[UPDATE] Audio-Roundup: Die besten Gaming-Headsets im Vergleichstest

Inhaltsverzeichnis

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Einführung und Lieferumfang

Was haben ein Kopfhörer und ein Headset gemein? Richtig – alles außer dem Mikrofon!

Zumindest dann, wenn man das QH-90 von Qpad mit dem Takstar Pro 80 vergleicht. Beide stammen faktisch vom gleichen Hersteller und setzen auf identische Treiber sowie überwiegend auch auf gleiches Tooling.

Wer dann noch ein bisschen nachforscht, wer wen und warum als OEM-Fertiger nutzt, wird sich zudem freuen, ab und zu über den Namen Beyerdynamic zu stolpern, deren Kopfhörer-Gene in so manchem Takstar-Produkt wiederzufinden sind.

So dumm ist die Idee übrigens nicht, aus einem guten Mittelklasse-Kopfhörer ein ebenso brauchbares Headset zu machen – das QH-90 hat sich im Laufe der Zeit zu einem echten Tipp in den einschlägigen Communities gemausert. Ob zu Recht oder Unrecht wollen wir heute selbst hinterfragen.

Gespannt waren wir jedenfalls schon einmal. Mit Vorschusslorbeeren ist das ja immer so eine Sache, aber vielleicht halten wir ja wirklich eine akustische Perle in der Hand, die nicht nur klanglich, sondern auch noch über Tragekomfort und Verabeitung punkten kann?

Zubehör und Lieferumfang fallen schon mal recht opulent aus. Neben dem Headset und der Tragetasche erhält man ein (notwendiges) Verlängerungskabel samt Control-Box, einen Adapter für die Zusammenführung der zwei 3,5-mm-Klinken (Mirofon, Kopfhörer) auf eine Multi-Klinke (z.B. für mobile Endgeräte) und ein kleines Handbuch.

Optik und Haptik

Die fast baugleiche Ausführung im Vergleich zu einem “normalen” Stereo-Kopfhörer eines aisatischen Massenfertigers hat große Vorteile, denn sie bietet einerseits ausgereifte Technik aund andererseits auch perfektionierte Produktionsprozesse. Auch wenn das QH-90 kein High-End-Produkt ist, bietet es optisch und haptisch solide Kost zum angemessenen Preis

Der Materialmix aus Kunststoffen (Korpus), Aluminium (Hörmuschelapplikationen), Stahl (Bügel) und PU-Lederimitat (Bespannung der Polster) kann überzeugen, auch wenn einige der matten Kunststoffflächen im Rubber-Coating-Look wahre Fingerabdruckscanner sind, denen kein Milligramm Fett entgeht.

Das Kopfband ist komplett bespannt und mit einem eingestickten Firmen-Logo versehen. Das wirkt haptisch interessant und optisch wertig; reinigen lässt es sich jedoch nicht, wenn es durch häufiges Anfassen zu Verfärbungen kommen sollte.

Tragekomfort

Es nicht nicht nur ein geschlossener Kopfhörer, sondern eine geschlossene Großveranstaltung: Die Umwelt bleibt komplett außen vor, auch wenn es unter dem leichten Hallendach eher leicht und unbeschwert zugeht. Man merkt dem Headset seine 304 Gramm (einschließlich des kurzen Anschlusskabels) in keinster Weise an, denn es umschließt zwar die Ohren komplett und sicher, wirkt aber nicht aufdringlich oder wie eine echte Last bei exzessiver Langzeitnutzung.

Wer im Flieger nicht auf ein System mit aktivem Noise-Cancelling setzen möchte, kann mit dem QH-90 einfach die Umwelt draußen lassen. Kommt am Schluss fast aufs Gleiche raus, kostet aber deutlich weniger.

