AMD Radeon RX 480 im Test: Kann Polaris gegen Pascal kontern?

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Bei der Leistungsaufnahme haben wir diesmal noch genauer als sonst hingesehen, denn wir wurden das Gefühl nicht los, dass die Karte eigentlich für niedrigere Taktraten und damit auch eine niedrigere Leistungsaufnahme konzipiert worden sein muss. Doch darauf und warum wir eigentlich einen 8-Pin-PCIe-Spannungsversorgsanschluss erwartet hätten kommen wir gleich noch.

Wir messen wie immer so, wie wir es in unserem Grundlagenartikel Grundlagen GPUs: Leistungsaufnahme, Netzteilkonflikte & andere Mythen transparent und ausführlich beschrieben haben.

Das Test-Equipment als solches hat sich gegenüber den vorangegangenen Tests nicht geändert:

Leistungsaufnahme
Messverfahren:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den Stromschienen
Messgeräte:
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, getriggert
(500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion)
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter
(1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012
(Digitalmultimeter mit Speicherfunktion)

Bei den Minimal- und Maximalwerten in den nachfolgenden Balkengrafiken bitten wir zu beachten, dass die jeweiligen Extreme nicht immer gleichzeitig auftreten müssen. Deshalb ist der Wert für die Summe innerhalb eines Messintervals nicht zwingend identisch mit der Summe aller Teilwerte für die einzelnen Rails, die aus anderen Messintervallen stammen können.

Leistungsaufnahme im Idle und bei niedrigen Lasten

Da die Karte nur bis 300 MHz heruntertaktet (sowohl die GPU als auch der Speicher) sind die gemessenen 16 Watt (Multimonitor-Betrieb: 19 Watt) eine ziemlich hohe Hausnummer und reichlich unzeitgemäß. Wir möchten zusätzlich darauf hinweisen, dass sich die Messungen im Idle etwas schwieriger gestaltet haben, da sich das Lastverhalten auch beim eigentlich leeren Desktop sporadisch ändern kann und die Radeon RX 480 ziemlich schnell reagiert und höher taktet, obwohl der Minimaltakt an sich ja bereits recht hoch ausfällt.

Blu-Ray-Widergabe und das Abspielen von 4K-MKV-Containern schlägt übrigens mit 36 bis 42 Watt zu Buche, was akzeptabel, aber nicht wirklich herausragend ist.

Doch kommen wir noch einmal zurück zu unserer Leerlauf-Messung: Anstelle einer Tabelle verwenden wir nun auf Wunsch vieler Leser eine Balkengrafik, die die Lastverteilung zwischen den einzelnen Spannungsschienen bzw Anschlüssen und der Gesamtleistungsaufnahme in der Summe zeigt:

Wir sehen, dass die siebente Phase für den Speicher mit zwei Watt im Durchschnitt und drei Watt in der Spitze belastet wird, während sich die Lasten der restlichen Phasen auf den 12-Volt-Schienen aufteilen, jedoch überwiegend auf die drei Phasen der PCIe-Anschlüsse entfallen. Würde sich dies bei höheren Lasten exakt so fortsetzen, wäre die Welt mit Sicherheit in Ordnung.

In der folgenden Bildergalerie sind alle Detailbilder der Messungen und Auswertungen noch einmal zusammengefasst:

Zusammenfassend stellen wir diesen Wert nun noch einmal ausgewählten Grafikkarten gegenüber:

Leistungsaufnahme im Gaming-Loop

Der folgende Loop ist exemplarisch, weil er GPU und Speicher gleichermaßen auslastet und keinerlei CPU-Limit auftreten kann. Außerdem kommt er, trotz sehr unterschiedlicher Teillasten im Szenenablauf, dem eigentlichen Worst-Case schon sehr nahe. Um unsere nachfolgene Kritik wirklich zu verstehen, haben wir die Verteilung über die Anschlüsse erneut als Balkengrafik dargestellt.

Man muss sich das Ganze erst einmal wirklich auf der Zunge zergehen lassen und wird man auch verstehen, warum wir bei der Vorstellung der Platine sowohl den fehlenden 8-Pin-Anschluss als auch die Spannungsversorgung an sich mit einem leichten Ausrufezeichen versehen haben.

