Nachgemessen: Ist AMDs Hotfix für die Radeon RX 480 noch aktiv?

Nein, AMD hatte es bei und mit dem Launch der Radeon RX 480 im Referenzdesign wirklich nicht leicht. Neben der anfänglich schlechten Verfügbarkeit und den daraus folgenden hohen Straßenpreisen war es vor allem die Stromstärkenproblematik, die der Karte zu schaffen machte. Denn die etwas unglückliche Aufteilung der Spannungswandlerzüge auf die jeweiligen Versorgungschienen resultierte in einer Normverletzungen der von der PCI Express SIG festgelegten Maximalstromstärke.

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Über diesen Umstand hatten wir ja sowohl im Launch-Artikel AMD Radeon RX 480 im Test: Kann Polaris gegen Pascal kontern? als auch im detaillierten Follow-Up AMD Radeon RX 480 im Detail: Leistungsaufnahme, Layout und Normen ausführlich berichtet.

AMD hatte in sehr kurzer Zeit mit dem sogenannten “Kompatibitätsmodus” eine Treiber-Lösung parat, die wir im Artikel AMD Radeon RX 480: Neuer Treiber entlastet das Mainboard deutlich genau unter die Lupe nahmen. Genau dieser Modus und die über das I2C-Protokoll vorgenommen Verschiebung der Balance zwischen den Spannungswandlerzügen war nun wiederum Gegenstand des uns erreichten Feedbacks.

Doch welchen Grund sollte AMD haben, diesen Modus zu entfernen – zumal man ihn eh erst aktivieren muss? Doch bevor wieder übereifrige Zeitgenossen versuchen, die eine oder andere Sau durchs Dorf zu treiben, haben wir noch einmal genau nachgemessen und alle drei relevanten Treiber detailliert miteinander verglichen.

Das betrifft den Launch-Treiber Crimson 16.6.2, den vorletzen Crimson-Treiber 16.8.2 und den aktuellen Hotfix-Treiber 16.9.1, der uns als Verursacher gemeldet worden war. Die Lösung war so einfach wie überraschend – doch immer schön der Reihe nach.

Zur Erinnerung: Wie wir generell messen und welche Methodik sowie welches Equipment wir dabei benutzen, kann man jederzeit im Artikel Grundlagen GPUs: Leistungsaufnahme, Netzteilkonflikte & andere Mythen nachlesen.

Stromstärken und Leistungsaufnahme der einzelnen Schienen

Wir vergleichen nun die drei Treiber unter identischen Bedingungen mit dem gleichen Benchmark, der schon beim Launch zum Einsatz kam. Da die Norm – wie im obigen Link ausführlich begründet – in erster Linie die fließenden Ströme umfasst (denn nur die sind wirklich relevant), stellen wir dieses Ergebnisse natürlich voran.

Wir sehen als Erstes, dass sich beim aktuellen Crimson 16.9.1 definitiv nichts verschlechtert hat! Ein Foren-Eintrag in Overclockers.net gibt dann auch bereits die mögliche Antwort, was User zu solchen Aussagen gebracht haben mag. Doch dazu gleich noch mehr, denn genau in den Ursachen steckt auch der eigentliche Grund, warum wir uns zu diesem Review veranlasst sahen. Zunächst widmen wir uns aber noch kurz den Zahlen:

Crimson 16.6.2Crimson 16.6.2 Crimson 16.8.2Crimson 16.8.2 Crimson 16.9.1Crimson 16.9.1

    

Die Stromstärke liegt mit 5,8 Ampere bei beiden Treibern, die den Kompatibilitätsmodus nutzen, nur minimal (exakt 0,3 Ampere) über dem, was die SIG-Norm mit maximal 5,5 Ampere vorschreibt. So gesehen ist also alles bestens und die Werte haben sich nicht geändert.

Für diejenigen, die mit Stromstärken nichts anfangen können, haben wir natürlich das Ganze auch noch einmal in Watt, weisen aber gleichzeitig auch nochmals darauf hin, dass es eben keine 75 Watt auf der 12-Volt-Schiene sind, wenn die Spannung bei genau 12 Volt liegt, sondern nur 66 Watt, auch wenn dieser Irrtum leider weit verbreitet und die Norm mittlerweile auch etwas überholt ist.

