[UPDATE] Vergleichstest interne SSDs, Stand November 2016

Inhaltsverzeichnis

<< >>

Vor- und Nachteile von SSDs und Festplatten

Mechanische Festplatte sind für viele Anwender nach wie vor unverzichtbar, da sie gerade in Kapazitätsklassen ab einem Terabyte und mehr das deutlich bessere Preis-Leistungsverhältnis bieten. Die Performance ist für den Normalanwender nach wie vor ausreichend, so dass gerade in vielen günstigen Notebooks und Desktop-PCs keine SSDs zum Einsatz kommen.

Ambitionierte bzw. leistungshungrige Anwender kommen jedoch nicht umhin, zumindest eine SSD für die Installation des Betriebssystems und der am häufigsten verwendeten Programme zu nutzen: Die Zugriffszeiten der Flash-Speicher sind um ein Vielfaches schneller und die Datenübertragungsraten selbst bei den günstigsten Modellen wenigstens kurzfristig schneller als bei mechanischen Festplatten. Nur die Leistung sehr günstiger SSDs kann zuweilen auf Durchsatzraten einbrechen, die unterhalb derer von Festplatten liegen.

Die Dateizugriffe an sich bleiben trotzdem deutlich schneller, da hier kein mechanischer Schreib-/Lesekopf mehr über eine Magnetscheibe gleiten muss, um im ungünstigsten Fall stark fragmentierte Bestandteile eines Datensatzes zusammenzutragen: Diese Aufgabe übernimmt allein der verbaute Controller, ganz ohne zusätzliche Mechanik.

Daraus leitet sich auch direkt ein weiterer Vorteil von SSDs ab: Wo keine Mechanik, da keine wahrnehmbaren Geräusche. Dadurch sind SSDs auch stoßunempfindlich und weniger hitzeempfindlich als Festplatten: Lediglich bei einigen aktuellen High-End-Modellen kann der Controller unter Volllast ohne zusätzliche Kühlung zu heiß werden. Das führt aber nicht zum Ausfall, sondern “nur” zum geplanten Heruntertakten und damit zu einem temporären Leistungsabfall.

Auch für den mobilen Einsatz sind SSDs eine gute Wahl: Aktuelle, an sich schon genügsamen Modelle verfügen auch über eine Reihe von Stromsparfunktionen. Dadurch rutschen sie auf einer Liste der Bauteile, die die Akkulaufzeit eines Notebooks deutlich verkürzen können, ganz weit nach hinten.

Ebenfalls nicht zu verachten: Aktuelle Laufwerke auf Basis von Flash-Speicher bieten mittlerweile überwiegend Herstellergarantiezeiten von drei, fünf oder noch mehr Jahren: Das ersetzt zwar keine gewissenhafte Backup-Strategie, um Datenverlusten vorzubeugen, gibt aber zumindest die Gewissheit, im Falle eines Defekts auch noch einige Jahre später Anspruch auf Reparatur oder Ersatz zu haben.

Im Falle eines Defekts ist die Datenrettung von einer SSD allerdings in vielen Fällen ein deutlich schwierigeres oder sogar unmögliches Unterfangen. Deshalb ist besagte (gewissenhafte) Backup-Strategie in jedem Fall Pflicht – das gilt aber auch für mechanische Festplatten. Denn hier ist es im Falle eines Ausfalls zwar oft leichter, alle oder wenigstens einen Teil der Daten retten zu können, aber angesichts der damit verbundenen Kosten werden die meisten Privatanwender eher auf die Daten verzichten.

Werden ständig sehr große Mengen an Daten geschrieben, kann unter Umständen ein bestimmter Schwellwert (TBW = Total Bytes Written) erreicht werden: Hinter dieser Angabe verbirgt sich eine Art Mindesthaltbarkeitsdatum – wird der Wert überschritten, erlischt die Garantie vorzeitig. Das sollte allerdings bei aktuellen Modellen nur noch unter sehr speziellen Bedingungen und mindestens (semi-)professionellen Einsatzszenarien eintreten; ein normaler Privatanwender wird in seiner Alltagsnutzung nie in diese Bereiche vorstoßen.

Weitere Unterschiede zwischen mechanischen Festplatten und SSDs sowie Unterschiede der SSDs zueinander werden wir in einem kommenden Grundlagenartikel erörtern. Hier wird es um verschiedene Flash-Speicher (2D, 3D, SLC, MLC, TLC), Beschleunigungsversuche durch die Hersteller (Cache, Pseudo-Cache im RAM), mehrkanalige Controller, Ansätze zur Vermeidung von Datenverlust beim Stromausfall und weiteres gehen.

