[UPDATE] Roundup: 23 Smartphones im Vergleichstest (4x neu)

Die Zeiten, als Google-Smartphones noch auf den Namen Nexus hörten und zu günstigen Preisen zu haben waren, sind wohl endgültig vorbei. Die aktuelle Generation heißt Pixel und Pixel XL, beides reinrassige High-End-Geräte – zu High-End-Preisen. Das fünf Zoll große Google Pixel mit 32 Gigabyte Speicher kostet 760 Euro, die Variante mit 128 Gigabyte liegt bei satten 870 Euro. Und für das 5,5 Zoll messende Pixel XL, unser Testgerät, werden direkt noch mal 140 Euro mehr fällig. Das Top-Modell schlägt also mit 1010 Euro aufs Budget. In dieser Preisregion spielen außer Apple nicht mehr viele Konkurrenten mit.


Im Gegenzug bekommt man dafür ein echtes Flaggschiff mit Top-Komponenten, stets dem neuesten Android-System und unbegrenzten Cloud-Speicher für Fotos. Gerade letzteres klingt verlockend, versucht aber nur zu kaschieren, dass Google in seinen ersten eigenen Smartphones auf einen Speicherkartenschacht verzichtet.

Punkten will der Suchmaschinengigant dafür mit der Kamera, die besonders lichtstark sein soll, und mit einem großen Akku. Bei der Farbe können Interessenten zwischen Silber und Anthrazit wählen. Die dunkle Farbvariante war allerdings zum Testzeitpunkt nicht verfügbar.

Design & Verarbeitung

Smartphones mit Displays um die 5,5 Zoll gibt es mittlerweile ja zuhauf. Doch nur wenige hinterlassen einen derart großen Eindruck wie das Google Pixel XL. Dabei ist es mit 15,5 x 7,6 Zentimetern sogar noch etwas kompakter als das Apple iPhone 7 Plus – aber das große iOS-Gerät ist ja bekanntlich ein ziemlicher Brocken. Das gilt zwar auch für das Pixel XL. Mit 8,5 Millimetern Bauhöhe fällt es hingegen recht flach aus, die Kamera steht obendrein nicht aus dem Gehäuse hervor. Das Gewicht bleibt mit 168 Gramm im Rahmen.

Groß ist das Google Pixel XL, aber auch sehr stabil und bestens verarbeitet. Das Gehäuse lässt sich kaum verwinden, zudem weist es keinerlei Grate oder ungleichmäßige Spalte auf. Die Rückseite ist im oberen Bereich aus Glas gefertigt, was dem Empfang der Antennen zugute kommen soll. Ob das gut aussieht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wasserdicht ist das Pixel XL nicht. Es ist lediglich nach IP53 vor Spritzwasser (z.B. Regen) geschützt. Ein Tauchbad könnte indes zum Totalausfall führen.

Kernkomponenten

Zwar gehörten die früheren Nexus-Modelle oft zur Oberliga der Smartphones, mit den Top-Modellen der renommierten Marken konnten sie technisch dennoch nicht ganz mithalten. Dafür waren sie preislich sehr attraktiv. Beides hat sich geändert: Jetzt gibt es High-End in Reinkultur zu sehr hohen Preisen.

Google setzt beim SoC auf die aktuelle Speerspitze von Marktführer Qualcomm. Der Snapdragon 821 vereint je zwei Kerne in einem Performance- und einem Stromspar-Cluster. Die schnelleren der vier Kryo-Kerne können mit bis 2,4 GHz getaktet werden. Google geht etwas konservativer zu Werke und begrenzt den Takt auf 2,15 GHz. Die beiden langsameren Cores arbeiten mit bis zu 1,6 GHz Takt.

Begleitet wird der starke Prozessor von einer ebenso leistungsfähigen GPU, der Adreno 530. Der Arbeitsspeicher ist mit vier Gigabyte angemessen dimensioniert – weniger ist in der Top-Liga mittlerweile die Seltenheit.

Wie mancher Mitbewerber verzichtet auch Google auf einen erweiterbaren Speicher per microSD-Karte. Als “Wiedergutmachung” erhalten Besitzer eines Pixel-Phones unbegrenzten Speicherplatz auf Google Drive – zumindest für ihre mit dem Pixel aufgenommenen Fotos. Das ist eine gute Sache. In Kombination mit einem Speicherschacht wäre es aber noch besser.

