Tom’s Hardware intern: So testen wir Lautsprecher, Kopfhörer und Geräuschemissionen

Update, 14.12.2015, 12 Uhr: Wir haben eine neue Seite 4 eingefügt, auf der wir detailliert beschreiben, wie wir möglichst objektiv den subjektiven Höreindruck (“Klang”) von Lautsprechern und Kopfhörern bewerten. Dies ist als finale Vorbereitung für unseren für übermorgen geplanten großen Vergleichstest von 2.0- und 2.1 Soundsystemen zu verstehen, der im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut werden wird.

Wir haben mittlerweile fast ein Jahr an unserem Projekt gearbeitet und sind inzwischen (fast) fertig. In unserem neuen Messraum in Chemnitz können wir nun eigentlich alles messen – von der Grafikkarte über Lautsprecher und Kopfhörer bis hin zu Gehäusen und Lüftern. Die Realisierung ist zudem reichlich ungewöhnlich, denn es handelt sich nicht einfach um einen zweckmäßig ausgekleideten Raum. Stattdessen konnten wir eine Idee umsetzen, die sonst nur sehr viel kostenintensiver hätte realisiert werden können: Den Raum im Raum.

Wer bei dieser Abbildung an einen großen Lastenaufzug denkt, der liegt goldrichtig. Und da die Türen trotz innerer Verkleidung nicht ganz so toll sind wie die restlichen dicken Mauern, haben wir eine zusätzliche Zarge auf Rollen gebaut, die mit Spezialschaumstoff gefüllt wurde und die Türöffnung während der Messungen komplett und dicht von außen abschließt (siehe nachfolgendes Bild).

Der Trick mit dem stillgelegten Aufzug ist eigentlich simpel – man muss nur erst mal darauf kommen! Die knapp vier Tonnen schwere, recht geräumige und zudem sehr verwindungssteife Kabine ist doppelwandig ausgeführt, bereits ab Werk in den Wänden mit PU ausgeschäumt und berührt die Außenwelt nur an einer einzigen Stelle – nämlich dort, wo sie auf Dämpfern abgestellt wurde.

Natürlich kann man so noch nicht messen und auch die Reflexionen im Inneren waren nicht von schlechten Eltern. Deshalb haben wir diesen Raum aufwändig und in mehreren Lagen komplett verkleidet. Die unterste Lage besteht dabei aus einem sehr dichten Spezialschaumstoff (RG 75), mit dem wir Decke, Wände, Türen und Fußboden verkleidet haben – und zwar teilweise mehrlagig. Als oberste Lage dient dann spezieller Pyramidenschaumstoff, den wir abgesehen vom Fußboden ebenfalls überall angebracht haben. Der Fußboden erhielt schließlich auf dem Schaumstoff einen Belag aus sehr weichen Gitterplatten und als Abschluss nach oben eine dicke Filzauflage.

Neben fast 200 m² verschiedenster Schaumstoffe wurden einschließlich des Fußbodens insgesamt acht Liter Sprühkleber verbraucht, was eine längere Entlüftung nach sich zog. Natürlich wurden auch andere, wichtige Details nicht vergessen. So nutzen wir im Raum selbst für die Aufstellung der Messobjekte spezielle, resonanzarme Blöcke aus Kunststoff, die einerseits die Raumcharakteristik nicht beeinflussen und andererseits die Messergebnisse nicht negativ beeinflussen.

Natürlich ist unser Messraum nur eine semi-professionelle Lösung, die sich definitiv nicht mit den deutlich teureren Spezialräumen messen kann, die sich beispielsweise größere Unternehmen, Universitäten oder Messlabore leisten können. Jedoch ist diese Lösung für uns die Obergrenze des Machbaren und aus unserer Sicht allemal ausreichend für das, was wir für die tägliche Arbeit benötigen.

Kabeldurchführung, Abstand zwischen Außenwänden und frei stehender Kabine, noch ungedämmtKabeldurchführung, Abstand zwischen Außenwänden und frei stehender Kabine, noch ungedämmt

Direkt neben unserem Messraum nutzen wir eine weitere Räumlichkeit als Kontrollraum, von dem aus wir alle Tests steuern können. Im Messraum stehen uns dank eines speziellen Kabelschachts vielfältige Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehört die Mikrofonleitung, eine weiteres Stereo-NF-Kabel (Klinke, Chinch), Lautsprecherkabel, HDMI und USB sowie ein zuschaltbarer 230-Volt-Anschluss für aktive Lautsprechersysteme. Hinzu kommen noch der VGA-Bench-Table und die zu testenden PC-Gehäuse.

Wenn es nachts leise ist (und nur dann messen wir), sind Werte von 20 dB(A) und niedriger kein Hexenwerk. Warum wir weiterhin überwiegend auf bewertete Dezibel-Messungen und eben nicht auf Sone setzen, erklären wir später noch genauer.

Bevor wir jedoch unsere Messaufbauten genau beschreiben, wollen wir als Nächstes noch ein paar notwendige Worte zur Aufgabenstellung, der Messung und den verwendeten Einheiten loswerden, denn es sind zu viele Legenden über solchen Messungen im Umlauf, die am Ende nur verwirren – und das wollen wir aufklären.

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