[UPDATE] Roundup: 23 Smartphones im Vergleichstest (4x neu)

Inhaltsverzeichnis

<< >>

Design & Verarbeitung

Optisch reiht sich das Xiaomi Redmi Pro nahtlos in die Vielzahl der China-Smartphones ein, die den Markt aktuell regelrecht überschwemmen. Die Rückseite besteht aus einem Unibody aus Aluminium und im Rahmen mit den abgeschrägten Kanten werden in der unteren Stirnseite jeweils zwei Lautsprecheröffnungen rechts und links neben der mittig platzierten USB-Typ-C-Schnittstelle angedeutet, wobei nur aus der rechten auch ein Ton nach außen dringt.

Unterhalb des Displays sitzt – ebenfalls mittig – eine drucksensitive Home-Taste, die gleichzeitig als Fingerabdruckscanner fungiert. Die in der rechten Seite untergebrachten Tasten zur Regelung der Lautstärke und fürs Ein-/Ausschalten sind gut erreichbar platziert, sitzen ordentlich im Gehäuse und bieten einen angenehmen Druckpunkt.

Insgesamt wirkt das Smartphone bereits recht wuchtig, auch wenn die Dimensionen der Außenschale nicht wirklich übers Ziel hinausschießen: Mit 15,2 x 7,6 x 0,8 Zentimetern sind die Abmessungen durchaus auf Klassenniveau. Das Gewicht ist mit 174 Gramm jedoch schon recht hoch, was aber auch an dem 4050 mAh großen Akku liegen dürfte, der im Inneren des Geräts steckt.

Kernkomponenten

Das Xiaomi Redmi Pro ist hierzulande nicht nur an sich eine Rarität, sondern auch der im Inneren verbaute Prozessor ist in Smartphones auf dem hiersigen Markt selten zu finden: Der Hersteller setzt auf einen Mediatek Helio X25 – ein SoC, das mit zehn CPU-Kernen aufwartet.

Diese zehn Kerne sind in drei Clustern nach dem von ARM entwickelten big.LITTLE-Prinzip verschaltet. Die Speerspitze bilden zwei Cortex-A72-Kerne, die mit 2,3 GHz takten. Es folgen vier Cortex-A53-Kerne, die mit zwei Gigahertz arbeiten, und schließlich steht ein weiterer Cortex-A53-Verbund aus vier Kernen bereit, der – mit 1,55 GHz getaktet – vor allem bei anspruchslosen Anwendungen zum Einsatz kommt.

Wie beim Kirin 950 des Honor 8 integriert Mediatek in dem 10-Kern-Chip eine Mali-T-880-Grafikeinheit. Dementsprechend liegen die Leistungswerte der beiden Smartphones an dieser Stelle sehr nah beieinander.

Dies dürfte allerdings in der Praxis nur bedingt gelten. Denn das Meditek-SoC sorgt mit seinen vielen Kernen für eine mehr als behagliche Temperatur im Maschinenraum und muss daher immer wieder mal eingebremst werden. Im 3D Mark Sling Shot ES 3.1 stellten wie beispielsweise einen Leistungsunterschied von mehr als 40 Prozent fest.

Unterm Strich ist die Performance jedoch in etwa auf dem Niveau, dass auch Qualcomm Snapdragon 652 und Huaweis HiSilicon Kirin 950 bieten.

Display

Das Redmi Pro bietet mit einer Diagonale von 5,5 Zoll viel Bildschirm mit einer klassentypischen Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Mit einer Pixeldichte von 400 ppi liefert es keinen Grund für Zweifel an der Schärfe. Die Farbdarstellung des IPS-Panels kann dagegen nicht ganz überzeugen: Das Panel neigt zur Überbetonung von Blautönen.

Außerdem ist die Helligkeit des Displays nicht optimal. Mit einer mittleren Leuchtdichte von 278 cd/m² und Maximal- bzw. Minimalwerten von 294 und 262 cd/m² stößt es in sehr hellen Lichtsituationen (etwa im prallen Sonnenschein) schnell an seine Grenzen. Genau umgekehrt verhält es sich beim Schwarzwert, der mit durchschnittlich 0,62 cd/m² schon recht hoch ausfällt, was in einem niedrigen Kontrastverhältnis von 448:1 resultiert.

Sound

Bei der Medienwiedergabe läuft der rechts neben der USB-Schnittstelle untergebrachte Lautsprecher schnell ins Limit. Wie bei allen anderen Testkandidaten kann er zwar schön laut werden, ohne dabei zu scheppern oder zu kratzen. Allerdings kann der Klang nicht sonderlich begeistern. Die in den Höhen übersteuerten Töne kommen ausgesprochen blechern aus dem Gehäuse.

Das Telefonieren gelingt mit dem Redmi Pro gut: Sowohl klassisch am Ohr als auch im Freisprechmodus werden die Gesprächsbeiträge zwar in den Höhen leicht übersteuert wiedergegeben, der Verständlichkeit tut dies jedoch keinen Abbruch. Zudem sind die Reserven des Lautsprechers ausreichend, um nicht nur im stillen Kämmerlein telefonieren zu müssen.

Kamera

Dual-Kameras gehören zu einem der Trends der Stunde; selbst das neue iPhone 7 Plus besitzt nun zwei Linsen auf der Rückseite. Auch das Xiaomi Redmi Pro springt auf diesen Zug auf und verbaut zwei rückseitige Kameras mit Auflösungen von 13 und fünf Megapixeln. Das zweite Objektiv dient also böse gesagt der Spielerei und wird längst nicht so gezielt zur Bildverbesserung eingesetzt wie das etwa bei Huawei der Fall ist.

