PC-Umbau: Vom alten Gaming-PC zum stillen Office-Knecht

Alle paar Jahre bedingt es der technologische Fortschritt, dass man sich einen neuen Gaming-PC zusammenstellen oder ein leistungsstarkes Komplettsystem erwerben “muss”. Auch wenn die die Zeiträume, in denen ein Neukauf wirklich nötig ist, durch Innovationshemmer wie die aktuellen Konsolengenerationen sicherlich größer geworden sind: Irgendwann ist der Wechsel unabdingbar, wenn man aktuelle Titel nicht mit unansehnlichen grafischen Minimaldetails spielen will.

Noch eine Anmerkung vorab: Uns ist klar, dass diese Art des Umbaus nicht die effizienteste ist. Ein Phenom II X4 955 BE in einem Office-PC?! Overkill. Ein offenes Gehäuse für einen Silent-PC? Albern. Kein Mensch würde solche Komponenten bei einem neuen (!) Rechner auswählen.

Aber wir haben uns eben bewusst dafür entschieden, den (alten) Rechner selbst nicht zu verändern. Stattdessen versuchen wir hier, einen gegebenen Status Quo mit möglichst einfachen und günstigen Mitteln zu verbessern und in eine neue Richtung zu trimmen. Viel Spaß beim Lesen!  🙂

Die Idee zu diesem Artikel ergab sich in einer Unterhaltung mit unserem langjährigen Foren-Administrator Tesetilaro, der gerade dieses Vorhaben ins Auge gefasst hatte: Aus dem alten Gaming-PC sollte ein möglichst leiser Arbeitsrechner für die Herzdame werden. Da “Tese” bereits seit Jahren in seiner Freizeit im Forum unterwegs ist, war es an der Zeit, dass wir ein wenig Liebe zurückgeben: Schnell war der Entschluss gefasst, den Schuss ins Blaue zu wagen und den entsprechenden PC ohne vorherige Inaugenscheinnahme in die Redaktion kommen zu lassen und für Tese umzubauen.

Somit versteht sich der folgende Artikel aber nicht nur als Umbau, sondern bietet zumindest ansatzweise auch Einblick in die Persönlichkeit des Besitzers: Wurde hier beim ursprünglichen Zusammenbau sauber gearbeitet? Wurde der PC regelmäßig gereinigt? Diese Frage soll ebenso geklärt werden wie die Frage nach dem Einsatz günstiger Komponenten für den Silent-Betrieb und möglichen zusätzlichen Änderungen, Umbauten und Einstellungen, um den Umbau nicht in Form einer Kostenexplosion ausufern zu lassen.

Bestandsaufnahme: Tesetilaros ehemaliger Gaming PC
Mainboard: Gigabyte GA-770TA-UD3
Prozessor: AMD Phenom II X4 955 Black Edition
(Deneb; C2-Stepping; 1.344V VID; 125 W TDP)
Prozessorkühler: Arctic Cooling Freezer 64 Pro
Arbeitsspeicher: 8 GByte Transcend JM1600KLN-8GK Dual Channel Kit
DDR3-1600 CL 11, 1.5 V
Grafikkarte: Zotac GTX 260 Synergy Edition
896 MByte GDDR3, 192 Shader (alte Version)
SSD: 120 GByte Samsung SSD 840 Evo
ODD: LG Electronics GH22NS50
22x DVD-RW-Brenner
Netzteil: 500 Watt Cooler Master Silent Pro M500
Gehäuse: Antec Three Hundred
1x 12 cm Arctic Cooling AF12025L (vorn)
1x 12 cm Antec Gehäuselüfter (hinten)
1x 14 cm Antec Gehäuselüfter (oben)

Als PC-Behausung kommt mit dem Antec Three Hundred ein zeitloses Gehäuse aus der 50-Euro-Klasse zum Einsatz, das sich allerdings nur bedingt für eine Umrüstung zum Silent-Gehäuse eignet: Zwei große und zudem nach außen hin ausgestellte Lüfteröffnungen an Seitenteil und Deckelblende erschweren das Verkleben von Dämmmaterial und erfordern entweder einen Griff in die Trickkiste oder müssen frei gelassen werden.

Das Gehäuse wurde ab Werk mit zwei Lüftern ausgestattet: Einem 12-cm-Exemplar an der Rückseite sowie einem 14-cm-Lüfter unter dem Gehäusedeckeln. Beide lassen sich zwar per Umschalter am Lüfter in drei Stufen regeln, aber zumindest der größere Lüfter gibt selbst auf niedrigster Regelstufe bereits deutliche Lagergeräusche als Beleg seines Alters sowie kräftige Vibrationen von sich.