Die abnehmbaren Polster aus Kunstleder sind extrem weich und der verarbeitete Schaumstoff im Inneren passt sich der Anatomie des Trägers weitgehend sorgenfrei an. Inwieweit das PU-Lederimitat langzeitstabil ist und ohne Risse durch Aushärtung bleibt, können wir natürlich nicht abschätzen. Am Besten nie direkter Sonneneinstrahlung aussetzen, wenn es nicht sein muss.

Das Kopfpand ist innen sehr weich und aufwendig gepolstert, was sich in jedem Falle auszahlt. Es gibt nie Druck von oben und man spürt das QH-90 auch nach einer Stunde nicht wirklich. Ein bisschen tuffig fasst es sich zwar an, aber das Resultat kann sich sehen oder besser: (er)tragen lassen.

Die Bügel mit der Kopfweitenverstellung und der Befestigung der Ohrmuscheln kommt uns wiederum sehr bekannt vor – es sind sogar exakt die gleichen Schrauben in der Bügelhalterung und in den Gelenken zu finden, wie z.B. im SoundblasterX H5 von Creative. Die gesamte Mechanik ist nahezu identisch und lässt sich in dieser Form auch im Custom One Pro von Beyerdynamic wiederfinden. Na sowas aber auch…

Die Gelenklösung kann auf ganzer Linie überzeugen und setzt sich übrigens auch im Inneren des Bügels bei der Verstellung und den geprägten Druckpunkten für die Positionen fort.  Ein guter Sitz ist ja wie immer bereits die halbe Miete, so dass der Punktestand auf der Haben-Seite beständig wächst.

Solides Design ohne futuristische Schnörkel trifft auf ordentliche Verarbeitung und eine angemessene Materialauswahl auf die Augen und Finger des Kunden. Das kann man so akzeptieren, denn mehr ist in dieser Preisklasse kaum machbar, wenn man die Hersteller bzw. Anbieter nicht in den Ruin treiben will. Dem OEM kann es nur recht sein, wenn massentaugliche und -erprobte Produktkonzepte ein zweites Leben erhalten.

Innenleben

Die Muscheln sind nicht verklebt und lassen sich relativ einfach auseinandernehmen. Der Blick fällt sofort auf den Treiber, der bei 5,3 cm Außendurchmesser eine 5-cm-Membran besitzt. Die Impedanz weicht mit 60 Ohm etwas von der üblichen 32-Ohm-Klasse ab, aber sie sollte noch bequem im Rahmen dessen liegen, was auch an mobilen Endgeräten noch verlustfrei mit ausreichender Lautstärke und Klangqualität genutzt werden kann.

Die interne Dämpfung mit Filz ist vorbildlich, die zusätzlichen Öffnungen in der Oberschale, durch die der Diffusbass aus dem Inneren ebenfalls zum Ohr gelangt, eher Abstimmungs- und Geschmackssache. Zumindest wissen wir nun schon einmal, wo der Bartel den Bass her holt.

Die Zugentlastungen für das Verbindungskabel zur rechten Hörmuschel (Knoten) und das Anschlusskabel (Pressschelle) sind zweckmäsig und sollten zudem auch sicher genug sein. Die Lötqualität am Treiber und der Mikrofon-Buchse ist akzeptabel und Klassenstandard.

Funktionalität und Anschluss

Die im Verlängerungskabel eingebaute Kontrolleinheit beherbergt einen Lautstärkeregler auf der einen, den Mute-Schalter fürs Mikrofon auf der anderen und den Multifunktionstaster für mobile Endgeräte (Call, Play, Stop) auf der Oberseite.

Die Positionierung geht in Ordnung, die Qualität der Kontrolleinheit jedoch eher weniger. Vor allem der etwas hakelige Mute-Schalter und die Spaltmaße hinterlassen keinen soliden Eindruck. Somit kann über die Langzeithaltbarkeit wohl nur spekuliert werden.

Auch die Oberfläche mit dem (überflüssigen) Rubber-Coating-Effekt ändern nichts daran, zumal auch hier die Oberfläche zum willigen Spurenträger mutiert.

