Nvidia GeForce GTX 1060 FE 6GB: Pascal für den Mainstream

Benchmark-Auswahl

Das generell größte Problem ist wie immer die Benchmark-Auswahl. Aufgrund der zeitlich extrem aufwändigen und auch von der Anzahl her sehr langwierigen Messreihen mussten wir uns auch diesmal wieder auf einen einzelnen Benchmark festlegen, der uns trotz allem zwei volle Arbeitstage abforderte.

Wir haben erneut auf Metro: Last Light zurückgegriffen, da dieser Benchmark sehr ausgeglichen auf Nvidia- und AMD-Karten reagiert und auch heute noch ein gutes Verhältnis aus Anforderung und fälliger Leistungsaufnahme bietet. Aufgrund des Leser-Feedbacks haben wir die Vorgaben jedoch etwas abgeändert und breiter gefächert.

Um wirklich repräsentativ zu sein, testen wir deshalb in insgesamt drei Auflösungen (Full-HD, WQHD, Ultra-HD) und auch nur mit hohen statt sehr hohen Voreinstellungen. Wir haben diese Einstellungen gewählt, weil sowohl bei der GeForce GTX 1060 Founders Edition im OC-Modus als auch bei der Radeon RX 480 erst in der höchstem Bildschirmauflösung die maximalen Leistungsaufnahmewerte anfallen.

Natürlich gibt es Spiele, bei denen die GeForce GTX 1060 im Vergleich zur Radeon RX 480 überdurchschnittlich gut (BF4, GTA V, Project CARS, Rise of The Tomb Raider) oder auch schlechter (Witcher 3) skaliert bzw. auf Grund fehlender Treiberoptimierungen sogar schlechter dasteht (Hitman, The Division).

Aber: Im Durchschnitt aller zur Verfügung stehenden Benchmarks legt Metro: Last Light mit unseren speziellen Settings für diesen Effizienztest eine fast punktgenau Landung zu den gemittelten Ergebnissen aller Daten hin.

In Summe verzeichnen wir einen Vorsprung der Nvidia-Karte von knapp 10 Prozent in Full-HD (1080p), rund 15 Prozent in WQHD (1440p) sowie reichlich 25 Prozent in Ultra-HD (2160p) – wobei wir diese hohe Auflösung eher als Sonderfall sehen.

Leistungsaufnahme und erreichte Taktfrequenz

Die Radeon RX 480 läuft hier natürlich außer Konkurrenz und nur der Vollständigkeit halber mit, denn der Artikel befasst sich ja mit der GeForce GTX 1060.

Wir haben sowohl das Minium an erreichbarer Leistungsaufnahme als auch das Maximum bei der erreichbaren Übertaktung ermittelt und dann in vielen Einzelschritten versucht, zwischen diesen beiden Eckwerten pro Auflösung eine Messreihe ablaufen zu lassen, die uns die passenden Kurven liefert.

Die Y-Achse gibt dabei Auskunft über die Leistungsaufnahme bei den jeweiligen Boost-Taktraten, die auf der X-Achse dargestellt werden.

Die GeForce GTX 1060 startet in allen drei Auflösungen bei 60 bis 62 Watt, was in einer durchschnittlichen Boost-Taktrate von ungefähr 1500 MHz resultiert. Stellt man das Power Target auf 116 Prozent und die Lüfterdrehzahlen manuell auf 100 Prozent, dann reicht dies für Taktraten zwischen 2050 und knapp 2100 MHz, wie wir sie schon von der GeForce GTX 1070 und GeForce GTX 1080 her kennen.

Die Radeon RX 480 startet mit einem GPU-Takt von 850 bis 900 MHz im als stabil ermittelten “Power-Save-Mode” (0,85 Volt als Maximum) und endet bei knapp 1300 MHz, die jedoch gegenüber den 1250 MHz der Default-Einstellungen nur kaum merkliche Vorteile mit sich bringen.

Gaming-Performance und Leistungsaufnahme

Jetzt wird es schon wesentlich interessanter! In der linken Y-Achse sehen wir nun die erreichten FPS-Werte, die X-Achse zeigt die dafür nötige Leistungsaufnahme in Watt. Nimmt man nun die horizontalen Hilfslinien als optische Orientierung, dann sieht man, dass die GeForce GTX 1060 beispielsweise in Full-HD (1080p) für die 130 FPS ganze 61 Watt an Leistung aufnimmt, während die Radeon RX 480 dafür trotz angepasster Spannung bereits ca. 139 Watt benötigt.

