[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

Inhaltsverzeichnis

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Einführung und Lieferumfang

Was macht man als Hersteller von diverser Soundperipherie, wenn man sich vom bestehenden Produktportfolio deutlich abheben, jedoch nicht auf eingeführte Bezeichnungen und Marken verzichten will? Richtig, man kauft sich ein X. Aus Sound Blaster wird dann einfach Sound BlasterX und fertig.

Doch was versteckt sich hinter diesem Konsonanten-Klimmzug eigentlich? Das erste Probehören des Headsets offenbarte uns dann auch schnell den Trend, dem man bei diesem etwas höherpreisigen Produkt bei Creative eingeschlagen hat. Man möchte weg vom Image günstiger Durchschnittsware und hin zu Produkten, die vor allem durch Leistung punkten sollen. Löblicher Ansatz allemal, aber hat es auch geklappt?

Die Verpackung hebt sich zumindest von der Masse deutlich ab. Im Lieferumfang findet man darin neben dem eigentlichen Kopfhörer ein ansteckbares Mikrofon und ein Klinken-Verlängerungskabel, das die Kombi-Klinke, wie wir sie sie z.B. für mobile Geräte kennen, wieder durch zwei separate 3,5mm-Stecker ersetzt, die man dann getrennt in den Mikrofon-Eingang bzw. Kopfhörerausgang des PCs steckt.

Optik und Haptik

Die patentierte Aufhängung der Ohrmuscheln samt Bügel ist das eigentliche Glanzstück der Konstruktion. Soweit wir wissen, nutzen nur wenige Firmen dieses Patent, was sicher auch am Auftragsfertiger liegt, der hier einen an sich recht neutralen und sehr leichten Kopfhörer einfach mit durchdachtem Tooling zum Headset umfunktioniert hat.

Den gestiegenen Qualitätsanspruch merkt man dann auch am Matrialmix, denn vor allem die sehr stabilen Aluminiumteile in Verbindung mit höherwertigem Kunststoff sind optisch und haptisch eine Erlösung aus dem üblichen Headset-Einheitsbrei. Wir haben versucht, das Headset mit Gewalt zu verwinden und zu verbiegen – umsonst, das hält. Das ist vielleicht keine Konstruktion für die Ewigkeit, aber zumindest für die halbe. Mindestens.

Tragekomfort

Egal, wie groß der Kopfumfang oder ausgefallen die Kopfform auch ausfallen – einmal eingestellt sitzt das Headset perfekt wie bestellt und auf Maß gefertigt. Wir haben sehr selten ein so unaufdringlich und doch nicht zu locker sitzendes Headset getestet, das beim Langzeittragekomfort dermaßen punkten kann, obwohl es als Over-Ear-Ausführung ja komplett alles einschließt.

Die Polster aus Kunstleder sind extrem weich und der verarbeitete Schaumstoff im Inneren passt sich der Anatomie des Trägers weitgehend an. Inwieweit das PU-Lederimitat langzeitstabil ohne Risse bleibt, können wir allerdings nicht abschätzen.

Mit den etwas schräg angestellten Treibern, Creative nennt das “Tilt-Driver-Implementierung”, kommt man der Anatomie dann zumindest soweit entgegen, dass man versucht, die Abstrahlungsrichtung dem Gehörgang besser anzupassen.

Damit meint man, den entstehenden Luftraum zwischen Treiber und Ohr noch weiter optimieren zu können. Ob man die angestrebte Resonanzvermeidung gerade dadurch erreicht hat, lässt sich aus unserer Sicht so nicht mehr nachvollziehen, denn wir haben erst gar keine störenden Resonanzen hören können.

Die Gelenklösung kann auf ganzer Linie überzeugen und ist sogar sehr gut vergleichbar mit der Umsetzung diverser Beyerdynamic-Produkte. Diese frappierende Ähnlichkeit setzt sich übrigens auch im Inneren des Bügels bei der Verstellung und den geprägten Druckpunkten für die Positionen fort. Auch Headsets wie das Qpad QH 90 sind ähnlich konstruiert, was sicher kein Zufall ist.

Ein guter Sitz ist schon die halbe Miete, den Rest erreicht man durch das wirklich geringe Gewicht des Headsets. Postiv erwähnen muss man auch das im Bügel integrierte, sehr weiche Kopfpolster, dass man aber aufgrund der Leichtigkeit nicht einmal sonderlich in Anspruch nehmen muss.

