Core i7-4960X im Vorabcheck: Erste Benchmarks von Ivy Bridge-E

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Update (3.9.2013): Der folgende Artikel erschien ursprünglich am 16. Juli 2013. Inzwischen haben wir ein zweites, offizielles Testexemplar des Core i7-4960X direkt von Intel bekommen, unsere bereits ermittelten Ergebnisse und Werte validieren können und noch einige von Intel zur Verfügung gestellte Informationen ergänzt.

Vor kurzem veröffentlichte Gartner eine Studie die zeigte, dass die Verkaufszahlen von PCs im zweiten Quartal dieses Jahres um ganze 11 Prozent eingebrochen seien. Begründet wurde dies dadurch, dass viele Tablets inzwischen die Einsteiger-PCs ersetzen. Wenn es nach den feinen Herren an der Wall Street geht, steht es also (mal wieder) schlecht um den PC und seine Zukunft.

Demgegenüber steht das Gaming-Segment, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut – nicht zuletzt aufgrund der hohen Effizienz bestimmter CPU- und GPU-Architekturen. Während es also im Einsteigersegment derzeit vielleicht wirklich nicht so rosig aussieht, kann der Enthusiast oder Power-User im High-End aktuell zwischen vielen enorm leistungsfähigen Komponenten wählen.

Enthusiasten wissen das natürlich schon länger. Vor zweieinhalb Jahren, beispielsweise, lieferte Intels Sandy-Bridge-Architektur sehr ansprechende Performance bei einer TDP von unter 100 Watt. Keine kleine Leistung, das, und da Sandy sich gut übertakten ließ, war es auch eine spannende Zeit für die Bastler- und OC-Fraktion. Die Nachfolgegeneration Ivy Bridge brachte zwar bei den Benchmarkergebnissen keinen wirklich großen Fortschritt mit sich, doch dafür sank die TDP weiter auf maximal 77 Watt. Auch das war ziemlich cool. Dann folgte vor einigen Monaten Haswell, und wieder kletterten die Benchmarkwerte um ein paar Prozentpunkte. Dieses Mal stieg die TDP allerdings wieder, und zwar auf 84 Watt.

Wer nun von einem betagten System mit Core 2 oder Phenom II auf eine aktuelle High-End-Konfiguration umsteigt, der wird den Geschwindigkeitsschub merken, auch wenn das Performance-Plus zwischen den letzten drei Generationen doch eher inkrementell ausfiel. Wir, die wir eben tagein tagaus mit diesen schnellen Komponenten arbeiten dürfen, sind eben ein Stück weit verwöhnt – und merken die Unterschiede weniger. Aus unserer Sicht stellte es sich eben so dar: Sandy Bridge war ein wirklich spannender Fortschritt, Ivy dann etwas weniger spannend, und Haswell… Nun ja, nicht umsonst lautete der Titel Intels Core i7-4770K im Test: Haswell ist schneller, aber spannend geht anders

Uns ist ja auch klar, warum Intel derzeit so, sagen wir mal, abgelenkt wirkt: Man konzentriert sich aktuell eben auf den Mobilmarkt, von dem Gartner ja sagt, dass er den Low-End-PCs das Leben schwer macht. Aber bei so wenig Bewegung im Desktop-Bereich fällt es schwer, mindestens 285 Euro für einen Core i7-4770K und weitere 150 Euro und mehr für ein brauchbares Mainboard mit LGA-1150-Interface locker zu machen, nur um das Gefühl zu haben, das Neueste und Beste vom Besten zu haben.

Wer sich allerdings vor rund anderthalb Jahren einen Core i7-3930K zugelegt hat, der damals immerhin einen unserer seltenen Best of Tom’s Awards bekam, der würde wohl auch heute noch keinen wirklichen Upgrade-Drang verspüren. Der Sechskerner lässt sich problemlos auf 4,5 oder 4,6 GHz übertakten und kann dann in Multi-Thread-Anwendungen sogar Intels jüngst vorgestellten Core i7-4770K ausstechen. Zudem würde man die X79-Plattform benutzen, und wie sich jetzt herausstellt, sollen die Kommenden CPUs mit Codenamen Ivy Bridge-E ebenfalls in deren LGA-2011-Interface passen. Man könnte also nun doch ein Upgrade ins Auge fassen. Die Frage bleibt: Lohnt sich das?

Gestatten: Ivy Bridge-E. Ich bin dann mal ihr Upgrade für die X79-Plattform

Insgesamt unterscheidet sich der Ivy-Bridge-E-Prozessor praktisch nicht vom Sandy Bridge-E. Klar, die einzige Veränderung betrifft ja auch die aufgefrischte Architektur, wie der Name schon verrät. Das bedeutet, dass die neuere Generation analog zu dem, was wir in unserem Artikel Intel Core i7-3770K im Test: Wie Sandy Bridge, nur etwas mehr beschrieben haben, von einer Handvoll Verbesserungen beim Cache, den CPU-Kernen und dem Speichercontroller profitiert, die zusammen für eine höhere Pro-MHz-Leistung sorgen. Die integrierte Grafik spielt hier natürlich keine Rolle. Bei Ivy Bridge-E geht es also vor allem um die überarbeiteten Kerne, den für Datenraten bis 1866 MT/s (anstatt 1600 MT/s) spezifizierten Speichercontroller, volle Unterstützung PCI Express 3.0 (wo es bei Sandy Bridge-E offiziell nur hieß, Transferraten bis 8 GT/s würden unterstützt) und die 22-nm-Fertigung. Ivy Bridge-E verfügt zudem über einen freien Takt-Multiplikator von bis zu 63x – bei Sandy Bridge-E waren es noch 57x), und die neuen Chips sollten eine Speicherdatenraten von bis zu 2400 MT/s erreichen können. Neu ist auch die Unterstützung von XMP 1.3 (Sandy Bridge-E: XMP 1.2). Enthusiasten dürfen sich darauf freuen, alle Teiler und Multis, die Spannungen und das Power Limit in Echtzeit einstellen zu können.

