AMD Radeon R9 Nano: Mini-ITX-Gaming neu definiert

Kommen wir nun zum eigentlichen Star, der im Mittelpunkt dieses Launch-Artikels steht. Mit der Radeon R9 Nano versprach uns AMD schon im Vorfeld eine Menge: Kleiner als fast alle herkömmlichen luftgekühlten Grafikkarten, dabei aber nicht signifikant langsamer als die wassergekühlte große Schwester Radeon R9 Fury X – und das mit einer Leistungsaufnahme, die das Herz jeder sparsamen Hausfrau im Sturm erobern sollte.

Was daraus wird und ob es mit dieser Liebe klappt, werden gleich unsere Benchmarks und Messungen zeigen müssen. Damit wir aber wissen, mit wem wir es hier eigentlich zu tun haben, bemühen wir schnell noch die Übersichtstabelle mit den aufzählbaren Fakten:

AMD Radeon R9 Nano
Takt: ab Werk: bis zu 1000 MHz
Speichertakt: ab Werk: 500 MHz (HBM)
max. stabile Übertaktung: nicht möglich
Kühler: 2x flache 10-mm-Heatpipes
9-cm-Axiallüfter, < 7000 U/min
VRM-Kühler mit Heatpipe und extra Kühlkörper
Anschlüsse: 3x DisplayPort, 1x HDMI (kein HDMI 2.0)
Stromversorgung: 1x 8 Pin PCI-Express
Gemessene
Leistungsaufnahme:
10 Watt (Idle)
286 Watt (Gaming, Spitzenwert)
281 Watt (Stresstest, Throttling)
Einbaumaße (LxHxT): 15,3 x 10,9 x 3,5 cm
benötigt zwei Slots
Gewicht: 603 g netto
Pro: – extrem klein
– sehr leicht
– stabile Abdeckung
– Abwärmeabfuhr teilweise über Slot-Blende
Kontra: – kein HDMI 2.0
– Spannungswandlergeräusche (“Spulenfiepen”)
Preis: 649 US-Dollar (UVP)

Klein, kompakt und luftgekühlt: AMDs Radeon R9 Nano präsentiert sich voller Selbstbewusstsein nackt und verzichtet auf eine Backplate. Das Gehäuse ist weitgehend frei von Kunststoffen und erinnert optisch an die Fury X. Allerdings ist diese Optik nur aufgesetzt, denn einen gummierten und abschraubbaren Deckel gibt es nicht. Es soll nur so aussehen – von Weitem.

Die nachfolgende Explosionszeichnung veranschaulicht den Aufbau der gesamten Karte von der Platine bis hin zur eben erwähnten Abdeckung.

Dass die Platine auf Grund des mit auf dem Interposer befindlichen HBM-Speichers (High Bandwidht Memory) schön kompakt ausfallen kann, wissen wir ja schon seit der Fury X. Neu ist aber die aufliegende Stabilisierungsplatte, die auch den Kühler für die Spannungswandler trägt. Die Abwärme wird dabei durch eine auf den VRM aufliegende Heatpipe zu diesem Kühler transportiert, der zwar nicht mit dem eigentlichen GPU-Kühler verbunden ist, aber dennoch vom Luftstrom profitieren dürfte.

Anhand des Aufbaus erkennen wir jedoch auch, dass die GPU mit nur vier Phasen bei der Spannungsversorgung auskommen muss und dass die verbauten Spulen eher Standardkost als extra vibrationsarm vergossene Modelle sind.

Der GPU-Kühler ist eine Art Hybrid, denn er nutzt statt eines simplen Heatsink-Heatpipe-Konstrukts eine Kombination aus großer Vapor-Chamber im Zentrum und zwei mächtigen, zusätzlich zu den Kühlerenden hin verlaufenden Heatpipes. Das ist in dieser Form neu und weckt auf alle Fälle schon einmal unsere Neugier.

Die Lamellen sind horizontal ausgerichtet, was sicherstellt, dass wenigstens ein Teil der heißen Abluft über die rückseitige Slot-Blende ausgeblasen wird.

Die Ober- und Unterseite der Karte sind geschlossen, die warme Abluft tritt so (abgesehen von der Slot-Blende) nur am hinteren Ende aus – diesmal jedoch ins Gehäuse. Am Ende der Platine befindet sich dann auch noch der 8-polige PCIe-Stromversorgungsanschluss, der locker und in jedem Fall ausreicht; so viel wollen wir vorab schon einmal verraten.

So schön kurz und kompakt das auch alles ist: Da der Stecker hinten angeschlossen werden muss, kommen an effektiver Länge noch einmal mindestens drei Zentimeter benötiger Platz hinzu. Im Notfall hilft hier aber ein abgewinkelter Adapter aus dem Modding-Zubehör weiter. Richtig toll wäre es gewesen, wenn AMD oben und hinten einen wahlweise nutzbaren Stecker vorgesehen hätte.

Die Anschlussvielfalt beschränkt sich auf drei DisplayPorts und einen HDMI-Anschluss. Dabei finden wir es ausgesprochen schade, dass vor allem angesichts der Orientierung auf höhere Auflösungen hin der HDMI-Standard 2.0 nicht unterstützt wird. Wer nicht mit aktiven Adaptern frickeln will, steht mit seinem brandneuen 4K-TV schnell im Regen – denn mehr als 30 Hz gehen nun mal nicht.

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