Für Gamer: Killer-LAN und -WLAN im Feature-Check

Im Laufe der letzten Jahre kristallisierte sich sowohl im Bereich der Computer-Hardware als auch ganz generell im Bereich der (Unterhaltungs-)Elektronik vielfach eine Tendenz zur Evolution in Form von Ausstattungsmerkmalen statt Performance-Revolution heraus.

In vielen Bereichen wurden Produkte mit einer zuvor ungeahnten Fülle an Möglichkeiten ausgestattet und das Ganze dann mit dem Namenszusatz “smart” versehen – ein Begriff, den der eine oder andere Leser und auch Redakteur schon beinahe nicht mehr hören kann.

Was unter anderem mit dem Wandel vom Handy zum Smartphone begann, setzte sich in anderen Bereichen fort und so gibt es heute smarte Steckdosen, smarte Monitore, smarte Gaming-Mäuse – und nicht zuletzt auch smart ducks.

Während sich so eine entsprechend smarte Ausstattungswelt um die Nutzer herum herausbildete, der in vielerlei Hinsicht auch die immer wieder bei den unterschiedlichsten PC-Komponenten heraufbeschworenen Gaming-Features entsprechen, blieb ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger Bereich überwiegend verschont von der explosionsartigen Zunahme an Ausstattungsmerkmalen und Möglichkeiten: Die Netzwerktechnologie, die doch ihrerseits wieder in der gegenwärtigen connected world die Basis für sowohl die Entstehung des gesamten Smart-Home-Bereichs als auch der enormen Popularität des Gaming an sich darstellt.

Die Pionierprodukte in diesem Bereich sind den meisten unserer Leser vermutlich geläufig: Die Killer-NICs. Anfangs vor allem wegen der sündhaft teuren Preise stark umstritten, haben sich diese mittlerweile auf Gaming-Mainboards für Desktop-PCs sowie Notebooks beinahe schon zum Standard entwickelt. Daneben gibt es im Prinzip nur noch Intel-Chipsätze, die neuerdings ebenfalls softwareseitig um gewisse Gaming-Funktionen erweitert werden. Realtek spielt hier nur noch im Einsteigerbereich eine Rolle.

Das Bündel an Features, das Killer LAN und WLAN aktuell bietet, hat aber nicht mehr viel mit den eigenen Ursprüngen gemein. Wenngleich es (leider) keinen eigenen Coprozessor mehr für die Regelung des Netzwerktraffics gibt – das übernimmt nun die verbaute CPU des PCs -, so ist die Fülle an Möglichkeiten doch immens gewachsen: Sämtlicher Netzwerkverkehr wird zugunsten von Spielen automatisch oder auf Wunsch auch manuell priorisiert (Advanced Stream Detect) und es lässt sich die zur Verfügung stehende Bandbreite festlegen (Visual Bandwidth Control). Geräte mit LAN- und WLAN-Chip von Killer bieten zudem DoubleShot Pro: Die schnellere Netzwerkverbindung wird dann automatisch für Spiele genutzt, die langsamere für restlichen Traffic. Die Hardware an sich gibt es für einen im Direktvergleich nur sehr geringen Aufpreis auf Mainboards für Desktop-PCs und Notebooks.

Die Killer-Produkte, die mittlerweile unter der Schirmherrschaft von Rivet Networks veröffentlicht und entwickelt werden, werden nun augenscheinlich sowohl im Bereich Hard- als auch Software schneller und zielstrebiger als zuvor weiterentwickelt. Das kurz angerissene Featureset richtet sich insbesondere an starke Muiltitasker und somit eine neue Generation an Gamern, die eben nicht ausschließlich vor dem PC sitzt und spielt, sondern nebenher ganz selbstverständlich Spiele-Videos streamt und Downloads tätigt.

Dieses Verhalten trifft sicher nicht auf das Gros der älteren Spieler zu, scheint jedoch mehr und mehr zuzunehmen. Davon zeugen auch Entwicklungen im Monitorbereich: So bietet Eizos FS2735 die Möglichkeit, Spielefeedback von gleichzeitig genutzten Android-Tablets auf dem Monitor anzeigen zu lassen.

Somit muss die Kernfrage lauten: Was kann Rivet Networks Killer-Netzwerkhardware dieser Spielergeneration anbieten?

