[UPDATE] Roundup: 23 Smartphones im Vergleichstest (4x neu)

Verarbeitung & Design

Archos setzt bei seinem Diamond 55 Selfie äußerlich auf Oberklasse: Ein massiver Metallrahmen umschließt die Rückseite, die – wie das Display – mit einer Glasplatte abgeschlossen wird. Beide sind modisch leicht nach außen gewölbt. Die auffällig umrandete Kamera und der ebenso gestaltete Fingerabdruckscanner scheinen schon optisch weitere Kompetenzen unterstreichen zu wollen.

Selbst vor alberner Blenderei schreckt der Hersteller dazu nicht zurück: Der Rahmen wurde links und rechts neben der Micro-USB-Schnittstelle mit Einprägungen versehen, die an Lautsprecherauslässe erinnern. Echte Bohrungen finden sich aber nicht, der Sound findet auf der Rückseite seinen Weg nach draußen.

Die Gesamtkomposition wirkt insgesamt gut verarbeitet, auch wenn sich ein Haar in der Suppe findet: Die Abdeckung des Kartenschachts schließt nicht wirklich schön mit dem Rahmen ab. Ein echter Handschmeichler ist das Smartphone ebenso nicht.

Das Gewicht ist mit 184 Gramm nicht gerade gering, was auch für die recht üppige Grundfläche von 15,5 x 7,7 Zentimetern gilt. Die Bauhöhe von knapp acht Millimetern kann noch als recht schlank durchgehen. Subjektiv wird der Eindruck zudem durch die recht kantigen Ränder getrübt.

Display

Das große Gehäuse lässt sich natürlich auf das 5,5-zöllige Display zurückführen. Es basiert auf der IPS-Technologie und löst mit 1920 x 1080 Pixeln auf, was eine Pixeldichte von 400 ppi bedeutet.

Bei der Farbdarstellung leistet das Panel ordentliche Arbeit: Mit einer durchnittlichen Leuchtdichte von rund 336 cd/m² und gemessenen Maximalwerten von 360 bzw. 305 cd/m² bewirbt sich das Diamond 55 Selfie nicht um die Rolle des Branchenprimus, liegt aber noch im guten Mittelfeld. Erst in sehr hellen Lichtsituationen dürfte sich der eine oder andere Nutzer noch ein paar zusätzliche Körner wünschen.

Sehr gut ist dagegen der Schwarzwert von 0,15 cd/m², was in einem guten Kontrastverhältnis von 2237:1 resultiert.

Sound

Der Lautsprecher ist auf der Rückseite nicht nur schlecht positioniert, auch seine Leistung ist nicht die beste. Die Höhen werden verzerrt und bei maximaler Lautstärke werden die Grenzen schnell offensichtlich – dann wird nämlich ein leichtes Dröhnen vernehmbar.

Die Telefonfunktion verrichtet gute Arbeit. Am Ohr wird genauso eine gute Verständlichkeit geboten wie bei der Verwendung von Lautsprecher und Mikrofon als Freispecheinrichtung. Das Gespräch wird generell mit einem sehr natürlichen Klang übertragen, die Lautstärke könnte in beiden Fällen allerdings ein kleines bisschen höher sein.

Kernkomponenten

In der 200-Euro-Klasse gehört das Archos-Smartphone dank des Qualcomm Snapdragon 430 zu den schnelleren Vertretern. Dazu tragen nicht nur die acht auf der ARM-Cortex-A53-Architektur basierenden und 1,4 GHz schnellen CPU-Kerne bei – auch die Adreno-505-GPU gehört zu den performanteren Grafikchips, die aktuell in dieser Preisklasse verbaut werden. Zudem integrieren die Franzosen einen üppigen Arbeitsspeicher von vier Gigabyte.

Abstriche müssen bei Qualcomm-SoCs im unteren Leistungsbereich bei der Netzanbindung gemacht werden. Dies beginnt schon beim WLAN: Hier wird nur der n-, nicht aber der schnelle ac-Standard unterstützt. Das X6-LTE-Modem basiert auf der vierten Kategorie und schafft eine Download-Geschwindigkeit von maximal 150 MBit/s. Beim Upload sind bis zu 50 MBit/s drin.

Kamera

Mit dem Qualcomm Snapdragon 430 setzt Archos nicht nur auf einen vergleichsweise modernen Prozessor – auch der damit verbundene Kamerasensor verspricht mit einer Auflösung von 16 Megapixeln ordentliche Bilder. Bei guten Lichtverhältnis kann die Kamera diesem Anspruch auch gerecht werden: Die Kontraste sind stimmig und die Farben kräftig, aber natürlich.

Schwächen werden allerdings bei der Verwendung des 8-fach-Zooms offenkundig: Schon bei zweifacher Vergrößerung verlieren die Aufnahmen deutlich an Schärfe. Auch bei mäßigen Lichtverhältnissen – etwa in Innenräumen – lässt die Bildschärfe zu wünschen übrig.

Bei Videos, die maximal mit 1920 x 1080 Pixeln bei 30 FPS aufgezeichnet werden, fallen die Unschärfen weniger ins Gewicht, sodass die Bewegtbilder auch bei Nutzung der Vergrößerungsfunktion überzeugen können.

Dass Archos bei der Kamerasoftware durchaus noch etwas Nachholbedarf gegenüber manchem Konkurrenten hat, zeigt sich spätestens bei der Frontkamera. Diese bietet mit acht Megapixeln Auflösung zwar gute Standardkost, doch die Selfies lösen keine Begeisterungsstürme aus: Den Aufnahmen mangelt es an Kontrasten, sie wirken regelrecht trübe. Auch die Bildschärfe ist verbesserungswürdig. Zudem ist die Farbdarstellung ein Glücksspiel –  selbst bei Fotos, die zum gleichen Zeitpunkt geschossen werden.

Software & Bedienung

Für Software-Entwicklung gibt Archos keine großen Summen aus:Die Franzosen setzen auf eine Android-6.0-Installation, die sich nah an Googles Referenz bewegt. Eigene Anpassungen oder optische Aufhübschungen fehlen, auch das Angebot an zusätzlichen Apps und Diensten ist begrenzt: Neben den Google-Diensten werden die OfficeSuite 8.0 von Mobisystems sowie eigene Dienste für die Wiedergabe von Musik und Videos installiert.

Auch wenn das bei vielen Nutzern nicht unbedingt die erste Wahl sein dürfte, ist das Smartphone so zumindest aus der Kiste heraus für den Alltag halbwegs gerüstet, ohne seinem Besitzer dabei unzählige Apps aufzudrängen, die am Ende kein Mensch braucht.

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