[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

Einführung und Lieferumfang

Ein 5-teiliger Name. so sperrig wie ein 40-Tonner mit Anhänger? Bei Gaming-Untensilien muss dass wohl so sein, um so richtig mitschwimmen zu können. Und so steht dann leider auch der eigentlich wichtigste Teil im Namen ganz hinten: Wireless.

Somit hätten wir also ein Funkheadset im Test, dass mit netten Beleuchtungseffekten und Softwareunterstützung einschließlich emuliertem Surround daherkommt, sich aber mit dem beigelegten Dongle auch ohne irgendwelche Downloads per Plug & Play sofort nutzen lässt. Natürlich nur dann, wenn man es vorher zur Gänze aufgeladen hat.

Der aktuelle Straßenpreis von knapp 80 Euro macht da durchaus neugierig, genauso wie der beworbene Surround-Effekt, wobei wir ja gerade zu dieser Technik bereits im Grundlagenartikel “Mythos Gaming-Headset: Reines Marketing-Blabla oder echter Vorteil beim Spielen?” so Einiges getestet und geschrieben hatten.

Der Lieferumfang fällt zweckmäßig, jedoch nicht üppig aus: Headset, abnehmbares Mikrofon, USB-Ladekabel, sowie der USB-Transmitter als Schnittstelle zum PC.

Optik und Haptik

Durch den eingebauten, recht lang ausreichenden Akku und die notwenige Elektronik wirkt das Headset zwr nicht klobig, aber durchaus recht massiv. Die seidenmatt-schwarzen Kunststoffflächen sind relativ unempfindlich gegen Fingerabdrücke und hinterlassen insgesamt einen angenehm positiven Eindruck. Anstelle einer textilen Bespannung für Ohrpolster und Bügelpolster setzt man auf ziemliches einfaches PU-Lederimitat, was sich bei längerem Tragen durchaus schweißtreibend sein kann.

Das Headset ist optisch zwar in schwarz und weinrot gehalten, kann aber mittels LED-Effekten an den Ohrmuschen auch anders akzentuiert werden. Auch dazu kommen wir gleich noch. Was eigentlich gut aussieht, wirkt aber auf den zweiten Blick nicht überstabil, denn fast alles des recht dünnwandigen Kunststoffkonstrukts ist geklebt und es existieren, bis auf den Bügel, keine eingeschalten Matallapplikationen zur Versteifung.

Der Rest ist schnell erzählt, denn es ist so schlicht und unauffällig gestaltet, dass es schon wieder auffällt. Wir finden das durchaus positiv, denn Dragonmegaforcewinner-Bling-Bling-Headsets sind meist nichts für längere Freundschaften und auch der Zeitgeist ändert sich ja stets schneller, als man überhaupt Mops sagen kann.

Allerdings könnte die Freude auch schnell getrübt werden, wenn die Verarbeitung dann später nicht das hält, was sie äußerlich auf den ersten Blick vielleicht verspricht. Nur haben wir leider keine Möglichkeiten, echte Langzeittests durchzuführen. Hier sollte auch das Anwender-Feedback auf diversen Verkaufsplattformen mit zu Rate gezogen werden, wobei solche Kommentare dann natürlich stets mit der nötigen Vorsicht zu genießen sind.

Tragekomfort

Auch für dieses Headset gilt, was für viele asiatische Produkte offenbar zum Alltag gehört: große Köpfe hat man bei der Entwicklung mangels adäquater Testpersonen glatt vergessen. Für einen Kopfumpfang von 60 cm und mehr sollte man wohl besser woanders räubern, denn das wird nichts, weil der Druck einfach zu stark wird.

Nicht, dass man den Bügel nicht so weit verstellen könnte, nein, das geht durchaus. Aber der Anpressdruck bleibt und es rächt sich zusätzlich, dass man die Ohrmuscheln zwar vertikal drehen, jedoch nicht ebefnalls auf der Horizontalachse anpassen kann. Das heißt: zu den Seiten klappen geht wirklich perfekt, nur nach oben oder unten bewegen kann man die Muscheln eben nicht.

