Mythos Gaming-Headset: Reines Marketing-Blabla oder echter Vorteil beim Spielen?

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Das Beste ist gerade gut genug. Das ist jetzt natürlich keine neue und bahnbrechende Erkenntnis, sondern leider mal wieder die nackte Realität. Wer auch aufs Budget achten möchte oder muss, wird mit möglichst linear ausgelegten Kopfhörern oder Headsets, die über eine ausreichende Pegelfestigkeit und ein brauchbares Einschwingverhalten verfügen, mit Sicherheit besser fahren.

Detailgetreue Wiedergabe und gute räumliche Auflösung auch bei komplexen Geräuschen und vielen gleichzeitig auftretenden Schallquellen sind fast immer wichtiger als eine (vermeintlich effekthaschende) Illusion mit Surround-Wiedergabe. Feinarbeiten und Anpassungen erledigt man mit dem Equalizer übrigens immer besser, als wenn man sich von vornherein auf ein bestimmtes Sounding festlegen lassen und damit unveränderlich leben muss.

Gute und brauchbare Kopfhörer und Headsets stehen und fallen meist über den Preis, weil es einfach keine Wunderwaffen für 10 Euro gibt – wobei ich natürlich die eine oder andere Perle nie ausschließen würde. Nur muss man sie eben selbst suchen oder den richtigen Reviews vertrauen. Die Marketing-Versprechen der PR-Abteilungen sind da ein eher schlechter Ratgeber, also am besten gleich komplett ausblenden und überlesen.

Der Vergleich zwischen einem sehr gut auflösenden Kopfhörer und so einer Sounding-Geschichte mit eingebautem Skill-Verstärker fällt dann auch eindeutig aus. Während der Jet links klar strukturiert über dem Getümmel am Boden hinwegfliegt, macht der teigige und überproportinierte Bass rechts aus dem Bodenkampf ein undefinierbares Gerumpel. Die Turbinengeräusche verlieren sich in einem völlig übertriebenen Pfeifen und die breitbandige Luftgeräusche gehen glatt unter.

Wo man bei der Surround-Geschichte noch trefflich streiten kann, weil solch eine Raumklang-Illusion auch immer sehr subjektiv geprägt ist, bleibt beim Sounding nur ein klarer Daumen nach unten. Die akustische Verschlimmbesserung durch die gezielte Manipulation von Pegeln verschiedener Frequenzbereiche gehört endlich eingemottet – Zeitgeist hin oder her. Vieles ist Gewöhnungs- und Bildungssache, aber es endet meistens auch im Selbstbetrug, weil danach viele Dinge einfach nicht mehr so klingen, wie sie es sollten.

PC-Audio ist wie immer sehr subjektiv auslegbar und die Hörgewohnheiten und die Unterstützung des Gehirns durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Hörerfahrung eine sehr breit auslegbare Angegelegenheit. Wirklich gute Allrounder werden Gaming-Headsets allerdings nie sein und am Ende steht bei vielen Gamern die Erkenntnis, dass man mit guten In-Ears oder einem ordentlichen Stereo-Kopfhörer samt externem Mikrofon (ansteckbar oder als Auftischgerät) deutlich besser fährt.

Dann ist man auch für Musik gut gerüstet, denn wenn wir mal ehrlich sind – egal ob klassisches Orchester oder Afghanistan und Taliban – die physikalischen Gesetze und biologischen Besonderheiten bleiben nun mal die gleichen.

Ich persönlich arbeite und spiele übrigens mit einem sehr guten Kopfhörer, einem hochwertigen Kondensatormikrofon (Superniere), Pop-Schutz, Equalizer sowie optionalem Clipper und komme damit bestens zurecht. Ein anderer würde wohl eher mit dem Kopf schütteln, weil er mit seinem 5.1-Headset glücklicher ist. Auslegungs- und Ansichtssache, wie immer.

Fazit

Der Zusatz “Gaming” wird leider nur all zu oft dazu missbraucht, um entweder höhere Preise zu rechtfertigen oder um eigentlich schlechtere Eigenschaften noch als Features zu verkaufen. Der heutige kleine Exkurs soll eigentlich nur zeigen, dass auch Spiele sehr anspruchsvolle Sound-Tapeten bieten und dass das belangloseste Geräusch anspruchsvoller ist, als man gemeinhin denken mag. Der Rest ist Auslegungssache, Marketing oder schlicht Voodoo. Aber das kennen wir ja auch schon aus anderen Bereichen nur all zu gut…

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