Nach wie vor stellt der Prozessor 40 PCIe-Lanes bereit, die man nach Belieben aufteilen kann, um CrossFire und SLI mit bis zu vier Karten zu ermöglichen. Geblieben sind auch die vier Speicherkanäle, wobei der Speicherdurchsatz aufgrund der höheren Datenrate von 51,2 GB/s auf 59,7 GB/s gestiegen ist. Chipsatz der Wahl ist nach wie vor der X79 Express, was auch bedeutet, dass man sich kein neues Mainboard anschaffen muss. Leider hat das auch einen Nachteil, denn der X79 ist nicht mehr ganz frisch und bietet nur zwei SATA-6Gb/s-Ports. Auf USB 3.0 muss man komplett verzichten, ebenso wie auf neue Fähigkeiten wie SATA-Express, das mit den Serie-9-Chipsätzen im Frühjahr 2014 erscheinen soll.

Core i7-4960X Core i7-4930K Core i7-4820K Core i7-3970X
Codename Ivy Bridge-E Ivy Bridge-E Ivy Bridge-E Sandy Bridge-E
Basistakt 3,6 GHz 3,4 GHz 3,7 GHz 3,5 GHz
Turbo Boost (maximal) 4 GHz 3,9 GHz 3.9 GHz 4 GHz
PCI Express Link Speed 8 GT/s 8 GT/s 8 GT/s 8 GT/s
TDP 130 W 130 W 130 W 150 W
CPU-Kerne 6 6 4 6
gemeinsamer L3-Cache 15 MB 12 MB 10 MB 15 MB
Max. Speicherdatenrate DDR3-1866 DDR3-1866 DDR3-1866 DDR3-1600
CPU-Interface LGA 2011 LGA 2011 LGA 2011 LGA 2011
Preise (UVP, in US-Dollar) 990 555 310 1020

Beim Core i7-4960X handelt es sich also um einen Sechskern-Prozessor mit 15 MB L3-Cache. Zweifelsohne werden einige Leser enttäuscht sein, die gehofft hatten, Intel würde dank 22-nm-Fertigung in der Lage sein, das neue Flaggschiff mit acht oder gar 12 Kernen auszustatten. Dass es geht, hat Intel inzwischen ja selbst mit seiner kommenden Xeon-Familie bewiesen, wie wir in unserem Preview-Artikel Mehrkern-Monster mit 12 Kernen und 30 MB L3-Cache: Intels Xeon E5-2697 V2 im Test gesehen haben.

Andererseits gibt es für die Firma auch keinen Grund, eine komplexere CPU zum gleichen Preis von gut 900 Euro zu verkaufen, wenn man einen Xeon E5-2687W mit acht Kernen bereits für unter 1650 Euro kaufen kann. Wer also plant, vom aktuellen Core i7-3970X umzusteigen, bekommt auf den ersten Blick nur einen um 100 MHz höheren Basistakt, den gleichen Turbo-Takt von maximal 4 GHz du ein paar weitere kleine Verbesserungen.

Der Core i7-4820K ist da schon ein wenig interessanter. Intel hat offenbar verstanden, dass ein i7-3820 mit vier Kernen und festem Multiplikator nicht gerade attraktiv war, weshalb beim Nachfolger übertakten erlaubt sein wird. Es handelt sich zwar immer noch um einen Quad-Core mit 10 MB L3-Cache, der auf einer inzwischen eine Generation alten Architektur basiert und nur auf einer ebenso alten Plattform läuft. Verglichen mit dem Hauptkonkurrenten Core i7-4770K bekommt man beim i7-4820K aber auch mehr PCI-Express-Lanes, deutlich mehr Speicherdurchsatz, einen größeren L3-Cache. Übertakten kann man wie gesagt beide.

Dann gibt es noch den Core i7-4930K, der zwar sechs Kerne behalten darf, aber mit nur 12 statt 15 MB L3-Cache und einer um 200 MHz niedrigeren Taktrate sowie einem um 100 MHz niedrigeren Turbo-Takt antritt. Dafür kostet er aber auch nur beinahe halb so viel wie das neue Spitzenmodell. In der letzten Generation war dies das Modell, dass wir am spannendsten fanden. Wie bei seinen Geschwistern hält sich unsere Begeisterung aber dieses Mal mehr in Grenzen, denn wer sich damals einen Core i7-3930K zugelegt hat, wird für ein Upgrade auf einen -4930K kaum gut 500 Euro ausgeben.

Merkwürdig ist, dass alle Ivy-Bridge-E-Modelle eine TDP von 130 Watt aufweisen. Erinnern wir uns kurz: Der Umstieg von Sandy auf Ivy Bridge bescherte uns eine komplexere CPU mit einer deutlich niedrigeren maximalen Leistungsaufnahme bzw. Abwärmeklassifizierung, was vor allem aufs Konto der feineren 22-nm-Fertigung ging. Auch bei Sandy Bridge-E schrumpft die Struktubreite von 32 auf 22 nm, aber die Komplexität bleibt gleich. Und doch ordnet Intel die neuen CPUs in die gleiche TDP-Klasse von 130 Watt ein, Core i7-3960X und -3930K. Darauf werden wir später noch gesondert zu sprechen kommen, und womöglich ist der Stromverbrauch die heimliche Stärke von Ivy Bridge-E.

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