AMD Radeon R7 265: Aufgebohrte Radeon HD 7850 – Curaçao-Power für 130 Euro

Inhaltsverzeichnis

>>

Wir veröffentlichten erst vor ein paar Tagen unseren Testbericht AMD Radeon R7 250X: Neuer Name und neuer Preis für die “alte” Radeon HD 7770 – und diesem Titel ist wenig hinzuzufügen. Auf den Kern reduziert: AMD hat ein bereits existierendes Produkt umbenannt und seinen Listenpreis um ein paar Euro gesenkt, um mit diesem Marketing-Zug das Interesse neu anzufachen. Die bisher gelisteten Marktpreise der Radeon R7 250X liegen im Schnitt aber immer noch 10 Euro über denen der baugleichen Radeon HD 7770.

In den letzten Monaten hat AMD diese Rosskur seinem gesamten GPU-Portfolio angedeihen lassen, um die Radeon-HD-7000-Familie in die Radeon-R7- und Radeon-R9-Modelle zu verwandeln, was oft mit einer Erhöhung der Taktfrequenzen im Vergleich zu den Karten einherging, die ersetzt wurden. Nun hat AMD diesen Trend mit der Markteinführung seiner Radeon R7 265 fortgesetzt, die laut Vertretern des Unternehmens nicht vor Ende Februar 2014 verfügbar sein soll.

Die Radeon R7 265 ist die erste Karte aus AMDs umbenannten Portfolio, deren Name mit einer “5” endet. Bis jetzt stand da eine “0”, alternativ mit einem “X” dahinter: Radeon R7 240, 250, 250X, 260, 260X und so weiter. Das mag trivial erscheinen, aber wir denken, dass da mehr dran ist. Ursprünglich war der Raum zwischen den Listenpreisen der R7 260X und der R9 270 nicht wirklich groß genug, um eine weitere Karte zu rechtfertigen. Nachdem AMD aber die Preise etlicher Karten – auch die R9 270 – angezogen hatte, macht eine neue Karte plötzlich mehr Sinn.

Und wenn das nicht reicht: AMD hat wahrscheinlich auch die Gerüchte über Nvidias kommende Maxwell-Architektur und die bislang unbestätigte GPU namens GeForce GTX 750 Ti gehört, die auf ihr basieren soll. Jetzt braucht man nur noch die Punkte verbinden und kann sich dann selbst ausmalen, wieso AMD eine weitere Karte zwischen der 260X und der 270 platzieren wollte.

Aber zurück zur Radeon R7 265.

Als AMD die auf der Curaçao-GPU (vormals als “Pitcairn” bekannt) basierende Radeon R9 270 vorstellte, waren alle 1280 Shader des Chips aktiviert, so wie wir das auch von der Radeon HD 7870 her kannten. Damals dachten wir, dass es keine  zusammengestrichene Version – also eine Entsprechung der Radeon HD 7850 – geben würde. Nun besteht aber Bedarf nach einem “neuen” Zwischenmodell – und für dieses greift AMD auf die Konfiguration der “alten” Radeon HD 7850 zurück: Bei Radeon R7 265 sind vier Compute Units deaktiviert, so dass 18 übrigbleiben. Damit kommt die beschnittene GPU auf insgesamt 1024 Shader und 64 Textur-Einheiten.

Das Backend der GPU setzt sich aus bis zu acht Render-Partitionen zusammen, die 32 Pixel pro Takt verarbeiten können. Vier 64 Bit breite Dual-Channel-Memory-Controller ergeben ein aggregiert 256 Bit breites Interface. Diejenigen von euch, die Spezifikationen abrufbereit im Kopf haben, wissen, dass diese Werte identisch mit denen der Radeon R9 270 und Radeon R9 270X sind. Wenn das nicht der Fall ist, könnt ihr in der nachfolgenden Tabelle nachschlagen. Und weil der GDDR5-Speicher der Radeon R7 265 mit der gleichen Frequenz läuft, ist maximale Speicherbandbreite bei allen drei Karten gleich.

Radeon R7 260X Radeon HD 7850 Radeon R7 265 Radeon R9 270
Shader: 896 1024 1024 1280
Textur-Einheiten: 56 64 64 80
ROPs: 16 32 32 32
Prozessprozess: 28 nm 28 nm 28 nm 28 nm
Kerntakt: 1100 MHz 860 MHz bis zu 925 MHz
925 MHz
Speichertakt: 1625 MHz GDDR5 1200 MHz GDDR5 1400 MHz GDDR5 1400 MHz GDDR5
Speicherinterface: 128 Bit 256 Bit 256 Bit 256 Bit
Speicherbandbreite: 104,0 GByte/s 153,6 GByte/s 179,2 GByte/s 179,2 GByte/s
TDP: 115 Watt 130 Watt 150 Watt
150 Watt
Stromanschlüsse: 1x 6 Pin 1x 6 Pin 1x 6 Pin 1x 6 Pin
Geizhals-Preis: ab 100 Euro ab 120 Euro (EOL) 130 Euro (UVP)
ab 144 Euro

Man sieht also,dass die Radeon R7 265 letztlich eine übertakte Radeon HD 7850 mit 900 MHz Basistakt, 925 MHz Boost-Takt (PowerTune) und 1400 MHz Speichertakt ist.

