OpenGL und OpenCL – Turbolader für ihre Bildbearbeitung?

Der Amateurphotograph, der auch im Autor dieses Artikels steckt, war auf die Testergebnisse von Musemage gespannt. Fast zwangsläufig hat man am Sonntagabend ein paar Dutzend Schnappschüsse von einem Familientreffen, einem Strand oder einer Geburtstagsparty auf der Speicherkarte. Jeder Schnappschuss weist natürlich individuelle Schwächen auf, aber sehr oft muss man nur einen zurückgespiegelten Blitz abschwächen, die Bildsättigung anheben, die Dateigröße zwecks Versands per Email reduzieren, oder andere kleine Änderungen vornehmen. Oft drücken wir uns vor manueller Fotobearbeitung, denn sie kann jede Menge an Zeit kosten. Musemage verspricht aber, diesen Zeitaufwand auf Sekunden reduzieren zu können – sofern das Programm wirklich hält, was es verspricht.

Zuallererst haben wir uns dem ins Programm eingebauten Benchmarkprogramm gewidmet – ein cleverer Schachzug der Programmentwickler, der PC-Enthusiasten und Hardwaretest-Redakteuren wie uns entgegenkommt. Das Benchmarktool lädt ein ins Programm hineinkompiliertes Bild und jagt es durch rund 80 Effektfilter. Je höher die Gesamtperformance des Systems ist, desto höher fällt auch der Score aus, der ausgeworfen wird. Zwischen der Radeon HD 7970 und der APU liegen Welten. Augenscheinlich gelingt es Musemage wirklich gut, die GPU für seine Zwecke einzuspannen und die negativen Effekte der begrenzten Bandbreite des PCIe-Busses, auf die uns Adobe hingewiesen hat, irgendwie zu umschiffen.

Während des Tests fiel uns auf, dass Musemage, genau wie Photoshop CS6, die allermeisten GPU-Beschleunigungsfunktionen mittels OpenGL durchführt. Das einzige Programmfeature, das auf OpenCL zurückgreift, ist die HDR (High Dynamic Range)-Bearbeitung.

Beim Test mit abgeschalteten OpenCL-Support gelingt es der Intel Core i5 CPU in unserem kleinen HP Notebook, die AMD-CPUs und -APUs deutlich zu schlagen, sogar den AMD FX-8150-Prozessor.

Wenn man aber OpenCL aktiviert, ist der Performancegewinn so sagenhaft, dass die Messergebnisse im Chart praktisch nur als Striche sichtbar sind. Eine kleine Anomalie scheint sich eingeschlichen zu haben – das Gespann aus FX-Prozessor und Radeon HD 7970 ist geringfügig langsamer als das Team aus der gleichen Slotkarte und der A8-APU, aber über die 60 ms Performanceunterschied wird sich wahrscheinlich niemand beklagen.

Der letzte Benchmark basiert auf OpenGL, mit dem die Graphikeinheit im Sandy Bridge-Prozessor ja kompatibel ist, und er zeigt im Großen und Ganzen das erwartete Ergebnis. Wie man sieht, ist die Kombination aus Radeon HD 7970 und FX-Prozessor etwa doppelt so schnell wie der APU-Notebook. Die einzige Überraschung in diesem Chart ist das vergleichsweise gute Abschneiden des Notebooks mit der integrierten Intel Graphik – er ist nicht nur deutlich schneller als der APU-Notebook von Gateway, sondern auch geringfügig schneller als der APU-Desktop. Wir nehmen an, dass Musemage absichtlich nur das OpenGL 3.1 oder 3.1 API verwendet, und nicht das aktuelle 4.x API, um mit der Graphikeinheit der Sandy Bridge CPUs kompatibel zu bleiben. Denn erst die in den Ivy Bridge CPUs eingebaute Intel HD Graphics 4000 ist mit OpenGL 4.0 und OpenCL 1.1 kompatibel. Aber der Benchmark demonstriert immerhin, dass an GPU-Slotkarten kein Weg vorbeiführt, wenn man auf allerhöchste OpenGL-Performance Wert legt.

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