[UPDATE] Roundup Gehäuse und Tower, Stand März 2017

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Streacom steht seit 2010 für SFF-Gehäuse, die ein ansprechendes Design mit der technischen Finesse einer integrierten Passivkühlung für die CPU verbinden.

Beim DB4 handelt es sich um ein voll wohnzimmertaugliches Cube-Gehäuse, das Mini-ITX-Mainboards aufnehmen kann. Das Kühlkonzept eignet sich laut Hersteller dazu, Prozessoren mit einer TDP von bis zu 65 Watt passiv zu kühlen. Zu diesem Zweck wird die Abwärme über eine spezielle Heatpipe-Konstruktion an die Außenwand des Gehäuses weitergeleitet. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Gehäuse selbst als Kühlkörper genutzt wird.

Angesichts der enormen Kühlfläche, die sich somit bietet, stellt sich diese Vorgehensweise als geschickter Schachzug dar – wenn denn die Weiterleitung der Wärme aus dem Inneren ordentlich funktioniert. Von Streacom als erfahrenem Hersteller in diesem Nischenbereich erwarten wir wenigstens eine zufriedenstellende Lösung, alles andere muss der Messgang zur Temperaturentwicklung zeigen.

Übrigens: Wer noch leistungsstärkere Systeme verbauen möchte, kann eine zusätzliche Heatpipe-Kühllösung erwerben, mit derer sich die abführbare TDP auf bis zu 110 Watt erhöhen lässt. In Ermangelung eines entsprechenden Testexemplars können wird diesbezüglich aber keine qualifizierte Aussage zur Alltagstauglichkeit treffen.

Trotz aller einzuhaltender Temperaturlimits und der Beschränkung auf den Wohnraum-komatiblen Mini-ITX-Formfaktor bietet das ausschließlich in Silber erhältliche DB4 Platz für Erweiterungssteckkarten, ein optisches Laufwerk im 5,25-Zoll-Slim-Format und erstaunliche viele Festplatten sowie SSDs: Bis zu fünf Festspeicher im 3,5- oder zwölf im 2,5-Zoll-Format können laut Hersteller untergebracht werden.

Ein kleines, aber feines Detail: Das Gehäuse kann entweder mittels eines externen Nano-Netzteils mit zusätzlicher, intern anzubringender Platine mit Strom versorgt werden oder es wird auf die hauseigene Lösung von Streacom gesetzt: Mit dem ZF240 hat der Hersteller ein passives 240-Watt-Netzteil im Angebot, das auf einer Montageschiene angebracht und anschließend im Gehäuseinneren verschraubt werden kann.

Technische Spezifikationen

Verpackung und Lieferumfang

Kompaktes Gehäuse, kompakte Verpackung – Streacom bringt die eigentliche Umverpackung des DB4 einem zweiten Karton unter, um Transportbeschädigungen ausschließen zu können.

Gehalten werden Gehäuse sowie Lieferzubehör durch Passformteile aus geschäumten PET-Kunststoff, Styroporgekrümel sucht der Käufer hier folglich vergebens. Die kleinere Zusatzverpackung beinhaltet das optional erhältliche ZF240-Netzteil.

Neben dem üblichen Montagematerial sowie einigen Kabelbindern fällt vor allem die Kühllösung für den Prozessor auf. Hier ist Handarbeit gefragt, denn Streacom liefert Kühlplatten und Heatpipes in Einzelteilen. Dadurch kann die flexible Heatpipe-Konstruktion laut Hersteller mit hoher Kompatibilität punkten und soll sich in Verbindung mit nahezu jedem auf dem Markt verfügbaren Mini-ITX-Mainboard nutzen lassen; genauere Angaben sind nicht verfügbar.

Dem sonstigen High-End-Anspruch nicht ganz würdig ist die ansonsten einwandfrei bebilderte und sehr ausführlich gehaltene Bedienungsanleitung, die aber ausschließlich in Englisch gehalten wurde. Damit könnte Streacom zumindest einen kleinen Prozensatz potenzieller Käufer verprellen. Andererseits fällt die Bebilderung so gut aus, dass sie eventuelle sprachliche Verständnisprobleme größtenteils ausgleicht.