An der Vorderseite stehen zwei weitere Montageplätze für Lüfter zur Verfügung. Lediglich der untere der beiden wurde vom Besitzer mit einem 12 cm großen Arctic Cooling AF12025L versehen, der bei maximal 1000 U/min leise ans Werk geht. Abgesehen vom etwas rebellischen Deckellüfter finden wir hier also ein ohnehin recht laufruhiges System vor.

Eine weiterer Nachteil des verwendeten Gehäuses: Es gibt so gut wie keinen Platz, um Kabel auf der Rückseite des Mainboard-Trays verlegen und so eine bessere, ungehinderte Gehäusebelüftung umsetzen zu können. Wenn wir mit einer zusätzlichen Schalldämmung der Seitenteile arbeiten wollen, müssen die Kabelstränge also an anderer Stelle unterkommen.

Ein Blick ins Innere des Gehäuses zeigt, wie sich Tesetilaro des Problems angenommen hat: Bis auf mehrere frei im Innenbereich umherfliegende SATA-Kabel, über die ursprünglich einmal mehrere mechanische Festplatten an das Mainboard angebunden wurden, sind die Kabel gemessen an den bestehenden Möglichkeiten sehr ordentlich verlegt und in mit großem Fleiß fein säuberlich mit einer Vielzahl von Kabelbindern zusammengezurrt worden.

Auch Staub entdecken wir hier leider sehr wenig – gern hätten wir den übrigen Lesern an dieser Stelle einen gnadenlos verschmutzten PC präsentiert und den Besitzer an den Pranger gestellt.  😉  Bis auf den Kurzeinsatz eines Pinsels zum Beseitigen eines minimalen Staubauskommens ist hier aber alles im grünen Bereich, selbst unter dem Lüfter des Prozessorkühlers findet sich kein dicker Teppich.

Das Herz des Rechners ist ein AMD Phenom II X4 955 Black Edition mit frei justierbarem Multiplikator – aber das Thema Übertaktung kann bei der Umsetzung eines möglichst leisen Systems nur sehr bedingt verfolgt werden.

In jedem Fall handelt es sich dabei immer noch um einen alltagstauglichen Prozessor, der auf einem Gigabyte GA-770TA-UD3 platziert wurde, das zum Zeitpunkt des Systems hinsichtlich der Preis-Leistungsverhältnisses als attraktives Board galt.

Die Prozessorkühlung übernimmt in diesem System ein Klassiker aus dem Preis-Leistungsbereich: Möglicherweise hatte der kleine Arctic Cooling Freezer 64 Pro bereits vor diesem PC in Lohn  und Brot gestanden. Auch hier bemerkt man bereits den Wunsch des Besitzers nach einem vergleichsweise leisen System: Über die Lüftersteuerung des Mainboard geht der Lüfter des Kühlers mit ca. 1000 U/min ans Werk und verhält sich dabei recht unauffällig.

Als Arbeitsspeicher stehen bereits vollkommen ausreichende acht GByte DDR3-1600 aus dem Hause Transcend zur Verfügung. Der schnörkellose Speicher besitzt keinen eigenen Heatspreader, daher ist auch bei der Auswahl des CPU-Kühlers auf keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Kompatibilität zu achten.

Bei Zotacs GTX 260 Synergy Edition mit 896 MByte GDDR3, bei der sich langsam schon der Aufkleber löst, handelt es sich um die ältere Version der Karte mit 192 Shadern, die ansonsten hinsichtlich der gewählten Kühllösung Nvidias Referenzvorgabe entspricht. Gerade unter Last bedeutet das eine relativ hohe Geräuschentwicklung.

Am sinnvollsten wäre es vermutlich, die nicht gerade sparsame Karte durch ein aktuelles und erheblich sparsameres und kühleres Modell zu tauschen. Das Thema des Artikels ist jedoch “Umbau” und nichtg “Upgrade”. Also erhält auch diese Grafikkarte eine Chance auf ein zweites Leben, selbst wenn ihre Leistung selbst für Gelegenheitsspieler nicht mehr ausreicht, um aktuelle Titel ansehnlich und flüssig darzustellen.

Die Stromversorgung übernimmt Cooler Masters Silent Pro M500, das aufgrund seiner Eigenschaft, vergleichsweise leise ans Werk zu gehen, keiner weiteren Modifikation bedarf. Kollege Afschar beschrieb das Netzteil in einem Test aus dem Jahr 2010 als geeignet für “PC-Systeme, die auf geringe Leistungsaufnahme und ein niedriges Betriebsgeräusch getrimmt sind”. Passt.

Da der PC bereits mit einer 120 GByte großen SDD in Form der Samsung 840 Evo nachgerüstet wurde, kann das Betriebsgeräusch im Bereich der Festspeicher nicht leiser sein.

Hier war Tesetilaro allerdings ein wenig unordentlich: Die schnelle SSD liegt lieblos im oberster 5,25-zölligen Einschub unterhalb des DVD-Laufwerks herum. Das geht besser!

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