Crimson 16.6.2Crimson 16.6.2 Crimson 16.8.2Crimson 16.8.2 Crimson 16.9.1Crimson 16.9.1

    

Ursachenforschung: BIOS-Spielereien und Treiber-Settings

Fangen wir mal mit Letzterem an. Es ist uns mehrmals nämlich selbst aufgefallen, dass ein Treiber-Update manche Grundeinstellungen gnadenlos mit den Default-Werten überschreibt. Da dies sporadisch erfolgt und offensichtlich auch kein System dahinter steckt, gibt es eigentlich nur einen Rat für Besitzer der Referenzkarte, die den Modus nutzen möchten: Nach jedem Update ist zu überprüfen, ob der Kompatibilitätsmodus noch aktiviert ist.

Die andere Ursache ist ein wenig komplexer und im Spieltrieb der Anwender zu suchen. Mittlerweile gibt es nämlich Tools und Möglichkeiten, mit denen man unter Verwendung des aktuellen Treibers eigene BIOS-Modifikationen vornehmen bzw. heruntergeladene und modifizierte Firmware auch ohne gültige Signatur flashen kann.

Achtung!
Das Flashen solcher Modifikationen auf die Referenzkarte verhindert, dass sie vom Treiber noch als solche erkannt wird. Da der Kompatibilitäts-Modus eine rein Software-basierte Lösung innerhalb des Treibers ist, funktioniert er in diesen Fällen nicht mehr.
Darüber hinaus könnte Firmware von bestimmten Board-Partner-Karten, die auf ein anderes Phasen-Design/Balancing setzen, die Referenzkarte in allen Modi sogar schädigen bzw. zumindest zu einem instabilen Betrieb führen.

Wir raten aus diesem Gründen allen weniger versierten Anwendern ab, BIOS-Mods unbekannter Herkunft und mit nicht klar ausgewiesenen Änderungen zu verwenden. Wem die Performance der Referenzkarte nicht reicht oder wer sie sparsamer machen möchte, sollte dann in jedem Falle auf eine Software-Lösung setzen.

Doch auch bei solchen Tools kann es zu Problemen kommen, wie wir selbst feststellen konnten. Crimson nutzt für die Trickserei mit dem Kompatibilitäts-Modus nämlich das I2C-Protokoll, um mit dem PWM-Controller der Spannungsversorgung zu kommunizieren.

Überschreibt dann ein Übertaktungs-Tool die von Crimson gesetzten Werte wieder, ist zumindest die Funktion dieses Modus’ wieder ausgehebelt. Man sollte also in jedem Fall vorher genau überlegen, was man wirklich zu tun im Begriff ist.

Und was ist mit dem Idle? Nichts, leider.

AMD hatte uns direkt nach dem Launch versprochen, sich auch um die sehr hohe Leistungsaufnahme im Idle zu kümmern. Da ja mittlerweile nun doch schon einige Monate ins Land gegangen sind, haben wir einfach noch einmal überprüft, ob sich hier etwas zum Positiven gewendet hat.

Dies ist jedenfalls bis jetzt nicht der Fall, was wir sehr schade finden. Denn diese unzeitgemäß hohen Werte von bis zu 17 Watt im Leerlauf hatten wir auch vor Jahren schon.

Fazit

Wer über den nicht funktionierenden Kompatibilitätsmodus jammert, ist also selbst schuld – sei es durch einen unbedachten BIOS-Mod oder Drittanbietersoftware zum Software-basierten Überschreiben von Vorgaben der Firmware. AMD kann in diesem Fall definitiv nichts dafür.

Man sollte einen solchen Fall also mit der nötigen Gelassenheit und dem richtigen Equipment angehen, bevor die Wogen der emotionalen Entrüstung wieder hochschlagen. Zumindest kann man daraus lernen, nicht jeder Modding-Blase blind zu folgen, wenn man die Folgen nicht abschätzen kann.

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