Kaufberatung und Vergleichstest Mini-PC, Stand Februar 2017

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Schicker Flitzer

Nachdem der kleine Bruder Liva X (nächste Seite) einen soliden, aber eher biederen Eindruck hinterließ, hielten sich unsere Erwartungen bezüglich des Liva Core in Grenzen. Desto mehr überraschte uns der Verpackungsinhalt, der uns beim Auspacken (auf Neudeutsch: “Unboxing”) ein “Wow!” angesichts des Designs entlockte. So langweilig wie der Liva X aussieht, so elegant wirkt sein jüngerer Bruder Liva Core.

Aufbau und Anschlüsse

Wie schon beim Liva X sind die Anschlüsse durchdacht angebracht. Ordentlich zugelegt hat das Gerät bei den USB-Ports: Zum einen gibt es jetzt einen zusätzlichen Anschluss, zum anderen sind alle vier Ports USB 3.0-tauglich. Einer der Anschlüsse steht auch im ausgeschalteten Zustand unter Strom, sodass man den Mini-PC zum Beispiel als Ladestation für Smartphones und ähnliches nutzen kann. Nur einer der Ports befindet sich an der Rückseite.

Dort finden sich neben dem Netzteilanschluss auch ein einzelner Gigabit-Netzwerkanschluss und zwei HDMI-Ports. Bei den HDMI-Anschlüssen hat der Core gegenüber dem Liva X die Nase vorn. Der ältere Bruder hatte als Zweitanschluss nur einen VGA-Steckplatz. Der Liva Core hingegen eignet sich so auch gleichzeitig für zwei moderne Displays. Es werden sogar 4K-Bildschirme unterstützt – wenn auch nur mit trägen 30 Hertz.

Einen Nachteil des Liva X hat allerdings auch der Liva Core: Auf der Rückseite befindet sich nur ein einzelner Audio-Steckplatz, sodass man keine gewöhnlichen Headsets mit zwei Klinkensteckern verwenden kann.

Auf der Vorderseite befinden sich neben den drei restlichen USB 3.0-Anschlüssen der Ein-/Aus-Schalter und ein MicroSD-Kartenleser. Schöner wäre natürlich ein SD-Kartenleser gewesen, aber angesichts der Verbreitung von MicroSD-Karten ist das Kartenlesegerät immerhin besser als nichts.

Funktechnisch kann der Core X ganz modern auf ac-WLAN und Bluetooth 4.0 zurückgreifen. Damit stehen dem Nutzer alle Möglichkeiten offen und er ist diesbezüglich genauso gut ausgestattet wie ein modernes Notebook. 

Energieaufnahme und Leistung

Damit kommen wir zur eigentlichen Stärke des Liva Core. Anstatt der sonst üblichen abgespeckten CPUs setzt Elitegroup auf einen modernen Intel Core M-5Y10C der Broadwell-Generation. Dieser verfügt zwar nur über zwei Kerne, aber dafür haben die ordentlich Power: In den meisten Benchmarks sind sie etwa doppelt so schnell wie die Kerne der bisherigen Spitzenreiter.

Einzig in Benchmarks, die vier Kerne auslasten, kann ihm die Vierkern-CPU des Giada das Wasser reichen. Allerdings liegen sie in etwa gleichauf. Damit zeigt sich, dass die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Kerns ungefähr doppelt so hoch wie bei der Konkurrenz ist – ein beachtlicher Vorsprung. Dadurch qualifiziert sich der Liva Core als vorzügliches Desktop Replacement.

Der Basistakt des Prozessors liegt bei 800 MHz, der maximale Turbotakt beträgt zwei GHz. Allerdings kann dieser aufgrund der Passivkühlung nur sehr kurz aufrechterhalten werden.

Auch die Energieaufnahme lässt sich sehen: Im Leerlauf benötigt das Liva Core unter vier Watt und unterbietet Zotacs Zbox CI320 Nano um die Hälfte. Unter Volllast verbraucht der Liva Core meist etwa 10 Watt. Nur in kurzen Momenten stieg der Verbrauch auf rund 17 Watt an.

Datenträger

Das vorliegende Gerät verfügt über eine 120 Gigabyte große Intel SSD 535 im M.2-Format. Diese Laufwerksgröße sollte für die meisten Einsatzszenarien völlig ausreichend sein. Die Intel-SSD setzt auf den deutlich in die Jahre gekommenen Sandforce-SF2281-Controller, der erstmals 2011 erschien. Insbesondere die Intel-Variante des Controllers ist durch die lange Testperiode sehr zuverlässig.