Allerdings ist das auch nicht unbedingt notwendig, denn die Bildqualität ist so schlecht nicht. Die Farben sind kräftig, aber nicht überzeichnet, auch die Kontraste sind gut. Selbst vor dem Vergrößern eines Motivs muss man keine Angst haben. Bis zur mittleren Zoom-Stufe muss das Auge schon angestrengt werden, um den Unterschied im Verglich zur Standardaufnahme zu erkennen. Erst danach fangen die Bilder an deutlich auszupixeln.

Die Videoaufnahmen, die maximal in einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln mit 30 Bildern/s aufgezeichnet werden, sind brauchbar, hauen aber nicht vom Hocker. Sie wirken etwas dunkel, die Farbgebung tendiert leicht zu Blau. Die Kontraste sind ordentlich, die Detailschärfe lässt beim Zoomen jedoch schnell nach.

Der Frontsensor kann mit der Leistung der Hauptkamera nicht mithalten. Mit einer Auflösung von fünf Megapixeln bildet er nicht nur nominell das Schlusslicht, auch die Bildqualität kann nicht begeistern. Die Aufnahmen sind überbelichtet und in den Details unscharf. Zudem ist es bei der Schärfe nicht zum Besten bestellt.

Software & Bedienung

Wenn ein Schnäppchen in Aussicht steht, werden insbesondere deutsche Nutzer schnell hellhörig. Doch den meisten Schnäppchen hängt auch ein kleinerer oder größerer Makel an – und bei Xiaomi ist dies die Software.

Weil der Hersteller hierzulande nicht offiziell vertreten ist und seine Smartphones derzeit lediglich über Händler wie beispielsweise gearbest.com – der auch unser Testgerät zur Verfügung stellte – angeboten werden, präsentiert sich die Oberfläche nach dem ersten Einrichten auf Englisch. Viele Bezeichnungen in den einzelnen Menüs sind sogar noch mit chinesischen Schriftzeichen ausgeführt.

Zudem fehlt der Google Play Store. Der vorinstallierte Mi-App-Store des Herstellers ist jedoch – man ahnt es – in chinesischer Sprache. Glücklicherweise lassen sich die Google-Dienste noch verhältnismäßig einfach nachinstallieren: GAPPs und Installer auf das Telefon laden, GAPPs entpacken und die vier einzelnen Dateien nacheinander installieren (dazu muss allerdings die entsprechende Freigabe im Menü gegeben werden). Nach einem Neustart steht nun immerhin der Play Store zur Verfügung.

Wer das Ganze noch auf Deutsch haben möchte, muss noch tiefer ins System vordringen: Für eine Reihe von Xiaomi-Smartphones gibt es auch eine internationale Variante des Betriebssystems. Allerdings muss für eine Installation der Bootloader entsperrt werden, um Root-Zugriff zu erhalten, und dann die neue Version mit Hilfe des TWRP-Recoverys aufgespielt werden. Dabei handelt es sich jedoch bereits um einen recht schwerwiegenden Eingriff, der dafür sorgen kann, dass die Garantie des Smartphones erlischt.

Einmal durchgeführt kann der Nutzer allerdings auch weitere alternative ROMs installieren – sofern vorhanden. Das Angebot für das Redmi Pro ist an dieser Stelle jedoch noch begrenzt. Die populären CyanogenMods stehen beispielsweise nur für das Mi2, Mi3w, Mi4 und Mi5 sowie das Redmi Note 3 zur Verfügung.

MIUI mit Apple-Anleihen und vielen eigenen Diensten

So bleibt zunächst “nur” die MIUI-Oberfläche, die optisch den vielen anderen Oberflächen chinesischer Hersteller nahesteht: Die einzelnen Icons und Symbole werden auf dem Bildschirm durch kleine Quadrate mit stark abgerundeten Kanten repräsentiert. Auch der für Google übliche App Drawer, die Tür zu einer dezidierten App-Sammlung, fällt weg. Stattdessen werden die einzelnen Anwendungen und Dienste direkt auf dem Desktop installiert.

Auch auf der Ebene der Dienste selbst bringt der Hersteller ein reichhaltiges Angebot mit, das mit einer umfassenden Sicherheitslösung beginnt und funktionale Mehrwerte durch Entwicklungen wie Dual-Apps bieten will, mit der mehrere Accounts in einer auf dem Smartphone installierten App verwendet werden können.

Es gilt aber auch hier: Nur ein Teil der Möglichkeiten steht deutschen Nutzer zur Verfügung. Der eigene App Store oder die ebenfalls Xiaomi-eigene Bezahlfunktion bleiben beispielsweise verwehrt. Leider lassen sich viele dieser Anwendungen nicht so einfach vom Heim-Bildschirm entfernen.

Seiten:

Tags: , , , ,

Ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Privacy Policy Settings

Google Analytics Wir sammeln anonymisierte Daten darüber, welche Beiträge und News gelesen werden. Wir ermitteln dabei auch die Zeit - ebenfalls anonymisiert - wie lange ein Beitrag gelesen wurde. Dadurch können wir einfacher Themen anbieten, die Sie interessieren.
This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
644 Verbiete Google Analytics, mich zu verfolgen