Bei der kabellosen Kommunikation lässt das Google Pixel XL keine Wünsche offen. Im WLAN funkt es nach modernsten Standards und unterstützt 802.11ac mit MIMO. Auch im LTE-Bereich macht Google keine halben Sachen und spendiert dem Pixel XL ein Cat.11-Modem, das 21 LTE-Bänder unterstützt und bis zu 600 MBit/s down- bzw. 75 MBit/s upstream erreicht. Damit ist man auch für die nächsten Jahre auf der sicheren Seite. Ebenfalls an Bord sind Bluetooth 4.2, NFC und GPS. Der USB-C-Port unterstützt USB 3.0.

Display

Die Kombination aus AMOLED-Bildschirm und WQHD-Auflösung treffen wir bis dato meist bei Smartphones aus Südkorea an. Und die erhalten für gewöhnlich sehr gute Kritiken. Nicht anders sieht es beim Google Pixel XL aus. Das 5,5-Zoll-Display verwöhnt mit satten Farben, knackigem Schwarz und tollem Kontrast. Das Messgerät bescheinigt dem AMOLED-Panel eine maximale Helligkeit von 449 cd/m². Das klingt nicht herausragend. Der subjektive Eindruck ist aber auch bei heller Umgebung sehr gut, was sicher auch am theoretisch unendlichen Kontrastverhältnis und an der hervorragenden Blickwinkelstabilität der AMOLED-Technik liegt.

Gerade im Zusammenspiel mit einer VR-Brille macht sich die hohe Auflösung von 2560 x 1440 Pixel bezahlt. Und die Adreno 530 bringt mehr als genug Leistung mit, um die zahlreichen Pixel auch in anspruchsvollen Spielen schnell genug zu berechnen. Die Diagonale von 5,5 Zoll sorgt zudem für ein nicht nur beim Spielen angenehm großes Display.

Sound

Mit seinen drei Mikrofonen erreicht das Google Pixel XL eine sehr gute Sprachqualität – zumindest am Ohr. Im Lautsprecherbetrieb kommt die Stimme des Anrufers indes nicht sehr gut an. Sie klingt blechern und wird von einem störenden Hall begleitet.

Kamera

Google protzt im Hinblick auf die Kameras weniger mit großen Megapixel-Zahlen (12,3 MP und 8 MP) als mit durchdachter Technik. Vor allem die Größe der Pixel – an der Front 1,4 µm, am Heck 1,55 µm, soll für eine hohe Lichtausbeute sorgen. Bei der Hauptkamera stehen zudem eine Offenblende von f/2.0 sowie ein Phasenerkennungs- und ein Laserautofokus zur Verfügung. Videos lassen sich mit der Selfie-Cam in Full HD, mit der Hauptkamera in Ultra HD drehen.

 

Auch ohne riesige Megapixel-Zahlen schafft es Google, zwei tolle Kameras in das Pixel XL zu integrieren. Die Frontkamera besitzt zwar nur einen Fix-Fokus, macht aber dennoch gute und scharfe Aufnahmen. Für Videotelefonie ist sie sehr gut geeignet. Die Hauptkamera zeichnet Filme in 4K auf, ihre Stärke liegt aber klar bei der Fotografie. Dank der großen Pixel weisen die Bilder einen hohen Dynamikumfang und eine schöne Durchzeichnung auf. Sie wirken regelrecht lebhaft. Und die gelungene HDR-Automatik nimmt Gegenlicht einen Teil seines Schreckens.

Mit diesen Optiken schließt das Google Pixel XL in Sachen Kameras zu den Besten auf und reiht sich neben Samsung Galaxy S7, Apple iPhone 7 Plus und Huawei Mate 9 ein.

Software & Bedienung

Wer sich ein Smartphone mit dem Google-Logo kauft, bekommt automatisch stets das neueste Android-System mitgeliefert. Im Falle des Pixel XL bedeutet das Android 7.1, Codename “Nougat”. Für die kommenden zwei Jahre verspricht Google zudem, die aktuelle Gerätegeneration mit Android-Updates zu versorgen. Sicherheitslücken sollen noch ein weiteres Jahr regelmäßig geschlossen werden.

Neu an Android 7.1 im Vergleich zur Version 7.0 ist in erster Linie der Google Assistant, ein Sprachassistent ähnlich Apples Siri. Der Assistent ist zum Start auch direkt in Europa verfügbar, aber noch deutlich “amerikanisiert”. Hier muss Google noch nachlegen und den Assistenten besser lokalisieren. Denn Features wie das Suchen in der eigenen Galerie oder das Daily Briefing machen schon neugierig. Hierbei bringt einen der Google Assistant auf den neuesten Stand, was Termine, Nachrichten und etwa das Wetter betrifft.

Der von Corning Gorilla Glass 4 geschützte Touchscreen löst seine Aufgabe ebenso zuverlässig und souverän wie die sauber ins Gehäuse integrierten Tasten mit definiertem Druckpunkt.

Ebenfalls interessant...