Außenansicht: Maße und Verarbeitung

Streacoms DB4 misst 27 x 26 x 26 cm und bringt aufgrund seiner massiven Außenhaut leer rund 7,5 kg auf die Waage. Das Gehäuse wurde nahezu vollständig aus silbern eloxiertem Aluminium gefertigt, lediglich die beiden schwarzen Blenden an Ober- sowie Unterseite bestehen aus matt-schwarzem Kunststoff (Top-Blende) bzw. matt-schwarz eloxiertem Aluminium mit einigen zusätzlichen Belüftungslöchern (Boden-Blende).

Dadurch wirkt das Gehäuse sehr solide, zumal das DB4 in jeder Hinsicht exzellent verarbeitet wurde und eine ganze Reihe an besonderen Detaillösungen bietet. So viel Aufwand rechtfertigt den vergleichsweise hohen Preis, auf die zahlreichen Besonderheiten werden wir selbstverständlich im Verlauf des Reviews eingehen. Es empfiehlt sich jedoch unbedingt, die Bedienungsanleitung vor dem Zusammenbau eines Systems im DB4 genau zu studieren – ohne Anleitung wären selbst wir nicht aus dem Stand in der Lage gewesen, sämtliche Feinheiten auf den ersten Blick zu begreifen.

Ein besonderes Äußeres verleihen dem kleinen Cube zwei Elemente: Zum einen sind da die auffälligen Seitenteile aus dickem Aluminium. Da die Abwärme der CPU über eine interne Heatpipelösung an die Side-Panels weitergeleitet wird, hat der Hersteller diese mit Ausfräsungen in T-Form versehen. Dadurch wird nicht nur ein ansprechender optischer Effekt erzielt, sondern vor allem auch die zur Kühlung zur Verfügung stehende Oberfläche erhöht.

Als zweite Besonderheit sind die beiden Standfüße zu nennen, auf denen das eigentliche Gehäuse ruht. Der Abstand zur Standfläche ist nötig, da die Komponenten dergestalt im DB4 verbaut werden, dass sich die externen Anschlüsse des Mainboards, von Erweiterungskarten sowie externe Gehäuseschnittstellen am Boden befinden. Dadurch werden die sichtbaren Abschnitte von Anschlusskabeln minimiert.

Die Standfüße verfügen an der Unterseite über eine großflächige Gummierung. Das entkoppelt das DB4 von der Standfläche und schützt vor ungewolltem Verrutschen. Insgesamt ist der Stand als sehr sicher zu bezeichnen.

Ins Gehäuseinnere gelangt der Nutzer durch das Lösen von vier Innensechskantschrauben an der Deckel-Blende, der hierzu benötige Innensechskantschlüssel ist Teil des Lieferumfangs.

Um die Blende komfortabel entfernen zu können, setzt Streacom auf einen Federmechanismus, der sie nach dem Lösen der Schrauben an allen vier Ecken automatisch nach oben drückt. Dadurch kann die Blende ohne übergroße Spaltmaße integriert werden und eine Demontage wird dennoch nicht zur Geduldsprobe. Die Schrauben verbleiben nach dem Lösen an der Blende, unbeabsichtigtes Verlegen ist somit ausgeschlossen.

Eine Besonderheit ist auch die Montage der vier Seitenteile: Diese sind von innen mit jeweils einer Rändelschraube gesichert, die zunächst gelöst werden muss, um sie anschließend abnehmen zu können.

Die Schrauben verfügen nur unmittelbar unter dem Kopf über ein eigenes Gewinde, das in einen Stift übergeht, der die Seitenteile hält und beklemmt. Die Schraube muss nur so weit gelöst werden, bis der Haltestift das Seitenteil freigibt; sie verbleibt also ebenfalls verlustsicher am Gehäuse. Alle vier Seitenteile lassen sich entfernen.

Außenansicht: Schnittstellen und Bedienelemente

Sämtliche Bedienelemente und Schnittstellen des DB4 wurden geschickt an der Unterseite untergebracht.