Mikrofon

Das Mikrofon mit in dieser Klasse eher der selten zu findenen Nierencharakteristik besitzt einen großen, abnehmbaren Pop-Schutz und ist ansteck- bzw. abziehbar, was das Headset schnell in einen recht komfortablen Kopfhörer verwandelt (was das QH-90 ja eigentlich auch ist), mit dem man auch Musik genießen kann (und andersherum).

Der rund 15 Zentimeter lange und recht flexible Mikrofonarm gehört zu besseren Untergattung der sogenannten Schwanenhälse und ist für diesen Zweck ausreichend lang bemessen.

Das verbaute Elektretmikrofon verzichtet auf Grund der ausgeprägten Richtcharakteristik auf jeglichen elektronischen Noise-Canceling-Klimbim, will aber gut zum Mund ausgerichtet werden, wenn man das optimale Ergebnis erzielen will. Recht rauschfrei und klar wird es nämlich nur dann, wenn auch Abstand und Winkel wirklich passen. Dann aber ist das Ergebnis aber wirklich toll und selbst unsere mechanische Tastatur wird zur belanglosen Statistin aus der hinteren Reihe.

Erfreulicherweise besitzt das Mikrofon einen integrierten Low-Cut. Daher rumpelt es auch folgerichtig nicht bis hinein in den Keller, wenn man eine feuchte und hastige Aussprache besitzt oder viel Wind direkten Zugang zur Kapsel findet, deren Wirkungsprinzip auf dem Druckgefälle basiert. Auf der Rückseite findet man dafür ebenfalls Öffnungen, die man nie verkleben oder abdecken sollte.

Der Anschluss erfolgt wie bereits erwähnt über einen 3,5-mm-Klinkenstecker, wobei die Festigkeit zumindest beim Neugerät ausreichend ist. Inwieweit der Druck der Feder in der Buchse reicht, den Mikrofonarm auch nach häufigeren Abziehen und Einstecken noch sicher zu halten, kann von uns nicht beantwortet werden.

Messungen und Sound-Check

Wer unseren Grundlagenartikel Mythos Gaming-Headset: Reines Marketing-Blabla oder echter Vorteil beim Spielen? gelesen hat, der wird wohl ebenfalls mit den Lesern der einschlägigen Foren übereinstimmen, die wie wir eine eher neutrale Wiedergabe statt brutalen Soundings bevorzugen. Diesbezüglich ist das QPad QH-90 ja oft genug gelobt worden. Aber nun genug der Vorschlusslorbeeren – nun geht es ans messtechnische Eingemachte.

Werfen wir deshalb zunächst einen Blick auf die Messkurve. Linear geht ein klein anders, was uns dann schon etwas verwundert. Dellen um die drei bis vier Dezibel sind zwar locker verkraftbar und es kommt ja letztendlich vor allem auf den subjektiv empfundenen klanglichen Gesamteindruck an, aber ein wenig Badewanne bei den unteren Mitten hier und die vornehme Zurückhaltung zwischen drei und fünf Kilohertz dort sind definitiv nicht neutral, sondern irgendwie nur fast.

Über den von 45 Hz bis über 12 KHz im Bereich von +/- 3 dB zumindest annähernd linearen Verlauf kann man viel Positives schreiben. Denn neben der relativen Klangneutralität merkt man auf Schritt und Tritt, dass das QH-90 von der Abstimmung her eher der typische Musikköpfhörer der 50-Euro-Klasse ist, der bereits sehr vieles richtig und nur wenig falsch macht.

Der Tiefstbass ist hörbar vorhanden, wenn auch nur in dezenten Verabreichungen. Subkontraoktave geht ebenfalls, wenngleich auch hier etwas der gewünschte Druck fehlt. Für die Klassik bei guten Orgelwerken oder einer tiefer abgestimmten Bassgitarre wird es also etwas eng; der Rest passt.

