[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

Einführung und Lieferumfang

Ab rund 64 Euro Straßenpreis darf man sich so richtig “Penta fühlen”, auch wenn es den gleichen schwarzen Body unter der gewollt fetzigen Gamer-Aufmachung als “Racing” bereits ab etwa 50 Euro gibt und sich die Headsets bis auf die Optik nicht unterscheiden.

Da wir wie immer fair sind, werden wir das klangliche Urteil somit an der 50-Euro-Klasse festmachen. Da die restlichen knapp 15 Euro Aufpreis dem aufgemotzten Design geschuldet sind, muss jeder selbst entscheiden, ob es dies wert ist.

Damit das der Artikel dann auch als eine Art Unisex-Test für alle Modelle der P533-Reihe gelten – denn spätestens dann, wenn man das Teil auf hat, sind alle wieder gleich.

Immerhin bekommt man ein stabiles Case zum Verstauen und eine Art Verlängerungskabel mit Y-Splitter von der Universalklinke des Headset-Anschlusses auf die beiden einzelnen 3,5-mm-Klinkenstecker für Kopfhörer und Mikrofon mitgeliefert. Inkonsequenterweise ist dieses eigentlich fast immer benötigte Kabel rabenschwarz, wärend das Kopfhörerkabel grellorange leuchtet. Sieht merkwürdig aus – und ist es auch.

Optik und Haptik

Warum eigentlich Penta? Hierfür kommt nun ausschließlich die Optik zu Wort. Man nehme das rabenschwarze P533 Racing und produziere mittels Folien, Aufdrucken und netten orangenen Steppnähnten, sowie diversen gleichfarbigen Akzenten den Penta-Gaming-Look. Schwupps wird so aus einem optisch schwarzen Loch wie dem Racing eine hellorangene Supernova – natürlich nicht ganz, aber es ist zumindest zielgruppengerecht bunt genug aufgehübscht.

Das ganze Headset-Gehäuse besteht aus Erdölprodukten, egal ob nun Kunststoffschalen, Kunstlederimitaten oder Polsterung. Das ist in der 50-Euro-Preisklasse durchaus noch angemessen, wenn wir mal den Aufschlag für die Gaming-Optik ausblenden.

Tragekomfort

Das Headset ist erstaunlich komfortabel und sitzt wie eine Eins, das muss man ihm mal neidlos attestieren. Auch nach Stunden wird man den Kopf nicht plötzlich in Ekstase versetzen müssen, um ein lästiges Anhängsel genervt abzuschütteln. Das passt alles und hilft später auch ein wenig bei der Endnote, doch wir wollen nicht vorgreifen.

Die einfache Gelenklösung funktioniert allein auf der Horizontalachse, für die Vertikalachse muss der leicht zu verwindende, weil sehr dünne Bandstahl herhalten. So wird aus einer Einsparung sogar noch ein elegantes Feature, denn der Sitz ist dadurch wirklich erstklassig. Den Rest der Größenanpassung kann man mit dem Herausziehen des Bügels aus dem Kopfband kompensieren. Dieser ist lang genug und lässt auch großen Denkgehäusen ab Hutgröße 64 noch genügend Luft zum Überleben.

Die Innenpolsterung im Kopfband ist zweckdienlich und völlig ausreichend, die beiden Ohrplster könnten jedoch etwas einfacher auszuwechseln sein. Leider besitzt das Gegenstück keinerlei “Einfädelhilfe”, so dass man hier mit Geduld und einem ruhigen Gemüt agieren sollte. Sonderlich reißfest ist das Ganze aufgrund des dünnen PU-Materials wohl eher nicht.

Die großen Ohrpolster machen das Headset zu echten Over-Ears. Der Anpressdruck ist ausreichend, um die Umwelt außen vor zu lassen, und gleichzeitig auf längere Zeit hin wirklich erträglich, zudem man kaum ins Schwitzen kommt. Zusammengefasst: Der Sitz ist langzeittauglich.

Funktionalität und Anschluss

Die Lautstärkeregelung befindet sich an der Seite und ist leider sehr preiswert ausgeführt. Das verbaute Potentiometer kratzt und hat auch diverse Gleichlaufprobleme. Außerdem geben alle zufälligen oder nötigen Berührungen des Korpus sofort akustisches Feedback ans Ohr weiter. Warum das so ist, sehen wir gleich noch.

Nimmt man die Ohrpolster ab, wird der Blick auf die leicht schräg angestellten Treiber frei. Warum man aber dämpfendes Material auf die Oberseite und nicht ins Innere geklebt hat, weiß wohl nur der OEM.

Wenn man das Ohrpolster entfernt hat, dann liegen vier Schrauben offen vor dem Blick des Bastlers, mit denen man die Ohrmuschel komplett auseinanderbekommt. Nun fällt der Blick ins Innere und damit auch in einen gähnenden, komplett ungedämmten Hohlraum, die Platine mit dem etwas zu billigen Potantiometer und den flachen 40mm-Neodym-Treiber.

Die kleinen 40-mm-Treiber ließen sich vom geübten Handwerker durchaus schnell entfernen (nur leicht verklebt) und durch bessere ersetzen, wenn man Zugriff auf passende asiatische Ersatzteile hat. Für den eher ungeübten Bastler ist das natürlich erst einmal nichts, aber auch hier haben wir noch einen Tipp, der sich wirklich lohnt: Eine kleine Dämmmatte oder etwas Dämmwolle in den ab Werk gähnend leeren Muscheln beseitigt nämlich hässliche Resonanzen und lässt das Headset insgesamt deutlich knackiger und interessanterweise auch tiefer spielen.