In einer der vier Ecken finden sich zwei USB-3.0-Steckplätze, in einer weiteren Ecke ein Power-Taster nebst weiß illuminierter Status-LED.

Innenraum: Belüftung, Staubschutz und Dämmung

Die Betrachtung des Themenbereichs Belüftung und Schalldämmung entfällt bei einem vollständig passiv gekühlten Gehäuse. Wie bereits erwähnt, wird die Abwärme des verwendeten Prozessors über eine Heatpipe-Konstruktion direkt an die Seitenteile weitergeleitet, die so als großer Kühlkörper fungieren. Wer im DB4 auf SSDs setzt, kann sich also problemlos ein vollkommen unhörbares System basteln, so denn keine unerwarteten Störgeräusche seitens der genutzten Komponenten auftreten. In diesem Zusammenhang sei an das leidige Thema Spulenfiepen bei Grafikkarten erinnert.

Der Gehäuseboden hält einige zusätzliche Belüftungslöcher bereit, der Deckel des DB4 zeigt sich allerdings aus optischen Gründen überwiegend geschlossen. Allerdings gibt jeweils am Übergang zwischen Blende und Seitenteilen schmale Belüftungsschlitze, durch die warme Luft aus dem Inneren des Systems entweichen kann.

Montage: Netzteil und Kabelmanagement

Streacom bietet mit dem ZF240 ein immerhin 240 Watt starkes und optional erhältliches Passivnetzteil an, das sich im DB4 selbst verbauen lässt. Dieses bietet immerhin 14 Ampere auf der +12-V-Schiene und somit mehr als genug Leistung für Kleinsysteme unter Einsatz der vorgesehenen 65-Watt-CPU oder -APU. Selbst wenn auf die optional erhältliche Prozessorkühlung zur Bewätigung einer TDP von bis zu 110 Watt zurückgegriffen wird, reicht diese Leistung problemlos aus, um das Gesamtsystem zu befeuern.

Der Einsatz zusätzlicher, leistungsstarker Gaming-Grafikkarten ist hier ohnehin nicht empfehlenswert. Auch der Einsatz kleiner, passiv gekühlter Grafikkarten ist angesichts der zu erwartenden Temperaturentwicklung und des Leistungssprung bei den integrierten Lösungen während der letzten Jahre unsinnig.

Für Mainboard, Prozessor und Speicherlaufwerke ist das Netzteil aber in jedem Fall ausreichend dimensioniert und bietet einen 20+4-poligen Mainboard-Anschluss, einen zusätzlichen 4-poligen Stecker für die Zusatzstromversorgung der CPU, zwei SATA-Anschlüsse sowie einen Floppy-Stecker.

Ein schwarz eloxierter Montagerahmen ist bereits vorinstalliert. Somit kann das Netzteil im DB4 im Bereich hinter dem Mainboard verschraubt werden, wodurch allerdings einer der Montageplätze für Festplatten und SSDs verloren gehen.

Um den Anschluss für das Kaltgerätekabel an der Unterseite des DB4 platzieren zu können, muss an dieser Stelle zunächst eine Aluminiumblende gelöst werden. Anschließend kann die Buchse des ZF240 platziert und festgeschraubt werden.

Für die Montage werden Streacoms Universal Brackets genutzt – jene schwarz lackierten Halteklammern, die bereits im Auslieferungszustand im Gehäuse vorinstalliert sind und sowohl der Montage des Netzteils als auch von Festplatten und SSDs dienen. Insgesamt sechs dieser Klammern lassen sich lösen und an allen vier Seiten des Gehäuses anbringen. Dadurch entsteht Spielraum für die Netzteil- sowie Laufwerksmontage.

Um eine bessere Ableitung der Wärme des Passivnetzteils gewährleisten zu können, muss in einem letzten Schritt ein dickes Wärmeleitpad auf die Halteklammer geklebt werden, das anschließend Wärme an die Außenwand des Gehäuses weiterleiten kann.

Wer auf diese interne Netzteillösung verzichten möchte, kann alternativ auf ein Mainboard mit 19-Volt-Anschluss für ein externes Netzteil setzen oder alternativ ein externes Modell aus dem Zubehörangebot erwerben, dass über eine zumeist intern zu verbauende Wandlerplatine die nötigen Spannungen bereitstellen kann.