Beim Bass und Oberbass merkt man zudem, dass z.B. die große Basstrommel recht dominant aufspielt, was an der leichten Anhebung zwischen 50 und 70 Hz liegt. Damit ist das QH-90 bei Weitem keiner der üblichen DJ-Gehirn-Shaker, aber man kann damit den Ohrenschmalz schon recht ordentlich lockern.

Die unteren Mitten sind auffällig unauffällig – fast schon zu unauffällig. Die Grundtonbereiche der mänlichen Stimmen im Oberbass und der weiblichen Vocals in den unteren Mitten liegen in Bezug auf Kraft und Spielfreude aber dann doch näher zusammen, als es die Kurve und das Aufspielen mancher Instrumente vermuten lassen würde. Die oberen Mitten sind zudem nur biederer Durchschnitt, was den Stimmen allgemein etwas die Präsenz nimmt.

Hier werden sicher einiger FSP-Hardcore-Zocker ihre Kritik ansetzen, was nicht ganz unberechtigt scheint. Die räumliche Auflösung und Ortung ist eine der besten in dieser Preisklasse, keine Frage. Doch was fehlt ist die neutrale Breitbandigkeit bei bestimmten Geräuschen wie Schritten oder diversen Umgebungeinflüssen – da fehlt am Ende einfach etwas die Brillanz.

Man kann Musik und Gaming in gleichem Maße genießen, denn das Headset ist weitgehend frei von Allüren und künstlichen Verrenkungen. Die Pegelfestigkeit ist zudem echt in Ordnung, wenn auch nicht herausragend. Unsere kleinen Kritikpunkte sind natürlich stets Jammern auf allerhöchstem Niveau, aber ganz so fehlerfrei, wie das QH-90 oft dargestellt wird, ist es dann doch nicht ganz. Das soll natürlich seine Leistung nicht schmälern, aber man muss eben auch auf dem Boden bleiben.

Fazit

Beim Qpad QH-90 treffen eine solide Basis, Haptik und Optik auf einen annährend neutralen Klang und eine sehr große Vielseitigkeit.

Das allein sichert dem Headset bereits unseren Kauftipp, denn es hebt sich vor allem klanglich doch sehr angenehm von der dumpf-drögen Masse der wummernden Pseudo-Gaming-Headsets ab, die den meist jugendlichen Hörer im klanglichen Empfinden oft völlig missbilden.

Der Gamer wird somit begeistert zugreifen und auch individuell seine Musik genießen können, die nicht aus dem Helene-Fischer-Stampftopf kommen muss, um kraftvoll wiedergegeben zu werden. Klassik geht genauso gut wie Rock, R’n’B, Jazz oder eben simpler Disko-Pop, wenn es denn sein muss.

Das QH-90 ist am Ende ein guter Kopfhörer mit einer etwas eigewilligen Mikrofonlösung, die dank Nierencharakteristik die eigene Stimme gut einfängt und die Umwelt weitgehend ausblendet, solange man die Ausrichtung optimal vornimmt. Sonst wird es dumpf und leise.

Das Fazit fällt insgesamt also positiv aus, so dass der explizite Kauftipp die logische Folge ist. Es ist wirklich ein gutes Headset und sein Geld definitiv wert.

Die einzige Randbemerkung wäre allerdings die, dass uns das SoundblasterX H5 am Ende dann doch einen kleinen Tick besser gefallen hat. Noch leichterer und luftigerer Sitz, deutlich filigraner im klanglichen Auftritt und im Finish handwerklich definitiv nicht schlechter. Vor allem die Materialwahl ist beim QH-90 zwar okay, aber aufgrund der Rubber-Coating-Oberflächen haptisch fast schon ein Liebestöter.

Technische Daten und Verfügbarkeit

Abschließend fassen wir noch die technischen Daten in einer Tabelle zusammen. Das Headset ist seit einiger Zeit auf dem Markt, so dass die knapp 90 Euro auch in Ordnung gehen.

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