Schnittstellen und Standards

Die aktuell verbreitetste Bauform von SSDs für den Desktop-Einsatz ist die SSD im 2,5-Zoll-Format. Dabei handelt es sich um Flash-basiertes Speichermedium, das wie eine mechanisch Festplatte der gleichen Bauform in einem meist 6,8 bis 9,5 mm hohes Gehäuse aus Stahlblech, Aluminium oder Kunststoff verbaut ist.

Genau wie ihre mechanischen Geschwister werden diese Festplatten über einen SATA-III-Controller (6 GBit/s) und AHCI (Advanced Controller Host Interface) angebunden und unterliegen damit auch den Beschränkungen des technisch möglichen: Auf dem Papier ist maximal eine Durchsatzrate von 600 MByte/s möglich, in der Praxis bleiben davon je nach SSD und Benchmark maximal rund 560 MByte/s übrig.

Damit stellt diese Form der Anbindung den Flaschenhals für viele aktuelle SSDs mit dem genannten Formfaktor dar. Für den Normaleinsatz und auch für ambitionierte Spieler reicht das aber vollkommen aus – schnellere und deutlich teurere High-End-Lösungen sind außerhalb professioneller Einsatzszenarien reiner Luxus.

Das mobile Pendant dazu ist schon fast wieder ausgestorben: Eine Zeit lang kamen in Notebooks vor allem mSATA-SSDs zum Einsatz. Dabei handelt es sich um kleine Steckkarten, die bei voller Baugröße nur etwas mehr Platz als eine gängige WLAN-Karte im Notebook einnehmen, aber ansonsten den gleichen Geschwindigkeitsbeschränkungen wie die größeren 2,5-Zoll-Modelle unterliegen.

Daneben gibt es eine Reihe von Sonderlösungen wie über den voll duplexfähigen SAS-Anschluss angebundene SSDs (die aber fast nur im Enterprise-Bereich zum Einsatz kommen), langsame eMMC-Module (die beispielsweise in Low-Budget-Notebooks eingesetzt werden) und weitere Spezialfälle, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden.

Power-User und Enthusiasten setzen hingegen auf die deutlich teureren, aber auch schnelleren Laufwerke mit M.2-Anschluss oder aber gleich auf eine PCI-Express-Steckkarte. M.2 ist wie auch mSATA ein Steckkartenformat.

Wird eine vierstellige Zahl (2242, 2260, 2280, 22110) dahinter angegeben, bezeichnet das die physische Länge der Karte: Hier muss also darauf geachtet werden, dass die Steckkarte auch ins Notebook passt – oder aber auch auf das Mainboard eines Desktop-PCs, denn die kleinen Speicherkarten machen sich daran, die Bauform der 2,5-Zoll-Laufwerke allmählich zu beerben.

M.2-Laufwerke können entweder per SATA (und dann mit den genannten Performancebegrenzungen) oder über PCI Express (PCIe) angebunden werden. Bei der aktuelleren Anbindung über PCIe ist ebenfalls darauf zu achten, dass diese schnell genug ist: Wenn etwa zwei dieser Steck-SSDs im RAID eingesetzt werden sollen, die das NVMe-Protokoll als AHCI-Nachfolger unterstützen, kann schnell Mindestanbindung über vier PCIe-3.0-Lanes nötig sein.

Dafür belohnen die Laufwerke ihren Anwender mit Durchsatzraten, die über 2,5 TByte/s hinausgehen können – also mehr als das Vierfache der Datendruchsätze, die über einen SATA-Controller möglich sind.

M.2-Steckkarten lassen sich auch über eine PCIe-Trägerkarte anbinden, wenn kein M.2-Steckplatz vorhanden sein sollte. Profis bevorzugen ohnehin von vornherein eine PCI-Express-Lösung: Derart aufgebaute SSDs kommen mit einem eigenen Kühlkörper, so dass hier das thermisch bedingte Heruntertakten hochgezüchteter Controller effizient und ab Werk unterbunden werden kann.

Auch auf diese Unterschiede werden wir noch detailliert und in übersichtlicher Form in der kommenden Kaufberatung eingehen.

Seiten:

Tags: , , , ,

Ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Privacy Policy Settings

Google Analytics Wir sammeln anonymisierte Daten darüber, welche Beiträge und News gelesen werden. Wir ermitteln dabei auch die Zeit - ebenfalls anonymisiert - wie lange ein Beitrag gelesen wurde. Dadurch können wir einfacher Themen anbieten, die Sie interessieren.
This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
612 Verbiete Google Analytics, mich zu verfolgen