Montage: Optische Laufwerke und Festplatten

Im Auslieferungszustand ist es zumindest noch nicht möglich, ein optisches Laufwerk unterzubringen. Aber gerade wenn es um den Bau eines HTPCs geht, wird ein fehlendes Blu-Ray-Laufwerk nur schwer zu verschmerzen sein. Aus diesem Grund gibt Streacom der multimediaaffinen Nutzergruppe immerhin die Möglichkeit, für weitere 30 Euro das ODD-Kit ST-DB40DD nachzurüsten.

Das besteht nicht nur aus einer anschließend im Gehäuse hängenden Schiene zur Montage eines Modells im 5,25-Zoll-Slim-Format, sondern auch aus einer alternativen Deckelblende für das DB4, die über einen zusätzlichen Schlitz verfügt. Das geht mit der zweiten Einschränkung bei der Laufwerkswahl einher: Nur Slot-in-Laufwerke lassen sich so sinnvoll nutzen.

Für ein derart kleines Gehäuse bietet Streacoms DB4 erstaunlich vielen Speicherlaufwerken Unterschlupf. Insgesamt können bis zu fünf 3,5- und bis zu zwölf 2,5-Zoll-Laufwerke im Inneren montiert werden. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Unterbringung: Die Laufwerke können einseitig an einem oder von unten mit zwei Universal Brackets verschraubt werden.

Die Brackets selbst lassen sich an nahezu jeder Stelle im Gehäuse anbringen und werden dabei lediglich durch die Positionierung weiterer Komponenten im Gehäuse in ihrer Freiheit eingeschränkt. Die Halteklammern werden über einen Spannmechanismus arretiert und sind somit nicht nur an bestimmten Stellen verschraubbar, sondern können frei entlang des Innenrahmens des Gehäuses verteilt werden. Streacom bietet hier im Rahmen der Bedienungsanleitung anschauliche, schematische Zeichnungen, die die sich bietenden Möglichkeiten bestens verbildlichen:

Zusätzlich kann auch die Rückseite des Mainboard-Trays zur Laufwerksmontage genutzt werden. Jeweils ein 2,5- und 3,5-zölliges Laufwerk kann in 90 Grad Schritten gedreht montiert werden.

Alternativ lassen sich auch zwei 2,5-Zöller nebeneinander positionieren, dann aber nur in einer Ausrichtung (bzw. um 180 Grad gedreht). Wird nur ein einziges Laufwerk genutzt, geben die Montageschlitze im Mainboard-Tray etwas Spielraum, um den Speicher möglichst weit entfernt vom Prozessorsockel anzubringen.

Wirklich empfehlen können wir diese Positionierung allerdings nicht – an der Rückseite des CPU-Sockels staut sich viel Hitze, gerade mechanische Laufwerke können hier also Probleme bekommen. Aus genau diesem Grund rät selbst der Hersteller in der Bedienungsanleitung dazu, auf eine Montage mittels der Universal Brackets zurückzugreifen.

Für unseren Test setzen wir folglich auf die Halteklammer-Lösung und haben wie üblich eine Festplatte sowie SSD in der im voranstehenden Bild gezeigten Anordnung installiert.

Montage: Mainboard, CPU-Kühler, und Grafikkarte

Noch vor der Mainboard-Montage müssen einige Vorbereitungsarbeiten angegangen werden, um die Prozessorkühlung wie vorgesehen installieren zu können.

Dazu werden zunächst vier Schrauben mit Innengewinde an der Unterseite des Kopfes mit Klebepads ausgestattet und dann am Mainboard von hinten durch die Montagelöcher für Kühler gesteckt und verklebt.

Ein zweiter Satz Klebepads für einen späteren Komponententausch liegt bei.

Das Mainboard kann selbstverständlich nur in eine Richtung verbaut werden – nämlich so, dass das I/O-Panel nach unten zeigt, wenn der Anwender das Mainboard-Tray später wieder mit den Halteschienen an Ort und Stelle im Streacom DB4 gleiten lässt.