Mit einer maximalen FP32-Compute-Performance von 1,89 TFLOPS ordnet sich die R7 265 knapp unter der R7 260X ein, die zwar weniger Shader hat, aber aggressiver taktet (1,1 GHz GPU-Taktfrequenz). Die 260X verliert dagegen in Hinblick auf das Backend: Sie hat nur halb so viele ROP-Partitionen und lediglich ein 128 Bit breites Speicherinterface. Wenn die Shader-Anzahl nicht ganz so entscheidend ist, sollte die R7 260X fast auf Augenhöhe mit der R7 265 agieren. Aber mit steigender Auflösung und aktiviertem Anti-Aliasing sollte die höhere Bandbreite der R7 265 für einen immer größer werdenden Abstand sorgen.

Habt ihr übrigens bemerkt, dass AMD der Taktfrequenz der R7 265 ein “bis zu” voranstellt? Damit stellte sich das Unternehmen bereits beim Launch der ersten R9-290X- und R9-290-Karten mit Referenzkühlern selbst ein Bein. Denn diese Hawaii-basierten Grafikkarten konnten die auf dem Papier versprochenen 1000 bzw. 947 MHz nicht halten, sobald sie einmal heiß waren – also nach 30 bis 60 Sekunden Gameplay.

Die von uns getestete R7 265 kommt dagegen von Sapphire und verbaut die Dual-X-Kühllösung des Unternehmens. Sie drosselt selbst nach einer Stunde im FurMark-Stabilitätstest nicht den Takt. Wir können natürlich nicht sagen, ob das für alle R7-265-Modelle gilt. Aber da wir die Curaçao-/Pitcairn-GPU ohne Stabilitätsprobleme auf höhere Taktfrequenzen übertakten konnten, klingen 925 MHz nicht zu weit hergeholt.

Da die GPU eine Implementierung der ersten Graphics-Core-Next-Architektur darstellt, offeriert die R7 265 keines der Features (z.B. TrueAudio), die zusammen mit AMDs R9-270X- und R9-290/290X-Karten eingeführt wurden. Wer sich nochmal in die Eckdaten der Curaçao-/Pitcairn-GPU einlesen will, sollte sich unseren damaligen Launch-Artikel AMD Radeon HD 7870 und HD 7850 im Test – Obere Mittelklasse mit wenig Durst zu Gemüte führen.

Die Sapphire Radeon R7 265

Sapphires Radeon R7 265 verbaut den in einem schwarzgrauen Farbschema gehaltenen Dual-X-Grafikkühler des Unternehmens. Erfahrungsgemäß sind solche Bord-Partner-Lösungen deutlich effizienter und leiser als AMDs Referenzkühler. Das PCB selbst misst 19,7 x 11,4 cm und gleich damit größenmäßig der Radeon HD 7790 des Unternehmens.

Die Curaçao-/Pitcairn-GPU der Karte taktet analog zu AMDs Referenzen mit einem Spitzenwert von 925 MHz, während die zwei GByte GDDR5-Speicher mit 14000 MHz arbeiten.

Der Aluminium-Kühlkörper integriert zwei Kupfer-Heatpipes und wird von zwei 73-mm-Lüftern im Low-Profile-Format mit Frischluft versorgt. Bei 150 Watt TDP reicht ein einzelner 6-Pin-Stromanschluss aus, um die Karte mit Strom zu versorgen – viel Luft für Übertaktungen bleibt da allerdings nicht.

Es gibt außerdem eine einzelne CrossFire-Brücke, was Support für das Multi-GPU-Feature impliziert. Nochmal zur Erinnerung: Die Pitcairn-GPU war einer der ersten von AMDs GCN-basierten Grafikprozessoren, so dass dieser GPU die XDMA-Engine fehlt, dank der die Radeon R9 290 und die Radeon R9 290X auch ohne externe, verbindende Hardware-Brücke im CrossFire Setup zusammenarbeiten können.

Dieses spezifische Modell der R7 265 verfügt über DVI-I- (Dual-Link), DVI-D-, DisplayPort- und HDMI-Anschlüsse (die beiden letzten in voller Baugröße).

Seiten:

Tags: , , , ,

Ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Privacy Policy Settings

Google Analytics Wir sammeln anonymisierte Daten darüber, welche Beiträge und News gelesen werden. Wir ermitteln dabei auch die Zeit - ebenfalls anonymisiert - wie lange ein Beitrag gelesen wurde. Dadurch können wir einfacher Themen anbieten, die Sie interessieren.
This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
620 Verbiete Google Analytics, mich zu verfolgen