Nvidias GeForce GTX 660 Ti im Test: Kepler kommt im Mainstream an

Inzwischen ist es gut vier Monate her, dass Nvidia mit der GeForce GTX 680 die erste Karte mit der neuen Kepler-Architektur vorstellte. Da wir beide schon im Launch-Artikel GeForce GTX 680 2GB im Test: Kepler schickt Tahiti auf die Insel ausführlich behandelt haben, begnügen wir uns mit dem Verweis anstatt alle Details erneut zu wiederholen. Seitdem hat Nvidia die neue 600er-Familie im High-End-Bereich um die Modelle GeForce GTX 670 und GeForce GTX 690 ergänzt. Im Mainstream-Bereich blieb aber die GeForce GT 640 die vorerst einzige Karte der Kepler-Generation. In der breiten Preisspanne zwischen diesen Kepler-Kandidaten klaffte aber eine Lücke, die von ihren älteren Fermi-Vorgängern GeForce GTX 560, 570 und 580 gefüllt wurde. Es war von vornherein klar, dass Nvidia auch hier früher oder später auf ein Kepler-Derivat umschwenken würde, und genau das ist mit der heutigen Einführung der GeForce GTX 660Ti der Fall. 

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Firma einen bestehenden Chip als Ausgangsbasis für eine kleinere Variante nimmt und dann zurechtstutzt, um verschiedene Preispunkte zu bedienen. AMD wie Nvidia drehen an der Taktrate, variieren das Speicherinterface und schalten einzelne Bereiche der GPU an oder aus. So nutzt auch die GeForce GTX 660 Ti die gleiche GK104-GPU wie die GeForce GTX 670. Allerdings hat Nvidia das Speicherinterface von 256 Bit auf 192 Bit beschränkt und eines der vier Render-Back-Ends abgeklemmt. Ansonsten bleibt alles andere gleich. 

Man hätte erwarten können, dass Nvidia zur Differenzierung die GK104-GPU sogar noch weiter „anpasst“, doch die GeForce GTX 660 Ti nutzt nicht nur die gleichen Speicher- und Kerntaktraten wie die GeForce GTX 670, der Neuzugang verfügt wie das größere Modell auch über sieben SMX-Blöcke. Damit bringt es die GTX 660 Ti auf 1344 CUDA Cores und 112 Textureinheiten. Jeder der drei verbleibenden ROP-Cluster kann bis zu acht 32-Bit-Pixel ausgeben, also 24 Pixel pro Takt. Drei 64 Bit breite Speicherkanäle ergeben ein insgesamt 192 Bit breites Speicherinterface. Dementsprechend dürfen wir erwarten, dass die GTX 660 Ti bei allgemeinen Berechnungen in etwa mit der GTX 670 gleichauf liegt, in Spielen aber zurückfällt.

Abgesehen von den harten technischen Daten teilt sich die GeForce GTX 660 Ti mit ihren größeren Geschwistern GTX 670 und GTX 680 auch noch den GPU Boost, die Fähigkeit bis zu vier Displays anzusteuern und TXAA-Unterstützung in Spielen, die diese Form der Kantenglättung anbieten. Doch während die größeren Modelle im SLI-Verbund mit bis zu vier Karten genutzt werden können, beschränkt Nvidia die GTX 660 Ti auf maximal eine Drei-Karten-Konfiguration. Das ist interessant, denn diese Konfiguration haben wir bislang von Nvidia noch nicht gesehen. Normalerweise hätten wir zudem in diesem Preissegment maximal ein Karten-Doppel erwartet.

GeForce GTX 670 GeForce GTX 660 Ti GeForce GTX 580 Radeon HD 7950 Radeon HD 7870
Shader 1344 1344 512 1792 1280
Textureinheiten 112 112 64 112 80
Full Color ROPs 32 24
48 32 32
Grafiktakt (Basis) 915 MHz 915 MHz
772 MHz 800 MHz 1000 MHz
Texturfüllrate 102,5 Gtex/s 102,5 Gtex/s 49,4 Gtex/s 89,6 Gtex/s 80 Gtex/s
Speichertakt 1502 MHz 1502 MHz 1002 MHz 1250 MHz 1200 MHz
Speicherbus 256-bit 192-bit
384-bit 384-bit 256-bit
Speicherdurchsatz 192,2 GB/s 144,2 GB/s
192,4 GB/s 240 GB/s 153,6 GB/s
Grafik-RAM 2 GB GDDR5 2 GB GDDR5 1,5 GB GDDR5 3 GB GDDR5 2 GB GDDR5
Die-Größe 294 mm2 294 mm2 520 mm2 365 mm2 212 mm2
Transistoren (Milliarden) 3,54 3,54 3 4,31 2,8
Strukturgröße 28 nm 28 nm 40 nm 28 nm 28 nm
PCIe-Stromanschlüsse 2 x 6-pin 2 x 6-pin 1 x 6-pin
1 x 8-pin
2 x 6-pin 2 x 6-pin
maximale Leistungsaufnahme
(TDP)
170 W 150 W
244 200 W 175 W
UVP $400 $300
N/A $350
$300

