AMD Radeon RX 480 im Test: Kann Polaris gegen Pascal kontern?

Ein neuer Display-Controller

Unsere amerikanischen Kollegen berichteten bereits Ende letzten Jahres über einige der Verbesserungen des Display-Controllers von Polaris – das ist mittlerweile allerdings auch schon wieder sieben Monate her.

Bis jetzt wussten wir nur, dass die neue GPU-Generation den DisplayPort 1.3 High Bit Rate 3 Mode unterstützen würde. Dieser erlaubt es, bereits vorhandene Verbindungskabel und Stecker zu nutzen, um bis zu 32,4 GBit/s auf vier Lanes zu übertragen. Die aktualisierten Controller-Spezifikationen beinhalten nun aber auch Unterstützung für DisplayPort 1.4-HDR. Das sorgt zwar für keine Verbesserungen hinsichtlich der möglichen Übertragungsraten, aber bringt Display Stream Compression 1.2 mit: Dadurch wird es möglich sein, 4K-Inhalte bei bis zu 10 Bit Farbtiefe und 96 Hz zu übertragen. Auch die Möglichkeit zur Darstellung des Rec. 2020 Farbraums ist Teil der Spezifikationen von DisplayPort 1.4.

Kurzfristig sieht AMD aber DisplayPort 1.3 in der Pflicht, FreeSync bei 4K-Inhalten zu ermöglichen; Displays mit entsprechenden 120-Hz-Panels sollen bis Ende 2016 erhältlich sein. Offensichtlich wird es aber mehr Grafikleistung brauchen, als eine RX 480 bieten kann, um ein 4K Panel mit ausreichend hohen Frameraten zu füttern. Schließlich macht ein verschwenderisch teures Premium-Display erst dann Sinn, wenn auch die vorhandene Grafikleistung stimmt. Dennoch lautet die offizielle Info weiterhin, dass das neue Vega-Design mit HMB2-Sepicher nicht vor 2017 erscheinen soll.

Wir haben zwar Polaris’ HDR-Support bereits letztes Jahr beleuchtet (siehe oben), aber AMD pocht darauf, dass seine Display-Pipeline für 10-Bit-HDR-Displays der ersten Generation fit ist und auch mit 12-Bit-HDR klarkommt. Die Display-Color-Engine ist sehr gut programmierbar und ermöglicht Gamut-Remapping, Gamma-Kontrolle, Floating-Point-Berechnungen und 1:1-Mapping mit jedem beliebigen Display.

Encode/Decode-Videobeschleunigung

Auf seinem Höhepunkt seiner Entwicklung war ATI für die Performance und Qualität seiner Video-Decode-Hardware-Beschleunigung berühmt, die die Playback-Last vom Host-Prozessor auf eine Kombination aus programmierbaren Shadern und Festfunktionsblöcken auf der GPU verschob. 

Uns liegen zwar keine Unterlagen vor, anhand derer wir sagen könnten, wo genau der Decoder von Polaris spezifische Aufgaben ausführt, aber wir wissen, dass er UVD-basiert ist und somit wahrscheinlich grundsätzlich Fixed-Function-basiert arbeitet. AMD führt unter Nutzung des Main-10-Profils HEVC-Decode mit bis zu 4K60 auf, was ein 4:2:0-Format in 10 Biut erlaubt (letztlich läuft alles darauf hinaus, HDR möglich zu machen). VP9-Decode wird in Hardware unterstützt, obwohl AMDs Treiber es bislang noch nicht anbieten – wir wissen lediglich, dass das Feature für ein kommendes Update geplant ist. Man kann wenigsten von Profil-2-Kompatibilität ausgehen, wenn AMD HEVCs 10-Bit-/4:2:0-Chroma-Subsampling für HDR schaffen will. Nicht ganz so bedeutungsvoll, aber vorhanden: Hardware-Beschleunigung für das M-JOPEG-Format mit bis zu 4K30.