Funktionalität und Anschluss

Da es ein Drahtlos-Headset ist, das im 2,4-GHz-Band funkt, muss eine Menge Technik verstaut werden. In der rechten Muschel befindet sich die Elektronik, so dass folgerichtig auch der Lautstärkeregler und der Ein-/Auschalter rechts platziert sind. Das alles ist gut, sowie sehr intuitiv zu erreichen und auch zu bedienen. Der Ein-/Aus-Taster ist zudem beleuchtet, wenn das Headset aktiv ist. Man ist somit auch über den Betriebszustand informiert, denn diese LED zeigt den Status an.

Linksseitig befindet sich das Mikrofon, so dass man die Mute-Taste der Logik folgend gleich dort platziert hat. Auch hier geht der Griff kaum ins Leere, denn die Position passt bestens.

Die Verbindung wird über ein USB-Dongle realisiert, welchesr den kompletten Transmitter enthält. Die Audiodaten können unkomprimiert und damit auch weitgehend verzögerungsfrei übertragen werden. Das Verbinden (connect) klappte in jedem Fall problemlos, nur bei der Reichweite büßt man wertvolle Meter ein, wenn sich der Stick hinten am PC befindet. Hier sollte man den Stick am Front-USB nutzen oder besser gleich ein USB-Verlängerungskabel zu Hilfe nehmen und den Stick oben auf der Arbeitsplatte positionieren.

Praktischerweise lassen sich die Muscheln ja wie schon erwähnt vertikal drehen und damit dann auch komplett in den 90-Grad-Winkel umklappen. Damit steht dem dann ca. 7 cm hohen Headset auch mehr Platz für den Transport zur Verfügung, denn es ist nicht mehr ganz so sperrig.

Über die herunterzuladende Software lassen sich am Ende nicht nur die ganzen Soundeffekte einstellen, sondern auch die LED-Illumination. Da es sich im Detail um bekannte Standardfunktionen handelt, sparen wir uns jedoch eine ausführlichere Beschreibung. Über die Nutzung des Surround-Efekktes kann man geteilter Meinung sein, wir wollen dazu lediglich auf den oben bereits eingefügten Link zu unserem diesbezüglichen Grundlagenartikel verweisen.

Das Aufladen ist in weniger als 90 Minuten erledigt, zumal das mitgelieferte USB-Anschlusskabel für das Aufladen auch lang genug ist, um während des Ladens trotzdem weiterhören zu können. Mit 8 bis knapp 16 Stunden, je nach Lautstärke, ist das Headset diesbezüglich sicher keine schlechte Lösung.

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik ist ansteck- und abziehbar, was den praktischen Nutzen ungemein erhöht und auch beim Transport dem beanspruchten Platz entgegen kommt. Die Steckverbindung ist sicher und taktil gut zu erfassen, ein zusätzlicher Pop-Schutz mindert Windgeräusche und die akustischen, sowie auch elektrischen Folgen einer gar zu feuchten Aussprache.

Der Low-Cut bei ca. 100 Hz funktioniert wie er soll, jedoch ist aus unserer Sicht der Frequenzbereich mit einer Obergrenze von 6,5 KHz etwas zu eng gefasst. Eine Kappung bei 8 KHz wäre sicher besser gewesen. Die Geräuschminderung funktioniert, endet aber bei größeren Pegeln auch schon mal recht schnell im Clipping. Die Sprachverständlichkeit geht durchaus Ordnung, auch wenn sie mit sehr guten Mikrofonen natürlich nicht mithalten kann.

Messungen und Sound-Check

Ba-de-Wan-ne pur! Wäre da nicht die Delle bei exakt einem Kilohertz, deren Talfart bereits bei ca 200 Hz beginnt und erst als Ende des steilen Wiederaufstiegs bei 2,2 KHz endet – man könnte ja eigentlich sogar recht zufrieden sein. Bass und Oberbass liegen nähmlich auf einem ähnlich hohen Pegel, was nicht nur besser klingt, sondern auch das undifferenzierte Dröhnen und Wummern billiger Gaming-Headsets vermeidet. Es bleibt also immer eine Frage des Betrachtungspunktes, ob es nun eine Delle der Mitten nach unten oder eine kräftige Anhebung der Tiefen und Höhen ist.

