THDE liest: Blumen für Algernon – vom Trottel zum Genie

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Diese Zeitlosigkeit mag daran liegen, dass die Geschichte ein klassisches Beispiel für Soft-SF ist, Technik also nur als Mittel zum Zweck nutzt. Dass ihr dies gelingt, obwohl sie von 1958 ist, beweist diese Tatsache desto mehr.

Blumen für Algernon handelt vom retardierten Charlie Gordon, der zwar äußerst lernwillig, aber eben nicht lernfähig ist. Aufgrund seiner hohen Motivation wird ein Angebot an ihn herangetragen, mittels einer Operaton intelligent zu werden. Hierfür muss er eine Art Tagebuch in Form von Fortschrittsberichten schreiben. Die Geschichte besteht ausschließlich aus diesen Einträgen. Der Natur seiner anfänglichen Intelligenz entsprechend sind diese zu Beginn nicht ganz einfach zu lesen.

Ich möchte gern Intelgent sein Mein name ist Charly Gordon und ich Schafe in der Bäckerei Donner Mr Donner gibt mir 11 dollers die woche und brot und kuchen wen ich will. Ich bin 32 Jahre Alt und negsten monat ist mein Geburtstag.

Seine Kollegen sind gleichzeitig seine “Freunde” und obwohl sie sich nicht als solche verhalten, macht ihn deren Umgang glücklich, da er nicht versteht, dass sie sich nur über ihn lustig machen.

Sie gaben mir file getrenke und Joe sagte Charly ist ne numer wen er folgelaufen ist. Ich glaube das beteutet das sie mich gern haben

Durch die gewählte Form der Fortschrittsberichte spürt der Leser Charlys Entwicklung am eigenen Leib und diese Form geht deutlich über die reine Vermittlung der Geschichte hinaus. Der Leser nimmt direkt an Charlys Gefühlsleben teil und fiebert förmlich mit ihm. Während er noch auf die Verbesserung seiner Intelligenz wartet, muss er mit der zuvor auf die gleiche Weise operierten Maus Algernon in einem Labyrinth um die Wette laufen.

Mit wachsender Intelligenz verändert sich aber nicht nur die Form der Fortschrittsberichte sondern gleichzeitig auch seine Gefühlswelt. Er erkennt, dass seine “Freunde” alles andere als wahre Freunde sind und diese wiederum nehmen ihm seine Veränderung übel, weil diese sie ängstigt.

Je intelligenter Sie werden, desto mehr Probleme werden Sie haben, Charly. Ihr intellektuelles Wachstum wird Ihr emotionelles Wachstum überflügeln.

Eine Wendung nimmt die Geschichte, als Charlie in einem Restaurant sieht, wie ein tumber Tellerwäscher einige Schüsseln fallen lässt und er in das Gelächter der anderen Gäste einstimmt. In dem Kellner erkennt er sein früheres Ich und seine eigene Reaktion lässt ihn auf sich selbst wütend sein.

Wie sonderbar, dass anständig denkende und empfindende Leute, die einem ohne Arme oder Beine oder Augen geborenen Menschen gegenüber niemals ihre Überlegenheit ausspielen würden, nichts dabei finden, einen mit geringer Intelligenz geborenen Menschen zu verspotten.

Englische ErstauflageEnglische Erstauflage

Mut hat der Autor mit dem besonderen Ende des Buchs bewiesen. Schon bei der Veröffentlichung der Kurzgeschichte musste er für dieses Ende kämpfen. Bei der Buchausgabe lehnte er mehrere Verlagsangebote ab und zahlte sogar die Vorauszahlung an Doubleday zurück, bis er einen Verlag fand, der die Geschichte mit dem existierenden Ende übernahm.

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