Anschließend steht der Anwender vor dem End-of-Level-Boss des Systemzusammenbaus im DB4: Der Montage der Prozessorkühlers aus Einzelkomponenten inklusive einzelner Heatpipes. Wir haben die Prozedur Schritt für Schritt dokumentiert.

Die Beteiligten am letzten Akt (Bild siehe Abschnitt zum Lieferumfang): Kontaktplatte zur Seitenwand des Gehäuses und Wärmeleitpaste, Bodenplatte des CPU-Kühlers, Kupferabstandshalter als Bindeglied zwischen Bodenplatte und Heatspreader der CPU und abschließend vier einzelne 6-mm-Heatpipes.

Als kleine Vorarbeit müssen zunächst die Innensechskantschrauben der vier Halterungen der Bodenplatte leicht gelöst werden – diese Schienen müssen später so weit ausgezogen werden, dass sie direkt über den Montagelöchern des CPU-Sockels liegen. Dann kann es losgehen.

In einem ersten Schritt wird der Heatspreader der CPU wie üblich mit Wärmeleitpaste bestrichen und der beiliegende Kupfer-Spacer möglichst mittig auf dem Prozessor platziert.

Daran anschließend müssen die Heatpipes mit den kurzen Enden durch die Öffnungen in der Bodenplatte gesteckt werden, der sichtbare Bereich der Wärmeleitrohre sollte anschließend ebenfalls mit Wärmeleitpaste bestrichen werden. Hier kann ruhig etwas großzügiger mit dem Wärmeleitmittel umgegangen werden. Überschüssige Paste sammelt sich in den Zwischenräumen zwischen den Heatpipes, die leicht über die Innenfläche hinausragen und nach der Montage direkt auf dem Kupfer-Spacer aufliegen.

Nun werden die zuvor leicht gelösten schwarzen Halteklammern über den Montagelöchern um den Mainboard-Sockel platziert und die Schrauben zu ihrer Befestigung wieder angezogen. Im Anschluss kann die Bodenplatte mit vier dicken und mit einer Feder versehenden Schrauben auf CPU und Kupfer-Spacer festgezogen werden.

Aber Obacht: Das muss gleichmäßig geschehen – und die Schrauben lassen sich deutlich stärken anziehen als nötig. Deshalb ist unbedingt darauf zu achten, dass der Anpressdruck nicht so groß wird, dass sich das Mainboard im Bereich des CPU-Sockels krumm durchbiegt. Als Folge können sonst schnell gebrochene Leitbahnen im Inneren des PCBs auftreten, die das System im schlimmsten Fall unbrauchbar machen.

Daran anschließend kann auch schon einmal die Kontaktplatte zur Gehäuseseitenwand über die freistehenden Heatpipeenden geschoben werden.

Im nächsten Schritt wird zunächst einmal das Mainboard zurück in das Gehäuse verfrachtet und alle nötigen Daten- und Stromkabel zwischen den verbauten Komponenten miteinander verbunden.

Bevor abschließend die letzte, offene Seitenwand wieder am Gehäuse angebracht wird, müssen die Heatpipes, die hier den Kontakt herstellen sollen, ebenfalls mit einem Wärmeleitmittel versehen werden. Ursprünglich sah Streacom hier ein Wärmeleitpad vor, das auch Bestandteil der Lieferumfangs ist.

Der Hersteller bat uns jedoch um die Verwendung von Wärmeleitpaste, da sich in internen Tests gezeigt habe, dass die Kühlleistung davon deutlich profitieren würde. Kein Problem, denn die Heatpipes sitzen im zusammengebauten Zustand fest genug an der Seitenwand, um auch mit Wärmeleitpaste einen ordentlichen Kontakt herstellen zu können.

Hier muss ebenfalls nicht allzu sparsam vorgegangen werden – wer allerdings bei der vorigen Montage nicht dauernd ein Auge auf den Wärmeleitpastenverbrauch geworfen hat, wird hier plötzlich irritiert feststellen müssen, dass die beiliegende Mini-Tube so gerade eben noch ausreicht.