Der Tiefbass ist gut und vorhanden und eigentlich auch frei von lästigen Resonanzen. Bis zu den unteren Mitten ist die Welt auch noch in Ordnung, dann jedoch beginnt die akustische Talfahrt, deren Scheitelpunkt so ziemlich exakt bei einem Kilohertz liegt und damit insgesamt einen Charakter trägt, der einen so nicht befriedigen kann.

Da vor allem die Mitten so stark zurückgenommen wurden, leidet der für die Ortung interessanteste und wichtigste Bereich am meisten. Das rächt sich bei der Musikwiedergabe durch eine sehr eingeengte Bühne und beim Gaming durch ein schlechtes Ortungsverhalten, weil vor allem der Diffusschall mit den räumlichen Informationen (Laufzeitunterschiede!) sehr stark negativ beeinträchtigt wird. Hier macht das zu gut gemeinte Sounding fast alles kaputt, was man als ambitionierter Gamer eigentlich an Informationen so bräuchte.

Doch nicht nur die räumliche Abbildung leidet unter diesem Sounding, sondern auch die Wiedergabe vom Stimmen, Instrumenten und sehr breitbandigen Geräuschen, wie wir sie in Spielen zu Hauf finden. Während die Vocals (und viele Instrumente) im Grundtonbereich gefallen können, leiden Charakter und Stimm-/Klangfarbe in den Mitten stärker, als es einem lieb sein könnte. Dazu kommt noch die leichte Überbetonung der Zischlaute (Sibilanten) und des Hoch- bzw. Superhochtons, die nicht jedermans Geschmack ist.

Nun ist es ja nicht so, dass die schon recht potenten 50mm-Treiber per se Schrott wären. Aber man muss schon den Equalizer bemühen, um den Bereich um 500 Hz ein wenig und den bei einem Kilohertz etwas deutlicher anzuheben. Im Umkehrschlüss könnte man natürlich auch Höhen und Tiefen breitbandig absenken, aber jeder Filter, der vermieden werden kann, ist immer auch ein Zugewinn. Also dann doch besser nur zwei Bereiche anheben und bei Bedarf den Gesamtpegel etwas verringen.

All diese Sachen lassen sich per Software ganz ordentlich bewerkstelligen, so dass man mit eigentlich nur wenigen Handgriffen bereits eine ordentliche Lösung des Soundings erreichen kann. Der Nachteil dieser Gesichtskosmetik ist jedoch, dass man dann wirklich gezwungen ist, die passende Software zu installieren.

Fazit

Für knapp 80 Euro kann man eigentlich nichts verlieren, es sei denn, man kommt mit dem straffen Sitz bei größeren Kopfumfängen nicht klar. Dann rächt sich der zu große Biegewiderstand des Bügels zusammen mit der fehlenden Einstellungsmöglichkeit für die Justierung der Ohrmuscheln auf der Horizontalachse.

Das sehr starke Sounding ist Geschmackssache, lässt sich aber mit wenigen Handgriffen mildern bzw. sogar fast neutralisieren. Dann, aber auch nur dann, sind die Ortung beim Gaming und eine ausgewogene Musikwiedergabe mit der Note befriedigend bis gut zu bewerten. Der 3D-Surround-Effekt beruht auf Hörerfahrung und damit auch auf Einbildung.

Die Funktionalität geht in Ordnung, die lange Laufzeit von über 12 Stunden bei normalen, nicht extrem lauten Einsatz auch. Wer es lauter mag, muss doch etwas eher wieder ans Ladekabel. Die Reichweite von reichlich 8 Metern bei optimal ausgerichtetem USB-Transmittern ist ausreichend.

Es ist beileibe kein Spitzenprodukt, es wird jedoch im Gegenzug auch kein Spitzenpreis verlangt. Und so bewegt sich das Produkt auf einem Niveau, das man getrost als solide Mittelklasse bezeichnen kann, ohne dass es besondere Highlights oder Fehler aufweist.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist seit einiger Zeit auf dem Markt, so dass sich auch der Preis bereits in interessante Regionen eingependelt hat.

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