Die Evolution von AMDs Video Coding Engine ist noch weniger gut dokumentiert. Wir wissen, dass Polaris 8-Bit-HEVC mit bis zu 4K60 kodieren kann – aber GCN-1.2-basierte GPUs sind ähnlich bestückt. Wie es aussieht, arbeitet AMD an einer Erweiterung der Liste von Anwendungen, die mit seiner VCE kompatibel sind. AMDs eigener Gaming-Evolved-Client ist natürlich dabei. Aber die Liste enthält auch die Open-Broadcaster-Software, die bislang nur QuickSync und NVEnc unterstützte. Plays.tv findet sich hier auch  – und das macht auch Sinn, schließlich wurde dieses soziale Netzwerk von der gleichen Firma entwickelt wie der Gaming-Evolved-Client.

WattMan: AMDs im Treiber eingebettetes Tuning-Utility

Nvidia verlässt sich auf seine Partner, wenn es um tiefschürfende Performance-Tweaks und Überwachungsfunktionen für die GPUs der Firma geht. Manchmal muss man daher auf EVGA, Asus,. Gigabyte und MSI warten, bis die ihre Utilities entsprechend aktualisiert haben, damit sie eine neue GPUs erkennen. Dafür haben es manchmal schon Featurs in solche Software geschafft, die garantiert nicht dort sein sollten, wenn man es aus Nvidias Sicht betrachtet. Aber natürlich hat das Ganze auch sein Gutes, denn wenn etwas schiefgeht, steht Nvidia nicht in der Verantwortung und ist fein raus.

AMDs Ansatz unterscheidet sich ein bisschen von der Strategie des grünen Lagers. Sein CCC (Catalyst Control Center) enthielt früher die OverDrive-Funktion, die die Überwachung von Aktivität, Taktraten, Temperatur und Lüftergeschwindigkeit erlaubte sowie Anpassungsmöglichkeiten von Power-Limit, GPU-/Speichertakt und Lüfterkurve bot. Die möglichen Einstellungen waren sorgfältig kontrolliert, so dass man genügend Luft nach oben hatte, aber eben nicht so viel, dass man sein Board damit grillen könnte.

Mit dem Launch der Radeon RX 480 führt AMD nun sein “WattMan”-Panel in dem Fenster der Radeon-Einstellungen ein.

Beim Öffnen von WattMan wird dem Anwender ein Interfacemit GPU- und Speichertakt, Temperatur, Lüftergeschwindigkeit und Aktivität angezeigt. All diese Features kann man auf Wunsch darstellen oder verbergen lassen. Es gibt außerdem einen Umschalter zwischen Spitzen – und Durchschnittswerten. Schließlich kann man sich noch den Status entweder global anzeigen lassen oder auf eine einzelne Anwendung fokussieren und Daten aufzeichen, sobald sie geöffnet wird.

Die gleiche Flexibilität findet man bei den Performance-orientierten Settings von WattMan: Man kann die RX 480 auf einer globalen Ebene tunen oder das Workload-abhängig für einzelne Anwendungen tun. Ganz ähnlich zur GeForce GTX 1080/1070 und EVGAs PrecisionX-Tool bietet WattMan eine dynamische Kurve mit sieben Zuständen, deren Taktfrequenzen und Spannungswerte man anpassen kann.

Der Speicher kann ebenfalls angepasst werden (bis zu 2250 MHz bei der Radeon RX 480), wenn auch nur an einem einzigen Punkt. Im Eingabefeld für die Spannung kann man den gewünschten Wert in Millivolt angeben, der dann auch punktgenau umgesetzt wird.

Wenn man die Automatik abschaltet, kann man individuell minimale und Zielwerte für die Drehzahl des Lüfters setzen. Alternativ kann man auch eine maximale und eine Wunschtemperatur definieren, die der Lüfter dann mit dynamisch angepassten Drehzahlen automatisch zu halten versucht.

In unserer Analyse der Leistungsaufnahme werdet ihr aber noch sehen, dass selbst eine moderate Anhebung des GPU-Takts um 100 MHz bei 1,15 Volt in einem massiven Ausschlag bei der aufgenommenen Energie resultiert, der zum Großteil vom PCIe-Slot gestemmt werden muss. Wir würden daher zur Vorsicht raten, wenn es Stand jetzt um WattMan-Spielereien an der RX 480 geht.

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