AMD Radeon RX 470 4GB: Flotter Einstieg ins Mainstream-Gaming

Messmethodik und grafische Darstellung

Rückschließend auf unsere Erfahrungen bei den Nachtests zur Radeon RX 480 und dem Leser-Feedback haben wir die Auswertung unserer Daten während und nach den eigentlichen Messungen noch einmal gründlich überarbeitet.

Neben den doppelt so großen Messintervallen dient vor allem ein Low-Pass-Filter in der Hardware und ein zusätzlicher, variabler Filter in der Auswertungssoftware dafür, die sehr kurzzeitige Lastspitzen (und Lastabfälle) in ihrem zeitlichen Aufeinanderfolgen so zu bewerten, dass sie in jedem Fall plausibel bleiben. Der so entstehende Kurvenverlauf ist nun deutlich flacher als in älteren Diagrammen, wird aber im Gegenzug auch weniger irritieren.

Zur Erinnerung: Wie wir generell messen und welche Methodik sowie welches Equipment wir dabei benutzen, kann man jederzeit im Artikel Grundlagen GPUs: Leistungsaufnahme, Netzteilkonflikte & andere Mythen nachlesen.

Wir haben zudem deutlich großformatigere Kurvendiagramme hinterlegt, die für eine Vollbildansicht angeklickt werden können. Außerdem haben wir die Themenbereiche neu gegliedert und arbeiten zusätzlich noch mit deutlich mehr vergleichenden Balkengrafiken und auch Szenarien, die wir gemessen haben. Parallel zur Leistungsaufnahme untersuchen wir auch noch die fließenden Ströme und die Einhaltung der entsprechenden Normen. Das Test-Equipment als solches hat sich gegenüber den vorangegangenen Tests jedoch nicht geändert:

Leistungsaufnahme
Messverfahren:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den Stromschienen
Messgeräte:
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, getriggert
(500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion)
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter
(1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012
(Digitalmultimeter mit Speicherfunktion)

Leistungsaufnahme bei verschiedenen Lasten

Wir haben neben den üblichen Messungen diesmal auch zusätzlich weitere Spiele einbezogen. Allerdings sehen wir auch, dass unsere eigentliche Benchmark-Szene aus Metro: Last Light immer noch am forderndsten ist, jedoch dicht gefolgt von Doom, wo die gemessenen Werte fast ebenso hoch liegen. Zwischen Ashes of the Singularity und Metro: Last Light liegen weniger als vier Watt, was auch zeigt, dass die Karte fast immer bis ans Limit ausgelastet war.

Der als grauer Balken ausgeführte, sogenannte Peak-Wert, stellt die trotz der eingangs beschriebenen Glättung verbliebenen, kurzen Lastspitzen in Form eines Maximalwertes dar und ist für die Praxis ohne wirklichen Belang – denn die Zeiträume sind immer noch viel zu kurz, um mögliche Folgen zu haben und somit auch nicht relevant genug für einen Einfluss auf unsere Bewertung. Die richtig kurzfristigen, extremen Lastspitzen werden aufgrund der Glättung ja sowieso nicht mehr berücksichtigt.

Belastung der Spannungsversorgungsanschlüsse

Jetzt gehen wir etwas näher ins Detail und schauen uns die Aufteilung der Lasten bei ordentlicher (und realer) Gaming-Last, sowie beim Stresstest an. Da der 3,3-Volt-Mainboard-Anschlusss nicht signifikant genutzt wird (maximal 1 Watt, meist weniger), werden wir ihn im Folgenden auch nicht mehr in die verbale Auswertung mit einbeziehen.

Viel wichtiger ist jedoch die Balance zwischen den beiden 12-Volt-Versorgungsschienen, also dem Mainboard-Anschluss und dem externen PCIe-Connector. Während Asus das Design so gestaltet hat, dass auf dem auf dem Mainboard-Slot noch weit weniger als die mögliche Last anliegt, läuft der 6-polige PCIe-Anschluss bereits leicht außerhalb der Norm:

Um jetzt allen, die bereits eine nächste Sensation wittern, gleich entscheidend zu begegnen:
Ja, es ist unschön (und vor allem auch unnötig), aber es wird definitiv nichts passieren, außer dass man der Karte wohl das PCI-Logo verweigern wird.

Wir haben Asus bereits kontaktiert und es sollte sicher möglich sein, diese Balance noch etwas mehr in Richtung Mainboard-Slot zu verschieben.

Trotzdem ist die Karte mit fast 145 Watt auch ohne Erhöhung des Power Limits im Wattman bereits kaum noch als normgerechtes 6-Pin-Design realisierbar, da man real ja nur 66 + 75 Watt zur Verfügung hat und die gern kolportieren 150 Watt wirklich nur dann zustande kommen, wenn das Mainboard deutlich übervoltet und dadurch der Toleranzbereich am 12-Volt-Mainboardanschluss voll ausgenutzt wird.

Es wird allerdings weder irgendetwas an Funktionalität einbüßen, noch irgendwelche Hardware Schaden nehmen. Davon ist man wirklich weit entfernt. Aber wenn man schon einen 8-Pin vorsieht, dann sollte man ihn am Ende eben auch verlöten. Norm bleibt Norm.

Nachfolgend das Ganze noch einmal als anklickbare Diagramme mit den jeweiligen Verlaufskurven für Gaming und Stresstest:

Da sich die Normen (PCI SIG) aber nur auf die fließenden Ströme beziehen, betrachten wir nun die nachfolgenden Diagramme, denn die Leistungsaufnahme ist nur die halbe Miete. Mit deutlich unter 5 Ampere am Mainboard-Slot ist man jedoch auf jeden Fall auf der sicheren Seite (PCI-SIG-Norm: max. 5,5 Ampere) und hätte sogar noch etwas Reserve für die oben bereits angesprochene Balanceverschiebung:

Natürlich gibt es auch für die gemessenen Ströme noch übersichtliche Großbilder:

Leistungsaufnahme im Vergleich zu anderen Karten

Abschließend wollen wir noch sehen, wo sich die Asus Radeon RX 470 im Vergleich zu den anderen Karten einordnet, denn wir haben hierfür die höchsten gemessenen Werte der Benchmarks verwendet, die auch den Messungen der älteren Karten zugrunde lagen:

Die Leistungsaufnahme beim Gaming sinkt im Vergleich zur Referenzkarte der Radeon RX 480 deutlich, liegt jedoch im Multi-Monitor-Setup und der Blu-ray-Widergabe vergleichsweise immer noch viel zu hoch, wenn man sieht, was durchaus möglich wäre. Die 150-Watt-Marke bleibt unberührt, was diese Karte auf alle Fälle immer dann interessant macht, wenn beim Nachrüsten oder dem Neubau nur eingeschränkte Optionen bei der Spannungsversorgung bleiben. Sie ist durchaus sparsam, zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

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