In einigen Benchmarks fällt das Laufwerk leicht hinter den aktuellen Top-Modellen zurück; nur beim sequenziellen Schreiben (230 MByte/s) kann es einen spürbaren Vorsprung vor den bisherigen Spitzenreitern erringen. Deutlich hinter den besten Ergebnissen liegt das sequenzielle Lesen (202 MByte/s). Das gilt allerdings nur für eine Warteschlangenlänge von 1. Bei einer Warteschlangenlänge von 64 lastet es den SATA3-Port mit beinahe 500 MByte/s fast vollständig aus und übertrifft die Konkurrenz bis auf Zotacs ZBox Nano. Damit bleiben in Punkto Datenträgergeschwindigkeit keine Wünsche offen. Immerhin übertrifft das Laufwerk die schwächeren Vertreter im Test deutlich.

Der verwendete NAND ist übrigens in 16-nm-Prozesstechnik gefertigter MLC-Speicher, der sich durch hohe Zuverlässigkeit und Haltbarkeit auszeichnet und die eventuellen Kinderkrankheiten von TLC vermeidet.

Temperatur und Lautstärke

Dank lüfterlosem Design und SSD arbeitet das Gerät völlig lautlos. Allerdings hat die Passivkühlung auch Schattenseiten: Im Stresstest erhitzt sich das Gehäuse stellenweise bis auf heftige 68° Celsius. Das ist viel zu heiß, um wirklich praktisch zu sein. Allerdings wurde dieser Wert nur im extremen Stresstest erreicht; bei normaler Nutzung wird dieser Wert deutlich unterschritten.

Die CPU erreichte in der Spitze bis zu 80° Celsius und blieb damit immer spürbar unterhalb der maximalen Spezifikation des Prozessors (95° Celsius).

Wie bei allen anderen Mini-PCs sollte man stets darauf achten, dass das Gerät nicht abgedeckt wird, damit die Wärme nach oben und zur Seite entweichen kann.

Konfiguration

Die inneren Werte – und damit die Konfiguration – sind vom Feinsten. CPU, RAM, SSD – alle Komponenten sind vorzüglich gewählt und lassen bei einem solchen Gerät kaum Wünsche offen. Natürlich gibt es schnellere und modernere SSDs, aber die lohnen sich eher für einen High-End- statt einen solchen Mini-PC.

Raum für Verbesserung bietet der recht langsame 1600er RAM mit einem Timing 11-11-11-28. Hier wird ein Stück weit Potenzial der CPU verschenkt, das aber natürlich sowieso nicht immer und überall abgerufen werden würde.

Preis und Verfügbarkeit

Ebenso wie beim Liva X finden sich auch für das Liva Core nur sehr wenige Händler. Dies liegt sicherlich nicht an einem Mangel des Produkts sondern vielmehr daran, dass es keinen offiziellen Deutschlandvertrieb für Elitegroup gibt. Derzeit kostet der Liva Core 439 Euro. Das ist ein stattlicher Preis für ein kleines Gerät. Allerdings erhält man für sein Geld auch moderne und gute Technik.

Fazit

Verglichen mit den bisher getesteten Mini-PCs stellt sich das Liva Core trotz der “nur” zwei Kerne als wahre Rennmaschine heraus. Damit ist der Kleine sehr vielseitig einsetzbar – solange man nicht anspruchsvolle 3D-Spiele spielen möchte. Aber das ist für einen Mini-PC sowieso unrealistisch.

Durch den sehr geringen Leerlaufverbrauch eignet sich das System auch gut als dauerhaft laufendes Gerät. Weniger praktisch ist es aufgrund der starken Erhitzung bei hoher Dauerlast. Aber bei hohen CPU- und GPU-Anforderungen ist ein Gerät mit aktiver Kühlung generell besser geeignet.

Die Optik ist ein besonderer Hingucker, wobei dies natürlich immer Geschmackssache ist. Da tut es fast schon weh, das Gerät ganz praktisch hinterm Bildschirm zu verstecken, wie es mit dem Liva Core möglich ist.

All das hat aber auch seinen Preis. Mit derzeit 439 Euro könnte die Schmerzgrenze des ein oder anderen Käufers erreicht oder überschritten sein. Insbesondere weil bei diesem Kurs noch kein Betriebssystem mitgeliefert wird und naturgemäß auch Maus und Tastatur hinzukommen.

Mit der äußerst gelungenen Optik und einer ebenso guten technischen Zusammenstellung hat sich der Liva Core unseren Editor Recommended-Award redlich verdient.

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