Da wir im Verlauf der Montage die Heatpipes auf der CPU ursprünglich falsch ausgerichtet hatten, müssen wir hier selbst auf unsere ansonsten für Kühlertests genutzte Arctic MX-4 zurückgreifen.

Zu beachten ist, dass die Kontaktplatte zur Seitenwand noch einmal mit einer der Universal Brackets ein wenig mehr Zusatzhalt bekommen soll. Dazu ist bereits ab Werk eine zusätzliche Rändelschraube an der Platte vorhanden, mit der Bracket und Kühlplatte zusätzlich verschraubt werden, um insgesamt den Anpressdruck zu erhöhen.

Theoretisch lässt sich im Streacom DB4 nun auch noch eine Grafikkarte mit bis zu zwei Slots montieren, wenn sie nicht eine Länge von 20 cm (Breite: 11,6 cm) überschreitet – praktisch ist das aber nahezu sinnfrei: Leistungsstarke passiv gekühlte Grafikkarten überhitzen im DB4 und die Leistung der schwächeren Alternativen kann auch von in die CPU integrierten Grafikeinheiten bereitgestellt werden – gerade AMDs APUs sind hier im Hinblick auf das Preis-Leistungsverhältnis eine interessante Option.

Der Erweiterungs-Slot auf dem Mainboard sollte folglich vielmehr als Möglichkeit zur Nachrüstung anderer, zusätzlicher Steckkarten verstanden werden – hier sind beispielsweise WLAN-Adapter oder auch kleinere RAID-Controller denkbar, also letztlich alles, was nicht allzu stark zur Steigerung der Innentemperatur des Gehäuses beiträgt.

Wem die Kühlleistung des Prozessorkühlers des DB4 nicht ausreicht, der kann für noch einmal 35 Euro ein zusätzliches Heatpipe-Kit erwerben. Damit sollen sich dann auch CPUs mit einer TDP von bis zu 110 Watt nutzen lassen. Bevor wir diese Lösung empfehlen können, hätten wir allerdings gern untersucht, wie heiß die Spannungswandler um den Prozessorsockel herum werden, wenn Hochleistungs-CPUs in Kombination mit einem Mini-ITX-Mainboard auf das Streacom DB4 ohne Luftstrom treffen.

Messwerte: Temperaturentwicklung

Ein gesonderter Messgang zur Lautstärkeentwicklung erübrigt sich an dieser Stelle: Erweisen sich die verbauten Komponenten als frei von unerwünschten Nebengeräuschen, dann lässt sich das passiv gekühlte System komplett lautlos betreiben.

Umso spannender ist aber der Blick auf die Temperaturentwicklung der Komponenten. Im Gegensatz zu den übrigen Tests auf Basis unseres ansonsten immer gleichen Mini-ITX-Setups setzen wir diesmal nicht auf einen Intel Core i5-6600K, sondern platzieren lediglich einen i5-6500 auf dem CPU-Sockel des MSI Z170I Gaming Pro AC.

Dieser Prozessor liegt mit einer TDP von 65 Watt gerade noch im Rahmen dessen, was sich laut der Spezifikationen seitens Streacom im DB4 verbauen lässt. Gleichzeitig liegt er als Intels stärkster Prozessor dieser Generation in der beschriebenen TDP-Klasse aber auch an der Grenze zum nächstgrößeren Modell: Ein Core i5-6600K wird bei geringfügig höheren Taktraten bereits mit einer TDP von 91 Watt ausgezeichnet.

Abweichend vom üblichen Vorgehen schauen wir uns diesmal auch die Temperaturen im Systemleerlauf an. Die Idle-Werte erheben wir nach 45 Minuten, die Werte unter Volllast (CPU-Auslastung durch Prime 95 v27.9, Small FTTs) nach 70 Minuten. Die jeweils letzten zehn Minuten werden mitgeloggt, um jeweils einen Durchschnittswert zu bilden.