Erfrischendes Design trifft richtig gute Verarbeitung. Das ist seltener in der 100-Euro-Klasse als man denkt, auch wenn andere Produkte ebenfalls mit Qualität und neuen Ideen punkten können. Hier hat man einfach noch einen draufgesetzt. Diese Luftigkeit und der geringe Anpressdruck gehen zwar etwas zu Lasten des sonst üblichen Bassgewitters, aber wehe, wenn sie losgelassen werden! Doch dazu gleich mehr.

Funktionalität und Anschluss

Die im Kabel eingebaute Kontrolleinheit beherbergt einen Lautstärkeregler und den Schalter fürs Mikrofon. Die Positionierung ist nah genug am Kopf, so dass der Griff eigentlich nie ins Leere geht. Positiv auch, dass Creative auf eine USB-Soundlösung verzichtet hat und auf die konventionelle 3,5mm-Klinke ohne akustische Verschlimmbesserung im Audiostrang setzt.

So lohnt sich nämlich auch der Anschluss an einen guten Kopfhörerverstärker, der vielen Onboard-Lösungen fast immer überlegen ist und vor allem höhere Pegel bei geringeren Verzerrungen ermöglicht. Gerde die Pegelfestigkeit macht viele Onboard-Lösungen schnell zum Falschenhals, während die eigentlichen DACs mittlerweile durchaus recht brauchbar sind.

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik besitzt einen großen Pop-Schutz und ist ansteck- bzw. abziehbar, was das Headset schnell in einen ultraleichten und sehr komfortablen Kopfhörer verwandelt, mit dem man auch Musik genießen kann und natürlich auch umgekehrt.

Der Low-Cut bei ca. 100 Hz funktioniert gut, so dass das Rumpeln von Wind- und Ausblasgeräuschen kein Thema ist. Den Rest erledigt eh der Pop-Schutz. Die Geräuschunterdrückung funktioniert passabel und ohne Pumpen, lediglich bei hohen Spitzen wird hörbar geclippt. Die Sprachverständlichkeit ist sehr gut, zumal man das Mikrofon durch den sehr flexiblen Schwanenhals auch optimal positionieren kann.

Messungen und Sound-Check

Jetzt wird es interessant, denn man will sich seitens von Creative ja eher mit Produkten wie dem Qpad QH90 oder dem HyperX Cloud II messen. Dass diese beiden Headsets von Guangdong Takstar Electronic Co. Ltd. kommen und dabei eigentlich abgewandelte Stereo-Kopfhörer sind, deren Treiber zudem fast schon Lizenzprodukte von Beyerdynamic sein könnten, ist dabei sogar pure Absicht.

Denn man hat sehr wohl erkannt, dass ein guter Stereo-Kopfhörer weitaus räumllicher und differenzierter spielen kann, als es alle 5.1-Sourround-was-auch-immer-Zusätze jemals vermögen werden, alberne Sounding-Spielereien fürs Marketing inklusive.

Werfen wir deshalb zunächst einen Blick auf das Gesamtbild. Die ab 200 Hz abwärts leicht abfallende Basskurve ist sicherlich auch dem geringen Anpressdruck der Muschel in unserem Testaufbau geschuldet (eher kleiner Kunstkopf mit 56 cm Umfang), stört aber nicht primär, denn der subjektive Eindruck war einen Tick fülliger. Wer es doch etwas kräftiger mag, weil er den eher lockeren Sitz bevorzugt, kann mit dem 64-Hz-Regler so ziemlich alles an Bass wieder hervorzaubern, was das eigene Herz schmachtend begehrt.

Das geht vor allem deshalb so bemerkenswert gut, weil es eines der pegelfestesten Headsets ist, das wir je getestet haben.

Über den von 200 Hz bis über 20 KHz im Bereich von +/- 3dB völlig linearen Verlauf kann man nur das Beste schreiben, denn neben der Klangneutralität sind es vor allem die fast schon filigrane und sehr differenzierte Wiedergabe von Stimmen, Instrumenten und natürlich auch breitbandigen Gaminggeräuschen. Warum das auch (und besonders) für Spieler von Vorteil ist, wurde bereits im Grundlagenartikel “Mythos Gaming-Headset: Reines Marketing-Blabla oder echter Vorteil beim Spielen?” sehr ausfühlich belegt.