Für die 90 FPS in WQHD (1440p) notieren wir am Einstiegspunkt für die GeForce wieder knapp 62 Watt und für die Radeon RX 480 diesmal bereits 146 Watt. In Ultra-HD ist gar kein Vergleich mehr möglich, da die Radeon RX 480 hier unerwartet einbricht und selbst bei 164 Watt Leistungsaufnahme mit den 48,6 FPS noch unter den 50,3 FPS der GeForce GTX 1060 im Sparmodus und reichlich 62 Watt Leistungsaufnahme bleibt.

Sicherlich ist dies kein DirextX-12-Vorzeige-Benchmark – doch man hat uns ja gebeten, möglichst praxisnah zu testen. Und die aktuelle Realität sieht immer noch so aus, dass es bis auf vereinzelte Ausnahmen nichts gibt, was der Radeon RX 480 einen so immensen Leistungsschub geben könnte, dass das Verhältnis von Performance und Leistungsaufnahme dann wirklich gravierend anders aussehen würde.

Wohlgemerkt geht es hier immer noch um die Effizienz und nicht die absolute Performance!

Um aber zum eigentlichen Testobjekt zurückzukommen: Wie schon unser Effizienzvergleich von GeForce GTX 1070, GTX 1080 und GTX 980 Ti gezeigt hat, lässt sich mit der bloßen Reduzierung des Power-Targets enorm an der aufgenommenen Leistung sparen. Dass dabei auch Kompromisse in Kauf zu nehmen sind, werden wir gleich noch zeigen.

Frame-Time-Verläufe zur Nachkontrolle

Natürlich sind durchschnittliche FPS-Zahlen nur die halbe Wahrheit, denn es nützt keinem etwas, wenn das Bild unrund wirkt. In Full-HD liegen die Kurven der GeForce GTX 1060 im Spar-Modus (hellgrün) und die der Radeon RX 480 im Normalmodus (hellrot) ziemlich genau übereinander. Wobei hier grafisch bestätigt wird, was wir auch subjektiv vermerkten: Die Radeon RX 480 liefert das etwas ruhigere Bild.

Versucht man sie jedoch bei der Leistungsaufnahme zu drosseln, werden ihre Frame-Times deutlich schlechter. Die GeForce GTX 1060 gewinnt durch die Übertaktung übrigens noch leicht hinzu. Wer also in Full-HD ohne sichtbare Einbußen sparen möchte, sollte die 90-Watt-Marke nicht deutlich unterschreiten. Ein Klick auf die Grafik zeigt eine deutlich größere Darstellung der Kurvenverläufe:

In WQHD (1440p) ergibt sich zunächst ein ähnliches Bild, wobei sowohl die ausgebremste GeForce GTX 1060 als auch die normal betrieben Radeon RX 480 gegenüber der GeForce GTX 1060 im Nomaltakt und mit OC jedoch etwas mehr einbüßen.

Die Bildqualität beider Karten ist hier in etwa identisch. Betreibt man die GeForce GTX 1060 jedoch mindestens mit dem Originaltakt und unverändertem Power Target, dann sehen die anderen Varianten keinen Stich mehr. Die Radeon RX 480 im Sparmodus ist auch hier das einsame Schlusslicht.

In Ultra-HD zeigt sich deutlich, dass der FPS-Einbruch der Radeon RX 480 mit deutlich schlechteren Frame-Times einhergeht. Man sieht aber auch, dass die Übertaktung der GeForce GTX 1060 durchaus merkliche Früchte trägt, selbst wenn man diese hohe Auflösung nur dann nutzen kann, wenn man die Qualitätseinstellungen minimiert.

Aber letztlich sind weder die GTX 1060 noch die RX 480 4K-Grafikkarten; das muss man einfach fairerweise noch hinzufügen.

Zwischenfazit

Das Übertaktungspotenzial ist zwar nicht extrem, aber doch vorhanden – und vor allem auch im “realen Leben” noch spürbar. Im Gegenzug lässt es sich mit der GeForce GTX 1060 auch noch ordentlich sparen: Zwar werden die maximal 62 Watt in der Sparversion durch etwas hibbeligere Frame-Times erkauft, aber das Ergebnis ist schon eine echte Ansage. Um es nicht zu übertreiben, würden wir jedoch nie das absolute Minimum beim Power Target ausreizen wollen. Aber es zeigt sich auch hier, warum die Karte mit ganzen drei Phasen für die GPU auskommt.

Wer seinen Fokus nicht auf die Leistungsaufnahme setzt, kann sicher in vielen Fällen auch mit einer Radeon RX 480 glücklich werden, muss dann aber zumindest mit höherer Abwärme und kleineren Einschnitten bei der Spannungsversorgung leben. Für alle, deren Netzteil jedoch extrem knapp auf Kante genäht ist, könnte die GeForce GTX 1060 zur besseren Wahl werden. Das gilt vor allem für Fertig-PCs, die lediglich ein einfach belegtes 6-Pin-PCIe-Anschlusskabel besitzen.

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