Mit satten 164 Watt im Durchschnitt liegt man nicht nur deutlich über dem selbst gesteckten Ziel, sondern ruft auf Grund der etwas unglücklich gewählten Lastenverteilung im Durchschnitt 86 Watt über den Mainboard-Slot ab. Das ist um so ärgerlicher, als das Limit auf der 12-Volt-Leitung ja nicht 75 Watt für diesen Anschluss beträgt, sondern deutlich weniger, weil es sich bei der Norm um eine Combined-Angabe für mehrere Spannungschienen handelt.

Mit Lastspitzen bis zu 155 Watt (!) gefährdet man zwar auf Grund der kurzen Intervalle die Hardware noch nicht direkt, jedoch sind Konflikte mit dem PC-Audio-Part günstigerer Mainboard-Layouts geradezu vorprogrammiert! Interferenzen sind dann als “You Can Hear What You See”  bei Lastwechseln (Scrollen, Gaming-Szenen usw.) deutlich hörbar.

Außerdem stellen wir das von AMD propagierte Crossfire-Gespann ein wenig in Frage, denn mit über 160 Watt für zwei Karten ist der 24-Pin-Mainboard-Anschluss mehr als nur durchschnittlich ausgelastet. Betrachtet man statt der nüchternen Balken jetzt auch noch die Messkurven, dann wird man das eben Geschriebene noch besser verstehen:

Im Detail und auf Spannungsschienen bzw. Anschlüsse aufgegliedert, sieht das Ganze dann so aus;

Kommen wir nun noch einmal auf die Geschichte mit dem 8-Pin-Anschluss zurück: So ein kleiner 6-Pin-Anschluss impliziert zwar Sparsamkeit, aber man wäre mit Sicherheit besser beraten gewesen, das Balancing der sechs Phasen gleich auf 180 Watt auszulegen und die Anteile jeweils auf ca. 30 Watt pro Phase aufzusplitten. Dann hätte man mit zwei Phasen im schlimmsten Fall 60 Watt erreicht und den Mainboard-Anschluss deutlicher entlastet.

Wir haben übrigens bewusst auf eine Übertaktung/ein Übervolting der Grafikkarte in einem längeren Test samt Langzeitmessung verzichtet, weil wir die dann anliegenden noch höheren Leistungsaufnahmen – bis zu 100 Watt Durchschnitt und Spitzen bis 200 Watt! – nicht dem Mainboard unseres Testsystems zumuten wollten.

Die Gesamtübersicht der ausgewählten Grafikkarten wollen wir natürlich auch nicht vorenthalten:

Stresstest

Ein bisschen schlimmer geht aber immer – und so steigern wir die Leistungsaufnahme noch einmal ein klein wenig. Mit knapp 90 Watt auf dem PEG-Slot (PCI Express for Graphics) liegt die Karte dann mit fast 20 Prozent Überlast doch böse im Minus.

Zur Klarstellung: Es wird sicher nichts verbrennen, aber Normen gibt es, um sie zu beachten. Vor allem die Peripherie um den Slot herum bzw. entlang der Leiterbahnen vom PEG bis hin zum 24-Pin-Mainbaord-Anschluss wird unter den hohen Spikes leiden, was je nach Mainboard dann auch zu den bereits erwähnten Negativbeeinflussungen im Audiobereich führen könnte.

Auch hierfür gibt es die gewohnt detaillierte Einzelansicht aller Messkurven, die für sich sprechen:

Beim Vergleich im Stresstest sehen wir, dass manche GeForce-Karten sogar weniger an Leistung aufnahmen als noch beim Gaming-Loop, weil Boost den “Power-Virus” erkennt und künstlich abriegelt:

Zwischenfazit

Die Effizienz ist erst einmal deutlich gestiegen – wenn auch nicht ganz so hoch wie man es sich vielleicht erwartet und erhofft hatte. Die angegebene TDP wird allerdings merklich überschritten und die Verteilung zwischen PEG und PCIe-Anschluss ist alles andere als optimal. Hier sind dann die Board-Partner gefragt, um nicht dieselben Nachlässigkeiten zu begehen.

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