Wir haben uns den Spaß gemacht und das Headset mit Beyerdynamics Custom One Pro (den wir auch als Headset nutzen) und den DT 990 Pro zu vergleichen. Rein vom Klangeindruck her ist das Sound BlasterX H5 ungefähr in der Mitte angesiedelt. Der überdominante Bass des COP fehlt erfreulicherweise genauso, wie das sehr aufdringliche Höhenvolumen des DT 990 Pro. Mit der richtigen Einstellung am Equalizer spielt das H5 locker bis hinab in die Subkontraoktave und bleibt dabei warm, weich und ausgewogen. Das Einschwingverhalten ist für diese Preisklasse auf jeden Fall akzeptabel.

Wo man beim DT 990 Pro vor allem beim Abmischen gern schon mal am Mischpult die Höhen etwas wegnimmt, ist das H5-Headset deutlich neutraler und unaufdringlicher abgestimmt. Der Höreindruck ist in allen Frequenzbereichen in etwa gleich gut und die sehr differenzierte Wiedergabe bringt auch Gamern diverse Freudentränen ins Gesicht, ohne dass das H5 zu analytisch klingt. Manche Dinge wird man nicht nur mit anderen Ohren, sondern vielleicht auch erstmalig hören, wenn man bisher die üblichen Gaming-Tröten mit übertriebenem Sounding gewohnt war.

Man kann Musik und Gaming gleichermaßen mögen und wird beide Interpretationen lieben, wenn man gegebenenfalls noch etwas am Bassregler nachhilft. Diese mehr oder wenig halboffenen Kopfhörer schließen einen auch nicht völlig von der Umwelt aus, legen aber einen angenehmen Soundteppich darüber, der erstaunlich wenige Flicken aufweist. Für viele Musikgenres bis hin zum Gaming würden wir das H5 sogar dem Custom One Pro vorziehen, da das H5 auch deutlich pegelfester ist.

Wir werden einen Vergleich zu Qpad QH90 & Co sicher im Rahmen des Roundups noch nachholen, denn für die Messungen standen bisher leider keine Testmuster zur Verfügung. Aber wir bleiben dran, denn das Roundup ist zum Ende hin absolut offen.

Fazit

Was passiert wohl, wenn ein fast schon neutrales Headset mit extremer Pegelfestigkeit auf einen anspruchsvollen Gamer trifft, dessen Ohren und Hörgefühl noch nicht vom schwülstigen Bassbarock-Sounding der Marketingpäpste zerfressen sind?

Der Gamer wird mit Freude zugreifen und sich fragen, warum er es nicht schon früher mit einem guten Stereo-Kopfhörer samt Ansteckmikrofon versucht hat. So einfach kann Hören nämlich auch sein.

Man kann vielen vieles anbieten und dabei mit noch so bunten Werbeblasen schmücken, am Ende siegt stets die Wahrheit. Und wenn sie es, so wie in diesem Fall, lediglich in Form eines unverfälschten Sounds tut, der dann aber auch schonungslos Dinge zum Vorschein bringt, die man mit den üblichen Verdächtigen im Headset-Bereich bisher noch nie gehört hat.

Wer es nicht glaubt, kann den Test gern an sich selbst vornehmen, sollte dann aber auch mit alten Gewohnheiten brechen und etwas Zeit zum Probehören investieren. Die wird im Verlauf garantiert auch nicht durch lästiges Drücken oder Zwicken begleitet, denn das sehr leichte Headset sitzt luftig und unaufdringlich.

Das Fazit fällt durchweg positiv aus, so dass der explizite Kauftipp dann auch nur die logische Folge ist. Wer es lieber neutral mag und sich die Situationen bei Bedarf induviduell noch per Equalizer etwas akustisch zurechtbiegt, der darf gern zugreifen. Freudentränen lügen nicht und das zugekaufte X beim Blaster ist kein Desaster.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist erst seit kurzer Zeit auf dem Markt, so dass sich auch der Preis noch in interessante Regionen einpendeln wird. Vereinzelte Marketingaktionen von ca. 90 Euro sind da schon einmal ein gutes Zeichen.

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