Haswell-E ist da: Core i7-5960X, i7-5930K und i7-5820K im Test

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“Groß” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Umstieg auf Haswell-E eine ganze Menge an zusätzlicher neuer Hardware erfordert.

Intel hält die LGA 2011-Plattform schon eine recht lange Zeit am Leben: Vor beinahe drei Jahren trat der Sockel zusammen mit dem Core i7-3960X (Sandy Bridge-E) erstmals ins Rampenlicht. Mit der Zeit ändern sich aber nunmal einige Variablen und sorgen so für ein Ende der Möglichkeit zur Abwärtskompatibilität, was aktuell auch den Umstieg auf DDR4-Speicher mit einschließt.

Sowohl die alten als auch die neuen High-End-CPUs verfügen zunächst einmal physisch über dieselbe Größe. Die Kontaktfläche auf der Unterseite sieht ebenfalls identisch aus. Aber die seitlichen Führungsöffnungen an den Core i7-5xxx-CPUs befinden sich an einer anderen Stelle. Somit wird sichergestellt, dass man nicht versehentlich einen LGA-2011-Prozessor in einen LGA-2011-3-Sockel steckt und umgekehrt.

Kurz gesagt gibt hier die Endung “-3” den Ausschlag: Obwohl der alte wie der neue Sockel über 2011 Pins verfügen, sorgt Intel durch die abweichende Platzierung der Haltenasen dafür, dass Haswell-E nicht mit Ivy Bridge-E oder Sandy Bridge-E verwechselt wird. Zur Nutzung eines Core i7-5960X, i7-5930K oder i7-5820K wird also zwingend ein Mainboard mit X99-Chipsatz benötigt.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten im Hinblick auf die Kompatibiliät: Aufgrund des ansonsten gleichen Sockelaufbaus können CPU-Kühler für den alten Sockel 2011 beim neuen Sockel 2011-3 problemlos weiterverwendet werden. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass die entsprechende Kühllösung auch mit der höheren Abwärme der neuen High-End-CPUs zurechtkommt. Für die vorige CPU-Generation wurde ein TDP von 130 Watt angegeben, bei den neuen Core i7 sind es nunmehr 140 Watt TDP. Und wie wir im Verlauf dieses Tests noch sehen werden, kann der Stromverbrauch durch die Übertaktung der CPUs noch einmal deutlich gesteigert werden.

X99 Express: Ein Platform Controller Hub mit bekannten Eigenschaften

Die Evolution der Intel-Chipsätze vollzieht sich in einem beinahe schon schmerzhaften Schneckentempo. Je mehr Funktionen in die CPU selbst integriert werden, desto weniger hat der PCH (Platform Hub Controller) zu tun. Das, was davon mittlerweile noch übrig geblieben ist, weist nur selten Neuerungen auf. Wer also auf eine Revolution im Hinblick auf die Anschlussmöglichkeiten und Konnektivität des X99-Chipsatzes gehofft hatte, sollte sich an dieser Stelle auf eine Enttäuschung vorbereiten.

Der X79-Chipsatz ist aber mittlerweile schon so alt, dass Intel mit der neuen X99-Plattform zumindest an die aktuellen Standards anschließen kann. Hier werden 14 USB Port geboten, wovon sechs dank USB 3.0 einen schnellen Datentransfer ermöglichen. Darüber hinaus gibt es einen Gigabit-Ethernet- und natürlich einen HD-Audio-Controller.

Zur Anbindung von Systemerweiterungen stehen die bereits bekannten acht PCI-Express-2.0-Lanes zur Verfügung, die sich von den Mainboardherstellern für die Steckplätze von Erweiterungskarten oder die Unterbringung von Zusatzcontrollern von Drittanbietern auf der Hauptplatine nutzen lassen. Der vielleicht deutlichste Fortschritt besteht darin, dass nun insgesamt zehn SATA-III-Anschlüsse (Serial ATA 6 GBit/s) zur Verfügung stehen.