Streacom DB4: Temperaturentwicklung

 

Idle

Load

Raumtemperatur

19,6 °C

19,7 °C

CPU Package

37 °C

76,2 °C

CPU Core Ø

34,2 °C

73,1 °C

HDD

41 °C

49 °C

SSD

32 °C

42 °C

Unter Last steigt die Prozessortemperatur rund eine halbe Stunde lang immer weiter an, dann sind die Maxima erreicht, die wir obenstehend festgehalten haben. Eine durchschnittliche Kerntemperatur von 73,1 °C ist – zumindest gemessen an normalen Umständen und aktiv gekühlten Komponenten und Systemen – extrem warm.

Hier muss allerdings bedacht werden, dass es sich um ein vollkommen passiv gekühltes System handelt, wir auf einen Prozessor am TDP-Limit setzen und dass mit der synthetischen Last durch Prime95 ein Worst-Case-Langzeitbelastungsszenario geschaffen wird, das so allenfalls beim Rendern von langen Videos erreicht wird – Alltag ist das nicht.

Zusätzlich haben wir mittels eines Infrarotthermometers auch den maximalen Temperaturwert ermittelt, der bei einer Messung am Seitenteil des DB unmittelbar über dem hier anliegenden CPU-Kühler auftrat: Hier werden 52,2 °C erreicht.

Wer die CPU folglich sinnvollerweise eine Nummer kleiner wählt (und sich folglich nicht am absoluten Limit bewegt) oder wer auf die zusätzliche Kühllösung mit noch mehr Heatpipes setzt, wird schnell noch bessere Ergebnisse erzielen können. Die Temperaturen von SSD und HDD überraschen dagegen: An dieser Stelle hätten wir mehr erwartet. Ähnliche Laufwerkstemperaturen konnten wir auch schon in Gehäuse mit aktiven Innenraumbelüftung messen, wenn die Laufwerke selbst sich außerhalb des direkten Gehäuseluftstroms befanden.

Fazit: Famoser Design-Würfel für lautlose Systeme

Streacoms DB4 ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich – und diese Aussage gilt nicht nur für die Formsprache, sondern auch für die Funktionsweise. Der Wohnzimmer-taugliche Design-Würfel auf stabilen Stelzen ist hervorragend verarbeitet, ermöglicht dank der flexiblen Prozessorkühlung den vollständig passiven und somit lautlosen Systembetrieb und überrascht mit einem intelligent gestalteten Innenraum – was vor allem auch im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Laufwerksmontage gilt.

Spätestens durch das kostenpflichtige, optionale Zubehör wird das DB4 zu einem der vielseitigsten Vertreter seiner Art. Hier bietet der Hersteller eine breite Palette an, die vom passiv gekühlten und im Inneren anbringbaren Netzteil über eine Montagelösung für ein optisches Laufwerk bis hin zu einer Aufrüstoption für die CPU-Kühlung reicht.

Die Temperaturentwicklung in einem solchen System fällt naturgemäß höher aus als in einem normalen, aktiv gekühlten Gegenstück. Im Falle einer bedachten Komponentenwahl oder durch die Wahl der zusätzlichen Kühllösung sind hier jedoch durchaus viele leistungsstarke und dennoch lautlose Konfigurationen denkbar.

Allzu überdimensioniert sollte die Wahl der Einzelkomponenten dennoch nicht ausfallen: Ständig am Limit operierende Spannungswandler auf dem Mainboard rund um den CPU-Sockel sind der Langzeithaltbarkeit eines derartigen Systemaufbaus nicht zuträglich.

Lediglich der im Auslieferungszustand relativ überschaubare Lieferumfang gibt Anlass für Kritik: Gemessen am erheblichen Anschaffungspreis des Gehäuses hätte Streacom beim DB4 zumindest die optionale, stärkere CPU-Kühlung zum Bestandteil der Standardausstattung machen können.

Für Individualisten, Ästheten und Liebhaber lautloser Systeme ist Streacoms DB4 im Hinblick auf seine Grundkonzeption und Vielfältigkeit eines der interessantesten Angebote zum geräuschfreien Betrieb von leistungsstarken Mini-ITX-Systemen, auch wenn der Hersteller auf Seiten der potenziellen Käufer eine gut gefüllte Geldbörse voraussetzt.  Auf Einschränkungen und Grundregeln für den Bau passiv gekühlter Computer ist aber zwingend zu achten.

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