Intel Core i5-6600K und i7-6700K: Skylake feiert sein Debüt

Es scheint erst gestern gewesen zu sein, als wir euch Intels Core i7-5775C und Core i5-5675C vorgestellt haben, die ersten gesockelten CPUs auf Basis von Intels Broadwell-Design. Realistisch betrachtet ist das etwa 60 Tage her. Also warum reden wir mit Skylake nach nur zwei Monaten schon wieder über eine neue Architektur? Sollten diese großen Enthüllungen nicht eher alle paar Jahre stattfinden?

Es ist kein Geheimnis, dass sich Broadwell (mehrfach) verspätet hatte. Produkte auf Basis dieser 14-nm-Prozesstechnik hätte schon vor langer Zeit in den Läden stehen sollen. Aber Desktop-Enthusiasten gehörten zu den letzten Usern, die in den Genuss von Intels Anstrengungen kamen. Vielleicht wurde Broadwell auch wegen des heutigen Launches nicht großartig auf der Computex 2015 gefeiert. Diese C-Serie-Modelle sind noch nicht einmal heute – zwei Monate nach ihrer Markteinführung – wirklich gut online verfügbar. Nichtsdestotrotz gefiel uns die Performance ihrer Grafik-Engines richtig gut, die 48 EUs und 128 Megabyte Embedded-RAM mitbringen.

Wir fanden es zudem klasse, dass sie keinen festen Multiplikator hatten – beispielsweise perfekt für Power-User geeignet, die höchst integrierte, aber eben auch höchst leistungsfähige HTPCs bauen wollen. Der einzige Nachteil: Eine zurückgenommene TDP und niedrigere Basistaktraten resultierten darin, dass der Core i7-5775C in unserem Benchmark-Parcours langsamer war als der ältere Core i7-4790K.

Heute zeigen wir euch nun die echten Nachfolger von Devil’s Canyon  – die Skylake-basierten Modelle Core i7-6700K und Core i5-6600K.

Unser an dieser Stelle gewohnter Ausflug in die technischen Details fällt erzwungenermaßen fast komplett aus, da Intel die Details zur Architektur von Skylake bis zum ebenfalls diesen Monats stattfindenden IDF unter Verschluss hält. Was wir haben (und über das wir schreiben können) sind ein paar Prozessoren, Mainboards auf Basis des Z170-Chipsatzes, ein paar DDR4-RAM-Kits und eine Menge Fragen, was genau Skylake nun eigentlich besonders macht.

Es ist fast so, als hätte sich jemand bei Intel gedacht: „Hey – Enthusiasten werden sich dermaßen freuen, dass sie zur Gamescom Core-Prozessoren der sechsten Generation zu sehen bekommen, dass es sie nicht kümmern wird, wie sie aufgebaut sind.“ Und wisst ihr was? Wir haben die Nase gestrichen voll davon herumzurätseln,  wie solche Entscheidungen zustande kommen. Vermutlich hat es etwas mit „lass uns was gemeinsam mit Windows 10 machen“ zu tun. Also werden wir einfach über das schreiben, was wir verbindlich wissen – das ist bei weitem nicht so frustrierend wie das Rätselraten.

Intel Core i7-6700K und Intel Core i5-6600K

Tools wie CPU-Z mit vorläufigem Skylake-Support identifizieren den Core i7-6700K immer noch als 95W-Modell. Auch Intels erste Dokumentationen sprachen von einer 95W-Kategorie. Aber nun sagt Intel, dass der i7-6700K und der Core i5-6600K eine TDP von 91 Watt haben. Sie passen in Intels LGA 1151-Interface, das anders geschaltet ist als seine LGA 1150-CPUs – es ist also nicht möglich, einen der neuen Prozessoren in einem inkompatiblen Mainboard zu installieren.

Aber das sollte kein Problem sein: Da sich Skylake in Sachen Architektur von früheren Core-Designs unterscheidet, braucht es auch eine neue Core-Logik. Anders gesagt: Für Core i7-6700K und Core i5-6600K sind Plattform-Upgrades nötig. Glücklicherweise hält sich Intel bei den beiden CPUs preislich zurück: Der i7-6700K sollte um die 350 US-Dollar kosten, der Core i5-6600K soll für 243 US-Dollar in den Handel kommen.

Beide Prozessoren haben vier IA-Kerne – das wissen wir sicher. Wie bei so vielen Vorgängerserien verfügt der i7-Prozessor über Hyper-Threading und nutzt simultanes Multi-Threading, um die verfügbaren Ressourcen besser auszunutzen. Für Windows sieht jeder der physischen Kerne des Core i7-Prozessors wie zwei logische CPUs aus. Der Core i5 kann nicht auf dieses Feature zurückgreifen; seine vier physischen Kerne können auch „nur“ an vier Threads arbeiten.  