Bedauerlicherweise bindet Intel den PCH allerdings immer noch über eine DMI-2.0-Anbindung mit vier Lanes an den Prozessor an. Das bedeutet, dass hier gerade einmal zwei GByte/s an bidirektionalem Durchsatz möglich sind. Es fällt nicht schwer, sich eine Kombination aus Peripherie, Netzwerk und Speicherlaufwerken vorzustellen, die diesen Datendurchsatz schnell übersteigt und die schmale Pipeline zum Flaschenhals werden lässt.

Aber immerhin hat man bei den beiden großen Prozessoren massig PCIe-3.0-Lanes für die Anbindung der schnellsten Grafikkarten und SSDs sowie 10-Gigabit-Ethernet, richtig?

DDR4: Eine neue Speichertechnologie – aber warum?

Angesichts der heutigen, im Prozessor-Die untergebrachten Multi-Channel-fähigen Speicher-Controller hören wir nur noch sehr selten von Beschwerden über eine zu geringe Bandbreite – zumindest so lange keine integrierte Grafikeinheit im Spiel ist. Die letzte Generation von Ivy Bridge-E-CPUs bot bis zu vier Kanäle für DDR3 mit 1866 MT/s, was für einen Datendurchsatz von 40 GByte/s ausreichte.

Warum also nun DDR4?

Der Übergang zur neuen Speichertechnologie wurde sicherlich nicht durch einen ausgesprochenen Bedarf unter Enthusiasten motiviert. Aber sobald weitere neue Prozessoren im Server- und dann auch Mobile-Bereich auftauchen, werden die der DDR4-Speichertechnologie innewohnenden Vorteile zunehmend offensichtlich werden.

Beispielsweise wird die geringere Betriebsspannung von 1,2 Volt dazu beitragen, den Stromverbrauch im Vergleich zu den mit 1,5 Volt arbeitenden DDR3-Modulen zu verringern. Und geht man von einer Systemkonfiguration für den Enterprise-Bereich aus, bei der eine Vielzahl von Haswell-E-CPUs zum Einsatz kommt und die mit ECC-RAM mit den spezifizierten 1,2 Volt arbeiten, kann ein Umstieg auf DDR4 zu signifikanten Energieeinsparungen führen.

Bei der Herstellung von DDR4 kommen zudem die aktuell fortschrittlichsten Produktionsprozesse zum Einsatz, was sich wiederum in der Möglichkeit zu höherer Speicherdichte niederschlägt. Auch von diesem Vorteil profitiert hauptsächlich der Server-Bereich, in dem es viel eher relevant ist, so viel Arbeitsspeicher wie möglich in einem System unterzubringen. Einem “normalen” Enthusiasten, der mir einer Haswell-E-CPU liebäugelt, werden 32 oder 64 GByte verteilt auf die acht Slots vollkommen ausreichen.

Darüber hinaus ebnet DDR4 aber auch den Weg zu höheren Speichergeschwindigkeiten und beginnt bei 2133 MT/s als unterster Einstiegsstufe. Dafür fallen aber auch die Latenzwerte etwas höher aus. In unserem Test konnten wir beobachten, dass eine Kombination aus Core i7-4960X mit DDR3-1866 im SiSoftware Memory Bandwidth Benchmark nicht allzu weit von einer Kombination aus Core i7-5930K und DDR4-2133 entfernt war.

Wie unsere Tests uns ebenfalls gezeigt haben, gibt es aber auch immer noch eine ganze Reihe an Bugs, die ausgebügelt werden müssen: Die X99-Mainboards in unserem Testlabor erhalten kontinuierlich BIOS-Updates, wovon die meisten jeweils die Verbesserung der Arbeitsspeicherkompatibilität betreffen.

Einige Kombinationen aus Mainboard und DDR4-RAM waren überhaupt nicht bootfähig, bei anderen war der Arbeitsspeicher nur maximal als DDR4-2666 ansteuerbar. Ab diesem Punkt mussten wir den BCLK-Takt von 100 auf 125 MHz anheben, um weiterzukommen. Die Möglichkeiten, den Speicher mit 2800 und 3000 MT/s zu betreiben, laufen nach wie vor nicht stabil. So lange hier bei der Firmware und der Kompatibilität der Speichermodule keine grundlegende Verbesserung eintritt, könnte DDR4 der Grund sein, aus dem vorsichtige Enthusiasten noch ein wenig mit dem Umstieg auf die neue Plattform warten werden.

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