Nvidia peilt für die GeForce GTX 660 Ti eine unverbindliche Preisempfehlung von runden 300 Euro (bzw. 300 US-Dollar) an, was sie zur direkten Konkurrentin der Radeon HD 7870 macht. Verglichen mit dieser AMD Karte mag ihr Speicherinterface zwar schmaler ausfallen, doch das kompensiert sie zum Teil mit einem höheren Speichertakt von 1502 MHz, was das Delta beim Speicherdurchsatz verringert. Beim Speicherausbau herrscht hingegen wieder Gleichstand, denn beide Karten sind mit 2 GB GDDR5-RAM ausgestattet.

Bei der Pixel-Füllrate zieht die neue GeForce dann wieder den Kürzeren. Dennoch erwartet Nvidia, dass die GeForce GTX 660 Ti AMDs Radeon HD 7870 schlagen und in einigen Fällten selbst der größeren HD 7950 gefährlich werden kann – und das, obwohl die Tahiti-Karte über deutlich mehr Speicherdurchsatz verfügt.

MSI GeForce GTX 660 Ti Power Edition

Von der GeForce GTX 660 Ti gibt es keine Referenzkarte, weshalb wir uns für unsere Tests auf eine Partnerkarte verlassen mussten. Freundlicherweise stellte uns MSI zwei Exemplare seiner GeForce GTX 660 Ti Power Edition zur Verfügung, sodass wir die Performance der Einzelkarte sowie eines SLI-Duos ermitteln konnten.

MSIs Interpretation der GeForce GTX 660 Ti fällt ein wenig teurer aus als Nvidias UVP, denn die Karte soll 310 Dollar kosten. Für den Aufpreis bekommt man allerdings auch Einiges: Der Basistakt ist um gut 100 MHz auf 1019 MHz erhöht und lässt sich zudem im Normalfall per GPU Boost auf bis zu 1097 MHz erhöhen; beim Kühler setzt MSI auf eine Eigenentwicklung mit zwei Lüftern namens „Twin Frozr IV“; es kommen besonders langlebige „military class“ Komponenten zum Einsatz und Nutzer erhalten die Möglichkeit, drei Spannungen anzupassen (GPU, Speicher und VDDCI).

Wie erwartet bietet die Karte die gleichen Anschlussoptionen wie das Referenzmodell der GeForce GTX 670. An der Rückseite finden sich also zwei Dual-Link DVI-Buchsen (je einmal als DVI-I und DVI-D ausgeführt), ein einzelner HDMI-Ausgang und ein DisplayPort. So lassen sich im 2D-Modus bis zu vier und beim Spielen bis zu drei Monitore im Surround-Modus zu einer Anzeigefläche zusammenschließen. Im zweiten Fall muss man, im Gegensatz zu AMD, nicht einmal den DisplayPort nutzen.

MSIs Karte hat mit 24,1 x 11,4 cm exakt dieselben Maße wie Nvidias bereits erwähnte Referenzkarte der GTX 670 und auch die Radeon HD 7870. Die TDP gibt MSI mit 190 Watt an, was 40 Watt über Nvidias Spezifikationen liegt. Grund dafür sind vermutlich die höheren Taktraten. Den notwendigen Strom zieht die Karte jedenfalls aus zwei 6-Pin-Stromsteckern. Nvidia sagte uns, dass die Karte eine Warnung auf dem Bildschirm anzeigt, wenn man vergisst, diese zusätzliche Stromversorgung anzuschließen.

MSIs Twin Frozr IV Kühler nutzt vier Heatpipes und zwei 80-mm-Lüfter. Man sagte uns, dass dieses Design Staubansammlung vorbeuge, was wir aber aufgrund unserer kurzen Testzeit nicht einschätzen können. Wir können hingegen bestätigen, dass die Karte sowohl kühl als auch leise läuft, und die passenden Zahlen liefern wir im entsprechenden Abschnitt im Laufe des Artikels nach.

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