Natürlich spielt man debei mit der Garantie und riskiert möglicherweise sogar einen Schaden durch unsachgemäße Handhabung. Aber zumindest das Dämmen ist eine deutliche Verbesserung gegen das Dröhnen und undifferenzierte Wummern im Auslieferungszustand und ziemlich einfach zu bewerkstelligen. Die recht hohe Resonanzfrequenz führt nämlich zum gefürchteten Papp-Sound, wie man ihn auch aus elterlichen Partykellern nur allzu gut kennt.

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik sitzt in einem ausklapparen Mikrofonarm und schaltet sich beim Einklappen selbst ab. Die deutlich zu geringe Empfindlichkeit mit dem daraus resultierenden niedrigen Ausgangspegel machen Teamspeak & Co. nicht gerade zum freudigen Erlebnis, zumal man bei elektrischen Pegelanhebungen dann ein sehr deutliches Rauschen hört. Der Klang ist eigentlich noch nicht einmal unbauchbar, aber es ist einfach zu unempfindlich und wir würden die Angaben in den Specs durchaus anzweifeln wollen.

Messungen und Sound-Check

Die Messkurve sieht erst einmal besser aus, als es am Ende dann subjektiv empfunden klingt. Die Badewanne als solche ist nicht das Problem, sondern die Frequenzbereiche der Peaks, die das akustische Badevergnügen deutlich stören. Die Resonanzen bei etwa 260 Hz führen zu einem sehr unkoordinierten Wummern und Dröhnen im Oberbassbereich und den unteren Mitten. Das stört die Sprachwiedergabe enorm, zumal der Grundtonbereich hier regelrecht zugeschmiert wird.

Eine der Folgen ist die Nichtwahrnehmung des wirklichen Tiefbasses, der ja durchaus existiert, aber stets und ständig zugemüllt wird. Tiefstbass geht hingegen gar nicht, noch nicht einmal mit Equalizer & Co. Wobei die Kontraoktave zumindest in Teilen wieder besser hörbar wird, wenn man bei 250 Hz die Pegel deutlich absenkt.

Das Headset besitzt seinen zweiten Peak genau dort, wo das menschliche Ohr sowieso schon am empfindlichsten ist – nämlich im Bereich zwischen drei und vier Kilohertz. Was das soll? Man hört Schritte, Wispern, Klicken und ähnliche leisen Geräusche wirklich sehr prägnant – vielleicht ist es auch das, was man uns als Gaming-Abstimmung verkaufen möchte. Doch sobald unterhalb höhere Pegel einsetzen, ist es mit der Ortung schon wieder vorbei. Laut ja, pegelfest nein und filigran schon gleich gar nicht.

Der eher “(w)arme” Klang resultiert aus der permanenten Hochtonschwäche, die die Präsenz ab etwa acht KHz auf permanente Talfahrt schickt. Silbilanten sind nicht spitz oder spratzig; das wiederum passt ganz gut. Trotzdem sind Vocals bei diesem Headset eher in einer Art Folterkammer gefangen. Gleiches gilt für die gesamte Musikwiedergabe, wenn man Genre-übergreifend quer hört.

Da muss man noch nicht einmal die große Audio-Keule rausholen: Es gibt einfach günstigere oder gleich teure Headsets, die deutlich besser performen. Gaming geht, wenn man die Bässe und unteren Mitten ab ca 500 Hz etwas zurückfährt. Dann ist es für Schleicher sogar genau das Richtige. Aber viel mehr geht dann schon nicht mehr.

Hat man das Headset etwas ausgestopft, klingt es deutlich erwachsener und ausgeglichener. Anstelle der Dröhnung gibt es brauchbare untere Mitten und einen erträglichen Bass. Die Hochtonschwäche kann man so aber auch nicht beheben, die ist schlicht und ergreifen systembedingt. In der Summe dürfte man so aber immer noch nicht vollends zufrieden sein.

Fazit

Wie bereits weiter oben erwähnt rettet sich das Headset mit Hängen und Würgen zum Approved-Award. Das aber auch nur, weil es wirklich gut sitzt und einem auch nach Stunden nicht das Gehirn zerdrückt. Gut geeinget für Brillenträger ist es außerdem, nur mit dem Finish hat man es beim OEM wohl nicht ganz so genau genommen.

Klanglich ist das Arctic P533 Penta keine Offenbarung, sondern fast schon ein Schuldeingeständnis, an der falschen Stelle gespart zu haben. Die paar Cent für etwas Schaumstoff wären in jedem Fall drin gewesen – und die Abstimmung ist geradezu absurd, wenn an den Freuquenzbereich unterhalb 500 Hz denkt. Wo aber soll man dieses Headset nun einordnem und vor allem: Wie muss ein ehrliches Fazit aussehen?

Es ist auf alle Fälle brauchbar; preiswert im echten Wortsinn ist es hingegen nicht. Es reißt einen nicht vom Hocker, lässt einen aber auch nicht direkt davonrennen. Am Ende ist es ein Produkt, das man wohl in erster Linie kaufen wird, weil erstens Penta draufsteht und man diesen Test zweitens nicht gelesen hat. Oder aber man hat komplett andere Hörgewohnheiten und ist auf der Suche nach genau so einer Abstimmung. Dann heißt es nicht “Bauer sucht Frau” sondern “Gamer sucht Headset” und am Ende sind alle glücklich und essen Eierkuchen. Wie lange das Gefühl anhält, ist dann eine völlig andere Frage.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist seit geraumer Zeit auf dem Markt, so dass sich auch der Preis im Vergleich zur ehemailgen UVP von 80 Euro auf einem deutlich niedrigeren Niveau befindet.

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