Auch die Cache-Konfigurationen wirken vertraut: Der i7-6700K beherbergt acht Megabyte Last-Level-Cache, während der i5-6600K nur sechs Megabyte hat. Wenn man CPU-Z glauben darf, dann bewaffnet Intels Skylake-Architektur jeden Kern weiterhin mit 256 Kilobyte L2-Cache sowie je 32 Kilobyte L1-Data- und L1-Instruction-Cache. Im Gegensatz zu den Broadwell-Modellen Core i7-5775C und Core i5-5675C integrieren weder der i7-6700K noch der i5-6600K Embedded DRAM.

Der Basistakt des Core i7-6700K liegt bei schönen, glatten vier Gigahertz. Sein Turbo Boost-Profil ist ziemlich konservativ ausgelegt: Mit einem einzelnen aktiven Kern kann der 6700K auf lediglich 4,2 GHz hochtakten. Der Core i5-6600K startet dagegen bei 3,5 GHz und kann bis zu 3,9 GHz schnell werden. Wir werden uns mit den Übertaktungsmöglichkeiten gleich noch näher beschäftigen, aber so viel sie vorausgeschickt: Unser Sample des 6700K scheint sich bei etwa 4,7 GHz durchaus wohlzufühlen. Wir brachten ihn auch auf 4,9 und dann 4,8 GHz, allerdings lief er bei beiden Taktraten im Stresstest nicht stabil. Mit fünf Gigahertz bootete er nicht einmal mehr.

Intels Haswell-E-basierte Core-i7-Modelle integrieren bereits Quad-Channel-fähige DDR4-Speicher-Subsysteme. Skylake will diese Technologie jedoch mit seinem eigenen Dual-Channel-Controller Mainstream-fähig machen. Offiziell unterstützt die Architektur DDR4 mit Datenraten von bis zu 2133 MT/s und DDR3L mit bis zu 1600 MT/s. Allerdings sind alle Boards in unserem Labor derzeit ausschließlich DDR4-Modelle – man sollte also besser davon ausgehen, dass man ein neues Mainboard und ein neues Speicher-Kit braucht, wenn man sich eine der beiden neuen Enthusiasten-CPUs zulegen will.

Die meisten Enthusiasten werden sich zwar nicht daran stören, aber Intels Skylake-basierte SKUs kommen mit einer integrierten Grafik in einer Konfiguration, die als GT2 bezeichnet wird. Das Unternehmen scheint sich all seine Grafik-Highlights für das IDF aufzuheben – das wäre verständlich, wenn es kein bedeutsamer Teil der heutigen Präsentation ist. Es bedeutet aber, dass die beindruckenden Leistungen der vor zwei Monaten präsentierten Broadwell-Prozessoren mit ihrer GT3e-Konfiguration der Vergangenheit angehören. Die 48 EUs bei Broadwell schrumpfen auf 24 in der als HD Graphics 530 bezeichneten Skylake-Implementierung, die mit bis zu 1150 MHz arbeiten.

Die in Skylake implementierte Gen9-Engine unterstützt DirectX 12, OpenCL 2.0, OpenGL 4.4 und OpenGL ES. Zum Vergleich: Bei der Gen8-Engine waren es nur DirectX 11.1 und OpenCL 1.2. Wenn Intels Ingenieure auf dem IDF endlich über die Grafik reden, könnt ihr davon ausgehen, dass sie viel Zeit mit Architekturverbesserungen verbringen werden, die mit Optimierungen der Energieaufnahme zu tun haben. Natürlich wurde auch die Performance verbessert und zwar primär durch die bessere Nutzung der verfügbaren Bandbreite (hierarchische Z- und Memory-Color-Stream-Kompression). Dank der Y- U-, H- und S-Serie-Plattformen sollte Gen9 in allen möglichen Modellen von vier bis 91 Watt TDP auftauchen. Es gibt noch viel mehr, worüber man in Sachen Grafik reden könnte (GT4e dürfte richtig klasse sein), aber das werden wir an anderer Stelle und zu einem späteren Zeitpunkt tun.

Die beiden Skylake-basierten Prozessoren bieten 16 PCIe-3.0-Lanes für Steckkarten (genau wie ihre Vorgänger), die als 1x 16-, 2x 8- oder 1x 8/2x 4-Links konfiguriert werden können. Der Unterschied liegt in den vier Lanes, die Intel für die Anbindung eines Platform Controller Hubs reserviert hat. In früheren Generationen nannte Intel dieses Interface mal DMI 2.0. Es bot einen bidirektionalen Durchsatz von bis zu zwei GByte/s – genug, um mit den meisten Kombinationen von Mainstream-Storage, Peripherie und Networking klarzukommen. Aber die Chipsätze der 100er Serie haben mehr Features und brauchen mehr Bandbreite zum Host-Prozessor. Daher verpasst Intel dem Core i7-6700K und dem Core i5-6600K ein Direct Media Interface 3.0 mit einem theoretischen Datendurchsatz von fast vier GByte/s.

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