OCZ Vector im Test: Mit Indilinx Barefoot 3 ins Enthusiast-Segment geschlichen?

OCZ war in letzter Zeit mal wieder häufiger in den Schlagzeilen, wenn auch sicherlich nicht aus den Gründen, die man sich bei der Firma gewünscht hätte. Der Tumult auf der Management-Ebene hat sicherlich zur verstärkten Präsenz in den Tech-Medien beigetragen, aber auch die Quartalszahlen sorgten für Aufsehen. Die offizielle Begründung für die schwachen Zahlen lautete, dass man nicht genug NAND-Flash habe beziehen können, um die SSD-Nachfrage zu decken. Andererseits war da noch die Sache mit dem eigenen Rabattprogramm, das man zu berücksichtigen versäumt hatte (OCZ übersieht eigenes Rabattprogramm, muss Ergebnis nachkorrigieren: Quartalsverlust erwartet). Von einigen anderen SSD-Herstellern haben wir vernommen, dass ein Preiskrieg in vollem Gange sei – und der gehe nicht zuletzt auf OCZs aggressive Preisgestaltung zurück, die kaum noch Platz für Margen lässt. Doch geht einer voran, müssen alle anderen Nachziehen – oder sich mit sinkenden Verkaufszahlen abfinden. Nein, aktuell macht es wohl wenig Spaß, im SSD-Geschäft zu sein.

Aber OCZ auf die Negativschlagzeilen zu reduzieren wäre alles andere als fair. Momentan befindet sich die Firma in einer Übergangsphase – und damit meinen wir nicht das Personalkarussell auf der Führungsetage sondern die steigende vertikale Integrierung. Oder, um es mit normalem Deutsch zu sagen: OCZ macht sich zunehmend von externen Quellen unabhängig. Während viele Firmen sich Controller, Flash-Chips und Firmware zusammenkaufen, alles in ein 2,5“-Gehäuse bauen und am Ende einfach das eigene Firmenlogo draufkleben, hat sich OCZ entschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Man hat begriffen, dass man sich in einem zunehmend dicht gedrängten Markt schlecht von der Konkurrenz absetzen kann, wenn alle mit den gleichen Zutaten kochen. Logische Schlussfolgerung: Geheimrezept mit eigenen Zutaten entwickeln.

Bislang haben wir vornehmlich OCZ-Laufwerke getestet, die (zeitweise) exklusive Firmware und (zeitweise) exklusive Controller nutzten. Doch nach einer gewissen Vorlaufzeit wollten die Anbieter ihre Bausteine und Firmware auch anderen Herstellern verkaufen, und so verpuffte der Vorteil der Exklusivität. Eine Zeit lang glaubten wir, der Everest-2-Controller in der Vertex-4-Familie sei eine Eigenentwicklung, doch dann stellte sich heraus, dass es sich um einen angepassten Marvell-Chip handelte. Doch auch wenn der Chip selbst nicht ein Eigengewächs war, die Firmware war zu großen teilen selbst entwickelt – und die zahlte sich in einer beachtlichen Performance aus. Bei Firmware-Version 1.5 angekommen zeigte sich, was für Potential in der Vertex 4 steckte, welche Tricks und Kniffe OCZs Entwickler auf dem Kasten haben, aber eben vor allem, wie gut man sich von der konkurrierenden Masse der immergleichen SSDs absetzen konnte.

Ein eigener Controller – dieses Mal wirklich?

Heute stellt OCZ seine neueste SSD mit dem klangvollen Namen Vector vor, die auf dem brandneuen und selbst entwickelten Barefoot-3-Controller basiert. Im Gegensatz zum Everest-2-Chip der Vertex 4, der zwar die Bezeichnung Indilinx IDX400M00-BC trug und als Eigenentwicklung verkauft wurde, aber eigentlich ein angepasster Marvell-Controller war, handelt es sich beim Barefoot 3 (IDX500M00-BC) um ein vollständig von OCZ entwickeltes Produkt. Das nötige Know-how hatte man sich durch die Käufe von Indilinx und PLX angeeignet.

Damit kommen nun zwei der drei Hauptzutaten einer SSD bei OCZ aus dem eigenen Lager. Sicherlich wünschte sich OCZ derzeit nichts lieber, als auch noch die NAND-Fertigung selbst übernehmen zu können um so nie mehr den Lieferengpässen ausgeliefert zu sein, die zumindest zum Teil an der Umsatzwarnung schuld waren. Als Enthusiasten ist uns aber klar, dass OCZ mit einem eigenen Controller in einer viel besseren Position ist, um im Markt etwas zu bewegen und sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Zukünftig muss man nicht mehr viel Zeit, Energie und nicht zuletzt Geld in den Launch eines Produktes stecken, wohl wissend, dass die Konkurrenz nur wenige Wochen später mit einem fast identischen Produkt mit ähnlichem Speicher, baugleichem Controller und identischer Firmware nachziehen würde.

Bislang ist OCZ erstaunlich offen, was die Zusammensetzung des neuen Controllerchips anbelangt. Der Barefoot 3 besteht aus einem einzelnen ARM-Cortex-Kern, der von einem proprietären Aragon-Co-Prozessor unterstützt wird. Ersterer verarbeitet die vom SATA-Controller eingehenden Befehle, letzterer kümmert sich um den Datenaustausch mit NAND-Speicher. Leider wollte man uns nichts Genaueres dazu sagen, welche Architekturgeneration man für den Controller von ARM lizenziert hat, aber dafür wissen wir schon einiges über den Aragon Co-Prozessor.

Auf der Konferenz zur Bekanntgabe der Quartalsergebnisse erklärte der damalige CEO Ryan Peterson am 10. Juli 2012:

Der Barefoot-3-Controller nutzt einen eigens entwickelten 32-Bit-Prozessor namens Aragon mit einer Taktrate von 400 MHz, der in diesem Fall von TSMC in einer Strukturbreite von 65 nm in GP-Technik gefertigt wird.

Der Aragon-Kern ist der erste voll auf den Einsatz in SSDs hin optimierte Prozessor der Welt. Er unterstützt SSD-spezifische RISC-Befehle und kann daher die meisten Befehle sowie ihre Verzweigungen in einem einzigen Taktzyklus verarbeiten.

OCZ hat uns gegenüber bestätigt, dass sich daran auch für den Launch der Vector nichts geändert hat.

Das neue Laufwerk besitzt also einen echten Indilinx-Controller und, natürlich, eine selbstgebackene Firmware. Beim NAND-Speicher ist OCZ aber immer noch auf Dritte angewiesen. Hier wählte man vergleichsweise konservativ, denn während Intels SSD 335 auf 20-nm-Flash von IMFT basiert und Samsung in der SSD 840 Pro Toggle-Mode-2.0-NAND in 21 nm verwendet, hat sich OCZ bei der Vector klassisch für den weit verbreiteten ONFi-2.x-Speicher in 25 nm von IMFT entschieden.

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