige der größeren Löcher abgedeckt hat (Bild unten rechts). Hier kann man gern etwas spielen und die Dämpfung auch mal ganz entfernen. Wer möchte, kann stattdessen den Korpus der Ohrmuschel dahinter mit einer dünnen Schaumstofflage oder etwas Filz dämpfen. Dann kann man auch probeweise mal die frontseitige Bassdämpfung komplett entfernen.

Wer glaubt, auch noch bei 16 KHz (und höher) Töne wirklich wahrnehmen zu können, darf sich auch einmal an der frontseitigen Membranabdeckung versuchen. Doch Vorsicht bei den Sibilanten, denn der Charakter wird etwas metallischer und spitzer!

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik sitzt an einem ansteckbaren Schwanenhals und tut genau das, was es soll. Der Popschutz ist ein echter Spritzschutz, beeinflusst den Klang jedoch kaum. Das kleine Elektret-Mikrofon ist ausreichend laut und bietet zudem eine gute Sprachverständlichkeit. Noise-Cancelling findet man zwar keines, aber die Umwelt tritt bei gut ausgerichtetem Mikrofon freiwillig mit ihren Geräuschen in den Hintergrund.

Messungen und Sound-Check

Die Messkurve hat uns dann schon etwas erstaunt, denn anstatt der üblichen “Gamer-typischen” Basslastigkeit erwartete uns eine fast schon neutrale Wiedergabe, die zwar ab den oberen Mitten etwas hibbelig  ist, jedoch immer noch anregend unaufgeregt daherkommt. Alles ab den Mitten abwärts ist dann das, was man in gewissen Kreisen als “Schmalreh” bezeichnen würde. Glatte, leicht abfallende Kurven und kein ausbordendes Becken á la Kim Irgendwas.

Nun ist es ja nicht so, dass der Bass völlig fehlen würde; der geht schon ganz gut. Nur eben nicht als massives Fundament unter fünf monströsen Kellergeschossen, sondern eher als solides Pfeilerfundament, das sicher steht, ohne sonderlich viel Volumen zu benötigen. Hilft man hier mit dem Equalizer etwas nach, kann man noch genügend Druck einlassen, ohne dass die Membran versagt oder dies mit einem frühen Verzerren quiittiert. Pegelfest sind die Dinger nämlich, das muss man ihnen neidlos zugestehen.

Die sehr ausgeglichene Kurve bis hin zu den Mitten ist fern jeglichen akustischen Badewannen-Barocks, was uns dann sogar besser gefallen hat als die wummernde Dröhung der üblichen Verdächtigen. Merke: Laut ist nicht automatisch tief und schmierige Bässe sind nun mal die Pest. Das Ansprechverhalten und die Auflösung sind jedenfalls für diesen Preis ein wirklicher Gegenwert.

Die Grundtöne der Vocals und auch fast aller Instrumente sind trotz der leichten Pegelabsenkung noch gut ausgeprägt und präsent, jedoch klingt das Headset ohne Nachhilfe über Equalizer und/oder manuelles Sounding etwas hart und kühl. Das kann man sogar mögen, denn der Orientierung beim Spielen ist es definitiv nicht abträglich. Die Ortung ist gut bis sehr gut, was auch daran liegt , dass der Bereich zwischen einem und etwa vier Kilohertz kaum Kapriolen schlägt.

Wir fanden es zudem sehr angenehm, dass der Bereich um die acht Kilohertz nicht künstlich aufgeplasen wurde. Das lässt die Sibilanten bei rund sechs KHz dort, wo sie hingehören – und es klingt zwar staubtrocken und etwas kühl, aber eben auch nicht gleich völlig metallisch spitz und kalt.

Für Musik eignet sich das Teil übrigens auch ganz gut, zumal auch hier gute Pegel erreicht werden können und die Bühne definitiv keine schlechte ist. Man hätte beim Sounding einfach untenrum etwas mehr Mut zum nackten Fleisch zeigen können, ohne gleich beidbeinig in die Bass-Jauchegrube abzustürzen und sich den tonalen Hintern sinnlos mit Eigenfett auszupolstern.

Fazit

Wir sehen das Heaset auch perspektivisch eher deutlich über der 50-Euro-Grenze, wobei die knapp 59 Euro aktueller Straßenpreis zwar kein Schnäppchen, aber irgendwie doch einigermaßen realistisch sind.

Für einen Erstversuch samt neuem OEM ist das Ergebnis optisch, haptisch, akustisch und qualitativ eine kleine Überraschung.

Anstatt gedankenlos ins OEM-Regal zu greifen und fade umzulabeln, hat Lioncast schon etwas Aufwand investiert, um sich nicht mit einem Mainstream-Headset an den Start zu begeben, das vor lauter überflüssigen Sounding noch nicht einmal gerade auf dem Tisch liegen kann.

Man sollte den Mut zur vermeintlichen Nische einfach einmal belohnen – und das tun wir mit unserem Award, den wir bei Headsets eigentlich nur noch dann vergeben, wenn wir unsere selbstauferlegte Verpflichtung zur (akustischen) Neutralität wirklich erfüllt sehen.

Es gibt bereits genügend ladenneuen Elektroschrott für die Ohren, aber das LX50 gehört definitiv nicht dazu.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist erst seit kurzer Zeit auf dem Markt, so dass sich auch der Preis im Vergleich zur UVP noch nicht deutlich nach unten bewegt hat.

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