Historie: Der lange Weg der zu Rivet Networks

Die meisten unserer Leser können sich vermutlich noch sehr gut an die berühmt-berüchtigten, ursprünglichen Killer-Netzwerkkarten erinnern: 2006 wurden mit der Killer NIC K1 und der noch etwas schnelleren M1 einschließlich ihres ikonischen Kühlkörpers die Erstlingswerke vorgestellt, damals noch unter dem Banner von Bigfoot Networks. Die M1 PCI-Karte verfügte über 64 Mbyte eigenen Speicher, einen 400 MHz schnellen MPC8343E Coprozessor aus der PowerQUICC II Pro-Familie von Freescale Semiconductors und basierten auf Broadcoms BCM5461 Gigabit-Ethernet-Chipsatz.

Mit Straßenpreisen von anfangs 200 und selbst später noch rund 90 Euro (K1) bzw. 140 bis 250 Euro (M1) waren die Netzwerkkarten aber reine Nischenprodukte für Enthusiasten und noch weit vom heutigen Verbreitungsgrad als Quasi-Standard in Gaming-Computern entfernt.

Es folgten weitere Kartengenerationen mit mehr Speicher, einem integrierten Audiochip (Killer Xeno Pro) und schließlich mit dem Killer 2100 ein neuer Chipsatz. 2011 übernahm Qualcomm Atheros die Lizenzrechte und entwickelte mit der Wireless-N 1202 die erste WLAN-Karte der Killer-Produktlinie sowie den Killer E2200 Gigabit-LAN Chip, der wenig überraschend auf der eigenen Technologie basierte (Qualcomm Atheros AR8161).

Seit 2014 heißt es nun wieder „Zurück zu den Ursprüngen“: Sowohl bestehende Killer-Produkte als auch Neuentwicklungen wie der E2400 Gigabit LAN-Chipsatz und das WLAN-Pendant Wireless AC-1535 laufen nun unter dem Banner von Rivet Networks. Dahinter stehen letztlich alte Bekannte: Michael Cubbage und Wayne Dunlap, die ehemaligen Gründer von Bigfoot Networks, sind auch die Gründer und CEOs von Rivet.

Die Produkte verstehen

Um die Produkte an sich richtig zu verstehen, muss zunächst einmal mit einem Vorurteil aufgeräumt werden, an dessen Entstehen die Vermarktung der ersten Generation an Killer-Netzwerkprodukten nicht ganz unschuldig war. Die Aussage „Killer NICs reduzieren die Ping-Zeit erheblich“ ist damals wie heute zumindest im Ansatz eine Fehlinformation: Kommuniziert nur ein Spiel über das Netzwerk und sonst nichts, dann hängen die Pingzeiten selbstverständlich maßgeblich vom ISP (und allenfalls in geringem Maß von der sonstigen lokalen Netzwerkstruktur) ab. Es handelt sich somit um eine Größe, auf die der Nutzer selbst also kaum Einfluss hat.

Aber bereits bei den ersten Killer-Netzwerkkarten ging es eigentlich um viel mehr: Nämlich die Priorisierung von Netzwerkverkehr und das Gewährleisten von genügen Bandbreite und guten Pingzeiten beim Spielen, während andere Anwendungen parallel Traffic im Netzwerk erzeugen. Der damalige Ansatz war im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten noch sehr begrenzt.

Testvorhaben: Basisgerüst mit Raum für mehr

Normalerweise bringen wir nur sehr selten Tests im Bereich Netzwerkinfrastruktur. Das hat einen guten Grund: Vergleichstests sind gerade im WLAN-Bereich mit normalen Mitteln kaum zu stemmen, schon gar nicht innerhalb eines Bürogebäudes, in dem es an jeder Ecke per WLAN, LTE und Bluetooth funkt. Das gilt auch für die meisten Privatwohnungen: Nahezu alles kann den WLAN-Funkverkehr stören und Vergleichsmesswerte somit zur Farce machen. Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom warnte Ende 2015 sogar vor dem negativen Einfluss von Christbaumbeleuchtungen auf die WLAN-Performance.

Theoretisch würde also für sinnvolle Vergleichsmessungen ein leerer und abgeschirmter Raum benötigt – und selbst dann können sich verwirrende Ergebnisse einstellen, denn WLAN-Signale sind unter anderem darauf angewiesen, von Wänden und anderen Gegenständen im Raum zurückgeworfen zu werden.

Aus diesem Grund können wir entgegen unseres üblichen Vorgehens nur in sehr beschränktem Umfang Vergleichswerte liefern – der zur Verfügung stehende Testzeitraum war hier zunächst zu kurz, um mehr in die Tiefe zu gehen. Wir planen jedoch schon einen Follow-Up-Artikel, der sich der Killer-Thematik, soweit das möglich ist, noch einmal gründlicher widmen soll. Doch dazu mehr im Fazit einschließlich eines Aufrufs an unsere Leser, Testwünsche zu äußern.

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